In Israel formiert sich kurz vor den nächsten Wahlen eine neue jüdisch-arabische Partei. Ihre Gründer wenden sich insbesondere an jene Wählerinnen und Wähler, die aus Frustration über die bestehende Politik erwägen, zu Hause zu bleiben. Die Initiatoren argumentieren, dass ein Wahlboykott vor allem den etablierten Kräften nütze und die politische Marginalisierung sowohl arabischer als auch progressiver jüdischer Stimmen verstärke. Die neue Bewegung geht aus dem Umfeld der jüdisch-arabischen Organisation Standing Together hervor, die sich für soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und eine politische Partnerschaft zwischen Juden und Arabern einsetzt. Die Parteigründer betonen, sie wollten eine Alternative zu den bisherigen arabischen Parteien sowie zu den etablierten zionistischen Lagern schaffen. Ziel sei es, Menschen anzusprechen, die sich von der gegenwärtigen politischen Polarisierung nicht mehr vertreten fühlen. Der Schritt erfolgt in einer Phase tiefgreifender Umbrüche innerhalb des arabischen politischen Spektrums Israels. Verhandlungen über gemeinsame Wahllisten stocken, während Umfragen auf eine zunehmende Zersplitterung der arabischen Parteienlandschaft hindeuten. Beobachter warnen seit Wochen davor, dass zusätzliche Listen Stimmen kosten und Parteien an der Sperrklausel scheitern könnten. Die Initiatoren der neuen Partei weisen diese Kritik zurück und argumentieren, dass gerade bisherige Nichtwähler neues Potenzial erschliessen könnten. Die Partei versteht sich ausdrücklich als gemeinsames politisches Projekt von Juden und Arabern. Sie setzt auf Bürgerrechte, soziale Fragen und eine andere Form des Zusammenlebens nach den schweren gesellschaftlichen Spannungen seit dem 7. Oktober 2023. Nach Ansicht ihrer Gründer braucht Israel eine politische Kraft, die nationale und ethnische Trennlinien überwindet und die demokratische Teilhabe aller Bürger stärkt. Ob das neue Projekt den Sprung in die Knesset schafft, bleibt offen. TA
Jerusalem
26. Jun 2026
Neue jüdisch-arabische Partei
Redaktion