Jerusalem 25. Jun 2026

Eisenkot legt zu

Bennett-Lapid-Bündnis verliert Schwung.  

Wenige Monate vor den israelischen Parlamentswahlen zeigen neue Umfragen eine Verschiebung innerhalb des Oppositionslagers: Das gemeinsame Bündnis «Together» von Naftali Bennett und Yair Lapid verliert an Zustimmung, während die neue Partei «Yashar» von Gadi Eisenkot deutlich zulegt.
Laut mehreren in den vergangenen Tagen veröffentlichten Erhebungen liegt Eisenkots Partei inzwischen gleichauf oder nur knapp hinter Bennetts Bündnis. Eine Umfrage sieht sowohl «Yashar» als auch «Together» bei je 21 Mandaten, während eine andere Eisenkot erstmals sogar vor Bennett platziert. Die regierende Partei Benjamin Netanyahu bleibt zwar stärkste Einzelkraft oder liegt knapp an der Spitze, verliert jedoch ebenfalls an Unterstützung. 
Der Aufstieg Eisenkots deutet darauf hin, dass ein Teil der oppositionellen Wählerschaft nach einer neuen Führungspersönlichkeit sucht. Der frühere Generalstabschef gilt als sicherheitspolitisch erfahren, zugleich aber weniger polarisierend als Bennett oder Netanyahu. In Umfragen zur Eignung als Regierungschef schneidet er teilweise sogar besser ab als der amtierende Premierminister. 
Die Entwicklung ist besonders bemerkenswert, weil die Allianz von Bennett und Lapid bei ihrer Gründung im April als potenziell grösste Kraft gegen Netanyahu galt. Damals zeigten Umfragen, dass ein breites Oppositionsbündnis Netanyahu ernsthaft gefährden könnte. Inzwischen profitieren jedoch vor allem Eisenkot und seine neue Partei von der Dynamik im Mitte-rechts-Lager. 
Trotz der Verschiebungen bleibt die Regierungsbildung offen. Weder das Netanyahu-Lager noch die Opposition erreichen in den meisten Umfragen ohne Unterstützung weiterer Parteien eine klare Mehrheit von 61 der 120 Knesset-Sitze. Die Frage möglicher Kooperationen mit arabischen Parteien bleibt deshalb ein zentraler Faktor für die Wahl im Herbst. 

Redaktion