USA – Bildung 11. Aug 2026

University of Minnesota entschädigt Raz Segal

Die akademische Institution hatte dem Holocaust-Forscher im Juni 2024 eine Leitungsposition angeboten und dann kurzfristig aufgrund einer Druck-Kampagne zurück gezogen.  

Vergangene Woche hat die University of Minnesota eine aussergerichtlich Einigung mit dem Holocaust-Forscher Raz Segal getroffen, die eine Entschädigungszahlung von 250.000 Dollar umfasst. Der israelisch-amerikanische Wissenschaftler hatte die Universität verklagt, nachdem der damalige Interimspräsident Jeff Ettinger 2024 kurzfristig das Angebot zurück gezogen hatte, die Leitung des Zentrums für Holocaust- und Genozid-Studien zu übernehmen. Segal warf der Institution vor, aufgrund einer externen Druck-Kampagne wegen seiner Kommentare zur Kriegsführung Israels in Gaza gehandelt zu haben. Bereits eine Woche nach dem Terror-Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hatte er Israels Reaktion in «Jewish Currents» als «Lehrbuchfall von Völkermord» charakterisiert (Link).

Die University of Minnesota hat Segal die Stelle erst im Juni 2024 angeboten. Zwei Tage später traten zwei Professoren aus Protest aus dem Beirat des Zentrums zurück. Drei weitere Tage später zog Ettinger das Angebot dann zurück. Recherchen von Segal und seinen Anwälten am «Center for Constitutional Rights» ergaben, dass die Absage zumindest teilweise von einer organisierten Kampagne von Uni-Spendern und jüdischen Organisationen motiviert wurde. 

Demnach mailten Spender dem Uni-Präsidenten, dass Segal «für Juden beleidigende Ausdrücke» verwende, anti-Israel und anti-zionistisch sei und dass die Spendensammlung für das Zentrum im Falle seiner Anstellung wahrscheinlich «zum Erliegen kommen» würde. In einer weiteren E-Mail wurde betont, dass jüdische Spender der Universität insgesamt «ihre Unterstützung entziehen» könnten. Daneben engagierten sich aber auch jüdische Gruppen und Akademiker für Segal (Link).

Segal teilte nach der Einigung mit: «Der Angriff dieser Spender auf mich hat eine Welt auf den Kopf gestellt: Mein Engagement als jüdischer Holocaust-Forscher und Enkel von vier Holocaust-Überlebenden, einen live übertragenen Völkermord vor unseren Augen zu stoppen, stellte in ihren Augen eine Bedrohung für Juden dar.» Segal würdigt den Vergleich als «erfolgreiche Weigerung, die Welt der Lügen zu akzeptieren, die einen anhaltenden Völkermord verschleiern.» Nun gelte es, «die miteinander verflochtenen Kämpfe für Wahrheit, Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht fortzusetzen – in Palästina und an unseren Universitäten.» Er fordert andere, von Sanktionen aufgrund ihrer Haltung zu Israel betroffene Lehrende und Forschende auf, sich ebenfalls zu wehren.

Segal ist inzwischen ausserordentlicher Professor für Holocaust- und Völkermord-Studien und Stiftungsprofessor für das Studium des modernen Völkermords an der Stockton University in New Jersey (Link).
 

Andreas Mink