Deutschland 29. Sep 2026

«Stolperstein»-Verbot als Ausnahme

Ein Stolperstein - die AfD und CDU haben veranlasst, dass im sächsischen Heidenau keine solchen Gedenksteine verlegt werden. 

Kritik am Agieren von AfD und CDU im sächsischen Heidenau; allgemein geschätzte Praxis in anderen Regionen Deutschlands.  

Die von AfD und CDU getragene Entscheidung der bei Dresden gelegenen Stadt Heidenau, keine «Stolpersteine» mehr zum Gedenken für jüdische Nazi-Opfer am Ort verlegen zu lassen, erregt international Kritik und wird auch bei Kontakten von topnews in den USA mit Empörung aufgenommen (Link). Bislang erscheint diese Geste sowohl gegen die Untersuchung der deutschen Geschichte, als auch gegen einen Dialog mit Nachkommen von Nazi-Opfern allerdings als Ausnahme.

Denn kurz zuvor hatten die Redaktion Berichte aus dem hessischen Meimbressen erreicht, wo jüngst zum vierten Mal «Stolpersteine» verlegt worden sind. Diese gedenken fortan Mitgliedern der dort bis zur Nazi-Ära beheimateten Familien Meier und Minna, Jakob und Rosa Frankenberg, Levi und Mathilde Frankenberg, Willi Löwenstein sowie Levi und Ida Goldwein. Laut den lokalen Aktivisten von «Judaica in Meimbressen» sind Nachfahren der Familien Goldwein, Löwenstein und Frankenberg dafür angereist und konnten so miterleben, dass die Geschichte ihrer Familien nicht vergessen ist.

Jugendliche an der Heinrich-Gruppe-Schule in Grebenstein erzählten von den Lebenswegen der Verfolgten – eine auch andernorts gebräuchliche Praxis, die das Gedenken im Alltag und Bewusstsein bereits junger Menschen verankert. Bei der ersten Verlegung für Mitglieder der Familie Goldwein sagte Henrich Neutze als Vorsitzender von Judaica in Meimbressen: «Solange wir die Namen lesen und sehen, können wir uns erinnern.»

Dazu trug die Besucherin Lea Raps eine persönliche Perspektive bei. Ihr Vater Willy Löwenstein hatte von 1925 bis 1933 im Haus der Familie Frankenbergs gelebt und auch gearbeitet, ehe er 1936 ins britische Mandatsgebiet Palästina floh. Er ist dort 1989 verstorben. Raps war mit ihrer Tochter Dana Bracha und ihr Ehemann Eliezer Raps angereist und sagte bei der Verlegung: «Ich weiss, dass mein Vater gerne in Meimbressen gelebt hat, denn er hat viele Fotos gemacht». Auf den Bildern seien viele schöne Erinnerungen festgehalten. Diese seien bis heute eine Verbindung zu ihrem Vater: «Ich freue mich auch sehr, dass ich endlich mal wieder Deutsch sprechen kann». Ihr Vater habe ihr die Sprache beigebracht. Auch dadurch fühle sie sich ihm verbunden. 

Andreas Mink