LIVE TICKER +++ 14. Apr 2024

Netanyahu über Reaktion auf Iran - Nach dem Angriff Irans auf Israel +++ die Updates

Der LiveTicker+++ berichtet laufend über Entwicklungen rund um den Krieg in Israel. Am Tag des 50. Jahrestags des Jom Kippur Kriegs: Die palästinensische Terrororganisation Hamas greift Israel massiv an, tötet bisher rund 1200 Israeli und nimmt 241 Geiseln. Im Süden Israels verübten sie ein Massaker an Festivalbesuchern. Das Dossier mit Berichterstattung, Analysen und Podcasts zum Krieg in Israel findet sich hier.

Tag 103: 16. April 2024

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat einem Bericht des Rundfunksenders Kan zufolge bei einem privaten Treffen mit Ministern seiner Likud-Partei betont, auf den Raketenangriff des Irans müsse eine kluge Reaktion folgen. Der Iran solle nervös warten müssen, wann die Gegenreaktion erfolge, so wie es Israel vor dem Angriff am späten Samstagabend ergangen sei. Der Sender berichtete unter Berufung auf einen hochrangigen Beamten, Israel habe zugesichert, die USA vor einem Gegenschlag zu informieren. Damit solle US-Truppen in der Region Zeit gegeben werden, sich auf iranische Vergeltungsmassnahmen vorzubereiten.

 

Tag 192: 15. April 2024

Nach dem beispiellosen Angriff des Irans auf Israel behält sich der jüdische Staat eine militärische Reaktion vor. Der Iran habe "jede rote Linie überschritten", sagte Israels Vertreter bei den Vereinten Nationen, Gilad Erdan, bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats am Sonntag in New York. Sein Land habe nun wiederum das Recht, Vergeltung zu üben. Eine Entscheidung darüber habe das israelische Kriegskabinett bei mehr als dreistündigen Beratungen am Nachmittag aber noch nicht gefällt, berichtete die Zeitung "Times of Israel". In den kommenden Tagen sollten weitere Gespräche geführt werden, meldete auch das Nachrichtenportal "Axios" unter Berufung auf einen israelischen Beamten. Bei der Sitzung seien mehrere Optionen für einen möglichen Vergeltungsschlag erörtern worden.

Warnungen vor Flächenbrand in Nahost

UN-Generalsekretär António Guterres rief zur dringenden Deeskalation auf. "Der Nahe Osten steht am Rande des Abgrunds", sagte Guterres bei der Sicherheitsratssitzung. "Die Menschen in der Region stehen vor der realen Gefahr eines verheerenden grossen Konflikts. Jetzt ist die Zeit, zu entschärfen und zu deeskalieren. Jetzt ist die Zeit für maximale Zurückhaltung", sagte er. "Weder die Region noch die Welt können sich mehr Krieg leisten."

Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden demokratischen Industriestaaten (G7) verurteilten den iranischen Grossangriff aufs Schärfste und bekräftigten ihre volle Unterstützung für Israels Sicherheit. "Mit seinem Vorgehen hat der Iran einen weiteren Schritt zur Destabilisierung der Region getan und riskiert, eine unkontrollierbare regionale Eskalation zu provozieren", hiess es in einer gemeinsamen Erklärung nach einer von der italienischen Präsidentschaft einberufenen Videoschalte der G7-Gruppe am Sonntagabend.

Der Iran hatte in der Nacht zum Sonntag erstmals in der Geschichte der Islamischen Republik seinen erklärten Erzfeind Israel direkt angegriffen. Israels Armee berichtete von rund 300 Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern, die fast alle abgefangen worden seien. Der Iran stellte den Angriff als Vergeltungsschlag für die Tötung hochrangiger Offiziere in Syrien dar. Am 1. April waren bei einem mutmasslich von Israel geführten Luftangriff auf das iranische Botschaftsgelände in Syriens Hauptstadt Damaskus zwei Brigadegeneräle getötet worden.

Der iranische UN-Botschafter Amir Saeid Iravani sagte bei der Sondersitzung des mächtigsten UN-Gremiums, die Islamische Republik habe ihr Recht auf Selbstverteidigung ausgeübt: "Diese Aktionen waren notwendig und verhältnismässig." Israels Vertreter Erdan hielt dagegen: "Wir sind kein Frosch im kochenden Wasser. Wir sind ein Land der Löwen. Nach so einer massiven und direkten Attacke auf Israel darf die ganze Welt - und Israel am allermeisten - nicht tatenlos bleiben. Wir werden unsere Zukunft verteidigen."

USA: Müssen sorgfältig über Risiken einer Eskalation nachdenken

US-Präsident Joe Biden hielt den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nach Darstellung aus Washington dazu an, einen möglichen Vergeltungsschlag gegen den Iran und dessen Folgen sorgfältig abzuwägen. Biden habe Netanjahu in einem Telefonat am Samstagabend (Ortszeit) "sehr deutlich" gemacht, dass man "sorgfältig und strategisch über die Risiken einer Eskalation nachdenken" müsse, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter am Sonntag in Washington. Die USA als Israels wichtigster Verbündeter hatten dabei geholfen, Irans Grossangriff gegen Israel abzuwehren.

Iran warnt vor Gegenangriff

Irans Nationaler Sicherheitsrat warnte Israel vor einer militärischen Antwort. "Wenn das zionistische Regime weiterhin Bösartigkeiten gegen den Iran fortsetzen will, wird es eine Antwort erhalten, die mindestens zehnmal grösser ist als der jüngste Angriff", zitierte das Portal "Nur News" aus einer Mitteilung des Rats. Iran habe die geringste Form der Bestrafung für Israel gewählt und lediglich Militäreinrichtungen attackiert.

Der israelische Armeesprecher Daniel Hagari bezeichnete den Drohnen- und Raketenangriff auf Israel indes als beispiellosen Angriff, der auf eine ebenso beispiellose Verteidigung gestossen sei. Israel hatte dabei Unterstützung der USA, Grossbritanniens, Frankreichs und Jordaniens. Allein die US-Streitkräfte hätten mehr als 80 Drohnen und mindestens sechs ballistische Raketen zerstört, mit denen Israel attackiert werden sollte, teilte das US-Regionalkommando Centcom am Montagmorgen auf der Plattform X (vormals Twitter) mit.

"Wir sind weiterhin in höchster Alarmbereitschaft und beurteilen die Lage", betonte Hagari. "In den letzten Stunden haben wir Einsatzpläne für Angriffs- und Verteidigungsmassnahmen genehmigt." Vor der Sitzung des Kriegskabinetts hatte der israelische Aussenminister Israel Katz in einem Interview des Armeesenders erklärt: "Wir haben gesagt: Wenn der Iran Israel angreift, werden wir im Iran angreifen. Und dieses Bekenntnis ist immer noch gültig."

Bericht: Hamas legt Gegenvorschlag für Geisel-Deal vor

Hagari sagte weiter, Israel habe nicht seine Mission im Gazastreifen aus den Augen verloren, "unsere Geiseln aus den Händen des iranischen Stellvertreters Hamas zu befreien". Die Hamas habe einen Kompromissvorschlag der Vermittler für einen Geisel-Deal abgelehnt. Die Islamistenorganisation und der Iran wollten den Nahen Osten in Aufruhr versetzen, so Hagari.

Unterdessen berichtete die israelische Zeitung "Haaretz" in der Nacht zum Montag, die Hamas habe den Vermittlern einen Gegenvorschlag für ein Geisel-Abkommen vorgelegt. Dieser sehe erst nach Ablauf einer 42-tägigen Feuerpause die Freilassung israelischer Geiseln im Austausch gegen palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen sowie einen schrittweisen Rückzug der israelischen Truppen aus Gaza vor, schrieb die Zeitung unter Berufung auf palästinensische und arabische Quellen. Das israelische Militär würde demnach in einer ersten sechswöchigen Phase die Kämpfe einstellen und sich aus den städtischen Zentren an die Peripherie des abgeriegelten Küstengebiets zurückziehen.

Zugleich würde palästinensischen Vertriebenen die Rückkehr in den nördlichen Gazastreifen ermöglicht, hiess es. Während dieser Zeit wolle die Hamas nach allen Geiseln in dem umkämpften Gebiet suchen und herausfinden, in welchem Zustand sie sind. In einer zweiten Phase müsste sich Israels Armee auf israelisches Gebiet zurückziehen. Erst dann würde der Austausch von israelischen Geiseln gegen palästinensische Häftlinge beginnen, hiess es.

Israels Führung war bisher davon ausgegangen, dass noch knapp 100 der rund 130 in Gaza verbliebenen Geiseln am Leben sind. Nun wird aber befürchtet, dass deutlich mehr tot sein könnten. Israel will sich die Möglichkeit offenhalten, die Kämpfe nach einer Feuerpause fortzusetzen.

 

 

 

Tag 191: 14: April 2024

Der Iran hat den Angriff auf Israel als angemessene Reaktion für die Attacke auf seine Botschaft in Syrien dargestellt und Israel vor einem erneuten Gegenschlag gewarnt. "Die Angelegenheit kann als abgeschlossen betrachtet werden. Sollte das israelische Regime jedoch einen weiteren Fehler begehen, wird die Reaktion Irans deutlich härter ausfallen", teilte die iranische Vertretung bei den Vereinten Nationen am Samstag (Ortszeit) in New York auf der Plattform X mit. Die USA wiederum müssten sich aus dem Konflikt heraushalten, wurde in der Botschaft betont.

Erstmals in der Geschichte der Islamischen Republik hatte der Iran seinen Erzfeind Israel in der Nacht zum Sonntag direkt angegriffen. Die Revolutionsgarden feuerten nach eigenen Angaben Dutzende Drohnen und Raketen ab. Die Operation mit dem Titel "Aufrichtiges Versprechen" wurde als Vergeltungsschlag für die Tötung hochrangiger Offiziere in Syrien dargestellt. Am 1. April waren bei einem mutmasslich israelischen Luftangriff auf das iranische Botschaftsgelände in der syrischen Hauptstadt Damaskus zwei Brigadegeneräle getötet worden.

 

Hisbollah feuert Raketen aus Libanon in Richtung Israel ab

Die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah hat nach eigenen Angaben Raketen auf die von Israel besetzten Golanhöhen abgefeuert. Man habe am späten Samstagabend israelische Kasernen in dem Gebiet mit Raketen vom Typ Katjuscha ins Visier genommen, teilte die Milz mit.

Der Iran hatte zuvor einen Angriff gegen Israel mit Drohnen und Raketen gestartet. Seit Beginn des Gaza-Krieges nach dem Hamas-Massaker am 7. Oktober in Israel kommt es fast täglich zu gegenseitigen Angriffen zwischen der mit der Hamas verbündeten Hisbollah und Israels Militär, üblicherweise konzentriert auf die Grenzregion.


 

"Beispiellose Eskalation": EU-Chefdiplomat verurteilt Angriff Irans

EU-Chefdiplomat Josep Borrell hat den "inakzeptablen iranischen Angriff gegen Israel" im Namen der Staatengemeinschaft scharf verurteilt. "Dies ist eine beispiellose Eskalation und eine ernste Bedrohung für die regionale Sicherheit", schrieb der EU-Aussenbeauftragte in der Nacht zum Sonntag auf der Plattform X (ehemals Twitter).

Auch EU-Ratspräsident Charles Michel verurteilte den Angriff des Irans. Es müsse alles getan werden, um eine weitere regionale Eskalation zu verhindern, schrieb der belgische Spitzenpolitiker auf X. "Ein weiteres Blutvergiessen muss vermieden werden. Wir werden die Situation gemeinsam mit unseren Partnern weiterhin aufmerksam verfolgen."

 

Tag 190: 13. April 2024

Der Iran hat nach israelischen Angaben einen Drohnenangriff gegen Israel gestartet. Dies bestätigte Armeesprecher Daniel Hagari am Samstagabend. Es werde mehrere Stunden dauern, bis die Drohnen israelisches Gebiet erreichen könnten.

Das Militär sei in höchster Alarmbereitschaft und überwache die Situation, hiess es in einer Mitteilung, die die Armee über Telegram versendete. Das Luftabwehrsystem sei in höchster Alarmbereitschaft ebenso wie Kampfjets und Marineschiffe. Sprecher Hagari betonte, die Armee beobachte die Lage und alle Abwehrsysteme seien bereit. Zudem werde der GPS-Empfang in verschiedenen Landesteilen unterdrückt.

Israel hatte angesichts der angespannten Sicherheitslage kurz vor dem Angriff die Alarmbereitschaft weiter erhöht: Die Armee gab neue Schutzanweisungen für die Zivilbevölkerung heraus, die zunächst von Samstagabend bis Montagabend gelten sollten. US-Präsident Joe Biden wurde im Weissen Haus erwartet, um mit seinem Sicherheitsteam über die Angriffe zu beraten.

Die militärischen Spannungen im Nahen Osten hatten sich extrem verschärft, nachdem bei einem mutmasslich israelischen Luftangriff auf das Botschaftsgelände des Irans in Syrien am 1. April zwei iranische Brigadegeneräle getötet worden waren.

Biden hatten Israel angesichts des befürchteten Angriffs des Irans die volle Unterstützung der USA zugesichert. Am Samstag erneuerte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin diese Zusicherung.

 

 

 

Tag 188: 11. April 2024

Die USA haben Israel angesichts von Drohungen des Irans ihren Beistand zugesichert. Wie er Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu gesagt habe, sei das Bekenntnis der USA für die Sicherheit Israels "gegen diese Bedrohungen durch den Iran und seine Stellvertreter eisern", sagte US-Präsident Joe Biden am Mittwoch. "Lassen Sie es mich noch einmal sagen: eisern". Auch sein Aussenminister Antony Blinken bekräftigte in einem Gespräch mit dem israelischen Verteidigungsminister Joav Galant, dass die USA ihrem Verbündeten Israel bei "jeglichen Bedrohungen durch den Iran und seinen Stellvertretern" zur Seite stehen würden, teilte der Sprecher des US-Aussenministeriums, Matthew Miller, am späten Mittwochabend (Ortszeit) mit. US-Geheimdienstberichte zeigten, dass ein Angriff auf israelische Einrichtungen durch den Iran oder seine Stellvertreter unmittelbar bevorstehen könnte, berichtete am selben Tag das "Wall Street Journal" unter Berufung auf US-Beamte.

Nach dem mutmasslich israelischen Angriff auf das iranische Botschaftsgelände in Syrien hatte Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei am Mittwoch seine Drohung gegen Israel bekräftigt. Der Angriff sei wie ein Angriff auf iranisches Territorium gewesen. "Das boshafte Regime (Israel) hat einen Fehler gemacht, in diesem Fall muss es bestraft werden, und wird bestraft werden", sagte der Religionsführer. Anfang April waren bei einem Luftangriff auf das iranische Botschaftsgelände zwei Brigadegeneräle und fünf weitere Mitglieder der mächtigen iranischen Revolutionsgarden (IRGC) getötet worden. Mehrfach hat Irans Führung seither mit Vergeltung gedroht - es besteht Sorge vor einer Eskalation. Wie und wann der Iran reagiert, ist jedoch völlig offen. Biden sagte bei einer Pressekonferenz mit Japans Ministerpräsidenten Fumio Kishida am Mittwoch, dass der Iran "mit einem bedeutenden Angriff auf Israel droht". "Wir werden alles tun, was wir können, um die Sicherheit Israels zu schützen", versprach er.

Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen waren am selben Tag nach Angaben der islamistischen Hamas drei Söhne und vier Enkelkinder des Hamas-Auslandschefs Ismail Hanija getötet worden. Israels Armee teilte mit, es seien drei Mitglieder des militärischen Hamas-Arms bei Terroraktivitäten im Gazastreifen durch den Angriff eines Kampfjets "ausgeschaltet" worden. Das Militär bestätigte, dass es sich dabei um die Söhne Hanijas handelte. Für den Tod der Enkelkinder gab es keine Bestätigung. "Ich danke Gott für diese Ehre, die er uns mit dem Märtyrertod meiner drei Söhne und einiger Enkelkinder erwiesen hat", zitierte der katarische Fernsehsender Al-Dschasira den Hamas-Chef. Laut dem "Wall Street Journal" soll er noch zehn weitere Kinder haben. Hanija sagte, der Angriff sei ein Beweis für Israels "Versagen" und werde die Positionen der Hamas bei den indirekten Verhandlungen über eine Feuerpause und Freilassung weiterer Geiseln nicht beeinflussen.

Die Hamas bestehe weiterhin auf einem dauerhaften Waffenstillstand im Gaza-Krieg, berichtete Al-Dschasira weiter. Hanija, Vorsitzender des Hamas-Politbüros, führt Berichten zufolge mit einem Teil seiner Familie seit Jahren ein Luxusleben in Katar. Er gilt als "übergreifender" Chef der islamistischen Hamas, während Jihia al-Sinwar Chef im Gazastreifen ist. Das Politbüro gilt als oberste Entscheidungsinstanz und hat 15 Mitglieder. Es sei unklar, ob die Tötung von Hanijas Kindern die Dynamik bei den Verhandlungen über eine Waffenruhe wesentlich verändern werde, da sich die Entscheidungsfindung eher auf al-Sinwar und den militärischen Hamas-Flügel konzentriert habe, so das "Wall Street Journal".

Bericht: Hamas lehnt US-Vorschlag zu Waffenruhe ab

Einen von den USA vorgebrachten Kompromissvorschlag bei den indirekten Verhandlungen über eine Waffenruhe wurde weitgehend von der Hamas abgelehnt, wie das "Wall Street Journal" am Mittwoch unter Berufung auf nicht näher genannte Vermittler berichtete. Die Terrororganisation plane stattdessen, einen eigenen Gegenvorschlag einzubringen. Aus Hamas-Kreisen in der libanesischen Hauptstadt Beirut hiess es unterdessen, die Verhandlungen verblieben im Status quo. Israel lehnt ein dauerhaftes Ende des Krieges ohne einen entscheidenden Sieg über die Hamas ab. Offizielle Angaben zum gegenwärtigen Verhandlungsstand gibt es derzeit nicht. Nach Gesprächen in Kairo hatten Vertreter der Hamas die ägyptische Hauptstadt am Montag für Beratungen mit ihrer Spitze verlassen.

Unterdessen wird der Kommandeur der US-Truppen in der Region, General Michael Erik Kurilla, dem "Wall Street Journal" zufolge in dieser Woche in Israel erwartet. Er habe schon vor dem Angriff in Damaskus geplant, nach Israel zu reisen, um in erster Linie die Logistik für den Bau einer provisorischen Schiffsanlegestelle vor der Küste Gazas zu besprechen, mit dem Ziel, die humanitären Hilfslieferungen auszuweiten. Nun werde erwartet, dass auch die iranischen Drohungen gegen Israel und die Frage, wie die USA darauf reagieren könnten, Thema bei Kurillas Gesprächen sein werden, hiess es. Dem Bericht zufolge wird Kurilla voraussichtlich auch mit Israels Verteidigungsminister Galant zusammentreffen.

Die Lufthansa hatte aufgrund der gegenwärtigen Lage in Nahost entschieden, die Flüge von und in die iranische Hauptstadt Teheran bis zu diesem Donnerstag auszusetzen. "Wir beobachten permanent die Lage im Nahen Osten und stehen im engen Kontakt mit den Behörden", hiess es. Die Entscheidung war am 6. April bekannt gegeben worden.

Israels Verteidigungsminister kündigt Öffnung neuen Gaza-Übergangs an

Galant hatte am Mittwoch die Öffnung eines neuen Übergangs im Norden des Gazastreifens angekündigt. Dies sei einer von mehreren Schritten, der die Lieferung von deutlich mehr Hilfsgütern in das umkämpfte Palästinensergebiet erleichtern solle, sagte er vor Journalisten in Tel Aviv. Ziel sei, Güter auch über den Hafen von Aschdod rascher in den Gazastreifen zu bringen und die Sicherheitskontrollen zu erleichtern. Durch den neuen Zugang im Norden solle der Druck auf den bestehenden Übergang Kerem Schalom im Süden verringert werden.

"Wir wollen Gaza mit Hilfslieferungen überschwemmen, und wir erwarten, 500 Lastwagen am Tag zu erreichen", sagte Galant. Israel steht während des Kriegs gegen die Hamas im Gazastreifen zunehmend unter Druck, mehr humanitäre Hilfslieferungen in das Gebiet zu lassen. Hilfsorganisationen warnen vor einer Hungersnot. Nach einer deutlichen Warnung von Biden hatte Israel am Freitag angekündigt, den Hafen Aschdod und den Grenzübergang Erez für Hilfstransporte öffnen zu wollen. Bislang ist Erez im Norden aber geschlossen. Galant bezog sich aber nun offenbar auf einen alternativen Übergang näher am Mittelmeer.

US-Präsident Biden forderte Israels Ministerpräsidenten Netanjahu auf, seine Zusagen zur Verbesserung der humanitären Versorgung in Gaza einzuhalten. Was an Hilfsgütern in das Küstengebiet gelange, sei noch nicht genug und müsse mehr werden, sagte Biden am Mittwoch. Er reagierte bei der Pressekonferenz mit Kishida in Washington auf die Frage, welche Konsequenzen er ziehen werde, wenn Netanjahu seinen Kurs nicht ändere, und ob er erwäge, weitere Waffenlieferungen an Israel im Zweifel an Bedingungen zu knüpfen. Der Demokrat sagte dazu: "Wir werden sehen, was er tut, um die Zusagen einzuhalten, die er mir gegenüber gemacht hat." Biden hatte Netanjahu zuletzt mehrfach auch öffentlich scharf kritisiert und ihm unter anderem vorgeworfen, sein Vorgehen in Gaza sei ein "Fehler".

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Tag 187: 10: April 2024

Unterdessen strahlte der spanischsprachige Sender Univision ein bereits vergangene Woche aufgezeichnetes Interview mit US-Präsident Joe Biden aus, in dem dieser das Vorgehen von Netanjahu in Gaza scharf kritisiert und auf einen Waffenstillstand drängt. "Ich denke, was er tut, ist ein Fehler", sagte Biden. Er antwortete auf die Frage, ob Netanjahu mehr um sein politisches Überleben als um die nationalen Interessen Israels besorgt sei. Biden sagte weiter: "Was ich also fordere, ist, dass die Israelis nun zu einem Waffenstillstand aufrufen, um die nächsten sechs, acht Wochen den vollständigen Zugang zu allen Nahrungsmitteln und Medikamenten (...) zu ermöglichen." Einige Medien deuteten diese Aussage als eine Art Kurswechsel, da Biden nicht betonte, die Verantwortung für eine Waffenruhe bei der islamistischen Hamas zu sehen. Das Weisse Haus stellte klar, dass dies nicht der Fall sei.

"Unsere Position ändert sich nicht. Der Präsident bekräftigte unsere Position: Wir fordern einen sofortigen Waffenstillstand, der mindestens sechs Wochen im Rahmen eines Geiselabkommens dauern würde", zitierte die "Times of Israel" einen Sprecher des Weissen Hauses. Biden betonte in dem Interview weiter: "Ich denke, es gibt keine Entschuldigung, nicht für die medizinischen Bedürfnisse und die Nahrungsmittelbedürfnisse dieser Menschen zu sorgen. Das sollte jetzt geschehen." Biden hatte einen Tag nach der Aufzeichnung des Interviews mit Netanjahu telefoniert. In dem Gespräch hatte Biden dem Weissen Haus zufolge Netanjahu mit Konsequenzen gedroht, sollte Israel den Schutz von Zivilisten nicht erhöhen.

Israels Verteidigungsminister Galant habe in einem Telefonat mit Austin gesagt, Israel sei noch dabei, Pläne für die Evakuierung der Zivilisten in Rafah fertigzustellen, berichteten die israelischen Zeitungen "Haaretz", "The Times of Israel" und das Nachrichtenportal "Axios" am Dienstagabend. Die US-Regierung will Israel von einem grossangelegten Einsatz in Rafah abhalten. US-Aussenminister Antony Blinken erwartet von Israel vorerst Stillhalten. Für die kommende Woche sei ein Treffen mit einer israelischen Delegation geplant, um über die Bedenken der US-Seite gegen einen solchen Einsatz zu sprechen, sagte Blinken am Dienstag in Washington. "Ich gehe nicht davon aus, dass vor diesen Gesprächen irgendwelche Massnahmen ergriffen werden", betonte er. Man sei nach wie der Überzeugung, dass ein grösserer Einsatz in Rafah extrem gefährlich für die Zivilisten wäre." Die israelische Seite habe der US-Regierung auch keinen Termin für eine Rafah-Offensive genannt, sagte Blinken.

Israel hat aus Sicht der US-Regierung weiter keinen überzeugenden Plan zum Schutz der dortigen Zivilbevölkerung im Fall einer Bodenoffensive vorgelegt. Er habe noch keinen "glaubwürdigen und durchführbaren" Plan für die Umsiedlung der Menschen in Rafah gesehen, der detailliert darlege, wie die Zivilisten untergebracht und medizinisch versorgt werden könnten, sagte der Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, am Dienstag in Washington. "So bleiben unsere Bedenken bestehen, und wir müssen nun abwarten, was passiert, und die Vereinigten Staaten werden entsprechend reagieren." Sullivan betonte, dass es Kommunikationskanäle mit der israelischen Regierung gebe.

Die US-Regierung reagiert ausserdem abwartend auf Israels Zusagen zur Verbesserung der humanitären Lage im Gazastreifen. "Was zählt, sind Ergebnisse - und zwar nachhaltige Ergebnisse", sagte Blinken am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit seinem britischen Amtskollegen David Cameron in Washington. "Und darauf werden wir in den kommenden Tagen sehr genau achten", betonte Blinken. Nach Darstellung Israels sind in den vergangenen Tagen deutlich mehr Hilfsgüter in den Gazastreifen gelangt. 468 Lastwagen mit humanitären Hilfsgütern seien am Dienstag inspiziert worden und nach Gaza gefahren, schrieb die für Kontakte mit den Palästinensern und humanitäre Hilfe zuständige Cogat-Behörde auf der Plattform X (vormals Twitter). "Dies ist die höchste Zahl von Lastwagen mit Hilfsgütern, die seit Beginn des Krieges an einem Tag in den Gazastreifen gefahren sind."

Mit Blick auf die laufenden Gespräche über eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln sagte Sullivan, dass öffentliche Erklärungen der Hamas "nicht gerade ermutigend" seien. Allerdings gebe es noch keine Antwort der Hamas auf einen Vorschlag, der aktuell auf dem Tisch liege, sagte Sullivan. Er habe mit den Verhandlungspartnern in Katar gesprochen und diese gedrängt, sich um eine Antwort der Hamas zu bemühen. Aus Hamas-Kreisen in der libanesischen Hauptstadt Beirut hiess es, die Verhandlungen liefen derzeit "nicht gut". Die Israelis seien nur am "Geisel-Thema" interessiert, nicht aber an einer Waffenruhe. Offizielle Angaben zum Verhandlungsstand gibt es nicht. Nach Gesprächen in Kairo hatten Vertreter der Hamas die ägyptische Hauptstadt am Montag für Beratungen mit ihrer Spitze verlassen.

 

Tag 180: 4. April 2024

Israel will vor dem Hintergrund ernster Drohungen aus dem Iran seine Luftverteidigung verstärken. Nach einer Lagebeurteilung sei beschlossen worden, die Personalstärke zu erhöhen und Reservisten der Raketenabwehr einzuberufen, teilte das israelische Militär am Mittwochabend mit. Gründe dafür nannte die Armee nicht explizit. Israelische Medien berichteten aber, Hintergrund seien die Drohungen aus Teheran. Nach dem mutmasslich israelischen Luftangriff auf ein Gebäude der iranischen Botschaft in Syriens Hauptstadt Damaskus mit mehreren Toten hatte der iranische Präsident Ebrahim Raisi gesagt, die Attacke werde "nicht unbeantwortet bleiben". Auch Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei drohte mit Vergeltung.

Bei dem Angriff am Montag waren zwei Brigadegeneräle und fünf weitere Mitglieder der mächtigen iranischen Revolutionsgarden getötet worden. Zudem kamen nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim sechs syrische Staatsbürger ums Leben. Die Revolutionsgarden sind Irans Elitestreitmacht, sie werden mächtiger eingeschätzt als die konventionellen Streitkräfte des Landes. Das iranische Aussenministerium geht davon aus, dass der Erzfeind Israel den Angriff ausgeführt hat. Auch nach Einschätzung der US-Regierung war Israel dafür verantwortlich. Von israelischer Seite wurde der Vorfall nicht kommentiert.

Unterdessen sieht sich Israel weiter mit den Folgen seines tödlichen Luftangriffs auf ausländische Helfer der Organisation World Center Kitchen im umkämpften Gazastreifen konfrontiert. Israels wichtigster Verbündete USA zeigte sich über das Vorgehen der israelischen Armee offen frustriert. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby, sagte am Mittwoch, der Vorfall markiere "den Höhepunkt ähnlicher Ereignisse" und US-Präsident Joe Biden habe "seine Empörung, seine Frustration" darüber zum Ausdruck gebracht. Es sei nicht das erste Mal, dass so etwas passiert sei, so Kirby. "Und ja, wir sind darüber frustriert."

Sieben Mitarbeiter der Hilfsorganisation World Central Kitchen waren am Montagabend im Gazastreifen durch einen Luftangriff des israelischen Militärs getötet worden. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und die Armee sprachen von einem unabsichtlichen Treffer und einem schweren Fehler. Biden machte Israel daraufhin schwere Vorhaltungen. "Das ist kein Einzelfall", beklagte Biden am Dienstagabend (Ortszeit) in einer schriftlichen Stellungnahme. "Dieser Konflikt ist einer der schlimmsten in jüngerer Zeit, was die Zahl der getöteten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen angeht."

Kirby machte mit Blick auf die Israelis deutlich: "Wir unterstützen nach wie vor ihr Recht, sich zu verteidigen. Und das werden wir auch weiterhin tun." Dennoch sei die US-Regierung besorgt über das Vorgehen Israels. Jeden Tag spreche man über die Art und Weise der Kriegsführung.

USA halten an Plänen für temporären Hafen vor Gaza fest

Trotz des Todes der Helfer halten die USA an den Plänen für einen temporären Hafen im Meer vor dem Gazastreifen fest. Der Vorfall habe keinen Einfluss auf die Bemühungen, den Pier zu errichten, um Hilfsgüter über den Seeweg nach Gaza zu liefern, sagte der Sprecher des US-Aussenministeriums, Matthew Miller, am Mittwoch. Man wolle mit dem Vorhaben so schnell wie möglich vorankommen.

Unterdessen wurden sechs der sieben Leichen der Helfer nach Ägypten überführt. Das berichtete der staatsnahe Fernsehsender Al-Kahira News am Mittwoch. Krankenwagen hätten die Leichen über den Übergang Rafah nach Ägypten gebracht. Die getöteten Helfer stammen aus Grossbritannien, Polen und Australien, eines der Opfer hatte zudem die kanadische und amerikanische Staatsbürgerschaft. Ihre Leichen sollten in die jeweiligen Heimatländer überführt werden. Die Leiche des palästinensischen Fahrers wurde an dessen Familie zur Bestattung in Gaza übergeben.

US-Regierung: Zweistaatenlösung muss durch Verhandlungen geschehen

Washington hält unterdessen weiter an einer Verhandlungslösung für einen unabhängigen Palästinenserstaat fest. Das erklärte Aussenamtssprecher Miller am Mittwoch in Washington. Die palästinensische UN-Mission hatte am Vortag mitgeteilt, sich erneut um eine Vollmitgliedschaft bei den Vereinten Nationen bemühen zu wollen - 2011 war dieses Anliegen gescheitert. Die Veto-Macht USA und andere wollten damals, dass die Palästinenser zuvor mit Israel Frieden schliessen. Im November 2012 räumten die Vereinten Nationen den Palästinensern gegen den Widerstand der USA einen Beobachterstatus ein.

Von 193 UN-Mitgliedsstaaten haben bisher 139 Palästina als unabhängigen Staat anerkannt. Die USA und Deutschland gehören nicht dazu. In einem Brief an UN-Generalsekretär António Guterres bat der palästinensische UN-Botschafter Riad Mansur nun darum, dem Sicherheitsrat den Antrag von 2011 erneut vorzulegen. Auf die Frage, ob die USA dieses Mal ein Veto einlegen würden, sagte Miller: "Ich spekuliere nicht darüber, was in Zukunft passieren könnte." Gleichzeitig betonte er, die US-Regierung habe immer deutlich gemacht, dass sie zwar die Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates mit Sicherheitsgarantien für Israel unterstütze. Dies müsse jedoch durch direkte Verhandlungen zwischen den betroffenen Parteien geschehen, "und nicht bei den Vereinten Nationen".

Die islamistische Hamas im Gazastreifen und Israels Ministerpräsident Netanjahu lehnen eine Zweistaatenlösung ab. Damit ist gemeint, dass ein unabhängiger, demokratischer und friedlicher Palästinenserstaat an der Seite von Israel existiert.

Netanjahu schlägt derweil im eigenen Land starker Gegenwind entgegen. In den vergangenen Tagen kam es erneut zu Massenprotesten gegen seine Regierung. Der frühere Verteidigungsminister Benny Gantz, Mitglied in Netanjahus Kriegskabinett, rief am Mittwoch zu Neuwahlen im September auf. Dies werde Israel international Unterstützung verschaffen und die Spaltung innerhalb der Gesellschaft verringern, sagte Gantz bei einer Pressekonferenz.

Konsequenzen haben seine Forderungen zunächst allerdings nicht. Netanjahus konservative Likud-Partei lehnte Gantz' Ansinnen ab. Die Regierung werde so lange weitermachen, bis alle Kriegsziele erreicht seien, teilte die Partei mit. Eine vorgezogene Wahl würde zu einer Lähmung des Landes und zur Spaltung der Gesellschaft führen sowie die Chance auf einen Deal zur Freilassung der Geiseln zunichtemachen, hiess es.

Käme es zu Neuwahlen, dürfte Gantz nach jüngsten Umfragen neuer Regierungschef werden. Offiziell steht die nächste Parlamentswahl erst im Oktober 2026 an.

 

Tag 179: 3. April 2024

Der Tod von ausländischen Helfern im Gazastreifen bei einem israelischen Luftangriff droht den jüdischen Staat weiter zu isolieren und sorgt für zusätzliche Spannungen mit seinem wichtigsten Verbündeten USA. US-Präsident Joe Biden machte Israel am Dienstagabend (Ortszeit) schwere Vorhaltungen: "Israel hat nicht genug getan, um die Helfer zu schützen, die versuchen, die Zivilbevölkerung mit dringend benötigter Hilfe zu versorgen." Dies sei einer der Hauptgründe, warum die Verteilung humanitärer Hilfe im Gazastreifen so schwierig sei, beklagte Biden in einer schriftlichen Stellungnahme. Israels Generalstabschef Herzi Halevi bezeichnete den Luftangriff, bei dem mehrere Mitarbeiter der Hilfsorganisation World Central Kitchen (WCK) getötet wurden, als "schweren Fehler".

"Der Angriff wurde nicht in der Absicht durchgeführt, den WCK-Helfern zu schaden. Es war ein Fehler, der auf eine falsche Identifizierung folgte - in der Nacht während eines Krieges unter sehr komplexen Bedingungen. Das hätte nicht passieren dürfen", sagte Halevi in der Nacht zum Mittwoch in einer Videostellungnahme. Dies habe eine vorläufige Untersuchung ergeben. Ein unabhängiges Gremium werde den Vorfall gründlich untersuchen und "in den nächsten Tagen" abschliessen. Die Armee werde aus den Schlussfolgerungen lernen "und sie sofort umsetzen", sagte der israelische Generalstabschef und drückte sein Bedauern aus.

"Das ist kein Einzelfall", beklagte Biden. "Dieser Konflikt ist einer der schlimmsten in jüngerer Zeit, was die Zahl der getöteten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen angeht." Israel habe auch nicht genug getan, um die Zivilbevölkerung in Gaza zu schützen. Sieben Mitarbeiter von World Central Kitchen waren durch den israelischen Luftschlag getötet worden. Israels Präsident Izchak Herzog entschuldigte sich beim Gründer der Hilfsorganisation, José Andrés. Er habe ihm sein tiefes Bedauern über den "tragischen Verlust der Leben der WCK-Mitarbeiter" ausgedrückt, schrieb Herzog auf der Plattform X (vormals Twitter). Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach in einer Videobotschaft von einem "tragischen Fall eines unabsichtlichen Treffers unserer Streitkräfte gegen Unschuldige im Gazastreifen".

"Jeder fühlt sich jetzt bedroht", zitierte die "New York Times" am Dienstag (Ortszeit) Michael Capponi, Gründer der Hilfsorganisation Global Empowerment Mission. Es müsse der internationalen Gemeinschaft von Nichtregierungsorganisationen "garantiert werden, dass wir bei unserer Arbeit, die so wichtig ist, sicher sind", forderte Capponi. Die Organisation World Central Kitchen (WCK) will angesichts des Tods ihrer Mitarbeiter ihren Einsatz in der Region sofort stoppen und bald Entscheidungen "über die Zukunft unserer Arbeit treffen".

Israel wolle, dass das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA, dem es Unterstützung der islamistischen Hamas vorwirft, durch Organisationen wie World Central Kitchen im Gazastreifen ersetzt wird, schrieb das "Wall Street Journal". Der Tod der WCK-Mitarbeiter könne dieses Bestreben jetzt zum Scheitern bringen. Israel riskiere, am Ende ohne Partner für die Bereitstellung und Lieferung humanitärer Hilfe in den Gazastreifen dazustehen, zitierte die Zeitung "Times of Israel" einen Beamten der US-Regierung. Das UN-Hilfswerk UNRWA war stark in die Kritik geraten. Einigen Mitarbeitern wurde vorgeworfen, am Massaker der Hamas vom 7. Oktober vergangenen Jahres in Israel beteiligt gewesen zu sein.

Auch die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Gerda Hasselfeldt, fordert einen besseren Schutz für humanitäre Einsatzkräfte. "Wir brauchen dringend Sicherheitsgarantien für Helferinnen und Helfer", sagte Hasselfeldt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) (Mittwochsausgabe). Anders sei die Unterstützung der Menschen in Gaza und der Schutz der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr zu gewährleisten. Sie forderte zudem kontinuierlichen Zugang für humanitäre Hilfe in Gaza. "Wir tun mit unseren Partnern aus der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung alles, um weiter bedarfsgerecht Hilfe für die Menschen in Not zu leisten", sagte sie, "aber es wird immer schwieriger und die Situation vor Ort ist für die Helferinnen und Helfer sehr gefährlich."

Tess Ingram, Sprecherin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef), sagte der "New York Times", sie hoffe, dass der Tod der Mitarbeiter von WCK "die Welt dazu bringen wird, zu erkennen, dass das, was hier passiert, nicht in Ordnung ist". "Die Nachricht von dem Angriff ist entsetzlich - ein wahr gewordener Albtraum für uns", sagte Soraya Ali, Sprecherin der Organisation Save the Children, der Zeitung. "Mehr als 200 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen wurden in diesem Konflikt getötet, der damit zu einem der schlimmsten Konflikte für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in der jüngeren Geschichte zählt", sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby, am Dienstag.

Israel ist nach Einschätzung der US-Regierung auch für den Angriff auf das iranische Botschaftsgelände in der syrischen Hauptstadt Damaskus verantwortlich. Das machte die stellvertretende Pentagon-Sprecherin Sabrina Singh bei einer Pressekonferenz in Washington deutlich. Singh war gefragt worden, ob die USA an dem Luftangriff am Montag beteiligt gewesen seien. Darauf antwortete sie: "Die USA haben keinen Angriff in Damaskus durchgeführt. Ich möchte Sie auf die Israelis verweisen, um mit ihnen über ihren Angriff zu sprechen." Die Nachfrage, ob es die offizielle Einschätzung der US-Regierung sei, dass Israel für den Schlag verantwortlich sei, bejahte Singh: "Das ist unsere Einschätzung."

Bei dem Angriff wurden zwei Brigadegeneräle und fünf weitere Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) getötet. Die IRGC sind Irans Elitestreitmacht und werden als mächtiger eingeschätzt als die konventionellen Streitkräfte des Iran. Das Land verurteilte die Attacke scharf und drohte dem Erzfeind Israel mit Vergeltung. Ein israelischer Militärsprecher sagte auf Anfrage, man kommentiere keine Berichte in ausländischen Medien. Unterdessen protestierten erneut Tausende Israelis am Dienstagabend den vierten Tag in Folge gegen die Regierung und für ein Abkommen zur Freilassung der in Gaza weiter festgehaltenen Geiseln.

 

Tag 177: 1. April 2024

Zehntausende von Menschen haben am Sonntag in Israel den zweiten Tag in Folge gegen die Regierung des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu demonstriert. Demonstranten und Demonstrantinnen forderten bei wütenden Protesten in der Nähe des Parlaments in Jerusalem einen Rücktritt der Regierung, eine Neuwahl sowie einen raschen Deal zur Freilassung der Geiseln in der Gewalt der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas. Oppositionsführer Jair Lapid kritisierte Netanjahu bei der Demonstration scharf. Der Regierungschef zerstöre Israels Beziehungen zu den USA und überlasse die Hamas-Geiseln ihrem Schicksal, sagte er unter anderem. "Alles für die Politik, nichts für das Land." Netanjahu wies die Kritik an seiner Verhandlungsführung und die Forderungen nach einer Neuwahl entschieden zurück. "Die Rufe nach einer Wahl jetzt, auf dem Höhepunkt des Krieges, einen Moment vor dem Sieg, werden Israel für mindestens ein halbes Jahr lähmen, meiner Einschätzung nach sogar acht Monate", sagte er am Sonntag. Eine Neuwahl würde ausserdem die Verhandlungen über eine Freilassung weiterer Geiseln im Gegenzug für eine Feuerpause im Gaza-Krieg sowie die Freilassung palästinensischer Häftlinge lähmen, sagte Netanjahu. Dies würde "ein Ende des Krieges herbeiführen, bevor die Ziele erreicht sind" und damit vor allem der Hamas in die Hände spielen. Er sei verpflichtet, alle Geiseln heimzuholen, betonte er. "Ich werde niemanden zurücklassen."

 

Tag 174: 29. März 2024

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sieht im militärischen Vorgehen gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen weiter die einzige Möglichkeit, die in dem Küstengebiet festgehaltenen Geiseln zurück nach Israel zu holen. "Nur die Fortsetzung des kraftvollen militärischen Drucks, den wir ausgeübt haben und noch ausüben werden, wird unsere Geiseln zurückbringen", sagte Netanjahu am Donnerstagabend nach Angaben seines Büros bei einem Treffen mit Angehörigen verschleppter Soldaten. "Ich weiss, dass jeder Tag, der vergeht, für Sie die Hölle ist." Er wolle keine Geisel zurücklassen.  Israelischen Schätzungen zufolge sind noch knapp 100 Verschleppte am Leben. Auslöser des Krieges war die Terrorattacke der Hamas und anderer palästinensischer Extremisten auf Israel vom 7. Oktober. Die Angreifer ermordeten dabei im israelischen Grenzgebiet mehr als 1200 Menschen und verschleppten 250 weitere Menschen in den Gazastreifen. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive, die ihrerseits Tausende Menschen das Leben kosteten.  Verhandlungen kommen nicht voran  Die Verhandlungen der Vermittlerstaaten Katar, Ägypten und USA über eine Feuerpause in dem Krieg und die Freilassung der Geiseln kommen derzeit nicht voran. Nachdem die Hamas kürzlich einen neuen Kompromissvorschlag ablehnte, kehrte das israelische Verhandlungsteam Anfang der Woche von den indirekten Gesprächen in Katar zurück. Nach Informationen des "Wall Street Journal" sollen die Gespräche jedoch voraussichtlich nächste Woche in Kairo weitergehen. Israel hält Netanjahu zufolge weiter die Kontrolle über den nördlichen Gazastreifen und die Stadt Chan Junis. Zudem bereite sich die Armee weiterhin darauf vor, in Rafah ganz im Süden Gazas einzumarschieren, bekräftigte Israels Regierungschef.

Tag 172: 27. März 2024

Im Gaza-Krieg sind die Fronten auch nach der Forderung des Weltsicherheitsrats nach einer "sofortigen Waffenruhe" per Resolution weiter verhärtet. Während UN-Generalsekretär António Guterres mit Nachdruck eine Umsetzung der Resolution verlangte, bekräftigte die islamistische Hamas ihre Forderung eines dauerhaften Waffenstillstands - und gab Israel am Montagabend die Schuld, dass es bisher keine Einigung über ein Abkommen für eine Feuerpause und die Freilassung weiterer Geiseln gibt. Zwischen Israel und dem wichtigen Verbündeten USA wiederum kam es zu grösseren Verstimmungen: Aus Ärger, dass die Amerikaner der Resolution zum Erfolg verhalfen, sagte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu eine Delegationsreise nach Washington in letzter Minute ab. Die US-Regierung reagierte irritiert und bemühte sich gleichzeitig darum, die Israelis zu besänftigen und die Bedeutung der Sicherheitsrats-Resolution herunterzuspielen.

"Es handelt sich um eine nicht bindende Resolution, die keinerlei Auswirkungen auf Israel und dessen Fähigkeit hat, weiterhin gegen die Hamas vorzugehen", sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby. Dabei sind Resolutionen des Weltsicherheitsrats sehr wohl völkerrechtlich bindend. Generalsekretär Guterres forderte denn auch, die Resolution müsse umgesetzt werden. "Ein Scheitern wäre nicht zu verzeihen", mahnte er am Montag auf der Plattform X, vormals Twitter.

Diverse Nachfragen, ob die Beziehung zwischen Israel und den USA - und konkret zwischen Netanjahu und US-Präsident Joe Biden - an einem Tiefpunkt angelangt sei, wiegelte Kirby am Montag ab. Das sei nicht der Fall. "Israel ist nach wie vor ein enger Verbündeter und ein Freund", betonte der Kommunikationsdirektor, schob jedoch nach: "Das bedeutet nicht, dass wir in allem übereinstimmen, und meine Güte, das tun wir nicht."

Baerbock lobt Palästinenser-Beitrag

Bundesaussenministerin Annalena Baerbock lobte unterdessen nach einem Gespräch mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) und Abbas persönlich für deren Beitrag zur UN-Resolution. Mit der klaren Verurteilung der Gewaltverbrechen der Hamas an Zivilisten am 7. Oktober in Israel habe die von Abbas geführte PA "einen wichtigen Beitrag" zur Entscheidung in New York geleistet, sagte Baerbock in Ramallah. Dem Aufruf an die Hamas, die Waffen niederzulegen, könne sie sich nur anschliessen.

Hamas schaltet in Verhandlungen auf stur

Die Hamas liess am Montagabend jedoch wissen, den Vermittlern sei mitgeteilt worden, dass man an der ursprünglichen Position festhalte. Diese sehe neben einem "umfassenden Waffenstillstand" auch den Rückzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen, die Rückkehr der Vertriebenen und einen "echten" Gefangenenaustausch vor. Grund sei, dass Israel "auf keine der grundlegenden Forderungen unseres Volkes und unseres Widerstands eingegangen ist". Israels Ministerpräsident Netanjahu "und seine extremistische Regierung tragen die volle Verantwortung dafür, dass sie alle Verhandlungsbemühungen vereitelt und eine Einigung bisher verhindert haben", hiess es.

Israel hat die Forderung nach einem vollständigen Rückzug der Truppen und einem dauerhaften Waffenstillstand stets zurückgewiesen. Die Hamas wiederum macht jede weitere Geiselfreilassung von einer israelischen Verpflichtung zur Beendigung des Krieges abhängig. Netanjahu hat diese Forderung wiederholt als illusorisch bezeichnet und darauf bestanden, dass der Krieg mit dem Ziel einer Zerschlagung der Hamas wieder aufgenommen wird, sobald ein Abkommen zur Geiselbefreiung umgesetzt ist. Am Montag hatte es in mehreren Medienberichten geheissen, dass sich Israel bei den Verhandlungen der Vermittlerstaaten Katar, Ägypten und USA bereiterklärt habe, auf die Hamas zuzugehen und im Austausch für 40 israelische Geiseln einige hundert palästinensische Häftlinge mehr freizulassen als bisher zugestanden worden war.

Vor ihrem erneuten Besuch in Israel an diesem Dienstag warnte Bundesaussenministerin Baerbock Israel angesichts der humanitären Lage eindringlich vor der geplanten Bodenoffensive in Rafah. "Eine Grossoffensive auf Rafah darf es nicht geben", sagte sie mit Blick auf das Schicksal der vielen Zivilisten in der Stadt, in der viele Kriegsflüchtlinge Schutz gesucht haben. "Menschen können sich nicht in Luft auflösen."

Auch die US-Regierung warnte Israel einmal mehr vor einer grossangelegten Bodenoffensive in der an Ägypten grenzenden Stadt im Süden des abgeriegelten Gazastreifens. Das US-Aussenministerium teilte am Montagabend nach einem Treffen von Ressortchef Antony Blinken mit dem israelischen Verteidigungsminister Joav Galant mit, Blinken habe sich bei den Beratungen erneut gegen eine grössere Bodenoffensive in Rafah ausgesprochen, die das Wohlergehen der mehr als 1,4 Millionen Palästinenser dort weiter gefährden würde.

Israels Minister für strategische Angelegenheiten, Ron Dermer, und der nationale Sicherheitsberater Zachi Hanegbi hätten eigentlich am Montag in die USA fliegen sollen, um dort Alternativen zu der geplanten Bodenoffensive aufgezeigt zu bekommen. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Kirby, sagte, es gebe keine Anzeichen dafür, "dass die Israelis sich unmittelbar darauf vorbereiten, eine Bodenoperation in Rafah durchzuführen" oder dass dies in den kommenden Tagen passieren könnte. "Es scheint, dass sie noch weit davon entfernt sind, in Rafah einzumarschieren." Netanjahu zufolge hat Israels Armee Pläne ausgearbeitet, um die Zivilisten in Sicherheit zu bringen.

Die diplomatische Vertretung Israels bei den Vereinten Nationen in Genf hat unterdessen den Bericht einer UN-Menschenrechtsexpertin zum Gaza-Krieg als Schande für den Menschenrechtsrat bezeichnet. "Der Bericht ist daher eine obszöne Umkehrung der Realität, bei der eine sogenannte Expertin ungeheuerliche Anschuldigungen erheben kann, je extremer, desto besser", schrieb die Vertretung am Montag auf der Plattform X (vormals Twitter). Die UN-Menschenrechtsexpertin Francesca Albanese hatte zuvor laut Medienberichten in einer noch vorläufigen Version Israel vorgeworfen, Völkermord im Gazastreifen zu begehen und die Gründung des jüdischen Staates als "siedlungskolonialistisches Projekt" bezeichnet. Die italienische Juristin ist Berichterstatterin des UN-Menschenrechtsrats über die Lage der Menschenrechte in den besetzten Palästinensergebieten, spricht aber nicht für die UN.

 

Tag 171:  26. März 2024

Der internationale Druck auf Israel steigt: Mit einer völkerrechtlich bindenden Resolution hat der Weltsicherheitsrat fast sechs Monate nach Kriegsbeginn erstmals eine "sofortige Waffenruhe" im Gazastreifen gefordert. Zudem verlangt das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen die umgehende und bedingungslose Freilassung aller von der islamistischen Hamas festgehaltenen Geiseln. Die Vetomacht USA enthielt sich bei der Abstimmung am Montag und ermöglichte damit die Annahme der Resolution. Die 14 übrigen Mitglieder des Gremiums stimmten dafür. Damit steigt der internationale Druck auf die Konfliktparteien. Es ist jedoch fraglich, ob oder inwieweit die Resolution Einfluss auf ihre Entscheidungen zum weiteren Kriegsverlauf haben wird.

Der Beschluss des Sicherheitsrats verdeutlicht die zunehmenden Spannungen zwischen Israel und den USA, dem wichtigsten diplomatischen und militärischen Verbündeten des jüdischen Staats. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte nach der Abstimmung umgehend und sagte eine geplante und - ursprünglich von der US-Seite eingeforderte - Reise einer israelischen Delegation nach Washington kurzfristig ab.

Der Minister für strategische Angelegenheiten, Ron Dermer, und der nationale Sicherheitsberater Zachi Hanegbi hätten noch am Montag in die USA fliegen sollen, um sich mit hochrangigen Regierungsvertretern zu treffen. Diese wollten den Israelis unter anderem Alternativen zu der von Israel geplanten Bodenoffensive in Rafah im Gazastreifen vorlegen. Der Plan wird von vielen Verbündeten, darunter auch Deutschland, abgelehnt. In der südlichen Stadt an der ägyptischen Grenze haben Hunderttausende Palästinenser Schutz vor den Kämpfen gesucht. Bei den Gesprächen sollte es auch um die Ausweitung der humanitären Hilfe für die Not leidende Zivilbevölkerung im Gazastreifen gehen. "Wir sind sehr enttäuscht, dass sie nicht nach Washington kommen werden", sagte John Kirby, der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, in Washington. Es gebe aber auch weitere Gesprächskanäle.

Bemühungen um eine Forderung des Weltsicherheitsrats nach einer Waffenruhe waren bislang vor allem am Widerstand der Vetomacht USA gescheitert. Seit Kriegsbeginn im Oktober vergangenen Jahres hatte Washington sich gegen eine Waffenruhe gewandt und drei Vetos gegen entsprechende Resolutionen eingesetzt.

Angesichts der steigenden Zahl ziviler Opfer und einer drohenden Hungersnot in Teilen des abgeriegelten Küstenstreifens verstärkten die USA zuletzt aber auf mehreren Kanälen den Druck auf Israel. Auch US-Präsident Joe Biden äusserte sich zunehmend kritisch, etwa auch mit Blick auf Rafah. Am Freitag vollzog Washington die Kehrtwende und forderte in einer Resolution erstmals "eine sofortige und dauerhafte Waffenruhe" im Gaza-Krieg. Doch Russland und China legten ihr Veto ein. Die Beschlussvorlage ging Moskau und Peking nicht weit genug - in ihren Augen war der Text unter anderem zu proisraelisch und stellenweise nicht ausreichend verbindlich.

Der nun angenommene knappe Resolutionstext konzentriert sich auf die Forderung nach "einer von allen Seiten respektierten sofortigen Waffenruhe für den (islamischen Fastenmonat) Ramadan". Dies solle zu einer "dauerhaften und nachhaltigen Waffenruhe" führen, heisst es in dem Text. Zudem fordert die Beschlussvorlage die Freilassung aller Geiseln und betont die "grosse Sorge angesichts der katastrophalen humanitären Lage im Gazastreifen". Die Hilfslieferungen für die Zivilbevölkerung müssten ausgebaut werden.

"Es hätte schon vor Monaten eine Waffenruhe geben können, wenn Hamas willens gewesen wäre, Geiseln freizulassen", sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Linda Thomas-Greenfield. "Hamas steht einem Frieden weiter im Weg", betonte sie. Die Botschafterin ergänzte, die USA hätten sich bei der Abstimmung über die Resolution enthalten, weil der Text keine Verurteilung der Hamas beinhalte.

Bundesaussenministerin Annalena Baerbock begrüsste die Forderung des Weltsicherheitsrats nach einer sofortigen Waffenruhe. Sie sei "erleichtert über die Verabschiedung der Resolution, weil es auf jeden Tag ankommt", sagte die Grünen-Politikerin am Montag am Rande eines Besuchs in Jerusalem. Dies gelte sowohl für die hungernden Menschen in Gaza als auch für die weiterhin in der Gefangenschaft der Hamas befindlichen Geiseln.

Israels UN-Botschafter Gilad Erdan nannte es hingegen "eine Schande", dass der Text der Resolution nicht die Taten der Hamas verurteile. Das Massaker der Hamas vom 7. Oktober sei für den Krieg verantwortlich. So lange sich die Hamas weigere, die Geiseln freizulassen, bleibe Israel nur das militärische Vorgehen, betonte er. Die Forderung einer bedingungslosen Waffenruhe gefährde in der Tat die Geiseln, es handle sich um eine "schändliche Resolution".

Die Resolution war von nichtständigen Mitgliedern des UN-Gremiums eingebracht worden. Eine Resolution im Weltsicherheitsrat braucht die Stimmen von mindestens 9 der 15 Mitgliedsstaaten. Zudem darf es kein Veto der ständigen Mitglieder USA, Russland, China, Frankreich oder Grossbritannien geben. Beschlüsse des Sicherheitsrats sind völkerrechtlich bindend. Wenn ein betroffener Staat sie ignoriert, kann das Gremium Sanktionen verhängen - was im Falle Israels wegen der Vetomacht der USA nicht als wahrscheinlich gesehen wird.

Der Ramadan hatte um den 10. März begonnen. Hoffnungen, es könne bis zum Beginn des Fastenmonats dank Vermittlungsbemühungen durch Katar, die USA und andere ein Abkommen der Konfliktparteien zu einer Feuerpause und der weiteren Freilassung von Geiseln geben, erfüllten sich nicht.

US-Botschafterin Thomas-Greenfield erklärte, man sei einem Abkommen nahe. Hamas müsse das aktuelle Angebot akzeptieren, forderte sie. "Eine Waffenruhe kann mit der Freilassung der ersten Geisel beginnen. Daher müssen wir jetzt Druck auf die Hamas ausüben, das auch zu tun", sagte sie weiter.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker mit mehr als 1200 Toten, das Terroristen der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober in Israel verübt hatten.

 

Tag 170: 25. März 2024

Während es im Gaza-Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas nach monatelangem Gezerre um eine Feuerpause Anzeichen für eine Annäherung gibt, gerät der jüdische Staat wegen seiner Kriegsführung immer mehr unter Druck. Medienberichten vom Sonntag zufolge soll sich Israel bei den indirekten Verhandlungen in Katar bereiterklärt haben, auf die Hamas zuzugehen und im Austausch für 40 israelische Geiseln Hunderte mehr palästinensische Häftlinge freizulassen als bisher zugestanden worden war. Die Rede ist nun von 700 und gar bis zu 800 Häftlingen. Während eine Antwort der Hamas in den nächsten beiden Tagen erwartet wird, will der UN-Sicherheitsrat an diesem Montag über einen Resolutionsentwurf abstimmen, der eine "von allen Seiten respektierte sofortige Waffenruhe" fordern würde. Am selben Tag beginnt Bundesaussenministerin Annalena Baerbock in Ägypten neuerliche Krisengespräche, anschliessend geht es weiter nach Israel.

Die US-Regierung schliesst Konsequenzen nicht aus, sollte Israels Armee im Zuge einer Bodenoffensive tatsächlich in die zurzeit mit Hunderttausenden palästinensischen Flüchtlingen überfüllte Stadt Rafah an der Grenze zu Ägypten einmarschieren. "Ich schliesse nichts aus", entgegnete US-Vizepräsidentin Kamala Harris in einem am Sonntag ausgestrahlten TV-Interview auf eine entsprechende Frage. "Wir haben in mehreren Gesprächen und in jeder Hinsicht deutlich gemacht, dass jede grössere Militäroperation in Rafah ein grosser Fehler wäre." Details zu möglichen Konsequenzen nannte sie nicht.

Unterdessen brach Israels Verteidigungsminister Joav Galant in die USA auf, wo er unter anderem seinen Amtskollegen Lloyd Austin treffen will. Zeitgleich wird eine weitere israelische Delegation in Washington erwartet. Die US-Regierung will den Besuchern Wege aufzeigen, wie die Hamas auch ohne eine Rafah-Offensive bezwungen werden kann.

Auch Baerbock hatte am Donnerstag im Bundestag ihre Bedenken gegen den vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu angekündigten Angriff auf Rafah bekräftigt. Sie äusserte Zweifel, ob bei einer möglichen Offensive der Schutz von Zivilistinnen und Zivilisten überhaupt ermöglicht werden könne. Schliesslich könnten sich 1,5 Millionen Menschen "nicht einfach in Luft auflösen", betonte sie. Baerbock will am Montag nach Gesprächen in Ägypten die Palästinensischen Gebiete besuchen und in Ramallah Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Aussenminister Riad Malki treffen. Am Dienstagvormittag trifft sie ihren israelischen Amtskollegen Israel Katz. Sie verlangte von Israel und der Hamas ein Einlenken bei den in Katar geführten Verhandlungen. "Nur eine sofortige humanitäre Feuerpause, die zu einem dauerhaften Waffenstillstand führt, hält die Hoffnung auf Frieden am Leben – für Palästinenserinnen und Palästinenser wie Israelis", sagte Baerbock.

Bei der Sitzung des UN-Sicherheitsrats zur Lage im Nahen Osten soll am Montag über eine Resolution abgestimmt werden, die angesichts des islamischen Fastenmonats Ramadan eine sofortige Feuerpause fordert und die zu einer "dauerhaften und nachhaltigen Waffenruhe" führen soll, wie es in der am Freitag bekannt gewordenen Beschlussvorlage heisst. Zudem wird darin die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Geiseln gefordert und die Notwendigkeit betont, die Hilfslieferungen für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen auszubauen. Die Resolution wird von nichtständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats vorangetrieben. Ein Diplomat erklärte am Sonntag, es gebe Hoffnung, dass die aktuellste Version des Textes nach intensiven Verhandlungen, besonders mit der Vetomacht USA, tatsächlich Erfolg haben könnte.

Unterdessen gibt es bei den seit mehreren Monaten andauernden schwierigen Verhandlungen der Vermittler laut Medienberichten neue Bewegung. Israel sei bereit, auf Forderungen der Hamas teilweise einzugehen, schrieb der gewöhnlich gut unterrichtete israelische Journalist Barak Ravid am Sonntagabend im Nachrichtenportal "Walla" sowie auf der Plattform X, vormals Twitter. So würde der jüdische Staat nunmehr 700 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen freilassen, wenn die Hamas 40 von rund 100 noch lebenden israelischen Geiseln freigibt. Unter den freizulassenden Palästinensern wären 100 Gefangene, die wegen terroristischer Straftaten zu lebenslangen Strafen verurteilt wurden.

Die indirekten Verhandlungen laufen derzeit in der katarischen Hauptstadt Doha unter Vermittlung der USA, Ägyptens und Katars. Sie zielen auf eine Vereinbarung in mehreren Phasen ab. Der erste Schritt würde eine sechs Wochen lange Waffenruhe und die Freilassung von 40 Geiseln aus der Gewalt der Hamas vorsehen. Der ursprüngliche Vorschlag, den Israel akzeptiert hatte, hätte die Freilassung von 400 palästinensischen Strafgefangenen beinhaltet, unter ihnen 25 mit lebenslangen Strafen. Dies war der Hamas nicht weit genug gegangen. Die neue Formel wurde von Katar vorgeschlagen und von Israel zunächst abgelehnt. Israel habe sich aber in den vergangenen Tagen auf Drängen des eigens nach Doha gereisten CIA-Chefs William Burns umstimmen lassen, schrieb Ravid weiter.

Israels Armee droht derweil mangels einer ersichtlichen Strategie von der Hamas in einen endlosen Guerilla-Krieg verwickelt zu werden, wie das "Wall Street Journal" schreibt. Die israelischen Streitkräfte kämpften an immer mehr Orten im Gazastreifen, die sie eigentlich zuvor eingenommen und aus denen sie sich zurückgezogen hätten, berichtete die US-Zeitung am Sonntag. Dies zeige, wie sehr Israel darum kämpfe, die Hamas auszuschalten und das palästinensische Küstengebiet unter seine Kontrolle zu bringen.

Die israelische Armee hatte nach eigenen Angaben am Sonntag einen neuen Militäreinsatz in Chan Junis im Süden des Gazastreifens begonnen. Bei einem weiteren Einsatz im Schifa-Krankenhaus in der Stadt Gaza im Norden wurde demnach ein israelischer Soldat getötet. Die Armee war an diesen Orten bereits in den vergangenen Monaten in Gefechte verwickelt und hatte erklärt, die Hamas-Verbände in diesen Gebieten seien besiegt und aufgelöst worden.

Auch US-Aussenminister Antony Blinken warnte Israel einem Medienbericht zufolge davor, den Krieg ohne ersichtliche Strategie fortzuführen. Israel brauche einen schlüssigen Plan, ansonsten verheddere es sich in einem Aufstand, den es nicht in den Griff bekommen werde, habe Blinken vergangene Woche bei einem Treffen mit Netanjahu und dessen Kriegskabinett gesagt, berichtete das Nachrichtenportal "Axios". Verlaufe der Krieg weiter wie bisher, würde die Hamas die Kontrolle im Gazastreifen behalten oder es würde Anarchie ausbrechen, die noch mehr Terror zur Folge hätte. Netanjahu habe geantwortet, dass "wir auf Jahrzehnte alle Hände voll zu tun haben werden", berichtete das Nachrichtenportal.

 

Tag 166: 21. März 2024

Die zähen indirekten Verhandlungen über eine vorübergehende Waffenruhe und Freilassung von Geiseln im Gaza-Krieg kommen nach Darstellung der USA voran. Man komme einem Deal "immer näher", sagte US-Aussenminister Antony Blinken in einem Interview des saudi-arabischen TV-Senders Al Hadath bei seinem Besuch in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda am Mittwoch. Die Differenzen zwischen den Verhandlungspartnern würden kleiner. "Ich denke, dass eine Einigung sehr gut möglich ist", sagte Blinken. Er wollte danach nach Ägypten und am Freitag nach Israel weiterreisen.

Seit Wochen vermitteln die USA, Katar und Ägypten zwischen Israel und der islamistischen Hamas. Ziel sind eine Feuerpause und der Austausch von Geiseln gegen palästinensische Häftlinge. Es liege ein "sehr starker Vorschlag" auf dem Tisch, sagte Blinken. Nun müsse man sehen, ob die Hamas diesem zustimme. Auslöser des Krieges war das beispiellose Massaker, dass Terroristen der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober in Israel verübten.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin forderte unterdessen seinen israelischen Amtskollegen Joav Galant auf, Alternativen zu einer Bodenoffensive in der mit Flüchtlingen überfüllten Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens zu prüfen. Austin habe in einem Telefonat mit Galant am Mittwoch auf die Notwendigkeit hingewiesen, andere Handlungsoptionen als eine grosse Bodenoperation in Rafah zu erwägen, teilte das Verteidigungsministerium in Washington mit. In dem Gespräch ging es den Angaben zufolge auch um dringenden Bedarf, mehr für den Schutz der Zivilbevölkerung zu tun und den Transport von Hilfsgütern in den abgeriegelten Gazastreifen auf dem Landweg auszuweiten.

In der kommenden Woche wird Galant in Washington erwartet. Dann werde man die Gespräche fortsetzen, hiess es aus dem Pentagon. Zudem soll eine israelische Delegation in die US-Hauptstadt reisen, um mit Vertretern der US-Regierung über deren Bedenken wegen der geplanten Bodenoffensive in Rafah zu sprechen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Mittwoch deutlich gemacht, dass die Vorbereitungen auf eine solche Offensive noch etwas Zeit bräuchten. Er wolle aber daran festhalten. Netanjahu wiederholte, er habe den Einsatzplan der Armee für Rafah bereits genehmigt, "und bald werden wir auch den Plan zur Evakuierung der Zivilbevölkerung aus den Kampfgebieten genehmigen".

Israel steht international unter Druck, von einer Bodenoffensive in Rafah abzusehen. Auch die USA wollen ihren Verbündeten davon abbringen. Der Ton Washingtons gegenüber Netanjahu und seiner Regierung hat sich angesichts der katastrophalen humanitären Lage in Gaza und der vielen zivilen Opfer in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Zugleich aber verstehen sich die als USA als Israels Schutzmacht und unterstützen das Land weiterhin mit milliardenschwerer Militärhilfe. Ein Sprecher des US-Aussenministeriums bekräftigte, dass sich an Washingtons Unterstützung für Israel nichts geändert habe.

USA wollen Israel weiter unterstützen

Der Ministeriumssprecher war am Mittwoch nach einer Reaktion auf die Ankündigung Kanadas gefragt worden, vorerst keine neuen Waffenexporte nach Israel zu genehmigen. Dies sei eine souveräne Entscheidung der Kanadier. US-Präsident Joe Biden habe deutlich gemacht, dass die USA Israel und sein Selbstverteidigungsrecht weiterhin unterstützten - und gleichzeitig Israel das Leben von Zivilisten schützen müsse. US-Aussenminister Blinken drückte im Interview mit dem saudi-arabischen Fernsehen seine Hoffnung aus, dass die von den USA im Weltsicherheitsrat eingereichte Resolution für eine sofortige Waffenruhe in Gaza in Verbindung mit der Freilassung der Geiseln von den Mitgliedsländern unterstützt werde.

"Ich denke, das wäre eine starke Botschaft, ein starkes Signal", sagte Blinken auf die Frage, wie Druck auf Israel für eine entsprechende Vereinbarung ausgeübt werden könne. "Aber natürlich stehen wir zu Israel und seinem Recht, sich selbst zu verteidigen und dafür zu sorgen, dass sich der 7. Oktober nicht wiederholt", sagte er. Ihm geht es bei seinen erneuten Gesprächen in Nahost auch um eine Vision für einen dauerhaften Frieden in der Region. "Wir wollen, dass der Konflikt so schnell wie möglich beendet wird, wobei die Fähigkeit Israels, sich zu verteidigen, gewahrt bleiben muss", sagte Blinken in dem Interview weiter.

Bericht über geheime Pläne in Israel für Gaza-Verwaltung

Israelische Sicherheitsbeamte arbeiten einem Medienbericht zufolge im Geheimen an einem Plan zur Verteilung von Hilfsgütern im Gazastreifen durch unbelastete Palästinenser. Wie das "Wall Street Journal" am Donnerstag unter Berufung auf israelische und arabische Beamte berichtete, könnte dies zu Schaffung einer palästinensisch geführten Regierungsbehörde in dem umkämpften Küstenstreifen führen. Die Idee sei, palästinensische Führungskräfte und Geschäftsleute, die keine Verbindungen zur islamistischen Hamas haben, für die Verteilung von Hilfsgütern zu gewinnen. Ein ranghoher israelischer Verteidigungsbeamter habe Gespräche mit Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Jordanien geführt, um regionale Unterstützung für solche Bemühungen zu gewinnen. Es seien die ersten Bemühungen auf israelischer Seite, das Machtvakuum zu füllen, das durch Israels Einmarsch im Gazastreifen nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober entstanden sei.

Die USA wollen, dass die im Westjordanland regierende und von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas geführte Palästinensische Autonomiebehörde (PA) umgestaltet wird und dann auch im Gazastreifen wieder die Kontrolle übernimmt. Darauf wies Blinken in dem Interview noch einmal hin. Damit will Washington auch eine Zweistaatenlösung als umfassenden Ansatz zur Befriedung des Nahen Ostens vorantreiben. Mit so einer Lösung ist ein unabhängiger palästinensischer Staat gemeint, der friedlich Seite an Seite mit Israel existiert. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lehnt das jedoch genauso ab wie die Hamas. Diese hatte die PA 2007 gewaltsam aus Gaza vertrieben. Netanjahu sagte wiederholt, dass Israel nach dem Krieg die volle Sicherheitskontrolle über Gaza beanspruche.

Viele ehemalige israelische Sicherheitsbeamte seien sich einig, dass es Netanjahu an einem praktikablen Plan für die Verwaltung des dicht besiedelten Küstengebiets mangele und es so unmöglich sei, einen Weg in eine stabilere Zukunft zu finden, schrieb die "New York Times" am Mittwoch. Einige seien überzeugt, dass Netanjahu jetzt im Norden von Gaza und in anderen Gebieten, aus denen sich die Armee ebenfalls zurückgezogen hat, eine Verwaltung einrichten müsse. Es müsse verhindert werden, dass sich Chaos und Anarchie weiter ausbreiten. Die Hamas müsse zudem gehindert werden, sich neu aufzustellen. Ohne einen Plan würden Israels Soldaten in einen langwierigen Zermürbungskrieg verwickelt, hiess es.

Unterdessen hat die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben am Mittwoch einen weiteren Anti-Terror-Einsatz im besetzten Westjordanland durchgeführt. Ein Kampfflugzeug habe im Flüchtlingslager Nur Schams in Tulkarem zwei Bewaffnete angegriffen, "die eine unmittelbare Bedrohung für die Truppen darstellten", teilte die israelische Armee am späten Abend mit. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden, auch gab es zunächst keine weiteren Einzelheiten. Es war der zweite Luftangriff der Israelis im Westjordanland an dem Tag. Zuvor hatte die Luftwaffe in der Stadt Dschenin ein palästinensisches Fahrzeug gezielt angegriffen. Der Angriff habe zwei ranghohen Mitgliedern der Terrororganisation Islamischer Dschihad gegolten, hiess es. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Ramallah wurden drei Menschen getötet.

 

Tag 165: 20. März 2024

Die Vorbereitungen auf eine Offensive in der Stadt Rafah im Gazastreifen werden nach Worten des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu "noch etwas Zeit brauchen". In einer Video-Ansprache sagte der Regierungschef am Mittwoch, er habe dem US-Präsidenten Joe Biden bei ihrem letzten Telefonat gesagt: "Es ist unmöglich, den Sieg zu vollenden, ohne dass die israelische Armee nach Rafah eindringt, um die Überreste der Bataillone der Hamas auszuschalten." Netanjahu wiederholte, er habe den Einsatzplan der Armee für Rafah bereits genehmigt, "und bald werden wir auch den Plan zur Evakuierung der Zivilbevölkerung aus den Kampfgebieten genehmigen", sagte er.

Zu seinem Verhältnis mit Biden sagte Netanjahu: "Am Anfang waren wir uns einig, dass die Hamas zerstört werden muss. Aber während des Krieges - das ist kein Geheimnis - gab es Meinungsverschiedenheiten zwischen uns über den besten Weg, dieses Ziel zu erreichen."

Er hatte in dem Gespräch mit Biden dessen Aufforderung zugestimmt, eine Delegation in den kommenden Tagen nach Washington zu schicken. Dort beabsichtigen die USA Medienberichten zufolge Alternativen zu einer Bodenoffensive aufzuzeigen. Der Präsident habe darum gebeten, "uns Vorschläge seiner Seite im humanitären Bereich und auch zu anderen Themen vorzustellen", sagte Netanjahu. Die USA sind gegen einen Einsatz Israels in Rafah.

Manchmal sei Israel sich mit seinen Verbündeten einig und manchmal nicht, sagte der Regierungschef. "Am Ende haben wir immer das getan, was für unsere Sicherheit essenziell wichtig ist, und das werden wir auch diesmal tun."

In Rafah suchen Schätzungen zufolge derzeit 1,5 Millionen der 2,2 Millionen Bewohner Gazas auf engstem Raum Schutz vor den Kämpfen in den anderen Teilen des Küstengebiets. In Rafah befindet sich auch der Grenzübergang zu Ägypten, über den Hilfslieferungen in den Gazastreifen gelangen. Hilfsorganisationen warnten vor schwerwiegenden Folgen.

 

Tag 163: 18. März 2024

Bei einem erneuten Einsatz der israelischen Armee im Bereich des Schifa-Krankenhauses im umkämpften Gazastreifen ist es nach eigenen Angaben zu Feuergefechten mit Terroristen der islamistischen Hamas gekommen. Während des "präzisen" Einsatzes hätten Terroristen das Feuer auf die israelischen Soldaten aus dem Krankenhaus heraus eröffnet, teilte die Armee in der Nacht zum Montag mit. Die Truppen hätten das Feuer erwidert und "Treffer festgestellt". Der Einsatz der Armee und der Luftwaffe auf dem Gelände des grössten Krankenhauses des abgeriegelten Küstengebiets in der Stadt Gaza gehe weiter, Terroristen würden festgenommen, teilte die Armee mit.

Nachrichtendienstliche Informationen hätten ergeben, dass das Krankenhaus von ranghohen Mitgliedern der Hamas zur Durchführung terroristischer Aktivitäten genutzt werde, hiess es. Man wisse, dass sich die Islamisten dort neu gruppiert hätten, um Angriffe gegen Israel zu befehligen, sagte Armeesprecher Daniel Hagari. Die Soldaten seien angewiesen worden, "vorsichtig" vorzugehen und Massnahmen zu treffen, Schäden an Patienten, Zivilisten, medizinischem Personal und medizinischer Ausrüstung zu vermeiden. Für die Patienten und das medizinische Personal bestehe keine Verpflichtung, das Krankenhaus zu verlassen. Man habe ihnen aber dafür Möglichkeiten geschaffen.

Israel wird derweil erstmals seit zwei Wochen wieder an den indirekten Verhandlungen über eine vorläufige Waffenruhe und Freilassung der Geiseln im Gaza-Krieg teilnehmen. Das israelische Sicherheitskabinett habe am späten Sonntagabend die Abreise einer Delegation unter Leitung des Chefs des Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, an diesem Montag nach Katar genehmigt, berichteten israelische Medien. In der dortigen Hauptstadt Doha bemühen sich die Vermittler Katar, Ägypten und die USA, die zuletzt ins Stocken geratenen Gespräche über eine vorläufige Waffenruhe und einen Austausch von israelischen Geiseln gegen palästinensische Häftlinge voranzubringen. Israels Sicherheitskabinett habe der Delegation aber nur ein allgemeines Mandat erteilt, schrieb der gut vernetzte israelische Journalist Barak Ravid vom Nachrichtenportal "Axios" auf der Plattform X (vormals Twitter).

Die Drohung mit einer unmittelbar bevorstehenden Offensive in Rafah im Süden des abgeriegelten Gazastreifens sei nach Ansicht israelischer Beamter und Analysten ein wichtiges Druckmittel Israels bei den Gesprächen, berichtete das "Wall Street Journal". In Rafah suchen derzeit nach Schätzungen 1,5 Millionen Palästinenser auf engstem Raum und unter elenden Bedingungen Schutz. Hilfsorganisationen warnen vor vielen weiteren zivilen Todesopfern. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte vor seinem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz am Sonntag nochmals klargemacht, dass er an einem Militäreinsatz in Rafah festhalte und ein Ende des Gaza-Krieges vor Erreichen aller israelischen Ziele entschieden ablehne.

Israel habe aber noch keine Truppen für den Einmarsch in die an Ägypten grenzende Stadt in Stellung gebracht, berichtete das "Wall Street Journal". Netanjahus Regierung stecke in einer Zwickmühle, zitierte die Zeitung einen Militäranalysten des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv. Netanjahu könne keine Truppen nach Rafah beordern, bevor er nicht einen klaren Evakuierungsplan für die Menschen dort aufgestellt habe. Man werde in Rafah vorgehen, sagte Netanjahu am Sonntag zu Beginn einer Kabinettssitzung. Das werde einige Wochen dauern, aber es werde passieren. Unklar war, ob er damit meinte, dass der Einsatz in Rafah in einigen Wochen stattfinden oder mehrere Wochen dauern würde.

Einige in der internationalen Gemeinschaft versuchten, den Krieg zu beenden, bevor alle Ziele erreicht seien, zitierte die "Jerusalem Post" Netanjahu weiter. "Sie tun dies, indem sie falsche Anschuldigungen gegen die israelischen Streitkräfte, gegen die israelische Regierung und gegen den israelischen Ministerpräsidenten erheben", fügte Netanjahu demnach hinzu. "Sie tun dies, indem sie versuchen, jetzt, mitten im Krieg, Wahlen herbeizuführen. Und sie tun dies, weil sie wissen, dass Wahlen jetzt den Krieg beenden und das Land für mindestens sechs Monate lähmen würden", zitierte die Zeitung Netanjahu.

US-Präsident Joe Biden machte unterdessen erneut deutlich, dass er eine Aufstockung der humanitären Hilfe für die Menschen im Gazastreifen und eine Verständigung über eine Feuerpause für dringend notwendig hält. Man müsse ausserdem vorankommen mit einer Zweistaatenlösung, die der "einzige Weg" zu dauerhaftem Frieden und Sicherheit sei. Damit ist ein unabhängiger palästinensischer Staat gemeint, der friedlich Seite an Seite mit Israel existiert. Netanjahu lehnt eine solche Zweistaatenlösung genauso ab wie die Hamas.

Israel macht derweil weiter Jagd auf die Anführer der Hamas im Gazastreifen. Man werde weiter im Einklang mit dem Völkerrecht gegen die Hamas vorgehen, die systematisch Krankenhäuser und zivile Infrastruktur benutze, erklärte die Armee bei der Bekanntgabe über einen erneuten Einsatz im Schifa-Krankenhaus. Auch die US-Regierung hatte Israels Darstellung gestützt, wonach die Hamas das grösste Krankenhaus im Gazastreifen als Kommandozentrum und Waffenlager benutzt haben soll. Das israelische Militär war bereits Mitte November trotz massiver internationaler Kritik in das Schifa-Krankenhaus eingedrungen. Dort fand die Armee nach eigenen Angaben einen Tunnelkomplex der Hamas.

Die Zerstörung der weitverzweigten unterirdischen Tunnel der Islamisten könnte nach Ansicht der israelischen Militärexpertin Miri Eisin noch das ganze Jahr über dauern, berichtete das "Wall Street Journal". "Alles, was es braucht, ist ein offener Tunnel, von dem wir nichts wussten, damit die Hamas-Kämpfer vom Süden in den Norden kommen können", sagte die frühere Offizierin der israelischen Streitkräfte der US-Zeitung. Die andauernden Kämpfe liessen erahnen, wie schwierig es sein könnte, die Hamas zu unterwerfen, schrieb die Zeitung. Die Hamas habe zwar die Kontrolle über einen Grossteil des Gazastreifens verloren, setze aber den Kampf von den Tunneln aus fort. Die Kämpfe würden dabei sporadischer.

Die Hamas hatte den Vermittlern kürzlich einen neuen Vorschlag vorgelegt. Darin verlangt die Hamas nicht mehr, dass Israel den Krieg beendet, bevor die ersten Geiseln gegen palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen ausgetauscht werden. Dem Vorschlag zufolge würden die Islamisten die Einstellung der Kampfhandlungen durch Israel erst zur Voraussetzung für eine zweite Phase der Geiselfreilassungen machen. Damit näherte sich die Hamas den Inhalten eines mehrstufigen Plans an, den die Vermittler vor mehreren Wochen vorgelegt hatten und den Israel akzeptiert hatte. Weil sich die Hamas nun bewegt hat, ist Israel bereit, erstmals seit zwei Wochen wieder an den indirekt geführten Vermittlungsgesprächen in Katar teilzunehmen. Direkt verhandeln Israel und die Hamas nicht.

Am 7. Oktober vergangenen Jahres hatten Terroristen der Hamas und anderer Gruppierungen im Zuge eines Massakers in Israel rund 250 Menschen verschleppt. Während einer Feuerpause Ende November kamen 105 Geiseln frei. Laut Israels Regierung sind noch rund 100 Geiseln am Leben. Das Massaker war der Auslöser des Krieges im Gazastreifen.

 

Tag 161: 15. März 2024

Die radikal-islamische Hamas hat nach eigenen Angaben den Vermittlern einen Vorschlag für eine Waffenruhe vorgelegt. Er umfasse unter anderem ein Ende der israelischen "Aggression" gegen die Palästinenser im Gazastreifen, die Bereitstellung von Hilfen und den Abzug der israelischen Streitkräfte, heißt es in einer Erklärung. Zudem werde darin auch die Haltung der Hamas zu einem Austausch der israelischen Geiseln gegen palästinensische Gefangene festgehalten. Einzelheiten zu diesem Punkt werden nicht genannt. Eine Stellungnahme Israels liegt nicht vor.

Tag 160: 14. März 2024

Israels Armee treibt die Pläne für eine umstrittene Militäroffensive gegen die islamistische Hamas in Rafah im Süden des Gazastreifens voran. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Politico" vom Mittwoch drängen die USA als Israels wichtigster Verbündeter jedoch darauf, dass der jüdische Staat von einer befürchteten Grossinvasion auf die an Ägypten grenzende Stadt absieht. Dort suchen derzeit geschätzt 1,5 Millionen Menschen auf engstem Raum Schutz vor dem Krieg.

Ranghohe US-Beamte hätten ihren israelischen Amtskollegen mitgeteilt, dass die Regierung von US-Präsident Joe Biden es unterstützen würde, wenn Israel dort gezielte Schläge gegen die Hamas vornimmt, solange von einer grossangelegten Invasion abgesehen wird, berichtete "Politico". Derweil deutete Israels Verteidigungsminister Yoav Galant bei einem Truppenbesuch in Gaza einen baldigen Beginn der geplanten Militäroffensive in Rafah an. "Es gibt keinen sicheren Hafen für Terroristen in Gaza", sagte er am Mittwoch laut einer Mitteilung der israelischen Regierung.

US-Aussenminister Antony Blinken appellierte unterdessen erneut an Israel, die humanitäre Situation in dem abgeriegelten Küstenstreifen zu verbessern und den Schutz der Zivilbevölkerung sicherzustellen. US-Präsident Biden habe bereits deutlich gemacht, dass dies Priorität haben müsse, sagte Blinken am Mittwoch in Washington. Dies dürfe keine zweitrangige Überlegung sein. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", sagte Blinken. Die USA versuchten mit allen Mitteln, die humanitäre Hilfe zu verstärken. Dennoch sei der "effektivste Weg" eine Feuerpause. "Es liegt gerade ein sehr guter Vorschlag auf dem Tisch. Die Frage ist, ob die Hamas diesen Vorschlag annehmen wird", sagte Blinken. Man tausche sich intensiv mit den anderen Vermittlerstaaten Katar und Ägypten aus, um zu sehen, wie man einen Deal erreichen könnte.

Israels Streitkräfte erklärten unterdessen laut der Zeitung "Times of Israel" am Mittwoch, dass ein grosser Teil der Menschen in Rafah, der südlichsten Stadt in Gaza, vor einer Militäroperation auf "humanitäre Inseln" im Zentrum des abgeriegelten Küstengebiets gebracht würde. Ihre Umsiedlung in ausgewiesene Gebiete werde in Abstimmung mit internationalen Akteuren erfolgen, wurde Armeesprecher Daniel Hagari zitiert. Wann die Evakuierung stattfinden soll und wann die Offensive auf die Stadt beginnen werde, sagte er demnach nicht. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte sich kürzlich entschlossen gezeigt, die Offensive in Rafah trotz internationaler Warnungen bald zu beginnen. "Wir sind einem Sieg sehr nahe", sagte er in einem von "Bild", Welt TV und "Politico" geführten Interview.

"Selbst diejenigen, die denken, dass wir verzögern, werden bald sehen, dass wir jede Region erreichen werden", sagte Verteidigungsminister Galant. Zwar erwähnte er Rafah nicht namentlich, die "Times of Israel" wertete seine Äusserung aber als Hinweis auf die geplante Offensive. Galant könnte sich dabei auf Berichte bezogen haben, wonach Verbündete Israel gedrängt haben, eine Invasion in Rafah aufzuschieben, schrieb dazu die "New York Times". Israel will in Rafah die letzten vier verbliebenen Bataillone der Hamas in Gaza zerschlagen.

Die USA wollen laut "Politico" jedoch vermeiden, dass Israels Streitkräfte die Stadt dabei in Schutt und Asche legen und viele der Zivilisten getötet werden. Eine grossangelegte Kampagne sei für Biden inakzeptabel. Der US-Präsident hatte am Wochenende in diesem Zusammenhang von einer "roten Linie" gesprochen. Er fordert ein glaubwürdiges Konzept zum Schutz der Zivilisten. Ranghohe US-Beamte hätten Israel signalisiert, dass sie einen Plan unterstützen könnten, der eher mit gezielten Antiterror-Einsätzen vergleichbar sei, schrieb "Politico". Biden hatte gemahnt, es dürfe nicht zugelassen werden, dass als Konsequenz aus dem Vorgehen gegen die Hamas weitere 30 000 Palästinenser ums Leben kämen. Bei Netanjahu stiess das auf Verärgerung.

 

Tag 159: 13. März 2024

Israel steht angesichts der katastrophalen Lage der Menschen im umkämpften Gazastreifen international unter wachsendem Druck, mehr Hilfslieferungen auf dem Landweg zuzulassen. Auf Anweisung der Regierung in Jerusalem wurde nun ein Konvoi aus sechs Lastwagen mit Hilfsgütern des Welternährungsprogramms (WFP) über eine neue Strasse des israelischen Militärs in den Norden des abgeriegelten Küstenstreifens gelassen, wie die Armee am Dienstagabend auf Telegram bestätigte. Es habe sich um ein Pilotprojekt gehandelt, um zu verhindern, dass die Hilfsgüter in die Hände der islamistischen Hamas fallen. Die Ergebnisse würden jetzt der Regierung vorgelegt, teilte die Armee mit. Der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell beklagte derweil vor dem Weltsicherheitsrat eine Blockade von Hilfslieferungen. Ohne Israel beim Namen zu nennen, sagte er am Dienstag vor dem höchsten UN-Gremium in New York: "Hunger wird als Kriegswaffe eingesetzt."

Auch die Vereinten Nationen drängten zuletzt darauf, die Hilfslieferungen per Lastwagen auszuweiten und den Transport der Güter auch über Grenzübergänge zum besonders betroffenen Norden des Palästinensergebiets zuzulassen. Mit dem jetzt ersten erfolgreichen Konvoi in den Norden seit dem 20. Februar habe man in der Nacht zum Dienstag auf der neuen Militärstrasse Lebensmittel für 25 000 Menschen in die Stadt Gaza liefern können, teilte das Welternährungsprogramm mit. Die Route verläuft von der Mittelmeerküste bis zur israelischen Grenze nahe dem Kibbuz Beeri, das am 7. Oktober bei dem von Terroristen der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppen in Israel angerichteten Massakers überfallen worden war. Das Massaker war der Auslöser des Krieges im Gazastreifen.

Da die Menschen im Norden des kleinen Küstengebiets am Rande einer Hungersnot stünden, brauche es aber jeden Tag Lieferungen, erklärte das WFP am Dienstag. Am selben Tag war das Schiff "Open Arms" von Zypern in Richtung Gaza in See gestochen. Es zieht eine Plattform mit rund 200 Tonnen Trinkwasser, Medikamenten und Lebensmittel. Wo und wie es vor dem Gazastreifen die Fracht abladen soll und wie die Verteilung erfolgt, ist noch unklar. Seetransporte von Hilfsgütern in den Gazastreifen können laut einem Sprecher der Vereinten Nationen jedoch nicht den Mangel an dringend benötigten Lkw-Lieferungen wettmachen.

Daran ändern auch die jüngsten Abwürfe von Hilfsgütern aus der Luft nichts. Die Bundesregierung bereitet dennoch einen Einsatz der Luftwaffe für den Abwurf von dringend benötigter Hilfe über Gaza vor. Das Auswärtige Amt habe eine entsprechende formale Bitte an das Verteidigungsministerium gestellt, meldete der "Spiegel" am Dienstag. Aus dem Militär wurden entsprechende Vorbereitungen bestätigt, bei denen in Frankreich stationierte C130-Transportflugzeuge der Bundeswehr eingesetzt werden könnten.

Israel wehrt sich gegen Kritik wegen der katastrophalen Versorgungslage im Gazastreifen. Derzeit kämen sogar mehr Hilfsgüter in den abgeriegelten Küstenstreifen als vor Beginn des Krieges, erklärte die Regierung. Ein Sprecher der Vereinten Nationen sagte, es reiche nicht, die Lastwagen zu zählen, die Grenzposten überquerten. UN-Angaben zufolge liegt das Problem bei der Verteilung der Güter innerhalb des Kriegsgebiets. Laut dem UN-Nothilfebüro Ocha erreichten etwa im Februar nur die Hälfte aller geplanten Hilfskonvois die Gebiete, für die sie bestimmt waren. Bei den übrigen Lieferungen habe die israelische Unterstützung gefehlt. Die Verteilung erfordere Koordination mit dem israelischen Militär.

 

Tag 158: 12. März 2024

Israels Armee hat im gefährlichen Grenzkonflikt mit der libanesischen Hisbollah nach eigenen Angaben nun auch Stellungen der Schiiten-Miliz in der Tiefe des Nachbarlandes angegriffen. Die Luftwaffe habe zwei Stellungen der proiranischen Hisbollah in der Bekaa-Ebene im Nordosten des Libanons attackiert, teilte Israels Militär am Montagabend mit und bestätigte damit libanesische Berichte. Es sei erst das zweite Mal seit Beginn des Krieges gegen die mit der Hisbollah verbündete islamistische Hamas im Gazastreifen vor gut fünf Monaten, dass Israels Militär das etwa 100 Kilometer nördlich der Landesgrenze gelegene Gebiet angegriffen habe, berichtete die israelische Nachrichtenseite "Ynet" am Abend.

Seit Beginn des Gaza-Krieges nach dem Hamas-Massaker am 7. Oktober in Israel kommt es fast täglich zu gegenseitigen Angriffen, konzentriert auf die Grenzregion. Israel will erreichen, dass sich die Hisbollah wieder hinter den 30 Kilometer von der Grenze entfernten Litani-Fluss zurückzieht - so wie es eine UN-Resolution aus dem Jahr 2006 vorsieht.

Die Attacken auf Standorte der Luftstreitkräfte der Hisbollah im Nordosten Libanons seien eine Vergeltung für deren jüngste Luftangriffe, die die Golanhöhen zum Ziel gehabt hätten, teilte Israels Militär mit. Laut libanesischen Sicherheitskreisen gab es bei den israelischen Angriffen Opfer. Weder die israelischen, noch die libanesischen Angaben konnten unabhängig überprüft werden.

Die Hisbollah, die von Deutschland und vielen anderen Ländern als Terrororganisation eingestuft wird, kontrolliert vor allem den Süden an der Grenze zu Israel, von Schiiten bewohnte Viertel der Hauptstadt Beirut und die Bekaa-Ebene. Israels Verteidigungsminister Yoav Galant kündigte kürzlich an, den militärischen Druck auf die Hisbollah als Reaktion auf deren tägliche Angriffe auf Israel zu erhöhen, bis sie sich von der Grenze zurückgezogen habe. Nach libanesischen Angaben soll es während des am Montag begonnenen muslimischen Fastenmonats Ramadan indirekte Gespräche über eine diplomatische Lösung geben. Ein Krieg erscheint mit jedem Tag ohne eine solche Lösung wahrscheinlicher.

Unterdessen ist Israels Armee im Gazastreifen nach eigenen Angaben Marwan Issa auf die Spur gekommen - dem dritthöchsten Hamas-Funktionär in dem abgeriegelten Küstengebiet. Man habe ihn möglicherweise getötet, sagte Armeesprecher Daniel Hagari am Montagabend. Die Luftwaffe habe in der Nacht zum Sonntag unterirdische Anlagen im Flüchtlingslager Nuseirat bombardiert. Issa habe den Tunnel genutzt, sagte Hagari. Man prüfe noch, ob die Nummer Drei der Hamas tatsächlich unter den Opfern des Luftangriffs war. Als Nummer Eins und Zwei bezeichnet Israel den Führer der Hamas im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, und den Chef der Kassam-Brigaden der Islamisten, Mohammed Deif. "Sie alle sind tote Männer, wir werden sie alle kriegen", sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und bekräftigte seine Absicht, sein Land zum "absoluten Sieg" führen zu wollen.

Bericht: Vollständige Vernichtung der Hamas schwer zu erreichen

Nach Einschätzung der US-Geheimdienste dürfte es für Israel jedoch schwierig sein, das Ziel einer vollständigen Eliminierung der Hamas zu erreichen, wie die US-Zeitung "Wall Street Journal" am Montag berichtete. Sie zitierte aus dem jüngsten Bericht der US-Geheimdienste mit dem Titel "Annual Threat Assessment" (Jährliche Bewertung der Bedrohung). Darin heisse es, Israel werde wahrscheinlich noch jahrelang mit dem bewaffneten Widerstand der Hamas konfrontiert sein. Israels Militär werde Schwierigkeiten haben, die unterirdische Infrastruktur der Hamas zu zerstören, die es den Aufständischen ermögliche, sich zu verstecken, neue Kräfte zu sammeln und die israelischen Streitkräfte zu überraschen.

Israels Aussenminister Israel Katz hat unterdessen den Weltsicherheitsrat dazu aufgefordert, äussersten Druck auf die Hamas zu machen und so die Freilassung von Geiseln zu ermöglichen. "Ich fordere vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, so viel Druck wie möglich auf die Hamas-Organisation auszuüben", sagte Katz am Montag bei einer Sitzung des mächtigsten UN-Gremiums in New York. Der Weltsicherheitsrat war zusammengekommen, um über einen vor einer Woche vorgestellten Bericht zu diskutieren, in dem die UN die israelischen Vorwürfe über sexualisierte Gewalt während des Massakers von Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel als glaubwürdig einstufen.

Bundesfrauenministerin Lisa Paus begrüsste das Treffen des Weltsicherheitsrates. Es brauche aber "mehr Aufklärung, damit diese abscheulichen Verbrechen und der Terror der Hamas vor Gericht kommen", sagte Paus der Deutschen Presse-Agentur am Montag in New York.

Die UN-Sonderbeauftragte für sexualisierte Gewalt in Konflikten wies einen Vorwurf Israels zurück, die Vereinten Nationen hätten den Bericht zu sexualisierter Gewalt von Hamas-Terroristen unterdrücken wollen. "Der Generalsekretär hat keinen Versuch unternommen, meinen Bericht oder seine Erkenntnisse zu unterdrücken", sagte Pramila Patten am Montag. Sie reagierte damit auf den Vorwurf von Israels Aussenminister Katz, die UN hätten die Verbrechen der Hamas "unter den Teppich kehren" wollen.

Mit einer ungewöhnlichen Initiative versucht nun auch die Frau von Ministerpräsident Netanjahu eine Freilassung der Geiseln zu erreichen. Sara Netanjahu wandte sich in einem am Montagabend veröffentlichten Brief an die Mutter des Emirs von Katar, Scheich Mosa Nasser Al Missned. "Ich bitte Sie dringend, im Geiste des Ramadans, Ihren grossen Einfluss geltend zu machen, um auf die Freilassung der israelischen Geiseln hinzuwirken", schrieb Sara Netanjahu in dem Brief, der auf dem Account ihres Mannes auf der Plattform X (vormals Twitter) veröffentlicht wurde.

Katar vermittelt zusammen mit Ägypten und den USA seit Wochen zwischen der Hamas und Israel. Die Vermittler hatten vergeblich gehofft, bis zum Ramadan eine Einigung über eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln zu erzielen. Israels Regierung geht davon aus, dass die palästinensischen Extremisten im Gazastreifen derzeit noch rund 100 lebende Geiseln in ihrer Gewalt haben.

 

 

 

Tag  155: 9. März 2024

Die Hamas im Gazastreifen ist nach Einschätzung des israelischen Auslandsgeheimdiensts Mossad derzeit an keiner Waffenruhe im Gaza-Krieg interessiert. Vielmehr sei die islamistische Organisation bestrebt, "die (Nahost-)Region im (muslimischen Fastenmonat) Ramadan in Brand zu setzen", sagte Mossad-Chef David Barnea in einer Erklärung, die das Ministerpräsidentenamt am Samstagabend veröffentlichte. Zugleich bleibe Israel mit den Vermittlern USA, Katar und Ägypten in Verbindung und kooperiere mit ihnen, hielt die Erklärung fest.

Seit mehreren Wochen verhandeln Israel und die Hamas in indirekt geführten Gesprächen über eine befristete Waffenruhe. Ziel ist auch ein Austausch der von der Hamas festgehaltenen israelischen Geiseln gegen Palästinenser in israelischen Gefängnissen. Barnea leitet die israelische Delegation. Ein von den Vermittlern vorgeschlagenes und von Israel akzeptiertes Abkommen scheiterte jedoch bislang aus israelischer und amerikanischer Sicht an der unnachgiebigen Haltung der Hamas. Barneas Verhandlungsteam erschien deshalb schon seit fast einer Woche nicht mehr zu den indirekten Gesprächen in Kairo.

Wichtigster Konfliktpunkt ist, dass die Hamas auf einer verbindlichen Zusage Israels besteht, den Krieg zu beenden und seine Truppen aus dem Gazastreifen abzuziehen. Der Vermittlervorschlag sieht jedoch nur eine sechswöchige Waffenruhe und eine erste Phase des Austausches von Geiseln gegen palästinensische Häftlinge vor. Während der Waffenruhe sollen dann die Seiten über einen dauerhaften Waffenstillstand und die Modalitäten der Freilassung aller übrigen Geiseln verhandeln. Israel zeigt seinerseits keine Bereitschaft, von diesem Stufenplan abzurücken.

Die USA hatten ursprünglich darauf gedrängt, eine Einigung bis zum Beginn des Ramadan unter Dach und Fach zu bringen. Der Fastenmonat, eine den Muslimen besonders heilige Zeit, beginnt voraussichtlich am Sonntagabend. Dass bis dahin noch ein Deal erzielt wird, gilt als unwahrscheinlich. Islamisten und radikale Muslime schreiben dem Ramadan auch eine besondere Rolle für den Dschihad, den heiligen Krieg, zu. In Israel rechnet man deshalb mit gesteigerten Spannungen und Konflikten im besetzten Westjordanland und rund um die heiligen Stätten in der Altstadt von Jerusalem.

Am Freitag hatte der Hamas-Sprecher Abu Obaida in einer Video-Botschaft die Palästinenser dazu aufgerufen, im Fastenmonat zur Al-Aksa-Moschee auf dem Jerusalemer Tempelberg zu marschieren. "Möge der gesegnete Monat Ramadan (...) sich zur maximalen Flutwelle auf den Strassen und Fronten innerhalb und ausserhalb Palästinas auswachsen", sagte er. Den Überfall auf Israel am 7. Oktober, der den Gaza-Krieg auslöste, nennt die Hamas "Al-Aksa-Flutwelle".

 

Tag 151: 5. März 2024 

Die Gespräche in Kairo über eine vorübergehende Waffenruhe im Gaza-Krieg sind nach Angaben ägyptischer Sicherheitskreise nicht gescheitert und werden fortgesetzt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag. Demnach habe es keinen Rückzug der Hamas oder anderer Beteiligter gegeben, so die Quelle. Zuvor hatte es Medienberichte gegeben, wonach die islamistische Palästinenserorganisation die Verhandlungen als gescheitert erklärt haben soll. Das hatten jedoch auch Hamas-Vertreter auf dpa-Anfrage nicht bestätigt.

Den dpa-Informationen zufolge sollen die Gespräche sogar in einem fortgeschrittenen Stadium sein. Sie könnten innerhalb von Tagen eine Waffenruhe sowie den Austausch von israelischen Geiseln gegen palästinensische Häftlinge bringen, hiess es. Der Darstellung zufolge liegt es an einem "internen israelischen Disput", dass es noch keinen Durchbruch gab. Die verbliebenen Hindernisse seien aber "marginal".

In den vergangenen beiden Tagen hätte die Hamas sich positiv mit den Vorschlägen aus Katar und Ägypten auseinandergesetzt, sagte ein ranghoher Hamas-Funktionär am Dienstagabend bei einer Pressekonferenz in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Dabei bestärkte er erneut die Position der Hamas: "Die Sicherheit unseres Volkes kann nur durch die Beendigung der Aggression, einen Waffenstillstand und den Rückzug der Besatzungstruppen aus Gaza erreicht werden."

Israel lehnt einen umfassenden Waffenstillstand bisher ab und strebt weiterhin eine Zerstörung der Hamas an. Aus israelischer Sicht ist daher im Rahmen einer Vereinbarung nur eine vorübergehende Feuerpause denkbar.

US-Aussenminister Antony Blinken betonte am Rande eines Treffens mit dem katarischen Ministerpräsidenten Mohammed bin Abdulrahman Al Thani in Washington, es liege an der Hamas, sich auf eine Waffenruhe einzulassen. Die Lage der Menschen in Gaza "im von der Hamas ausgelösten Kreuzfeuer" bezeichnete Blinken als "inakzeptabel und unhaltbar". Israel müsse "alle möglichen Mittel und Methoden maximieren, um denjenigen Menschen Hilfe zukommen zu lassen, die sie brauchen".

In Kairo verhandeln Vertreter aus den Vermittlerstaaten USA, Katar und Ägypten mit der Hamas über eine vorübergehende Waffenruhe. Israel nimmt nicht direkt an den Gesprächen teil. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu fordert von der Terrororganisation unter anderem, eine Liste mit den Namen der noch lebenden Geiseln in ihrer Gewalt vorzulegen. Hamas-Vertreter gaben jedoch an, wegen der israelischen Angriffe nicht sagen zu können, welche der aus Israel entführten Geiseln noch am Leben sind.

 

Tag 149: 3. März 2024

Nach dem Tod Dutzender Palästinenser bei der Ankunft von Hilfslieferungen im Gazastreifen hat ein israelischer Armeesprecher eine gründliche Untersuchung des Vorfalls angekündigt. Das Militär habe alle Beweismittel sichergestellt, um den Sachverhalt aufzuklären, sagte Konteradmiral Daniel Hagari am Samstagabend auf einer Pressekonferenz. Die Armee werde die Ergebnisse vorlegen. "Die Behauptung, wir hätten den Konvoi vorsätzlich angegriffen und Menschen vorsätzlich Schaden zugefügt, entbehrt jeder Grundlage", fügte er hinzu.

Die genauen Umstände des Vorfalls am Donnerstag bei der Ankunft eines Hilfskonvois in der Stadt Gaza sind bislang unklar. Als gesichert gilt, dass eine grosse Zahl verzweifelter Menschen versucht hatte, sich mit Hilfsgütern zu versorgen. Mehr als hundert sollen nach Angaben der von der islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde dabei gestorben sein. Über 700 wurden demnach verletzt. Viele der Opfer hätten Schussverletzungen aufgewiesen, die nur von israelischen Soldaten verursacht worden sein könnten, berichteten Augenzeugen.

Das israelische Militär machte hingegen in ersten Erklärungen das Chaos und Gedränge rund um die Lkws des Konvois für die Toten verantwortlich. Zwar seien Schüsse gefallen, aber dadurch habe es nur wenige Verletzte gegeben, so die israelische Darstellung. Eine Menge habe sich den israelischen Soldaten genähert, die den Konvoi sicherten, was diese als Bedrohung aufgefasst hätten.

 

Tag 147: 1. März 2024

Nach dem Tod Dutzender Menschen bei der Ankunft von Hilfsgütern im Gazastreifen hat Israels Armeesprecher erklärt, Soldaten hätten keine Menschen gezielt angegriffen. Vielmehr sei es bei der Ankunft der Lastwagen zu einem chaotischen Gedränge gekommen, das die Soldaten vor Ort mit Warnschüssen auflösen wollten, sagte Daniel Hagari am Abend bei einer Pressekonferenz. "Unser Krieg richtet sich gegen die Hamas, nicht gegen die Menschen in Gaza." 

Die israelische Armee hatte Hagari zufolge am Morgen einen Lastwagenkonvoi mit humanitären Hilfsgütern koordiniert, der Bewohner im Norden des abgeriegelten Küstenstreifens erreichen sollte. Bei der Ankunft der humanitären Hilfsgüter seien zahlreiche Menschen auf die Lastwagen gestürmt und es sei zu einem chaotischen Gedränge gekommen. "Einige fingen an, andere gewaltsam zu schubsen und zu Tode zu trampeln und plünderten die humanitären Hilfsgüter", sagte Hagari weiter. Um die große Menschenmenge auseinanderzubringen, hätten die israelischen Soldaten Warnschüsse abgegeben. "Es gab keinen Angriff des israelischen Militärs auf den Hilfskonvoi", sagte Hagari. Die Truppen vor Ort hätten sich daraufhin zurückgezogen.

 

Tag 146: 29. Februar 2024

Vor der erwarteten israelischen Bodenoffensive in Rafah im Süden des Gazastreifens hat die israelische Armee einen Plan für eine Evakuierung von Zivilisten aus Kampfgebieten vorgelegt. Das Militär unterbreitete dem israelischen Kriegskabinett "einen Plan für die Evakuierung der Bevölkerung aus Kampfgebieten im Gazastreifen und den weiteren Einsatzplan", wie das Büro von Regierungschef Netanyahu mitteilte. Außerdem sei ein Plan für die Bereitstellung von Hilfsgütern für den Gazastreifen gebilligt worden, "der die Plünderungen im Nordstreifen und in anderen Gebieten verhindern soll", hieß es. Einzelheiten wurden in der kurzen Mitteilung nicht genannt.

Tag 145: 28. Februar 2024

EU-Kommissar Janez Lenarcic hat auf eine weitere Finanzierung des in die Kritik geratenen Palästinenserhilfswerks der Vereinten Nationen (UNRWA) gedrängt. "Wir müssen die Risikoumgebung, in der UNRWA tätig ist, anerkennen und dürfen nicht zu kollektiver Bestrafung greifen oder zum weiteren humanitären Zusammenbruch im Gazastreifen beitragen", sagte der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenmanagement am Dienstag im EU-Parlament in Strassburg. Das Hilfswerk sei "buchstäblich lebenswichtig" für die Menschen im Gazastreifen und für die Stabilität in der Region unerlässlich. Daher bleibe es von entscheidender Bedeutung, dem Hilfswerk angemessene Mittel zur Verfügung zu stellen, betonte er. "Eine Finanzierungslücke hätte katastrophale Folgen. Es gibt einfach keinen Ersatz für UNRWA." 16 Länder hatten zuletzt ihre Zahlungen an UNRWA eingefroren. Vorausgegangen waren israelische Vorwürfe, wonach einige Mitarbeiter der Organisation an den Massakern in Israel am 7. Oktober beteiligt gewesen sein sollen. Die EU arbeite konstruktiv mit dem Hilfswerk daran, interne Kontrollen zu stärken und das Personal zu überprüfen, sagte Lenarcic. UNRWA wurde 1949 von der UN-Generalversammlung ins Leben gerufen und kümmert sich seitdem speziell um die Belange palästinensischer Flüchtlinge und betreibt unter anderem Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Insgesamt arbeiten mehr als 30 000 Menschen für die Organisation, etwa 13 000 allein im Gazastreifen.

 

 

Tag 143: 26. Februar 2024

Das UN-Menschenrechtsbüro verlangt eine Aufarbeitung aller Menschenrechtsverletzungen in den Palästinensergebieten und Israel. "Die jahrzehntelange Straflosigkeit, über die unser Büro berichtet hat, darf nicht fortbestehen", teilte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, in Genf mit. Alle Seiten müssten für Verstöße zur Rechenschaft gezogen werden. "Gerechtigkeit ist eine Voraussetzung dafür, dass der Kreislauf der Gewalt beendet wird und dass Palästinenser und Israelis sinnvolle Schritte in Richtung Frieden unternehmen können." Alle Seiten müssten für ihr Handeln seit der israelischen Besetzung der palästinensischen Gebiete nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 zur Rechenschaft gezogen werden - "und bis heute", betonte Türk. Aufgeführt werden Tötungen, Geiselnahmen, Zerstörung ziviler Einrichtungen, kollektive Bestrafung und vieles mehr. Alles Handlungen, die nach dem humanitären Völkerrecht verboten sind.

 

Tag 141: 24. Februar 2024

18.00
Bei den Verhandlungen über eine Feuerpause im Gaza-Krieg und über die Freilassung weiterer Geiseln sind Berichten zufolge "bedeutende Fortschritte" erzielt worden. Die Gespräche zwischen Vermittlern aus Katar, Ägypten und den Vereinigten Staaten sowie einer Delegation aus Israel in Paris seien "sehr gut" gelaufen, meldete die israelische Zeitung "Haaretz" am Samstag unter Berufung auf nicht näher genannte Personen, die mit den Einzelheiten des Treffens vertraut sein sollen. Noch vor Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan könne eine Einigung erzielt werden, zitierte die Zeitung einen ausländischen Diplomaten. Der Ramadan beginnt in diesem Jahr um den 10. März.

Eine israelische Delegation hat am Freitagabend in Paris die Vertreter Ägyptens, Katars und der USA getroffen. Dabei sei eine aktualisierte Fassung für ein mögliches Abkommen über eine Feuerpause und die Freilassung von Geiseln erarbeitet worden, meldeten mehrere israelische Medien. Laut der "Jerusalem Post" soll diese nun dem Kriegskabinett in Israel vorgelegt werden.

Die erzielten Fortschritte erlaubten jetzt Verhandlungen über Einzelheiten des Deals, schrieb das Blatt ebenfalls unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen. Gemeint ist demnach etwa die Anzahl der palästinensischen Häftlinge, die im Gegenzug für die aus Israel entführten Geiseln freigelassen werden könnten. Zunächst müssten die Vermittler aber die Hamas dazu bringen, dem neuen Gerüst für einen Deal zuzustimmen, hiess es weiter.

Die indirekten Verhandlungen verliefen in den vergangenen Wochen schleppend. Israel sprach beispielsweise von Maximalforderungen der Hamas wie einen dauerhaften Waffenstillstand und weigerte sich, darauf einzugehen. Die Islamisten sollen Berichten zufolge aber zuletzt ihre Forderungen heruntergeschraubt haben.

"Eine Einigung steht nicht bevor", zitierte der israelische Fernsehsender Channel 12 am Freitagabend einen namentlich nicht genannten Regierungsbeamten nach der Verhandlungsrunde in Paris. "Das Ziel ist es, eine solche vor dem Beginn des Monats Ramadan zu erzielen."

 

 

 

 

11:00
Die heftigen Kämpfe im Gazastreifen gehen israelischen Armeeangaben zufolge weiter. "Im Laufe des vergangenen Tages seien mehrere Terroristen bei Luftangriffen und Zusammenstössen am Boden getötet worden", teilte das Militär am Samstag mit. Truppen hätten zudem zahlreiche Waffen und Dokumente der Hamas sichergestellt. Intensive Kämpfe gab es den Angaben nach etwa in Chan Junis, der grössten Stadt im Süden des Küstengebiets. Soldaten hätten dort am Freitag "zahlreiche Terroristen mit präzisem Scharfschützenfeuer getötet". In Al-Saitun, einem Viertel der Stadt Gaza, habe eine Gruppe versucht, eine Rakete auf die israelischen Soldaten zu feuern, teilte das Militär weiter mit. Ein "Fluggerät zielte auf die Terroristen und tötete sie." Die Truppen setzten ihre Aktivitäten in dem Gebiet fort, hiess es weiter. Die Angaben des Militärs konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Auslöser des Krieges war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels. Terroristen der islamistischen Hamas sowie anderer extremistischer Palästinenserorganisationen ermordeten am 7. Oktober vergangenen Jahres in Israel mehr als 1200 Menschen und verschleppten 250 weitere in den Küstenstreifen. Ziel der israelischen Militäroffensive sind die Zerstörung der Hamas und die Befreiung der verbliebenen Geiseln, von denen nach israelischen Informationen höchstens noch rund 100 am Leben sind. Bei israelischen Angriffen und Kämpfen sind nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bisher fast 30 000 Menschen im Gazastreifen getötet und weitere rund 70 000 verletzt worden. Die Angaben, bei denen nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern unterschieden wird, können derzeit nicht unabhängig überprüft werden. Wegen der vielen zivilen Opfer und massiven Zerstörungen steht Israel stark in der Kritik.

 

Tag 137: 20. Februar 2024

Der palästinensische Ministerpräsident Mohammed Schtaje hat die internationale Gemeinschaft zu einem Aufbauprogramm für den schwer zerstörten Gazastreifen aufgerufen. "Wir brauchen einen Marshallplan für den Gazastreifen", sagte Schtaje der Nachrichtenagentur DPA am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Dieser Plan müsse aus drei Komponenten bestehen: Nothilfe, Rekonstruktion und einer Wiederbelebung der Wirtschaft.

 

Tag 136: 19. Februar 2024

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat Forderungen nach einer Beendigung der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen zum wiederholten Mal zurückgewiesen. Er kündigte an, den "Job zu beenden". Ein Mitglied des israelischen Kriegskabinetts, der frühere General Benny Gantz, kündigte indessen an, die Offensive werde auf die südliche Stadt Rafah ausgeweitet, wenn die in dem Küstengebiet verbliebenen israelischen Geiseln nicht bis zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan freigelassen seien.  "Wenn bis zum Ramadan unsere Geiseln nicht zu Hause sind, werden sich die Kämpfe bis in die Gegend von Rafah fortsetzen", sagte Gantz. Die israelische Regierung hat sich nicht öffentlich zu einem Zeitplan für eine Bodenoffensive in Rafah geäußert.

 

Tag 135: 18. Februar 2024

Israels Regierung lehnt eine von internationalen Parteien aufgezwungene Friedensregelung mit den Palästinensern ab. Das Kabinett des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu billigte am Sonntag einstimmig eine entsprechende Erklärung. Eine Friedensregelung sei nur als Ergebnis direkter Verhandlungen beider Seiten ohne Vorbedingungen denkbar, hiess es darin weiter. "Israel lehnt die einseitige Anerkennung eines palästinensischen Staates weiter ab", lautete die Regierungsentscheidung zudem. "Eine solche Anerkennung nach dem Massaker am 7. Oktober wäre ein riesiger Preis für den beispiellosen Terror und würde jede künftige Friedensregelung verhindern." Die Regierung folgte mit den Entscheidungen Vorgaben des Ministerpräsidenten. Netanjahu reagierte damit auf Medienberichte, denen zufolge die USA und andere Bündnispartner auch ohne israelische Zustimmung einen palästinensischen Staat anerkennen könnten. Netanjahu sprach vor der Abstimmung von "Gesprächen, die zuletzt in der internationalen Gemeinschaft zu hören sind, über den Versuch, Israel einseitig einen palästinensischen Staat aufzuzwingen". Israel hatte 1967 das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute inmitten drei Millionen Palästinensern rund 700 000 israelische Siedler. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen unabhängigen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Die Vereinten Nationen hatten Palästina 2012 den Status als Beobachterstaat eingeräumt. Von 193 UN-Mitgliedsstaaten haben bisher 139 Palästina als unabhängigen Staat anerkannt. Deutschland und die USA gehören nicht dazu. Sie hatten bisher immer betont, ein palästinensischer Staat müsse im Rahmen von Friedensverhandlungen mit Israel vereinbart werden. Diese liegen allerdings schon seit einem Jahrzehnt brach.

 

Tag 133: 15. Februar 2024

Aussenministerin Annalena Baerbock hat während ihres Besuchs in Israel gefordert, dass vor Angriffen auf Rafah im Süden des Gazastreifens Schutzkorridore für die Zivilbevölkerung in den Norden eingerichtet werden. Ihr sei es wichtig, dass die internationale Gemeinschaft alles dafür tue, dass die eine Million Menschen in der Stadt in Sicherheit gebracht werden, sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag. Baerbock forderte auch die Länder der Region auf, Druck auf die Islamistenorganisation Hamas auszuüben, damit diese sich ergebe und die Geiseln freilasse. Auslöser des Gaza-Krieges war der Terrorangriff der Hamas und anderer extremistischer Palästinenserorganisationen am 7. Oktober auf Israel. Sie töteten dabei 1200 Menschen und verschleppten etwa 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen. Israels Armee begann nach eigenen Angaben am Donnerstag einen Einsatz in einer Klinik in Chan Junis im Süden des Gazastreifens. Soldaten drangen in das Nasser-Krankenhaus ein, um Leichen von Geiseln zu bergen, wie das Militär mitteilte. Es seien Dutzende Tatverdächtige festgenommen worden, sagte der israelische Militärsprecher Daniel Hagari am Donnerstagabend. Einige seien am Massaker in Israel beteiligt gewesen. Aus Verhören mit den Verdächtigen sowie dank Aussagen der freigelassenen Geiseln könne die Armee bestätigen, dass aus Israel entführte Menschen auf dem Gelände der Klinik festgehalten wurden. Es lägen zudem Information vor, dass sich dort auch Leichen von Geiseln befinden. Die Hamas nutze Kliniken als Terrorstützpunkte, Mitglieder der Islamistenorganisation versteckten sich dort inmitten von 400 Patienten und Tausenden Schutzsuchenden, so Hagari weiter. "Wir betreten Krankenhäuser nicht ohne Grund." Spezialeinheiten durchsuchten derzeit die Klinik. Zuvor hatte Hagari von einem "präzisen und begrenzten Einsatz" gesprochen. Die Angaben liessen sich allesamt zunächst nicht überprüfen. Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen erhob nach dem Einsatz Vorwürfe gegen Israel. "Die Operation scheint Teil eines Musters zu sein: Israelische Streitkräfte greifen lebenswichtige zivile Infrastruktur an, insbesondere Krankenhäuser", sagte UN-Menschenrechtssprecherin Ravina Shamdasani am Donnerstagabend in Genf. Selbst wenn Israel argumentiere, eine Klinik sei vom Feind genutzt worden, müsse das Militär laut internationalem Recht vorsichtig und verhältnismässig vorgehen. Israels Armeesprecher Hagari betonte, das Militär sei bei allen Einsätzen in Krankenhäusern im Gazastreifen im Einklang mit dem Völkerrecht vorgegangen und werde dies auch weiterhin tun. "Wir haben nicht die Absicht, den Betrieb des Krankenhauses zu stören." Baerbock bezeichnete die Hamas als "Grundübel" der gegenwärtigen Situation. Hamas-Mitglieder hätten am 7. Oktober in Israel Frauen vergewaltigt und "kleine Kinder auf brutalste Art ermordet". Die Terroristen hätten zudem auch viel Leid über Kinder und Familien im Gazastreifen gebracht. 17 000 Kinder seien derzeit ohne Eltern in dem Palästinensergebiet. Das Leid müsse beendet werden, so die Aussenministerin. "Das ist unsere menschliche Aufgabe." Baerbock sprach sich auch für deutlich mehr Hilfslieferungen in das Palästinensergebiet aus - konkret 500 Lastwagen am Tag. So viel Lkw mit humanitären Gütern fuhren vor Kriegsbeginn täglich in das Gebiet. Sie forderte dafür auch für die Öffnung weiterer Grenzübergänge. Die Grünen-Politikerin traf am Donnerstag auch den israelischen Staatspräsidenten Izchak Herzog, den Minister im israelischen Kriegskabinett Benny Gantz sowie Angehörige der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln. Derzeit befinden sich noch 134 Menschen in der Gewalt der Hamas, von denen aber nach israelischer Schätzung mindestens 30 nicht mehr am Leben sein dürften. Bei Verhandlungen in Kairo über eine Freilassung weiterer Geiseln im Gegenzug für eine Feuerpause im Gaza-Krieg sowie die Entlassung palästinensischer Häftlinge aus israelischenGefängnissen hat es bislang keinen Durchbruch gegeben. Israel verlangt vor weiteren Verhandlungen, dass die Hamas einlenkt. Sein Land werde den "wahnhaften Forderungen" der islamistischen Organisation nicht nachgeben, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Laut israelischen Medien weigert er sich, eine Delegation zurück nach Kairo zu schicken, wo die Gespräche der internationalen Vermittler weitergehen sollten. Angehörige reagierten fassungslos und sprachen von einem "Todesurteil" für die Geiseln. Die Lage im Norden Israels an der Grenze zum Libanon spitzt sich weiter zu. Nachdem am Mittwoch eine 20 Jahre alte Soldatin bei einem Raketeneinschlag in einer Militärbasis in Safed im Norden des Landes getötet worden war, griff IsraelArmee in der Nacht zu Donnerstag Ziele im Libanon an. Bei einem Angriff auf ein Gebäude in Nabatäa kamen zehn Menschen ums Leben. Darunter sollen nach Angaben des örtlichen Krankenhauses sieben Zivilisten sein. Das israelischeMilitär erklärte, einen hochrangigen Kommandeur der Eliteeinheit der Hisbollah, seinen Stellvertreter sowie ein weiteres Mitglied der Schiitenmiliz getötet zu haben.

 

 

Tag 132: 14. Februar 2024

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kommt zur Münchner Sicherheitskonferenz und trifft dort auch US-Vizepräsidentin Kamala Harris. Das Gespräch der beiden an diesem Samstag kündigte das Weisse Haus am Mittwochabend (Ortszeit) im offiziellen Programm der Vizepräsidentin für ihren Deutschlandbesuch an. Harris wird auch den deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz in München treffen. Die Teilnahme Selenskyjs an der Konferenz war zwar seit einiger Zeit erwartet worden, bisher aber nicht offiziell bestätigt. Der ukrainische Präsident hatte das wichtigste Politiker- und Expertentreffen zur Sicherheitspolitik im vergangenen Jahr per Videoansprache eröffnet. Jetzt nimmt er erstmals seit der russischen Invasion vor fast genau zwei Jahren wieder persönlich teil. Es ist der zweite Deutschlandbesuch Selenskyjs seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Bei seinem ersten Aufenthalt war er im Mai vergangenen Jahres in Berlin und Aachen. Damals war die Verleihung des Karlspreises an ihn in Aachen der Anlass. Zu der Sicherheitskonferenz im Hotel Bayerischer Hof werden von Freitag bis Sonntag rund 50 Staats- und Regierungschefs sowie mehr als 100 Minister aus aller Welt erwartet. Darunter sind Scholz, US-Vizepräsidentin Kamala Harris und der israelische Präsident Izchak Herzog. Die Regierungen von Russland und des Irans sind nicht eingeladen.

 

Tag 131: 14. Februar 2024

Vor dem Hintergrund schwerer Terror-Vorwürfe beginnt an diesem Mittwoch die Überprüfung des UN–Palästinenserhilfswerks UNRWA durch eine unabhängige Expertengruppe.

Unter Leitung der ehemaligen französischen Aussenministerin Catherine Colonna soll beurteilt werden, inwiefern UNRWA Massnahmen zur Wahrung der Neutralität eingehalten oder verletzt hat. Die Gruppe kann auch Vorschläge für verbesserte Schutzmassnahmen und Veränderungen bei der Organisation machen. Ein Zwischenbericht ist für Ende März geplant.

UNRWA ist seit einigen Wochen in den Schlagzeilen, weil Israel einem Dutzend seiner Mitarbeiter vorwirft, an den Terrorakten der islamistischen Hamas vom 7. Oktober beteiligt gewesen zu sein. Zudem behauptet Israel, das Hilfswerk sei komplett von der Hamas unterwandert. Mehrere westliche Länder haben wegen der Anschuldigungen die Zahlungen an UNRWA eingefroren, darunter die beiden grössten Geldgeber, die USA und Deutschland. UN-Generalsekretär António Guterres versprach umfassende Aufklärung. Die Zusammenarbeit mit mehreren Angestellten sei sofort beendet worden.

Auf Nachfrage teilte das Gremium zunächst keine Einzelheiten dazu mit, wie und wo seine Arbeit beginnt. Die 67-jährige Colonna wird mit Fachleuten vom Raoul-Wallenberg-Institut in Schweden, dem Michelsen-Institut in Norwegen und dem Dänischen Institut für Menschenrechte zusammenarbeiten.

Das UNRWA kümmert sich bereits seit Jahrzehnten speziell um die Belange palästinensischer Flüchtlinge und betreibt unter anderem Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Insgesamt arbeiten mehr als 30 000 Menschen für die Organisation, etwa 13 000 allein im Gazastreifen. Dort gilt UNRWA für die humanitäre Versorgung von mehr als zwei Millionen Zivilisten, die unter den Folgen des Gaza-Krieges leiden, momentan als alternativlos.

Zeitgleich mit der unabhängigen Prüfung findet eine zweite, interne Untersuchung durch die Vereinten Nationen statt. Diese beschäftigt sich mit den individuellen Terror-Vorwürfen gegen zwölf Mitarbeiter des UN-Hilfswerks und soll dem Vernehmen nach mehrere Wochen dauern.

Tag 130: 12. Februar 2024

Israels Militär hat nach eigenen Angaben zwei Geiseln im Gazastreifen gerettet. Die beiden Männer seien bei dem Massaker der islamistischen Hamas am 7. Oktober in das Küstengebiet entführt worden, gab das israelische Militär am frühen Montagmorgen bekannt. Beide befänden sich in einem guten Gesundheitszustand und seien zur medizinischen Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht worden. Die beiden 60 und 70 Jahre alten Geiseln seien während eines gemeinsamen Einsatzes des Militärs, des Sicherheitsdienstes und der israelischen Polizei in der Nacht in Rafah im Süden des Gazastreifens gerettet worden. Israels Militär hatte zuvor eine Serie von Angriffen in dem Gebiet bekannt gegeben.

 

Tag 127: 11. Februar 2024

Angehörige der in den Gazastreifen entführten israelischen Geiseln wollen Medienberichten zufolge vor dem Internationalen Strafgerichtshof Anklage gegen die Anführer der islamistischen Terrororganisation Hamas erheben. Wie die israelische Nachrichtenseite "Ynet" und die "Jerusalem Post" berichteten, will eine Delegation des Forums der Geiselfamilien zu diesem Zweck am Mittwoch zum Sitz des Strafgerichtshofs nach Den Haag reisen. Ziel ihrer Klage sei es, Haftbefehle gegen die Anführer der Hamas zu erwirken. Auf diese Weise wolle man den Druck erhöhen, eine Freilassung der Geiseln zu erwirken

 

Tag 126: 10. Februar 2024

Israelische Soldaten haben nach eigenen Angaben einen Hamas-Tunnel unter dem früheren Hauptquartier des UN-Palästinenserhilfswerks (UNRWA) im Gazastreifen entdeckt. Der Gang habe als wichtige Einrichtung des Militärgeheimdienstes der Hamas-Terrormiliz gedient, hieß es. In dem - von der UNRWA in der Anfangsphase des Krieges verlassenen - Hauptquartier der UN-Organisation will die Armee in den vergangenen zwei Wochen zudem große Mengen von Waffen und Sprengstoff gefunden haben. Weiter würden Indizien darauf hindeuten, dass Büros und Räumlichkeiten von Hamas-Terroristen genutzt worden seien. Es gab keine Angaben dazu, wann genau diese Nutzung erfolgt sei, ob vor oder nach Kriegsbeginn. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.  UNRWA-Chef Philippe Lazzarini erklärte zu den Berichten über die Entdeckung des Tunnels, dass das Hilfswerk keine Kenntnis davon gehabt habe. Das Personal der UNRWA habe das Hauptquartier auf Anordnung des israelischen Militärs bereits am 12. Oktober geräumt. Wann immer in der Vergangenheit ein verdächtiger Hohlraum in der Nähe oder unter dem UNRWA-Gelände gefunden worden sei, habe man umgehend Protestbriefe an die Konfliktparteien gerichtet.

Tag 125: 9. Februar 2024

In Israel hat es Demonstrationen für und gegen ein mögliches Geisel-Abkommen mit der Hamas gegeben. In Jerusalem protestierten Tausende gegen Verhandlungen mit Israels Feinden und für eine Fortsetzung des Gaza-Kriegs, wie mehrere israelische Medien berichteten. 

In Tel Aviv protestierten demnach zur gleichen Zeit Hunderte Menschen für einen Deal, um die Freilassung der noch immer im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln zu erreichen. Medien zufolge blockierten die Demonstranten in Israels Küstenmetropole zeitweise auch Straßen.

 

Tag 123: 7. Februar 2024

Nach dem jüngsten Vorschlag internationaler Vermittler für eine befristete Waffenruhe im Gazastreifen hat die islamistische Hamas nach Angaben der Regierung Katars positive Signale gesendet. "Wir haben von der Hamas eine positive Antwort erhalten, sie beinhaltet mehrere Vorbehalte, aber ist im allgemeinen positiv", sagte der katarische Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Aussenminister Antony Blinken in Doha. Die Hamas selbst teilte mit, sie und ihre Verbündeten seien mit dem Vermittlungsvorschlag "in positivem Geiste" umgegangen. Die Vereinbarung müsse aber zu einem vollständigen und umfassenden Waffenstillstand, einer Beendigung der Blockade des Gazastreifens, dem Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Küstengebiets und der vollständigen Freilassung palästinensischer Gefangener führen. US-Präsident Joe Biden kommentierte die Entwicklung am Dienstag in Washington mit den Worten: "Es gibt etwas Bewegung." Es habe eine Reaktion von der Hamas gegeben, sie scheine aber "ein wenig übertrieben zu sein". Katar, Ägypten und die USA bemühen sich seit mehreren Wochen intensiv darum, eine Waffenruhe herbeizuführen und die Freilassung von mehr als 130 israelischen Geiseln in der Gewalt der Hamas zu erreichen. Bei dem Vorschlag der Vermittler handelt es sich nach Medienberichten um ein mehrstufiges Rahmenabkommen, das eine längere Feuerpause vorsieht, aber mehrere wichtige Einzelheiten offen lässt. In der ersten Phase soll die Hamas drei Dutzend weibliche, ältere männliche und verletzte Geiseln freilassen. Während der Waffenruhe sollen dann Israel und die Hamas über die Vermittler weiter verhandeln, um die Freilassung aller Geiseln in der Gewalt der Hamas zu erreichen. Im Laufe der bisher einzigen Vereinbarung dieser Art hatte Israel im November 240 palästinensische Gefangene, allesamt Frauen und Jugendliche, im Gegenzug für 105 Geiseln der Hamas, unter ihnen 14 deutsche Staatsbürger, freigelassen. Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Palästinenserorganisationen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zum Gazastreifen verübt hatten.

 

Tag 122: 5. Februar 2024

Während Israels Armee im Gazastreifen weiter die islamistische Hamas bekämpft, gibt es auch an der Nordgrenze zum Libanon erhöhte Spannungen. Israels Militär gab am späten Sonntagabend bekannt, Kampfflugzeuge hätten erneut eine Kommandozentrale der mit der Hamas verbündeten Hisbollah-Miliz im Süden Libanons attackiert. Zudem sei ein Beobachtungsposten der vom Iran unterstützten Miliz angegriffen worden. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Am Abend beriet Israels Verteidigungsminister Yoav Galant in Tel Aviv mit Amos Hochstein, einem Berater von US-Präsident Biden, über die gefährliche Lage in dem Grenzgebiet. Man sei zu einer diplomatischen Lösung der Krise bereit, aber zugleich auf "jedes andere Szenario" vorbereitet, sagte Galant nach Angaben seines Ministeriums bei dem Treffen.

Israel verlegt Divisionen an die Grenze zum Libanon: Nach Auskunft des israelischen Armee-Sprechers Daniel Hagari wurden drei Truppendivisionen an die nördliche Grenze verlegt. Er sprach am Wochenende eine deutliche Warnung an die Hisbollah aus: Ein Krieg sei nicht Israels erste Priorität, "aber wir sind auf jeden Fall vorbereitet".

Seit Beginn des Gaza-Krieges nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober in Israel kommt es in der israelisch-libanesischen Grenzregion fast täglich zu gegenseitigen Angriffen. Auch am Sonntag gab es dort erneut Gefechte. Die Hisbollah schoss nach Angaben des israelischen Militärs mehrere Raketen auf den Norden Israels ab. Als Antwort bombardierten israelische Kampfjets eine Raketenstellung sowie Beobachtungsposten der Hisbollah in zwei Ortschaften im Süden des Libanons.

Keine Einigung auf Feuerpause im Gaza-Krieg; Unterdessen gibt es bei den Verhandlungen im Gaza-Krieg über eine erneute Feuerpause und Freilassung weiterer Geiseln weiterhin keine Einigung. Der Hamas liegt ein von den Vermittlern USA, Ägypten und Katar kürzlich in Paris ausgehandelter Vorschlag vor, der die stufenweise Freilassung der Geiseln im Gegenzug für eine längere Feuerpause sowie für die Freilassung palästinensischer Strafgefangener vorsieht. Ein Vertreter kündigte am Sonntag an, man werde bald dazu Stellung nehmen, es werde aber intern noch diskutiert. Israels Verhandlungsführer sollen den Rahmenentwurf dagegen bereits akzeptiert haben.

Die Hamas und andere extremistische Gruppen hatten am 7. Oktober den Süden Israels überfallen, 1200 Menschen getötet und rund 250 Geiseln entführt. Auf das schlimmste Massaker in seiner Geschichte reagierte Israel mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen. 105 Geiseln wurden während der bisher einzigen Feuerpause im November gegen 240 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen ausgetauscht. Derzeit werden in dem Küstengebiet laut Israel noch 136 Geiseln festgehalten. Israel geht davon aus, dass knapp 30 von ihnen nicht mehr am Leben sind.

Tausende Hisbollah-Stellungen angegriffen: Derweil will Israel durch militärischen und diplomatischen Druck erreichen, dass sich die mit der Hamas verbündete Hisbollah-Miliz im Süden Libanons wieder hinter den 30 Kilometer von der Grenze entfernten Litani-Fluss zurückzieht - so wie es die UN-Resolution 1701 vorsieht. Die Hisbollah feuert derzeit immer wieder aus der Pufferzone heraus, die nach dem Ende des zweiten Libanon-Kriegs 2006 im Grenzgebiet eingerichtet worden war. Israels Armee antwortet mit Gegenangriffen. Laut Armeesprecher Hagari haben die Streitkräfte seit Beginn des Gaza-Krieges mehr als 3400 Hisbollah-Stellungen ins Visier genommen. Dabei seien mehr als 200 Terroristen "eliminiert" worden.

Israel warnt Hisbollah: Die Hisbollah-Miliz gilt als deutlich schlagkräftiger als die Hamas im Gazastreifen. Zehntausende Anwohner im Norden Israels sowie auf libanesischer Seite haben inzwischen wegen der wiederholten militärischen Konfrontationen ihre Heimatorte verlassen. Israel warnte bereits mehrmals, dass es auch zu einem grösseren Militäreinsatz bereit sei, falls die diplomatischen Bemühungen ins Leere laufen sollten. Verteidigungsminister Galant erneute diese Warnung am Sonntag, wie die Zeitung "Times of Israel" berichtete: "Die klare Anweisung, die ich der Luftwaffe gegeben habe, lautet, die Nasen unserer Flugzeuge nach Norden zu richten", wurde Galant zitiert. Israels Armee sei für alle Fälle bereit, hiess es.

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf den israelischen Sender Channel 12 weiter, Bidens Berater Hochstein habe bei dem Treffen mit Galant von Anzeichen für eine mögliche diplomatische Lösung gesprochen. Diese würde einen Rückzug der Hisbollah aus dem Grenzgebiet einschliessen. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht.

Was am Montag wichtig wird: US-Aussenminister Antony Blinken will im Nahen Osten erneut Krisengespräche führen. Dabei soll es auch um eine erneute Feuerpause und die Freilassung von Geiseln im Gaza-Krieg gehen. Blinkens fünfte Nahostreise seit Beginn des Gaza-Krieges vor fast vier Monaten erfolgt nach dem umfassenden US-Militärschlag auf Stellungen proiranischer Milizen im Irak und in Syrien sowie erneuten Angriffen auf Stellungen der ebenfalls proiranischen Huthi-Miliz im Jemen. In New York kommt unterdessen der Weltsicherheitsrat auf Betreiben Russlands zusammen, um über die US-Angriffe in Syrien und dem Irak zu beraten. Moskau wirft Washington vor, gezielt eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten herbeiführen zu wollen.

 

Tag 121: 4. Februar 2024

Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben eine Ausbildungsstätte der Hamas im Gazastreifen gestürmt, in der sich die Kämpfer der radikalislamischen Palästinenserorganisation auf den Angriff auf Israel am 7. Oktober vorbereitet hätten. Die Einrichtung in Chan Junis habe über Modelle israelischer Militärstützpunkte, gepanzerte Fahrzeuge sowie Zugangspunkte zu Kibbuzen verfügt, erklärte die Armee.  Soldaten durchsuchten demnach auch das Büro von Mohammad Sinwar, einem hochrangigen Kommandeur des bewaffneten Flügels der Hamas, den Essedin al-Kassam-Brigaden. Sein Bruder ist Jahja Sinwar, der als Drahtzieher des Großangriffs auf Israel vom 7. Oktober gilt. Bei der Razzia auf dem Gelände hätten die Streitkräfte mehrere Kämpfer durch Scharfschützen, Panzerbeschuss und Luftangriffe "neutralisiert", erklärte die Armee. 

 

Tag 118: 2. Februar 2024

Die israelische Armee will ihre Kämpfe gegen die islamistische Hamas einem Medienbericht zufolge in den südlichsten Teil des Gazastreifens ausweiten. Das Militär werde auch die Hamas-Brigade in Rafah erreichen und auflösen, so wie derzeit mit den Hamas-Bataillonen im Gebiet der südlichen Stadt Chan Junis verfahren werde, zitierte die Zeitung "Times of Israel" am Donnerstagabend den israelischen Verteidigungsminister Yoav Galant. In Rafah und Umgebung sollen sich inzwischen mehr als 1,3 Millionen Menschen aufhalten - mehr als die Hälfte der rund 2,2 Millionen Einwohner des Gazastreifens.  Sie suchen dort Schutz vor den Kämpfen. Fast vier Monate nach dem Terrorüberfall der Hamas auf den Süden Israels mit 1200 Toten am 7. Oktober sind israelische Bodentruppen tief in den Gazastreifen eingerückt, um die Hamas zu zerschlagen. Das südliche Ende des abgeriegelten Küstengebiets, das mit der geteilten Stadt Rafah und dem gleichnamigen Grenzübergang an Ägypten grenzt, ist aber bislang ausser Reichweite der Bodentruppen.  Die Hamas-Brigade in Chan Junis sei am Zusammenbrechen, habe Galant am Mittwoch bei einem Truppenbesuch in der Stadt gesagt, berichtete die Zeitung. Chan Junis gilt als Hochburg der Hamas. Man werde den Einsatz dort abschliessen und auch Rafah erreichen, um dort jeden Terroristen zu "eliminieren, der versucht, uns zu schaden", wurde Galant zitiert. Das "Wall Street Journal" hatte vor drei Wochen unter Berufung auf namentlich nicht genannte israelische und ägyptische Quellen berichtet, dass israelische Offizielle Ägypten über eine geplante Militäroperation entlang der Gaza-Seite der Grenze informiert hätten.  Den Grenzübergang Rafah kontrollieren ägyptische und palästinensische Beamte, wobei Letztere unter der Kontrolle der Hamas stehen. Der israelischen Führung ist dies ein Dorn im Auge. Sie vermutet, dass Tunnel, die unter der Grenze zwischen Ägypten und Gaza verlaufen, nach wie vor dem Schmuggel von Gütern für die Hamas dienen.

 

Tag 117: 1. Februar 2024

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat ein Ende des Mandats des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) verlangt. "Ich denke, dass es an der Zeit ist, dass die internationale Gemeinschaft und die UN verstehen, dass die Mission der UNRWA enden muss", sagte er vor Diplomaten in Jerusalem.

"Es gibt andere Agenturen der UN. Es gibt andere Agenturen auf der Welt. Sie müssen die UNRWA ersetzen", fügte er hinzu. "UNRWA ist völlig von der Hamas unterwandert", sagte Netanyahu. Dabei sei eine neutrale Hilfsorganisation im Gazastreifen sehr wohl nötig. Die UNRWA könne aber nicht diese Organisation sein. Sie müsse ersetzt werden durch eine Struktur, die "den Job macht".

 

Tag 115: 30. Januar 2024

Erstmals seit mehr als einem Monat hat es in der israelischen Küstenstadt Tel Aviv wieder Raketenalarm gegeben. Im Stadtzentrum waren dumpfe Explosionen zu hören. Nach Medienberichten wurden rund ein Dutzend Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgeschossen. 

Der bewaffnete Arm der islamistischen Terrororganisation Hamas reklamierte die Angriffe auf Tel Aviv für sich. Dabei handele es sich um eine Reaktion auf "die Massaker an Zivilisten" in Gaza. Nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes Magen David Adom gab es zunächst keine Berichte über mögliche Verletzte. Seit den Angriff der Hamas auf Israel vor fast vier Monaten sind nach Militärangaben mehr als 14.000 Raketen vom Gazastreifen auf israelische Ortschaften abgefeuert worden. 

 

Tag 114: 29. Januar 2024

Israel hat Gespräche in Paris über eine mögliche neue Feuerpause im Gaza-Krieg und die Freilassung weiterer Geiseln am Sonntag als "konstruktiv" beschrieben. Es gebe aber noch eine "erhebliche Kluft" zwischen den verschiedenen Positionen, teilte das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nach einem Treffen von CIA-Geheimdienstchef William Burns mit Vertretern Israels, Ägyptens und Katars mit. Die Beteiligten wollten sich in dieser Woche erneut treffen, um die Diskussionen fortzusetzen, hiess es. Nach Informationen der "New York Times" wurde in Paris ein Textentwurf der US-Regierung besprochen, der auf Vorschlägen Israels und der islamistischen Hamas fusst. Laut dem Plan sollen die palästinensischen Extremisten mehr als 100 Geiseln freilassen und Israel dafür seinen Militäreinsatz im Gazastreifen für etwa zwei Monate stoppen. Schon während einer siebentägigen Feuerpause im November waren gefangen gehaltene israelische Kinder und Frauen gegen in Israel inhaftierte Palästinenser ausgetauscht worden. Doch etwas mehr als 130 Menschen sollen noch in der Gewalt der Terroristen sein. Zwei Kinder sowie 18 Frauen und eine 13-Jährige sollen darunter sein, wie auch mehrere Deutsche. Die älteste Geisel ist 85 Jahre alt, die Jüngste ein Jahr. Dem Entwurf zufolge sollen in einer ersten Phase die Kämpfe für 30 Tage pausieren. In dieser Zeit solle die Hamas weibliche, ältere und verletzte Geiseln freilassen. Parallel dazu sollten beide Seiten über eine zweite Phase verhandeln, in der als Geiseln genommene israelische Männer und Soldaten im Gegenzug für weitere 30 Tage Feuerpause freigelassen würden.

 

 

Tag 113: 28. Januar 2024

Tausende Menschen haben am Abend im Zentrum von Tel Aviv den Rücktritt von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gefordert. "Die gescheiterte Regierung macht einfach so weiter, als wäre nichts geschehen", sagte einer der Redner der Kundgebung. Die Menge rief daraufhin: "Schuld! Schuld! Schande! Schande!", wie israelische Medien berichteten.

In der Öffentlichkeit wird die Kritik an Netanjahu immer lauter, weil er angeblich keinen Plan für den Krieg in Gaza und die Zeit danach habe. Außerdem werfen ihm Kritiker vor, für die schlechte Vorbereitung und die verspätete Reaktion der Sicherheitskräfte am 7. Oktober verantwortlich zu sein. Der brutale Überfall der islamistischen Hamas im israelischen Grenzgebiet war Auslöser des Kriegs. 

Tag 112: 22. Januar 2024

Palästinenserhilfswerk UNRWA will eine mögliche Beteiligung mehrerer seiner Mitarbeiter am Hamas-Massaker in Israel prüfen. "Ich habe die Entscheidung getroffen, die Verträge dieser Mitarbeiter sofort zu kündigen und eine Untersuchung einzuleiten, um unverzüglich die Wahrheit herauszufinden", sagte UNRWA-Generalkommissar Philippe Lazzarini laut einer am Freitag veröffentlichten Erklärung des UN-Hilfswerks. Es seien "schockierende Anschuldigungen". Israel habe dem UNRWA Informationen über die mutmassliche Beteiligung mehrerer Mitarbeiter übermittelt. "Jeder UNRWA-Mitarbeiter, der an Terroranschlägen beteiligt war, wird zur Verantwortung gezogen, auch durch strafrechtliche Verfolgung."

Die Vereinigten Staaten seien äusserst beunruhigt, teilte das US-Aussenministerium mit. Man habe deshalb die Bereitstellung zusätzlicher Mittel für UNRWA vorübergehend ausgesetzt, hiess es. Die Vorwürfe würden zwischenzeitlich geprüft. US-Aussenminister Antony Blinken habe am Donnerstag mit UN-Generalsekretär António Guterres darüber gesprochen, dass die Angelegenheit gründlich und rasch untersucht werden müsse. In der Mitteilung des US-Aussenministeriums war von Anschuldigungen gegen zwölf UNRWA-Mitarbeiter die Rede.

Guterres zeigte sich entsetzt über die Nachricht, dass mehrere UNRWA-Mitarbeiter in die Terroranschläge in Israel verwickelt sein könnten. Er drohte den Betroffenen ebenfalls mit einer sofortigen Entlassung sowie strafrechtlichen Konsequenzen, sollte die Untersuchung ihre Beteiligung an den Attacken ergeben.

"Jeder, der die Grundwerte der Vereinten Nationen verrät, verrät auch diejenigen, denen wir in Gaza, in der gesamten Region und anderswo auf der Welt dienen", sagte Lazzarini weiter. Mehr als zwei Millionen Menschen im Gazastreifen seien seit Beginn des Krieges auf Hilfe angewiesen. Auf welche Art Mitarbeiter möglicherweise an dem Terrorangriff auf Israel beteiligt waren, teilte Lazzarini nicht mit.

Das UN-Hilfswerk verurteilt nach Angaben des UNRWA-Generalkommissars die "abscheulichen Anschläge vom 7. Oktober" aufs Schärfste und fordert die Freilassung aller aus Israel entführten Geiseln

 

Tag 109: 23. Januar 2024

"In diesem Moment wird jemand in einem Tunnel vergewaltigt", sagte die Tochter einer freigelassenen Frau der Zeitung "Times of Israel" zufolge am Dienstag vor Abgeordneten des Parlaments. Die Geiseln hätten "nichts Unrechtes getan", sagte sie. Ihre Ende November freigelassene Mutter sagte Medienberichten zufolge, die Terroristen behandelten die Mädchen in Gefangenschaft wie Puppen, mit denen sie machen könnten, was sie wollten. "Ich kann nicht atmen, ich kann nicht damit umgehen, es ist zu schwer. Es ist fast vier Monate her, und sie sind immer noch da." Die Mädchen in Gefangenschaft seien wie ihre Töchter gewesen, sagte sie weiter. Die Frau betonte Medien zufolge, dass Männer die gleichen Erfahrungen machten. "Sie können nicht schwanger werden, aber sie machen es auch durch." Ihr Mann wird den Berichten zufolge noch immer im Gazastreifen festgehalten. "Ich kann nicht verstehen, wie die Welt schweigt." Es habe in ihren 51 Tagen Gefangenschaft keine Minute gegeben, in der die Geiseln keinen Missbrauch erlebt hätten, zitierte die Zeitung "Haaretz" die Frau weiter. Freigelassene Geiseln hatten in den vergangenen Wochen auf Kundgebungen bereits ein Bild des Schreckens gezeichnet und auf die Umstände hingewiesen, unter denen die entführten Menschen im Gazastreifen festgehalten wurden und vermutlich noch immer werden. Die Rednerinnen sprachen dabei unter anderem auch von sexuellem Missbrauch der Frauen. Auch vom Massaker am 7. Oktob

 

Tag 108: 22. Januar 2024

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Freilassung israelischer Geiseln zu den Bedingungen der islamistischen Hamas kategorisch ausgeschlossen. Er arbeite "rund um die Uhr" an der Befreiung der mehr als 130 Geiseln in der Gewalt der Hamas, sagte er in einer Video-Botschaft, die am Sonntag veröffentlicht wurde. "Aber damit es klar ist: Ich weise die Kapitulationsbedingungen der Hamas-Monster aufs Entschiedenste zurück", fügte er hinzu. Die Hamas würde für die Freilassung der Geiseln ein Ende des Krieges, den Rückzug der israelischen Streitkräfte aus dem Gazastreifen und den Fortbestand ihrer Regierungsmacht im Küstenstreifen verlangen. Ausserdem würde sie die Freilassung jener "Mörder und Vergewaltiger" fordern, die Israel im Gefolge des brutalen Überfalls der Hamas und anderer extremistischer Gruppen auf Südisrael am 7. Oktober gefangen genommen hatte. "Ich bin nicht bereit, einen derart tödlichen Schlag gegen die Sicherheit Israels zu akzeptieren", sagte er. In Israel hatten am Samstag Tausende Menschen für die Einstellung der Kämpfe im Gazastreifen demonstriert, um die Freilassung der Geiseln zu ermöglichen. Beim Überfall am 7. Oktober hatten Terroristen der Hamas und anderer Gruppen im Süden Israels 1200 Menschen ermordet und weitere 250 in den Gazastreifen verschleppt. Der beispiellose Terrorangriff war Auslöser des Gaza-Krieges. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Die Zahl der in dem Küstengebiet getöteten Palästinenser ist seit Kriegsbeginn nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde auf bereits über 25'000 gestiegen. Unabhängig lässt sich dies gegenwärtig nicht überprüfen.

 

Tag 107: 21. Januar 2024

Grossbritanniens Verteidigungsminister Grant Shapps hat die ablehnende Haltung des israelischen Ministerpräsidenten zu einer Zweistaatenlösung kritisiert. "Ich denke, es ist enttäuschend, wenn man Benjamin Netanjahu sagen hört, dass er nicht an eine Zweistaatenlösung glaubt", sagte Shapps am Sonntag dem Fernsehsender Sky News. Fairerweise müsse man sagen, dass Netanjahu das schon lange sage. "Ich glaube nicht, dass wir eine Lösung finden werden, bis wir eine Zweistaatenlösung haben", sagte Shapps. Grossbritannien werde daran festhalten. Die USA drängen ebenfalls auf die Schaffung eines eigenständigen palästinensischen Staates. Netanjahu wies jedoch am Samstagabend die Darstellung von US-Präsident Joe Biden zurück, eine Zweistaatenlösung nach dem Gaza-Krieg sei mit ihm als Regierungschef machbar. "Ich werde keine Kompromisse eingehen, wenn es um die volle israelische Sicherheitskontrolle über das gesamte Gebiet westlich des Jordans geht - und das steht im Widerspruch zu einem palästinensischen Staat", schrieb Netanjahu auf X (früher Twitter). "Die Palästinenser verdienen einen souveränen Staat", sagte Shapps der BBC. Und Israel verdiene es, sich und seine Sicherheit verteidigen zu können. Er sehe nicht, wie es eine Lösung geben könne, wenn man nicht eine Zweistaatenlösung anstrebe. Man habe in der israelischen Regierung viele verschiedene Ansichten, sagte Shapps. "Wir unterscheiden also sehr stark zwischen den Ansichten einzelner und unserer allgemeinen Unterstützung für Israel als Land." Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas lehnt eine Zweistaatenlösung ab und strebt die Schaffung eines palästinensischen Staates auf dem ganzen Gebiet westlich des Jordans an.

 

Tag 103: 17. Januar 2024

Nach einer von Katar vermittelten Übereinkunft zwischen Israel und der islamistischen Hamas sollen die israelischen Geiseln im Gazastreifen Medikamente erhalten. Zudem würden Hilfslieferungen für die Zivilbevölkerung in den abgeriegelten Küstenstreifen gebracht, teilte das katarische Aussenministerium am Dienstag mit. Nach Angaben des Büros des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sollten die in Frankreich gekauften Medikamente am Mittwoch an Bord von zwei katarischen Militärflugzeugen zunächst nach Ägypten geflogen werden. Von dort würden sie in den Gazastreifen geschafft. Bei dem Überfall und Massaker der islamistischen Hamas und anderer Palästinenserorganisationen auf Israel am 7. Oktober waren rund 250 Menschen in den Gazastreifen verschleppt worden. Derzeit werden in dem Küstenstreifen noch 136 Menschen festgehalten. Israel geht davon aus, dass etwa zwei Dutzend von ihnen nicht mehr leben. 

 

Tag 102: 16. Januar 2024

Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant hat eine Reduzierung der Militäroffensive im Süden des Gazastreifens angekündigt – aber einen Waffenstillstand ausgeschlossen. «Es wird bald enden», sagte Galant am Montag mit Blick auf den Einsatz im Süden. Sowohl dort als auch im Norden des Gazastreifens werde man zur «nächsten Phase» übergehen können, sagte er. Nähere Angaben zu einem Zeitplan machte er nicht.Es würden noch führende Mitglieder der Hamas verfolgt, sagte Galant. Diese seien der «Kopf der Schlange». Sie versteckten sich vermutlich in der Stadt Chan Junis im Süden. Auf diese Gegend hat sich die israelische Offensive zuletzt konzentriert.

 

Tag 101: 15. Januar 2024

In ihrem seit 100 Tagen andauernden Krieg gegen die militant-islamistische Hamas im Gazastreifen hat die israelische Armee weitere Erfolge gemeldet: Im Norden des von der Hamas kontrollierten Palästinensergebiets seien mehrere Raketenwerfer zerstört, im gesamten Gebiet weitere Ziele getroffen worden, hieß es heute in einer Meldung. Dazu gehörten demnach auch Ziele in der im Süden gelegenen Stadt Chan Junis. Die Hamas berichtete von Kämpfen mit israelischen Truppen in Chan Junis. Insgesamt seien in der Nacht mehr als 100 Menschen bei israelischen Angriffen getötet worden, erklärte die Palästinenserorganisation. 

 

Tag 100: 14. Januar 2024

Hunderte israelische Unternehmen sind heute als Zeichen der Solidarität mit mehr als 130 Geiseln im Gazastreifen in einen 100 Minuten langen Streik getreten. Sie folgten damit einem Aufruf des Dachverbands der Gewerkschaften (Histadrut) am 100. Tag nach dem Überfall der militant-islamistischen Hamas auf Israel. Zu Beginn des Streiks schwiegen zum Zeichen der Verbundenheit Tausende von Teilnehmern einer Kundgebung von Angehörigen und Unterstützern der Geiseln 100 Sekunden lang. Die Kundgebung in Tel Aviv sollte insgesamt 24 Stunden lang bis zum Sonntagabend dauern.  Nach Schätzung Israels werden noch 136 Geiseln im Gazastreifen festgehalten, die Hamas-Terroristen und andere Gruppierungen am 7. Oktober bei einem Massaker im israelischen Grenzgebiet verschleppt hatten. Etwa zwei Dutzend davon sind vermutlich nicht mehr am Leben. 

 

Tag 98: 12. Januar 2024

06.30
Die Vereinigten Staaten sehen keine Grundlage für Südafrikas Anschuldigungen des Völkermords an Israel wegen der zivilen Todesfälle in Gaza, sagte der nationale Sicherheitssprecher des Weißen Hauses, John Kirby. Die Anschuldigungen seien unbegründet, sage er laut Nachrichtenagentur Reuters vor Reportern.

02:00
Die USA drängen weiterhin auf eine diplomatische Lösung im Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon. Der US-Gesandte und Vermittler, Amos Hochstein, sagte nach Angaben der libanesischen Nachrichtenagentur NNA: "Wir müssen eine diplomatische Lösung finden, die es dem libanesischen Volk ermöglicht, in seine Häuser im Süden des Libanon zurückzukehren, genauso wie das Volk Israels in der Lage sein muss, in seine Häuser im Norden zurückzukehren."  Hochstein war heute in die libanesische Hauptstadt Beirut gereist, um Gespräche mit verschiedenen Vertretern im Libanon zu führen. Zuvor war er bereits in Israel.

 

Tag 97: 11. Januar 2023

Israels Oberster Gerichtshof hat einen Antrag internationaler Medien auf ungehinderten Zugang zum Gazastreifen abgelehnt. Das Gericht begründete sein Urteil mit Sicherheitsbedenken. Unabhängig in das Palästinensergebiet einreisende Journalisten könnten demnach die Sicherheit der israelischen Soldaten gefährden, indem sie deren Standort oder andere Details zum Militäreinsatz preisgeben. Das Gericht erklärte, es sei bestrebt, zwischen der Sicherheit von Journalisten und Soldaten und der "Pressefreiheit" abzuwägen. Auch wenn das Verbot "nicht die volle Ausübung (...) der Pressefreiheit ermöglicht", sei es "ausgewogen und angemessen" angesichts der "derzeitigen extremen Sicherheitslage" im Gazastreifen. Zudem werde ausländischen und israelischen Journalisten in Begleitung von Armee-Vertretern ein begrenzter Zugang zu dem von der islamistischen Hamas kontrollierten Gebiet ermöglicht. 

 

 

Tag 96: 10. Januar 2023

Bei einem mutmasslich  israelischen Angriff im Süden des Libanons ist ein weiteres wichtiges Mitglied der Schiitenmiliz Hisbollah getötet worden. Einem israelischen Medienbericht zufolge handelt es sich um Ali Hussein Bardschi, der seit dem Überfall der radikal-islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober für Dutzende Angriffe mit Drohnen auf den Norden Israels verantwortlich gewesen sei.  Ein Hisbollah-Sprecher bestätigte den Tod Bardschis, betonte jedoch, er sei kein Kommandeur der Schiitenmiliz gewesen. Die israelische Armee äußerte sich zunächst nicht zu dem Angriff. 

 

Tag 95: 9. Januar 2023

In südlichen Vorstädten der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv und auch weiter östlich im Zentrum des Landes hat es nach Angaben der Armee erneut Raketenalarm gegeben. Die Sirenen heulten und auch in Tel Aviv selbst waren dumpfe Explosionen in der Ferne zu hören, Fensterscheiben klirrten. 

In den betroffenen Gebieten eilten Menschen in die Schutzräume. Angaben zu Schäden oder Opfern gab es zunächst nicht. Die Explosionen rührten vermutlich von Israels Raketenabwehrsystem "Iron Dome" (Eisenkuppel) her, das anfliegende feindliche Raketen noch in der Luft zerstört. 

Militante Palästinenser aus dem Gazastreifen hatten zuletzt in der Neujahrsnacht Raketen Richtung Tel Aviv abgefeuert. Laut Militärangaben sind seit Beginn des Gaza-Krieges mehr als 13.000 Raketen von dem Küstenstreifen aus auf Israel abgefeuert worden. Rund ein Fünftel davon schlug noch im Gazastreifen selbst ein. 

Tag 94: 8. Januar 2023

Bei einem israelischen Luftangriff im Westjordanland sind dem palästinensischen Gesundheitsministerium zufolge sechs Palästinenser getötet worden. Das berichteten mehrere Medien übereinstimmend unter Berufung auf die Behörde in Ramallah. Eine weitere Person sei schwer verletzt worden. Der Angriff in der Stadt Dschenin traf demnach eine Zusammenkunft von mehreren Anwohnern. Israelischen Angaben zufolge handelte es sich bei den Getöteten um Terroristen. Bei dem Anti-Terror-Einsatz in der Stadt im Norden des von Israel besetzten Westjordanlands wurde Armeeangaben zufolge auch eine israelische Grenzpolizistin getötet. Ein Wagen der Polizei sei über einen Sprengsatz gefahren. Weitere Einsatzkräfte wurden demnach verletzt. Laut Medienberichten wurden insgesamt drei Sicherheitskräfte bei der Explosion verletzt.

 

Tag 91: 5. Januar 2024

Am Donnerstag haben die USA im Osten von Baghdad durch eine Kampfdrohne ein Fahrzeug mit hochrangigen Mitgliedern der Harakat Hisbollah al-Nujaba zerstört, einer mit dem Iran verbundenen Schiiten-Miliz. Die Gruppe gehört der grösseren Organiation Hashed al-Shaabi («Volksmobilisierungskräfte») im Irak an, die nominell dem offiziellen Militär untersteht. Bei der Attacke wurden mindestens zwei Harakat-Mitglieder getötet, darunter der Oberbefehlshaber Mushtaq Talib al-Saidi, sowiesechs weitere verletzt. Der Angriff ereignete sich nahe einer Basis der Gruppe. Der irakische Premierminister Mohammed Shia al-Sudani hat die Operation als Verletzung der Souveränität seines Landes und als «gefährliche Eskalation» in einer bereits instabilen Regionbezeichnet. Das Baghdader Aussenministerium drohte mit «Massnahmen zurAbschrecken von Kräften, die dem Irak und seinen Sicherheitskräften schaden wollen». Die USA betrachten Harakat Hisbollah al-Nujaba trotz deren Liaison mit dem irakischen Militär als Terrororganisation. Aus dem Pentagon verlautet, al-Saidi habe «amerikanisches Blut an seinen Händen» gehabt und sei deshalb liquidiert worden. Die schiitische Gruppe ist eng mit dem Iran verbunden und stellt sich aktiv gegen die Unterstützung Israels durch Washington. Seit dem Terror-Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober haben Harakat-Kämpfer mehr als 100 Angriffe auf amerikanische Ziele im Irak und in Syrien lanciert. Rund 2.500 US-Soldaten sind im Irak stationiert, weitere 900 in Syrien.  Der für die ohnehin angespannten, amerikanisch-irakischen Beziehungen bedrohliche Drohnen-Angriff am Donnerstag folgt dem israelischen Schlag gegen Hamas-Kommandeure in Beirutvom Dienstag und zwei Bombenanschlägen im Iran am Mittwoch mit über 100 Todesopfern bei einer Prozession zum Jahrestag derErmordung des Garden-Generals Qassem Suleimani durch US-Streitkräfte im Jahr 2020. Dazu hat sich der weithin als erledigt betrachtete Islamische Staat (ISIS) bekannt. Die Terror-Organisaton wird im Westen häufig mit der Hamas gleich gesetzt – einem Verbündeten Teherans. So wird die Lage in Nahost stetig unübersichtlicher und explosiver.

 

Tag 90: 4. Januar 2023

136 Geiseln: Die israelische Armee geht nach neuen Informationen von derzeit noch 136 aus Israel in den Gazastreifen verschleppten Menschen aus. Wie viele Geiseln aber vielleicht tot sind, blieb nach diesen Armeeangaben unklar. Drei zuvor als vermisst gemeldete Zivilisten gelten Erkenntnissen des Militärs zufolge nun als entführt, wie Armeesprecher Daniel Hagari am Donnerstagabend mitteilte. Zuletzt hatte das Militär die Zahl der noch im Gazastreifen verbliebenen Geiseln mit 133 angegeben. Israelische Medien meldeten, 23 der 136 Entführten seien bereits tot. Unklar war zunächst, ob sie bereits am 7. Oktober oder erst nach ihrer Verschleppung getötet wurden und auch wodurch sie ums Leben kamen. Im Dezember hatte das Büro des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu von 20 Toten unter den Verschleppten berichtet.

Hisbollah-Chef warnt Israel: Nach der Tötung eines Hamas-Anführers in der libanesischen Hauptstadt Beirut will die Regierung im Libanon eine Eskalation verhindern. Der geschäftsführende Aussenminister, Abdallah Bou Habib, sagte dem britischen Radiosender BBC 4 am Dienstagabend, dass seine Regierung mit der Schiitenmiliz Hisbollah spreche, um "sie davon zu überzeugen, dass sie nicht selbst reagieren sollte". Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah warnte Israel am Mittwoch in einer mit Spannung erwarteten Rede vor einer Eskalation des Konflikts mit dem Nachbarland. Seine Miliz ist mit der Hamas verbündet. Unterdessen ist im Gazastreifen die Zahl der Toten nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde auf 22 300 gestiegen.

Beirut befürchtet Eskalation: Die Regierung in Beirut fürchtet eine mögliche Ausweitung des Konflikts. "Wir sind sehr besorgt, die Libanesen wollen nicht hineingezogen werden, selbst die Hisbollah möchte nicht in einen regionalen Krieg hineingezogen werden", sagte Minister Bou Habib. Er forderte die westlichen Staaten auf, "Druck auf Israel auszuüben, damit es all seine Gewalt und alle seine Aktionen einstellt, nicht nur im Libanon, nicht nur in Beirut, sondern auch in Gaza".

Der Vize-Leiter des Politbüros der Hamas, Saleh al-Aruri, war bei einer Explosion in Beirut ums Leben gekommen. Insgesamt starben bei dem Angriff nach Hamas-Angaben sieben Menschen. Die Terrororganisation gab umgehend Israel die Schuld. Israels Militär wollte Berichte über eine gezielte Tötung von Al-Aruri nicht kommentieren.

Hisbollah-Chef warnt Israel: Haben keine Angst vor Krieg: Nasrallah bezeichnete die Tötung des hochrangigen Hamas-Vertreters in seiner Rede als "eklatanten israelischen Angriff". "Die Ermordung Al-Aruris ist ein gefährliches Verbrechen, das nicht ohne Reaktion und Bestrafung bleiben wird", sagte der Hisbollah-Chef. "Wir haben keine Angst vor dem Krieg und wir zögern nicht." Nasrallah kündigte an, sich am Freitag erneut öffentlich äussern zu wollen.

Einige Raketenstarts aus dem Libanon: Als Reaktion auf den Tod von Al-Aruri feuerte die Hisbollah am Mittwoch einige Raketen auf israelische Ziele ab. Das israelische Militär griff daraufhin seinerseits Ziele im Libanon an. Die Hisbollah meldete zwei weitere getötete Mitglieder.

USA hatten millionenschweres Kopfgeld auf Hamas-Vize ausgesetzt: Die USA hatten auf den getöteten Hamas-Vize Al-Aruri ein Kopfgeld in Höhe von fünf Millionen US-Dollar (4,5 Mio Euro) ausgesetzt. Die USA stufen Hamas wie die EU als Terrororganisation ein. Schon 2015 hatten die USA Al-Aruri als weltweit tätigen Terroristen designiert. Die USA hatten das Kopfgeld 2018 angekündigt im Rahmen des Programms "Rewards for Justice". Bei diesem wurden bisher mehr als 250 Millionen US-Dollar an 125 Tippgeber weltweit gezahlt, um mit deren Hinweisen "Bedrohungen für die nationale Sicherheit der USA" zu bekämpfen, wie es beim US-Aussenministerium hiess.

Neue Angriffe im Gazastreifen fordern wieder viele Tote: Binnen 24 Stunden wurden bei israelischen Angriffen im Gazastreifen laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wieder 128 Palästinenser getötet. 261 weitere Menschen seien bei insgesamt zehn Attacken verletzt worden, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Damit steige die Zahl der Getöteten auf 22 300, die der Verletzten auf 57 300. Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Palästinenserorganisationen verübt hatten.

US-Experten: Nachlassen israelischer Angriffe günstig für Hamas: Israels Armee riskiert im Gaza-Krieg nach Einschätzung von US-Experten, mit einem Nachlassen der Bombardierungen in die Hände der islamistischen Hamas zu spielen. Die israelischen Streitkräfte gingen im Norden des Gazastreifens zu einer Phase gezielter Schläge mit geringerer Truppenstärke über, was es der Hamas wahrscheinlich ermöglichen werde, sich militärisch neu zu formieren, hiess es in einem Bericht des US-Instituts für Kriegsstudien (ISW). Israels Armee hat jüngst fünf Brigaden abgezogen und einigen Reservisten die einstweilige Rückkehr ins Zivilleben erlaubt. Israels Armee habe zwar mehrere Hamas-Einheiten dezimiert und andere kampfunfähig gemacht. "Aber die militärischen Kräfte der Hamas sind derzeit weder besiegt noch zerstört", erklärte das ISW. Hisbollahs Tunnelsystem rückt in den Blick: Die Hisbollah im Libanon soll über ein Tunnelsystem verfügen, das einem Medienbericht zufolge weit ausgefeilter ist als das der Hamas. Die unterirdischen Tunnel verliefen im Süden Libanons über Hunderte Kilometer bis zur Grenze nach Israel hinein, zitierte die "Times of Israel" am Dienstag den Geheimdienstexperten Tal Beeri. Die Hamas nutze ihr eigenes Tunnelnetz als Schutz vor Israels massiven Bombardierungen und um sich zu verstecken. Ausserdem bedienten sich die Terroristen der Tunnel, um aus dem Nichts aufzutauchen und hinterrücks heranrückende israelische Soldaten anzugreifen.

Neue Vorwürfe der WHO gegen Israels Armee: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warf Israel derweil "skrupellose" Angriffe auf ein Krankenhaus in der umkämpften Stadt Chan Junis im Süden des Gazastreifens vor. Nach Angaben des palästinensischen Rettungsdienstes Roter Halbmond sind bei den Angriffen mindestens fünf Zivilisten getötet worden, darunter ein fünf Tage alter Säugling, schrieb WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der Online-Plattform X, früher Twitter, in der Nacht zu Mittwoch.

 

 

 

 

Tag 89: 3. Januar 2024

Nach der Tötung eines Anführers der islamistischen Hamas im Libanon ist es im Westjordanland zunächst relativ ruhig geblieben. Wegen eines Generalstreiks blieben dort Schulen, Universitäten, Banken, Restaurants und Regierungsbüros geschlossen. Für Mittwochmittag wurde israelischen Medienberichten zufolge zu Demonstrationen sowie Konfrontationen mit Israels Armee in dem Palästinensergebiet aufgerufen. Das Militär führte dort eigenen Angaben zufolge in der Nacht Razzien in mehreren Orten durch.

 

Tag 88: 2. Januar 2024

08:00

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, sieht Anzeichen für Kriegsverbrechen und womöglich auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Nahost-Krieg.

Der Österreicher nennt auf der Seite der Palästinenser den Hamas-Überfall auf Israel am 7. und 8. Oktober, das wahllose Abfeuern von Geschossen auf Israel und das militärische Agieren aus zivilen Einrichtungen heraus. Zu Israel sagte Türk der Nachrichtenagentur dpa: "Wenn man sich anschaut, wie Israel darauf reagiert hat, da habe ich schwere Bedenken, was die Einhaltung sowohl der Menschenrechte als auch des internationalen humanitären Rechts betrifft."

Türk rief Deutschland und andere Staaten auf, von Israel die Einhaltung des humanitären Völkerrechts zu fordern und die Vereinten Nationen gegen massive Kritik auch aus israelischen Regierungskrisen klar zu verteidigen.

 

03:00
Israel ermittelt zum Massaker palästinensischer Terroristen vom 7. Oktober Beweise, die einem Medienbericht zufolge zu einem der bedeutendsten Gerichtsprozesse der Nachkriegszeit führen könnten. Israels Ermittler rekonstruierten derzeit anhand von rund 200.000 Fotos und Videos sowie 2.000 Zeugenaussagen die Geschehnisse mit der Absicht, ein Gerichtsverfahren gegen die Verantwortlichen einzuleiten, berichtete das Wall Street Journal.  Es dürfte das bedeutendste Verfahren seit dem Prozess gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann in Israel im Jahr 1961 werden, hieß es. "Der Staat Israel hat sich noch nie mit Straftaten und einer Untersuchung dieses Ausmaßes befasst", wurde Roi Sheindorf, ehemaliger stellvertretender Generalstaatsanwalt, zitiert. Israel habe bisher etwa 800 am 7. Oktober ermordete Zivilisten identifiziert, darunter 37 Minderjährige unter 17 Jahren, von denen sechs jünger als fünf Jahre waren, berichtete die Zeitung weiter. 

 

Tag 87: 1. Januar 2024

Das israelische Militär wird einige Reservisten entlassen, die zum Kampf gegen die Hamas im Gazastreifen einberufen worden waren. "Einige der Reservisten werden bereits in dieser Woche zu ihren Familien und an ihren Arbeitsplatz zurückkehren", sagte der Militärsprecher, Konteradmiral Daniel Hagari. Dieser Schritt werde der Wirtschaft helfen, da sich das Land auf einen längeren Krieg vorbereite. "Das wird eine erhebliche Entlastung für die Wirtschaft bedeuten und es ihnen ermöglichen, Kraft für die kommenden Aktivitäten im nächsten Jahr zu sammeln, denn die Kämpfe werden weitergehen und wir werden sie brauchen."

Tag 86: 31. Dezember 2024

08:00
Die israelische Armee hat ihre Angriffe im Gazastreifen fortgesetzt. Wie die Armee am Morgen mitteilte, wurden erneut Terroristen im Raum der Stadt Gaza im Norden des abgeriegelten Küstenstreifens von Kampfflugzeugen im Verbund mit den Bodentruppen angegriffen und ausgeschaltet. In einem Kindergarten hätten die Truppen Sprengsätze entdeckt und zerstört.  Auch im Süden seien Terroristen getötet und weitere Tunnelschächte freigelegt worden, hieß es. Die Streitkräfte intensivieren derzeit nach eigenen Aussagen den Kampf gegen die Hamas und konzentrieren sich dabei vornehmlich auf den Süden des Küstengebiets sowie auf den mittleren Gazastreifen.  Im Norden ist Israels Armee nach eigenen Angaben dabei, die vollständige Kontrolle über das Gebiet auszuüben. Derzeit konzentriere man dort den Einsatz auf die letzte noch verbliebene Hochburg der Hamas in der Stadt Gaza, das Viertel Tufah, sagte der israelische Armeesprecher.

 

 

Tag 85: 30. Dezember 2023
 

Das US-Außenministerium hat unter Umgehung des Kongresses den Verkauf weiterer Waffen an Israel im Millionenwert genehmigt. Ohne die sonst bei Rüstungsverkäufen ins Ausland übliche Überprüfung durch den Kongress sei damit grundsätzlich der Verkauf von Waffen im Wert von 147,5 Millionen Dollar (rund 133 Mio Euro) möglich, teilte die zuständige Behörde Defense Security Cooperation Agency in Washington mit. Es gehe um die nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten, hieß es. US-Außenminister Antony Blinken begründete die Genehmigung demnach mit einer Notlage, die den sofortigen Verkauf der Rüstungsgüter an Israel erfordere. Er hatte bereits am 9. Dezember in ähnlicher Weise den Kongress umgangen, um einen Waffenverkauf an Israel zu ermöglichen.

 

 

Tag 84: 29. Dezember 2023

06:00
Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, hat Israel dazur aufgerufen, "die ungesetzlichen Tötungen und die Gewalt der Siedler gegen die palästinensische Bevölkerung" im Westjordanland zu beenden. Türks Büro hat den Tod von 300 Palästinensern dokumentiert, die im Westjordanland einschließlich Ostjerusalem zwischen dem 7. Oktober und dem 27. Dezember ums Leben kamen, wie aus einem neuen Bericht hervorgeht. Darunter seien 79 Minderjährige gewesen. In dem Bericht fordert das Büro Israel unter anderem auf, den Einsatz militärischer Waffen und Mittel bei Maßnahmen zur Strafverfolgung und willkürliche Inhaftierungen und die Misshandlung von Palästinensern zu beenden. 291 Palästinenser seien im Westjordanland einschließlich Ostjerusalem von Sicherheitskräften getötet worden, acht von Siedlern, heißt es in dem Bericht. Bei einer Tötung sei noch unklar, wer dafür verantwortlich gewesen sei.  Vor dem 7. Oktober seien in dem Gebiet in diesem Jahr bereits 200 Palästinenser getötet worden - so viele wie nie innerhalb von zehn Monaten seit 2005. In dem Jahr begann das UN-Menschenrechtsbüro mit der Aufzeichnung der Todesfälle. Zudem hätten israelische Sicherheitskräfte seit dem 7. Oktober mehr als 4700 Palästinenser festgenommen. Diese hätten sich teils nackt ausziehen müssen. Soldaten hätten gegen ihre Köpfe getreten, auf sie gespuckt und sie erniedrigt. Es sei auch zu sexueller Gewalt gekommen.

 

Tag 83: 28. Dezember 2023

23:00
Nach schweren Angriffen in einem Flüchtlingsviertel im Gazastreifen mit vielen Toten an Heiligabend hat die israelische Armee Bedauern über den "Schaden an unbeteiligten Zivilisten" ausgedrückt. Man arbeite daran, Schlussfolgerungen aus dem Vorfall und Lehren daraus zu ziehen, teilte ein israelischer Armeesprecher mit. Am 24. Dezember waren bei Luftangriffen in dem Flüchtlingsviertel Al-Maghasi nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums mehr als 70 Menschen getötet worden. Auch Frauen und Kinder waren demnach unter den Opfern. In UN-Berichten war sogar die Rede von 86 Toten. Nach israelischen Armeeangaben haben israelische Kampfjets "als Teil der Operationen der israelischen Armee im Gazastreifen gegen Hamas-Terrorziele zwei Ziele angegriffen, neben denen sich Hamas-Kämpfer aufhielten". Vor den Angriffen habe die Armee "Schritte unternommen, um den Schaden an unbeteiligten Zivilisten in dem Gebiet zu verringern". Eine erste Untersuchung habe ergeben, dass weitere Gebäude neben den Zielen getroffen worden seien. Laut israelischen Medien wurde bei dem Angriff nicht die passende Munition verwendet, was zu großen Schäden geführt habe.

 

08.00
Das israelische Militär zeigt sich zunehmend bereit, den Kampf gegen die Schiiten-Miliz Hisbollah im Libanon entscheidend auszuweiten. "Heute haben wir eine Reihe von Plänen für die Zukunft gebilligt, und wir müssen, wenn nötig, für eine Offensive bereit sein", sagte Generalstabschef Herzi Halevi am Mittwoch bei einem Besuch des Armeekommandos in der nordisraelischen Stadt Safed. "Die israelischen Streitkräfte und ihr Nord-Kommando sind auf einem sehr hohen Niveau der Bereitschaft", fügte er hinzu.Seit dem Überfall der aus dem Gazastreifen operierenden islamistischen Hamas auf das Grenzgebiet im Süden Israels am 7. Oktober liefert sich das israelische Militär ständige Kämpfe mit Hisbollah-Einheiten im Südlibanon. Die Hisbollah beschoss am Mittwoch die israelische Grenzstadt Kiriat Schmona mit Raketen. Mehrere Gebäude seien beschädigt worden, teilte die israelische Polizei mit. Menschen wurden demnach nicht verletzt. Die Behörden hatten zu Beginn des Gaza-Kriegs Zehntausende Bewohner der Nordregion aus Sicherheitsgründen ins Landesinnere gebracht. Bei israelischen Angriffen auf Hisbollah-Stellungen im Südlibanon starben am Mittwoch drei Menschen, unter ihnen ein Hisbollah-Kämpfer, wie die libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete. Die Kämpfe seit Anfang Oktober stellen an diesem Schauplatz die schwerste militärische Konfrontation seit dem zweiten Libanon-Krieg 2006 dar. Experten zufolge folgen sie aber immer noch gewissen unausgesprochenen Regeln. Beide Seiten vermeiden bislang eine weitere Eskalation. Die vom Iran ausgerüstete Hisbollah kontrolliert im Prinzip die Regierung im Libanon und verfügt über ein für Israel bedrohliches Raketenarsenal. Der jüdische Staat ist wiederum militärisch dazu fähig, dem Libanon unermesslichen Schaden zuzufügen.

00:30
US-Aussenminister Antony Blinken wird einem Medienbericht zufolge Ende kommender Woche erneut in den Nahen Osten reisen. Blinken plane Besuche in Israel, Jordanien, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Saudi-Arabien und Katar, berichtet das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf Regierungskreise aus den USA, Israel und arabischen Staaten. Es sei seine vierte Reise in die Region und seine fünfte nach Israel seit Beginn des Gaza-Krieges. Das US-Außenministerium habe erklärt, es habe gegenwärtig keine Reisen anzukündigen. 

 

 

82: 27. Dezember 2023

04:00
Zwei Monate nach Beginn der Bodenoffensive im Gazastreifen bereitet sich die israelische Armee einem Medienbericht zufolge auf einen Strategiewechsel vor. Der israelische Sender N12 berichtete unter Berufung auf Militärkreise, die Truppen würden sich im nächsten Schritt überwiegend in eine etwa einen Kilometer breite Pufferzone im Gazastreifen in der Nähe des Grenzzauns zu Israel zurückziehen.  In der neuen Phase - für die kein Zeitplan genannt wurde - seien eher punktuelle Einsätze von Boden- und Marinetruppen sowie der Luftwaffe gegen die Hamas geplant. Die meisten Reservisten sollten in der Phase wieder in den Alltag entlassen werden. Den Krieg gegen die Hamas sollten dann vor allem die regulären Truppen fortsetzen, berichtete der Sender.

 

Tag 81: 26. Dezember 2023

15.00
Die Zerschlagung der islamistischen Hamas und eine Entmilitarisierung des Gazastreifens sind für den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu Voraussetzungen für Frieden in dem Gebiet. "Die Hamas muss zerstört werden, der Gazastreifen muss entmilitarisiert und die palästinensische Gesellschaft muss entradikalisiert werden. Dies sind die drei Voraussetzungen für einen Frieden zwischen Israel und seinen palästinensischen Nachbarn im Gazastreifen", schrieb Netanyahu in einem Gastbeitrag für die Zeitung "Wall Street Journal".

00.30
Die islamistische Hamas hat eine nur vorübergehende Feuerpause im Gaza-Krieg abgelehnt und einen dauerhaften Waffenstillstand gefordert. "Wir bekräftigen, dass es keine Verhandlungen ohne eine umfassende Einstellung der Aggression geben wird", teilte die Terrororganisation am Montagabend mit. Die Führung der Hamas setze sich mit "aller Kraft für ein vollständiges und nicht nur vorübergehendes Ende der Massaker an unserer Bevölkerung" ein, stand in der Mitteilung weiter. Die Hamas reagierte damit auf einen arabischen Medienbericht, Ägypten habe einen Entwurf zur Beendigung des Gaza-Krieges in mehreren Stufen erarbeitet. Wie der saudische TV-Kanal Aschark News am Sonntag berichtete, ginge es in der ersten Phase darum, eine mindestens zwei Wochen andauernde Feuerpause durchzusetzen. In dieser Zeit sollten auch 40 im Gazastreifen festgehaltene Geiseln gegen 120 in Israel inhaftierte Palästinenser ausgetauscht werden. In einer zweiten Phase solle es einen palästinensischen Dialog unter der Schirmherrschaft Ägyptens geben, um die "Spaltung zu beenden" und eine technokratische Regierung zu bilden, hiess es. Dieser Passus bezieht sich auf die Rivalität zwischen den beiden grössten Palästinensergruppen, der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und der islamistischen Hamas. Erst in einer dritten Phase solle es um einen vollständigen Waffenstillstand und ein umfassendes Abkommen zum Austausch von Geiseln und Gefangenen gehen, der in einen vollständigen Abzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen münden solle. Einem Bericht der Zeitung "Times of Israel" zufolge wollte sich Israels Kriegskabinett am Montag mit dem ägyptischen Vorschlag befassen. Allerdings sagte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bei einem Truppenbesuch im Gazastreifen, Israel werde "den Kampf in den kommenden Tagen vertiefen". Er sprach von einem langen Kampf gegen die Hamas, dessen Ende nicht kurz bevorstehe.

Tag 80: 25. Dezember 2023

18.00
Nach dem Tod eines Generals der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) bei einem israelischen Luftangriff auf einen Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus hat die IRGC Israel mit Rache gedroht. Nach Angaben des IRGC-Webportals Sepah-News ist bei dem Angriff am Montag General Sejed-Rasi Mussawi getötet worden. "Das zionistische Regime (Israel) wird definitiv für den Märtyrertod unseres langjährigen Militärberaters bezahlen", hiess es auf dem IRGC-Webportal in einer Presseerklärung. Vom israelischen Militär hiess es am Montagabend, man kommentiere keine ausländischen Medienberichte. Israel attackiert regelmässig Ziele in Syrien um zu verhindern, dass der Iran dort seinen militärischen Einfluss mit Hilfe von Milizen ausbaut. Der Iran ist mit Russland wichtigster Verbündeter der syrischen Regierung unter Machthaber Baschar al-Assad. Syrien zählt für Teheran neben der Schiitenorganisation Hisbollah im Libanon zur sogenannten "Achse des Widerstands" im Kampf gegen Israel. Teheran behauptet jedoch stets, dass das IRGC-Personal in Syrien nur als militärische Berater tätig und im dortigen Bürgerkrieg nicht direkt involviert sei.

11.30
Israels Kabinett will nach einem Medienbericht an diesem Montag über einen Vorschlag Ägyptens zur Beendigung des Gaza-Krieges beraten. Das berichtete die Zeitung "Jerusalem Post" am späten Sonntagabend. Israelische Beamte bestätigten laut der Zeitung "Times of Israel" zuvor, dass Ägypten einen neuen Vorschlag für eine Feuerpause und die Freilassung weiterer israelischer Geiseln im Gazastreifen unterbreitet habe. Der saudische TV-Kanal Aschark News hatte am selben Tag unter Berufung auf informierte Quellen berichtet, Ägyptens Vorschlag sehe eine Beendigung des Krieges in mehreren Stufen vor.

 

07:00
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben die Leichen von insgesamt fünf Geiseln aus einem Tunnelnetzwerk im nördlichen Gazastreifen geborgen. Die sterblichen Überreste der am 7. Oktober aus Israel verschleppten Männer und Frauen seien in einem sehr weitreichenden und tiefen Tunnelsystem im Bereich des Flüchtlingsviertels Dschabalia gefunden worden, teilte das Militär mit. Nach Angaben der Zeitung "Jerusalem Post" waren zwei der Leichen bereits vor zwei Wochen, drei weitere einige Tage später gefunden worden. Das Tunnelnetzwerk habe als Kommandozentrale der islamistischen Hamas im nördlichen Gazastreifen gedient, hieß es in der Mitteilung der Armee. Sprecher Daniel Hagari zufolge waren von dort aus auch die Angriffe auf Israel am 7. Oktober koordiniert worden. Die Angaben des Militärs lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  Das Tunnelnetzwerk habe aus zwei Etagen bestanden - eine davon in einer Tiefe von rund zehn Metern und darunter eine weitere, mehrere Dutzend Meter tief in der Erde. Es seien dort Waffen, Geräte zur Herstellung von Waffen sowie Wohnräume gefunden worden. Die Armee veröffentlichte auch Videoaufnahmen aus dem Tunnelsystem. Die Tunnel seien anschließend zerstört worden, erklärte das Militär.

Tag 79: 24: Dezember 2023

18.30
Nach dem Tod eines Jugendlichen ist es im Süden des Gazastreifens zu Protesten wütender Palästinenser gegen die islamistische Hamas gekommen. Augenzeugen berichteten am Sonntag von Unruhen in der Grenzstadt Rafah. Daran seien Dutzende Menschen beteiligt gewesen. Hintergrund waren Vorwürfe, bewaffnete Hamas-Mitglieder hätten auf eine Gruppe junger Männer geschossen, die im Grenzgebiet zu Ägypten humanitäre Hilfsgüter ohne Erlaubnis an sich bringen wollten. Dabei seien ein Jugendlicher getötet und weitere Menschen verletzt worden. Bei den Protesten wurde den Berichten zufolge auch eine Polizeistation der Hamas angezündet. Die humanitäre Lage im Gazastreifen wird angesichts der israelischen Militäroffensive in dem schmalen Küstenstreifen immer katastrophaler. Es kommt zu Plünderungen und chaotischen Szenen bei der Verteilung von Hilfsgütern. Der UN-Sicherheitsrat hat in einer Resolution eine Aufstockung der humanitären Hilfe verlangt. Israel besteht auf einer Kontrolle der Lieferungen, um Waffenschmuggel zu verhindern. Zugleich betont die Regierung in Jerusalem, die Inspektionen behinderten die Lieferungen nicht. Vielmehr würden die UN-Organisationen bei der Verteilung der Hilfsgüter im Gazastreifen versagen. Die UN weisen wiederum darauf hin, dass es unter Kriegsbedingungen kaum möglich sei, Güter weiter zu transportieren und zu verteilen. Es gibt auch immer wieder Augenzeugenberichte, denen zufolge bewaffnete Hamas-Mitglieder Hilfslieferungen in ihre Gewalt bringen. Israel geht davon aus, dass diese auch für Terroristen bestimmt sind, die sich im unterirdischen Tunnelsystem verstecken.

09.30
Israels Armee hat ihren Bodeneinsatz im Gazastreifen am Weihnachtswochenende nach eigenen Angaben ausgeweitet und konzentriert sich dabei auf das weitverzweigte Tunnelnetz der islamistischen Hamas. Die Truppen seien in "komplexe Gefechte in dicht besiedelten Gebieten" verwickelt und spürten vor allem in den Tunneln im Untergrund "terroristische Infrastrukturen" auf, sagte Armeesprecher Daniel Hagari am Samstagabend. Die Zerstörung der Tunnel in der südlichen Stadt Chan Junis und anderen Gebieten sei zeitaufwendig. Zuvor hatte das Militär erklärt, man nähere sich nun der vollständigen Kontrolle über den Norden des Küstenstreifens.

09:00
Um das grauenhafte Leiden der Zivilbevölkerung zu lindern, hatte der Weltsicherheitsrat am Freitag nach tagelangem Ringen in einer Resolution die Aufstockung der humanitären Hilfe gefordert. Eine unverzügliche Waffenruhe wird in dem aufgeweichten Kompromisstext dagegen nicht gefordert. Die USA als wichtigster Verbündeter Israels enthielten sich bei der Abstimmung. US-Präsident Joe Biden machte nach Angaben des Weissen Hauses vom Samstag Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu in einem Telefonat deutlich, Zivilisten, einschliesslich humanitärer Helfer, müssten unbedingt geschützt werden.
 

06:00
Jedem vierten Palästinenser in Gaza droht nach Angaben der Vereinten Nationen der Hungertod. Die US-Regierung hatte zuletzt immer wieder im Gespräch mit Israels Führung auf gezieltere militärische Einsätze gepocht, die sich auf die Führung der Hamas konzentrieren sollten. Diese versteckt sich nach Angaben Israels in den Tunneln unter dem Küstengebiet. Um diese zu zerstören, habe man zum Beispiel in der südlichen Stadt Chan Junis die technischen Kräfte deutlich verstärkt, sagte Armeesprecher Hagari am Samstagabend. Die Kapazitäten der dort kämpfenden Division würden in den kommenden Tagen weiter ausgebaut.

Unterhalb des Gazastreifens erstreckt sich über viele Kilometer ein ganzes Netzwerk aus Tunneln, in denen sich laut Israel etliche Terroristen der Hamas verstecken und dort auch Geiseln aus Israel festhalten. Um Israels Bomben aus der Luft widerstehen zu können, reichen manche Tunnel Dutzende Meter unter die Erde. Die Terroristen nutzen die unterirdischen Wege zugleich, um aus dem Nichts aufzutauchen und hinterrücks anzugreifen. Viele der Tunnel sind mit Sprengfallen versehen, um israelische Soldaten, die dort eindringen, zu töten. Seit Beginn des Krieges habe man etwa 30 000 Sprengkörper, darunter Panzerabwehrraketen und Raketen im Besitz der islamistischen Hamas zerstört oder beschlagnahmt, sagte Hagari weiter. Israels Militär hatte zuvor mitgeteilt, einen ranghohen Hamas-Funktionär, der für den eigenen Waffennachschub verantwortlich gewesen sei, getötet zu haben. Im Norden ist Israel nach eigenen Angaben derweil dabei, die Kontrolle über das Gebiet zu übernehmen. Das "Wall Street Journal" zitierte am Samstag (Ortszeit) jedoch israelische Militäranalysten, wonach eine solche Kontrolle nicht bedeute, dass das Militär die Präsenz der Hamas beseitigt hat. Vielmehr schränke Israel nur die Möglichkeiten der Hamas zur Durchführung von Angriffen ein. Wegen der Tunnel könne Israel seine Kontrolle über Gaza nicht festigen. Daher konzentriere sich die Armee nun verstärkt auf die Tunnel, hiess es. Bislang seien während des Bodeneinsatzes mehr als 700 Mitglieder von Terrororganisationen in dem Küstenstreifen gefangen genommen worden, teilte Israels Militär am Samstag weiter mit. Innerhalb einer Woche seien es allein mehr als 200 gewesen. Sie seien für Verhöre nach Israel gebracht worden. Einige hätten sich ergeben. Die Angaben liessen sich zunächst nicht unabhängig prüfen. Unterdessen heulten am Sonntagmorgen im Norden Israels wieder die Sirenen, wie die Armee bekannt gab. An der Grenze zum Libanon war es zuvor erneut zu gegenseitigen Angriffen gekommen. Israelische Soldaten hätten im Nachbarland unter anderem ein Militärgelände und weitere Ziele der Schiitenmiliz Hisbollah attackiert, teilte die Armee am Samstag mit. Es seien mehrere Raketenstarts und Angriffe mit Mörsergranaten aus dem Libanon Richtung Israel registriert worden. Die Hisbollah-Miliz ist eng mit Israels Erzfeind Iran verbunden. Dieser ist nach US-Geheimdienstinformationen tief in die Planung der Angriffe von Huthi-Rebellen auf Schiffe im Roten Meer verwickelt. Auch ist der Iran nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums für einen Drohnenangriff auf ein Handelsschiff im Arabischen Meer vor der Küste Indiens verantwortlich. Der unter liberianischer Flagge fahrende Öl- und Chemikalientanker "MV Chem Pluto" sei am Samstag von einer Angriffsdrohne aus dem Iran getroffen worden, teilte das Pentagon in Washington mit. Ein Feuer an Bord des Tankers sei gelöscht worden. Bei dem Vorfall habe es keine Toten oder Verletzten gegeben, hiess es in der Mitteilung von Samstag (Ortszeit) weiter.

Israels Armee weitet die Kämpfe gegen die Hamas immer mehr aus. Für die Zivilisten wird die Lage angesichts mangelnder Hilfsgüter immer dramatischer. Derweil wird im Heiligen Land wegen des Kriegs Weihnachten still begangen. Der Zugang zur Stadt Bethlehem im Westjordanland ist durch Strassensperren der israelischen Armee extrem eingeschränkt. Die Mitternachtsmesse soll aber stattfinden.

04:00
Das israelische Militär hat in einem Waffenlager der islamistischen Hamas im Gazastreifen nach eigenen Angaben für Kinder angepasste Sprengstoffgürtel gefunden. Wie die Armee am Sonntagmorgen weiter mitteilte, hat sich das Waffenlager in einem zivilen Gebäude im Norden des abgeriegelten Küstengebiets befunden, das an Schulen, einer Moschee und einer Klinik angrenze. In dem Waffenlager seien ausser den Sprengstoffgürteln auch Dutzende Mörsergranaten, Hunderte von anderen Granaten und Geheimdienstdokumente gefunden worden. Im Verlauf des vergangenen Tages hätten die Streitkräfte am Boden, aus der Luft und vom Meer aus erneut rund 200 Ziele im gesamten Gazastreifen angegriffen, teilte die Armee weiter mit. Dabei habe man eine ganze Reihe von Terroristen getötet. Auch in der heftig umkämpften Stadt Chan Junis im Süden Gazas hätten die Truppen Dutzende von Granaten, Sprengstoff und andere Waffen gefunden. 

Tag 76: 21. Dezember 2023

Mehr als eine halbe Million Menschen im Gazastreifen leiden nach Angaben eines UN-Berichts unter Hunger. Seit dem Ausbruch des Krieges zwischen der Hamas im Gazastreifen und Israel vor zehn Wochen gelangten nicht mehr genug Lebensmittel in das Küstengebiet, hieß es in einem veröffentlichten Bericht von 23 UN- und Nichtregierungsorganisationen. "So ziemlich jeder in Gaza hat Hunger", sagte der Chefökonom des Welternährungsprogramms (WFP), Arif Hussain. Er warnte vor einer "ausgewachsenen Hungersnot innerhalb der nächsten sechs Monate", falls der Krieg andauere und die Lebensmittellieferungen nicht wiederhergestellt würden. "Ich habe so etwas noch nie in dem Ausmaß gesehen", sagte Hussain.

 

Tag 75: 20. Dezember 2023

Israel Verteidigungsminister Joav Galant will Berichten zufolge die israelische Bodenoffensive auf weitere Gebiete im Gazastreifen ausweiten. Welche Orte er genau meinte, sagte Galant nach Angaben israelischer Medien vom Dienstag nicht. Die "Times of Israel" spekulierte, er könne damit das Zentrum des Gazastreifens oder die Stadt Rafah im Süden des Küstengebiets meinen, in der sich auch der Grenzübergang zu Ägypten befindet. Chan Junis im Süden des Gazastreifens sei zur "neuen Hauptstadt des Terrors" geworden, sagte Galant den Berichten zufolge weiter. Hilfsorganisationen sprechen schon jetzt von einer "humanitären Katastrophe". Nach Angaben des Palästinenserhilfswerkes UNRWA sind innerhalb des Gazastreifens fast 1,9 der 2,2 Millionen Menschen auf der Flucht - mehr als 80 Prozent der Bevölkerung. In dem Krieg wurden nach Angaben der von der islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bislang mehr als 19 600 Menschen getötet. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Die USA setzen gleichwohl auf eine Abschwächung der Bodenoffensive im Gazastreifen. Die US-Regierung hatte Israel jüngst mitgeteilt, dass sie einen Übergang der Bodenoffensive mit "hoher Intensität" zu "gezielteren" militärischen Einsätzen erwarte. Auslöser war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, bei dem Terroristen der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel mehr als 1200 Menschen ermordeten.

 

Tag 73: 19. Dezember 2023

18:00
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bemüht sich rund um die Uhr um die Freilassung weiterer von Terroristen aus Israel in den Gazastreifen verschleppter Geiseln. Sie stehe in ständigem Kontakt mit der Regierung Israels und der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation Hamas, sagte IKRK-Chefin Mirjana Spoljaric am Dienstag in Genf. Geiselnahmen verstiessen gegen das humanitäre Völkerrecht, das das IKRK aufrechterhalten soll. Sie verlangte die bedingungslose Freilassung. Sie stellte klar: "Wir verhandeln nicht. Wir sind nicht an politischen Diskussionen beteiligt." Einer Freilassung müsse eine Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien vorausgehen, sagte Spoljaric. Das IKRK stehe bereit, um wie bei den bereits freigelassenen 109 Geiseln die Übergabe zu organisieren. Das seien komplexe und lebensgefährliche Einsätze. Sie verwahrte sich gegen Berichte, in denen der IKRK-Einsatz herablassend als "Taxi-Dienst" für die Geiseln bezeichnet wurde. Spoljaric kehrte gerade von einer Reise unter anderem nach Gaza, Tel Aviv und Doha an den Sitz des IKRK in Genf zurück. In Doha sprach sie mit der Hamas-Spitze. Diese Gespräche seien stets konkret und detailliert, sagte sie. Das IKRK sei strikt neutral, Gespräche stets vertraulich, deshalb wollte sie zu dem Inhalt keine Angaben machen. Ihre Teams in Gaza hätten keinen Zugang zu den verbliebenen rund 130 Menschen in der Gewalt der Hamas und anderer terroristischer Gruppen. Sie hätten auch keine Medikamente für sie weiterleiten können. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte Spoljaric in Tel Aviv aufgefordert, öffentlichen Druck auf die Hamas zu machen. "Öffentliche Anklagen sind kein Werkzeug, dass sich als effektiv erwiesen hat", sagte sie dazu. "Unsere Neutralität aufzugeben und zu öffentliche Anklagen überzugehen, würde uns irrelevant machen."

07:00
US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat nach israelischen Angaben bei einem Treffen mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu mehr humanitäre Hilfe für die palästinensische Zivilbevölkerung im Gazastreifen angemahnt. Es gehe darum, wie die USA Israel auf dem Weg zu "dauerhafter" Sicherheit am besten unterstützen könnten, wurde Austin am Montag vom Presseamt der israelischen Regierung zitiert. "Und das bedeutet, dass wir dringende Bedürfnisse angehen müssen und den fast zwei Millionen Vertriebenen in Gaza mehr humanitäre Hilfe zukommen lassen und diese Hilfe besser verteilen müssen", sagte Austin demnach bei dem Treffen im israelischen Verteidigungsministerium in Tel Aviv. US-Präsident Joe Biden hatte angesichts der vielen im Gazastreifen getöteten Zivilisten und der immer dramatischeren humanitären Lage kürzlich gewarnt, Israel beginne, in der ganzen Welt an Unterstützung zu verlieren. Netanjahu bekräftigte die Entschlossenheit seines Landes, einen "vollständigen Sieg gegen die Hamas" zu erringen. Die Terrororganisation hatte Israel am 7. Oktober überfallen und Massaker unter der Zivilbevölkerung angerichtet. Israel hatte 1200 Tote zu beklagen. Netanjahu sagte, er glaube, dies sei nicht nur ein Krieg Israels, sondern auch der USA, weil diese die zivilisierte Welt anführten. Es sei auch Kampf gegen die iranische Achse des Terrors, die nun damit drohe, die Meerenge von Bab al-Mandeb zu schliessen. Dies bedrohe die Freiheit der Schifffahrt. Es sei gut, dass die USA Massnahmen ergriffen, um diesen für die ganze Welt wichtigen Seeweg offen zu halten, fügte Netanjahu hinzu. Austin betonte, die USA würden zusammen mit Marineeinheiten anderer Länder für die Freiheit der Schifffahrt sorgen. "Die Unterstützung des Irans für Huthi-Angriffe auf Handelsschiffe muss aufhören", warnte er in Richtung Teheran. Er war am Vortag zu einer mehrtägigen Reise in verschiedene Länder der Region zunächst in Kuwait und Bahrain gewesen. Auch Katar, das im Konflikt zwischen Israel und der Hamas vermittelt hat, stand auf Austins Reiseplan. Zuletzt wurden mehrere Handelsschiffe im Roten Meer von schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen attackiert, zuletzt nach Angaben vom Montag ein norwegischer Chemietanker. Die Rebellen werden vom Iran unterstützt. Mehrere Reedereien, darunter Hapag-Lloyd und Maersk, haben entschieden, vorerst keine weiteren Schiffe durch die gefährdete Region fahren zu lassen. Etwa zehn Prozent des Welthandels vor allem zwischen Asien und Europa laufen über das Rote Meer. Auch der britische Energieriese BP setzte wegen der jüngsten Huthi-Angriffe seine Öllieferungen durch das Rote Meer vorerst aus.

 

 

Tag 72: 18. Dezember 2023

Israelische Streitkräfte haben einen ungewöhnlich großen Tunnel der Terrormiliz Hamas entdeckt. Das Militär zeigte Reportern 100 Meter südlich vom Grenzübergang Erez den in einer Düne versteckten Ausgang des Tunnels. Der Tunnel soll bis zu 50 Meter tief liegen, stellenweise drei Meter hoch und breit sowie elektrifiziert sein. Seine Länge wird mit vier Kilometern angegeben. Es handele sich um den bislang größten entdeckten Tunnel, sagt Militärsprecher Daniel Hagari.

Tag  71: 17. Dezember 2023

Die Angehörigen der weiter im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln der Hamas haben Israel aufgefordert, mit den Kampfhandlungen aufzuhören. "Wir nehmen nur Leichen in Empfang", sagte Noam Perry, deren Vater Haim Perry sich noch in der Händen der radikalislamischen Hamas befindet. "Wir wollen, dass Sie den Kampf beenden und Verhandlungen beginnen", sagte sie bei einer Veranstaltung des Forums für Geiseln und vermisste Familien in Tel Aviv. 

In Israel hat versehentliche Tötung dreier Geiseln durch israelische Soldaten Trauer und Proteste ausgelöst. Die Männer waren während Kämpfen in Schudschaija im Norden des Gazastreifens erschossen worden. Erste Untersuchungen ergaben, dass die Männer mit einer behelfsmäßigen weißen Fahne auf die Soldaten zugegangen waren, was von letzteren aber als Bedrohung wahrgenommen wurde. 

Kurz nach Bekanntwerden des Vorfalls versammelten sich vor dem Verteidigungsministerium in Tel Aviv hunderte Menschen, die ein rasches neues Abkommen mit der Hamas zur Freilassung der verbliebenen Geiseln forderten. Nach jüngsten israelischen Angaben befinden sich noch immer 129 Geiseln in der Gewalt der radikalislamischen Palästinenserorganisation.

 

Tag 70: 16. Dezembee 2023

Vertreter Israels und Katars wollen heute einen Neustart der Verhandlungen über die Freilassung von Geisel in Norwegen beginnen, berichtet das Wall Street Journal ohne Angaben von Quellen. Am 1. Dezember waren eine Feuerpause zwischen der israelischen Armee und den Kämpfern der radikal-islamischen Hamas und damit auch der Austausch von Geiseln und Gefangenen ausgelaufen. 

 

Tag 69: 15. Dezember 2023

Israelische Soldaten haben bei Kämpfen im Gazastreifen drei Geiseln versehentlich getötet. Die Streitkräfte hätten sie während eines Einsatzes in der Hamas-Hochburg Schedschaija im Norden des abgeriegelten Küstenstreifens fälschlicherweise als Bedrohung identifiziert und auf sie geschossen, teilte der Sprecher des israelischen Militärs, Daniel Hagari, mit. 

Hagari sagt, es sei bisher unklar, wie die drei Geiseln in das Gebiet des Kampfgeschehens geraten konnten. Das Militär geht allerdings nach einer ersten Rekonstruktion der Ereignisse davon aus, dass sie entweder ihren Entführern entkommen oder absichtlich zurückgelassen worden seien. Kurz nach dem Zwischenfall sei bereits der Verdacht aufgekommen, es könne sich bei den Toten um Geiseln handeln, sagte Hagari. Die Leichen seien daraufhin zur genaueren Untersuchung auf israelisches Territorium gebracht worden. 

"Dies ist für uns alle ein trauriger und schmerzhafter Vorfall, und die Armee trägt die Verantwortung für alles, was passiert ist", sagte Hagari weiter.

 

Tag 68: 14. Dezember 2023

07.30
Trotz internationaler Forderungen nach einer Waffenruhe im Gazastreifen will der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu den Krieg gegen die islamistische Hamas fortsetzen. "Wir machen weiter bis zum Ende, bis zum Sieg, bis zur Zerstörung der Hamas, auch angesichts internationalen Drucks", sagte er am Mittwoch vor Soldaten nach einer Mitteilung des Regierungspresseamtes. "Nichts wird uns aufhalten." Angesichts der katastrophalen humanitären Lage im Gazastreifen verliert Israel allerdings immer mehr an Rückhalt für seinen Krieg gegen die Terrororganisation Hamas. In der UN-Vollversammlung hatten mehr als 150 Länder einen sofortigen humanitären Waffenstillstand verlangt, was Israel empört zurückwies. Selbst aus den verbündeten USA wächst der Druck. Das Weisse Haus erwartet vom Besuch des Nationalen Sicherheitsberaters in Israel ab diesem Donnerstag "äusserst ernste Gespräche". Jake Sullivan will mit Netanjahu und dem Kriegskabinett über die nächste Phase der militärischen Operationen im Gazastreifen und die israelischen Bemühungen sprechen, präziser vorzugehen und den Schaden für die Zivilbevölkerung zu verringern. Angesichts der wachsenden Kritik an den zahlreichen zivilen Opfern der Militäroffensive im Gazastreifen warfen die israelischen Streitkräfte der Hamas erneut vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. "Unsere Truppen haben grosse Waffendepots und Tunnel in mehreren Schulen gefunden. Sie haben sogar versteckt in einem Teddy-Bären ein Scharfschützengewehr entdeckt", sagte Militärsprecherin Keren Hajioff. Dennoch bemühten sich die Streitkräfte, bei ihrem Einsatz gegen die Hamas zivile Opfer zu vermeiden. "Unser Krieg gilt der Hamas, nicht den Menschen in Gaza", sagte Hajioff. "Aber während die Hamas jeden unschuldigen Toten als Teil ihrer Strategie betrachtet, ist für uns jeder Tod eines Unschuldigen eine Tragödie."

07.00
Weil es im Gazastreifen so wenig Nahrungsmittel gibt, brach bei der Ankunft einer der wenigen Lastwagen mit Hilfsgütern Chaos aus. Das berichtete der Chef des UN-Hilfswerks für Palästinensische Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA), Philippe Lazzarini, am Mittwoch in Genf. "Die Palästinenser stehen vor dem dunkelsten Kapitel ihrer Geschichte seit 1948", sagte er. 1948 wurde der Staat Israel gegründet. Er habe verzweifelte Menschen gesehen, die direkt auf der Strasse Tüten aufrissen, um das wenige Essen zu verschlingen, das sie ergattern konnten, schilderte Lazzarini die Lage.


06.00
Die islamistische Hamas feuert nach Angaben der israelischen Streitkräfte weiterhin Raketen aus der von Angriffen ausgenommenen "humanitären Zone" im Gazastreifen ab. Seit der Einrichtung der Schutzzone für Zivilisten am 18. Oktober seien aus dem Gebiet rund um die Ortschaft Al-Mawasi an der Mittelmeerküste 116 Raketen auf Israel abgeschossen worden, teilte das Militär am Mittwoch mit. 38 Geschosse seien innerhalb des Gazastreifens eingeschlagen. "Die Hamas nutzt die humanitäre Zone weiterhin, um terroristische Aktivitäten auszuüben und bringt damit das Leben von Zivilisten im Gazastreifen und in Israel in Gefahr", hiess es in der Mitteilung der Streitkräfte weiter.


05:00
Aufgrund von heftigen Regenfällen verschärft sich die Lage der Vertriebenen im Gazastreifen weiter. "Wir haben Angst um unsere Kinder wegen der Kälte und des Regens, die mit dem Wintereinbruch immer schlimmer werden", sagt Chadija al-Scharafi, der im Gazastreifen wohnt. Er und seine Familie hätten auf der Flucht aus dem nördlichen Teil des abgeriegelten Gebiets alles zurückgelassen. Jetzt seien sie ohne ausreichend Kleidung dem Wetter ausgesetzt. Nach Angaben des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA sind mittlerweile fast 1,9 Millionen Menschen wegen des Kriegs im Gazastreifen Binnenvertriebene - bei mehr als 2,2 Millionen Bewohnern insgesamt. Viele Menschen schlafen unter freiem Himmel.

 

Tag 67: 12. Dezember 2023

20.00
Israels Militär hat nach eigenen Angaben die Leichen zwei weiterer aus Israel in den Gazastreifen verschleppten Menschen geborgen. Ihre toten Körper seien nach Israel zurückgebracht und dort identifiziert worden, teilte die Armee am Dienstag mit. Demnach handelt es sich um eine 27 Jahre alte Frau, die beim Hamas-Massaker auf dem Supernova-Festival entführt wurde sowie einen 36 Jahre alten Offizier der israelischen Armee. Auch er wurde demnach am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppt. Die Familien der beiden seien am Dienstag informiert worden. Zur Todesursache machte die Armee in beiden Fällen zunächst keine Angaben. Bei den Einsätzen, die zur Bergung der Leichen geführt hätten, sei auch der Sohn von Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot getötet worden. Eisenkot gehört Israels Kriegskabinett an. Israels Armee hatte den Tod seines 25-Jährigen Sohns in der vergangenen Woche publik gemacht. Die Armee gab die Zahl der noch im Gazastreifen festgehaltenen Menschen zuletzt mit 138 an. Unklar ist, ob die seitdem für tot erklärten Geiseln dazu zählen. Israelische Soldaten haben seit Beginn des Gaza-Kriegs bereits mehrere Leichen im Gazastreifen geborgen. Bei dem beispiellosen Angriff der Terrororganisation Hamas und anderer Extremisten auf Grenzorte in Israel wurden israelischen Angaben zufolge insgesamt rund 240 Menschen entführt. Im Rahmen eines Deals zwischen der Regierung in Jerusalem und der Hamas wurden kürzlich insgesamt 105 Geiseln freigelassen. Im Austausch entliess Israel 240 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen.

 

07.00
Die US-Regierung hat sich besorgt über einen Bericht gezeigt, wonach Israel im Libanon von den USA gelieferte weiße Phosphormunition eingesetzt haben soll. "Wir haben die Berichte gesehen und sind darüber sehr besorgt. Wir werden Fragen stellen und versuchen, etwas mehr zu erfahren", sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrat, John Kirby. Die "Washington Post" hatte zuvor berichtet, dass Israel bei einem Angriff im Oktober im Süden Libanons diese Munition eingesetzt habe. Kirby bestätigte den Bericht nicht und sagte unter anderem, dass es dafür derzeit noch zu früh sei. Die auf den Granaten gefundenen Produktionscodes stimmen dem Bericht zufolge mit der Benennung überein, die vom US-Militär verwendet wird, um im Inland hergestellte Munition zu kategorisieren. Außerdem würden weitere Markierungen und Aufschriften auf weißen Phosphor hinweisen, hieß es weiter. Die Zeitung beruft sich auf eine eigene Analyse von Granatsplittern, die in einem kleinen Dorf im Libanon gefunden worden seien. Weißer Phosphor ist hochentzündlich. Die giftige Substanz wird militärisch in Brandbomben, Signalmitteln, Leuchtspurmunition und Rauchbomben eingesetzt und kann schlimme Verbrennungen verursachen. Der Einsatz Weißen Phosphors gegen militärische Ziele ist umstritten, aber nicht verboten. 

 

 

Tag 66: 11. Dezember 2023

06:00
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat die Terroristen der militant-islamistischen Hamas aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen. "In den letzten Tagen haben sich Dutzende Hamas-Terroristen unseren Streitkräften ergeben", sagte der Politiker in einer Videobotschaft. Der Krieg werde noch andauern, "aber das ist der Anfang vom Ende der Hamas", fügte er hinzu. "Zu den Terroristen der Hamas sage ich: Es ist aus. Sterbt nicht für (den Chef der Hamas im Gazastreifen, Jihia) Sinwar. Ergebt euch - jetzt." Die Zeitung "Haaretz" schrieb unter Berufung auf namentlich nicht genannte Vertreter der Sicherheitskräfte, dass unter den bislang mehreren hundert festgenommenen Palästinensern nur rund zehn bis 15 Prozent waren, die der Hamas oder mit ihr verbundenen Organisationen angehörten. Der Sprecher des bewaffneten Arms der Hamas, Abu Obeida, hatte zuvor eine Fortsetzung der Kämpfe gegen die israelischen Truppen angekündigt. Den Soldaten gelinge es allen Versuchen zum Trotz nicht, den "Widerstand" der Hamas zu brechen, sagte Obeida im Fernsehen. Er kündigte gleichzeitig an, dass keine Geisel den Gazastreifen lebend verlassen werde, wenn die Forderungen seiner Organisation nicht erfüllt würden.

 

Tag 65: 10. Dezember 2023

Die israelische Armee hat den Tod von fünf weiteren Soldaten bekanntgegeben. Vier von ihnen seien bei Kämpfen im südlichen Gazastreifen getötet worden, schrieb das Militär auf der Plattform X. Ein fünfter sei an seinen Verletzungen gestorben, die er sich bei Kämpfen am 7. Oktober zugezogen habe - also am Tag des Terrorangriffs der militant-islamistischen Hamas.

 

Tag 63: 8. Dezember 2023

Die US-Regierung lehnt eine dauerhafte israelische Besetzung des Gazastreifens entschieden ab. Das erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, israelischen Medien zufolge. "Wir unterstützen keine Verkleinerung der territorialen Grenzen Gazas, wir unterstützen keine dauerhafte Vertreibung der Bevölkerung Gazas außerhalb des Gazastreifens", hob er hervor.  Unterdessen konferierte der Sicherheitsberater von US-Vizepräsidentin Kamala Harris, Phil Gordon, bei einem Besuch in Ramallah mit palästinensischen Repräsentanten über die politische Zukunft des Gazastreifens und des Westjordanlands. Die US-Regierung unterstütze das Recht des palästinensischen Volkes auf Sicherheit, Würde und Selbstbestimmung sowie die Wiederbelebung der Palästinensischen Autonomiebehörde, zitieren israelische Medien das Weiße Haus.

 

Tag 62: 7. Dezember 2023

19.00

Israel arbeitet nach eigenen Angaben daran, die Zahl der Lastwagen zu steigern, die Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen dürfen. Die für zivile Angelegenheiten in den Palästinensergebieten zuständige israelische Militärbehörde Cogat teilte mit, sie plane die Öffnung des Grenzübergangs Kerem Schalom zwischen Israel und dem Gazastreifen für Inspektionen in den kommenden Tagen. Geliefert werden sollen die Hilfen jedoch weiterhin über den Grenzübergang Rafah, der das abgeriegelte Küstengebiet mit Ägypten verbindet. Oberst Elad Goren von der Behörde Cogat erklärte, Israel könne derzeit bis zu 250 Lastwagen täglich am Grenzübergang Nitsana zwischen Israel und Ägypten inspizieren. Mit der Öffnung von Kerem Schalom zu Inspektionszwecken könne diese Zahl auf 400 ausgeweitet werden. Goren zweifelte jedoch daran, dass internationale Hilfsorganisationen größere Hilfslieferungen in den Gazastreifen bringen könnten. Die UN-Nothilfeorganisation OCHA hatte erklärt, ihre Fähigkeiten, der Bevölkerung im Gazastreifen Hilfen zukommen zu lassen, seien durch die Kämpfe und Straßensperrungen im Zuge der Ausweitung der israelischen Offensive gegen die Hamas schwer beeinträchtigt. Einige Lastwagen seien im Zentrum des Gazastreifens gestrandet. Hilfsorganisationen seien seit vier Tagen nicht mehr in der Lage, Hilfsgüter nördlich von Rafah ganz im Süden auszuliefern. 

07:00
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat den Bodeneinsatz der Armee im Gazastreifen als zweite Phase des Krieges bezeichnet. Das Ziel sei die "Zerstörung der militärischen und Regierungsfähigkeiten der Hamas und die Rückkehr der Geiseln nach Hause", zitierte ihn unter anderem die Zeitung "Times of Israel". Die Entscheidung zur Ausweitung der Bodeneinsätze habe die Notstandsregierung einstimmig getroffen. "Allerdings stehen wir erst am Anfang", betonte Netanyahu. Der Krieg werde "schwierig und lang" sein. "Nach dem Krieg werden wir alle Antworten auf schwierige Fragen geben müssen, mich eingeschlossen."

 

Tag 61: 6. Dezember 2023

17:00
In einem seltenen Vorgang hat UN-Generalsekretär António Guterres den Weltsicherheitsrat dringend aufgefordert, sich für die Abwendung einer humanitären Katastrophe im Gazastreifen einzusetzen. In einem Brief an den Sicherheitsrat berief sich der UN-Chef dazu am Mittwoch erstmals seit seinem Amtsantritt 2017 auf den Artikel 99 der UN Charta. Diese erlaubt dem Generalsekretär, den Sicherheitsrat auf "jede Angelegenheit hinzuweisen, die seiner Meinung nach die Gewährleistung von internationalem Frieden und Sicherheit gefährden kann". "Ich fordere die Mitglieder des Sicherheitsrats auf, darauf zu drängen, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern", hiess es in dem Brief. "Ich wiederhole meinen Aufruf, dass ein humanitärer Waffenstillstand ausgerufen werden muss. Das ist dringend. Der zivilen Bevölkerung muss grösseres Leid erspart bleiben." Der UN-Chef habe sich angesichts des grossen Verlusts von Menschenleben im Gazastreifen und in Israel innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums für die Berufung auf Artikel 99 der UN Charta entschieden, hiess es von den Vereinten Nationen. In der Geschichte der UN ist das bisher nur sehr selten vorgekommen. Symbolisch verleiht der Generalsekretär seinem Aufruf damit eine grössere Bedeutung, direkte Folgen hat das allerdings nicht. Normalerweise entscheiden die Mitglieder des Sicherheitsrats selbst, welche Angelegenheiten sie als Bedrohung für den Weltfrieden wahrnehmen und deshalb auf die Tagesordnung setzen wollen. Zum Gaza-Krieg hat das mächtigste UN-Gremium bislang eine Resolution verabschiedet, sich aber ansonsten häufig zerstritten gezeigt.

 

07:00
In der US-Regierung wird nach einem Medienbericht mit einer Dauer der derzeitigen Phase der israelischen Bodenoffensive im südlichen Gazastreifen von noch mehreren Wochen ausgegangen. Wie der US-Fernsehsender CNN unter Berufung auf mehrere ranghohe US-Regierungsbeamte berichtete, könnte Israel demnach im Januar zu einer "weniger intensiven, stark lokalisierten Strategie übergehen", die auf bestimmte Hamas-Terroristen und -Führer abziele. Das Weiße Haus sei "zutiefst besorgt" darüber, wie sich die israelischen Operationen in den nächsten Wochen entwickeln werden, wurde ein namentlich nicht genannter ranghoher Regierungsbeamter zitiert. US-Außenminister Antony Blinken hatte kürzlich Israels Führung mit deutlichen Worten aufgefordert, Zivilisten im Gazastreifen zu schützen. Die zahlreichen Todesopfer unter der Zivilbevölkerung und die Vertreibung in einem Ausmaß, wie man sie im nördlichen Gaza gesehen habe, dürfe sich im Süden nicht wiederholen.  Die USA gaben derweil bekannt, für den Gazastreifen zusätzliche humanitäre Hilfe im Umfang von 21 Millionen Dollar (rund 19,4 Millionen Euro) bereitstellen zu wollen. Die Mittel sollen in die Errichtung eines Feldlazaretts fließen, gab die Direktorin der amerikanischen Behörde für internationale Entwicklung USAID, Samantha Power, bei einem Besuch im ägyptischen Al-Arisch bekannt. Die Stadt liegt rund 80 Kilometer von der Westgrenze des Gazastreifens entfernt und gilt als ein Abladeplatz für internationale Hilfsgüter, ehe sie in Lastwagen verladen und dann über den Grenzübergang Rafah in das abgeriegelte palästinensische Küstengebiet gefahren werden.

 

Tag 60: 5. Dezember 2023

Israel hat ein System grosser Pumpen zusammengebaut, mit denen es das ausgedehnte Tunnelnetz der Hamas unter dem Gazastreifen mit Meerwasser fluten könnte. Diese Taktik könnte die Tunnel zerstören und die Kämpfer aus ihrem unterirdischen Versteck vertreiben, aber auch die Wasserversorgung des Gazastreifens bedrohen, so US-Beamte. Die israelischen Streitkräfte haben Mitte letzten Monats die Montage grosser Meerwasserpumpen etwa eine Meile nördlich des Flüchtlingslagers Al-Shati abgeschlossen. Jede der mindestens fünf Pumpen kann Wasser aus dem Mittelmeer entnehmen und Tausende von Kubikmetern Wasser pro Stunde in die Tunnel leiten, so dass diese innerhalb weniger Wochen überflutet werden.
Israel hat die USA Anfang letzten Monats erstmals über diese Option informiert und damit eine Diskussion ausgelöst, in der die Durchführbarkeit und die Auswirkungen auf die Umwelt gegen den militärischen Wert der Ausschaltung der Tunnel abgewogen wurden, so die Beamten.
US-Beamte sagten, sie wüssten nicht, wie nah die israelische Regierung an der Ausführung des Plans sei. Israel hat weder eine endgültige Entscheidung getroffen noch den Plan ausgeschlossen, so die Beamten. Die Stimmung in den USA war gemischt. Einige US-Beamte äußerten sich privat besorgt über den Plan, während andere Beamte sagten, die USA unterstützten die Ausschaltung der Tunnel und seien nicht unbedingt gegen den Plan. Die Israelis haben bisher etwa 800 Tunnel identifiziert, obwohl sie zugeben, dass das Netzwerk grösser ist.

 

 

Tag 59: 4. Dezember 2023

07:00
Gut fünf Wochen nach dem Beginn der israelischen Bodenoffensive im Norden des Gazastreifens weitet das Militär seine Einsätze am Boden auf das gesamte Palästinensergebiet aus. Die Soldaten gingen gegen Ziele der islamistischen Hamas vor, sagte Armeesprecher Daniel Hagari. 

 

Tag 58: 3. Dezember 2023

17.00
Rund um die beiden palästinensischen Städte im Süden Gazas, Khan Younis und Rafah, wird heftig gekämpft, ebenso im Norden des Küstenstreifens. Die Armee hat in verschiedenen Gebieten um Khan Younis die Bevölkerung aufgefordert, sofort die Region zu verlassen/ Insgesamt 800 Tunnel hat die Armee laut eigenen Angaben bislang ausfindig gemacht, davon bereits 500 zerstört. Viele Tunneleingänge befanden sich in der Nähe oder in Schulen, Kindergärten, Moschee und Spielplätzen/ Der Sprecher des amerikanischen Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, bestätigte, dass es im Augenblick keine offiziellen Verhandlungen über eine neue humanitäre Pause gebe/ Währenddessen erklärte das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium, dass seit Ende der Waffenruhe 316 Palästinenser getötet worden seien, insgesamt hätte es schon 15 500 Todesopfer auf palästinensischer Seite gegeben./ Das amerikanische Kriegsschiff USS Carney und etliche Handelsschiffe, wurden im Roten Meer am Sonntag von Raketen und Drohnen, die aus dem Jemen kamen, angegriffen./ Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, der sich zum ersten Mal in Israel befindet, erklärte den Angriff der Hamas am 7. Oktober «ernste internationale Verbrechen».
 

Tag 56: 1. Dezember 2023

19.00
Nach der Wiederaudnahme der Kämpfe am Morgen, ist es der Hamas gelungen, immer wieder heftige Raketensalven auf Israel abzufeuern, darunter auch wieder viele Geschosse, die die Gush Dan, das Zentrum Israel erreichten./Die israelische Armee hat vier Geiseln, die immer noch in Gaza festgehalten wurde, für tot erklärt. Die israelische Aufklärung habe Beweise gefunden, die klar belegen, dass die Geiseln gestorben sind, hieß es aus Kreisen des Militärs. Auch Guy Iluz, ein 26-jähriger Israeli, der am 7. Oktober als Geisel nach Gaza verschleppt wurde, ist inzwischen tot. Iluz hatte das Rave-Festival besucht./ Bei den Gesprächen mit US- Außenminister Antony Blinken hat Premier Netanyahu deutlich zu erkennen gegeben, dass Israel tief im Gaza-Streifen eine Pufferzone errichten will, im Gegensatz zu den USA, die keine Verkleinerung des Gebiets für die Palästinenser wollen. Doch Netanyahu scheint dies egal zu sein./ Am frühen Abend wurde bekannt, dass Israel das Visum der  führenden Mitarbeiterin der UN für humanitäre Hilfe für den Gazastreifen und das Westjordanland nicht verlängern werde. Lynn Hastings fungiert seit drei Jahren als stellvertretende Koordinatorin der UN für den Nahost-Friedensprozess und humanitäre UN-Koordinatorin für die besetzten palästinensischen Gebiete./ Unterdessen bemühen sich die Kataris um einen neuen Deal zwischen Israel und der Hamas, um die Freilassung von Geiseln voranzutreiben und eine neue Waffenruhe zu erreichen

08:00
Raketen-Alarm im Süden Israels. Die Hamas hat den Beschuss Israels in Aschkelon wieder aufgenommen. 

06:00
Die Feuerpause im Gazastreifen wird vorerst nicht verlängert. Eine Frist zur Verlängerung der Waffenruhe verstrich um 6 Uhr (MEZ) ohne eine Einigung. Israels Armee teilte kurz darauf mit, dass die Kämpfe gegen die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen nun fortgesetzt werden

 

Tag 55: 30. November 2023

06:00
Heute Donnerstagmorgen kam es in Jerusalem zu einem schrecklichen Attentat. Gegen 7.40 h stiegen zwei Terroristen aus ihrem Auto und begannen an einer Bushaltestelle das Feuer zu eröffnen, dabei wurden mindestens zwei Menschen getötet, sechs zum Teil schwer verletzt. Die Identität der beiden Attentäter wurden von der Polizei noch nicht genannt, aber israelische Medien berichteten, sie stammten aus Ostjerusalem., Der Generaldirektor des Roten Davidsterns, Eli Bin, sagte gegenüber dem israelischen Fernsehsender Kan, dass vier Menschen sehr schwer verletzt wurden. Ob es weitere Todesopfer geben wird, ist zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen noch unklar. Gleichzeitig wurde am Donnerstag bekannt gegeben, dass die Feuerpause um einen Tag verlängert wird. Die Hamas wird sieben Geiseln und drei Leichen zurückgeben. Bereits gestern wurden zwei zusätzliche Geiseln freigelassen, die einen russischen Pass haben, diese werden zu den heutigen Freilassungen dazugerechnet, so dass Israel sich bereit erklärte, die Feuerpause zu verlängern. Zum aktuellen Zeitpunkt würden die Kämpfe also am Freitag wieder aufgenommen werden, falls Hamas und Israel sich nicht auf weitere Freilassungen verständigen würden. Die Armee erklärte, sie sei bereit, die Kämpfe jederzeit in vollem Umfang wieder aufzunehmen. Der amerikanische Aussenminister Antony Blinken ist in Israel eingetroffen, um mit Premier Netanyahu über das weitere Vorgehen zu sprechen. Die USA würden eine Verlängerung der Feuerpause bevorzugen, um so noch mehr Geiseln frei zu bekommen.

02:00
Laut dem israelischen Armeeradio sind zehn israelische und vier thailändische Geiseln von der islamistischen Terrororganisation Hamas freigelassen worden. Sie seien nach dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) übergeben worden und auf dem Weg nach Israel. Unter den Geiseln sollen auch drei Deutsche sein. Es seien Doppelstaatler, die auch den israelischen Pass hätten, teilte Madschid Al-Ansari, Sprecher des katarischen Außenministeriums, laut der Nachrichtenagentur dpa mit. Im Gegenzug würden 16 palästinensische Minderjährige und 14 palästinensische Frauen aus israelischen Gefängnissen freigelassen, sagte Al-Ansari.

 

Tag 54: 29. November 2023

Am Abend begann zum sechsten Mal die Übergabe von israelischen Geiseln an das Rote Kreuz, das die Freigelassenen dann nach Israel bringt. Gleichzeitig lassen die Israelis erneut palästinensische Häftlinge frei. Bei der Übergabe der Geiseln an die Hamas inszeniert diese inzwischen grosse Jubelszenen. Viele Palästinenser toben um die Rotkreuzautos mit den Geiseln herum und wollen so zeigen, dass sie den Krieg gewinnen. Für die Geiseln eine schreckliche Situation, auch noch so kurz vor ihrer Freilassung. /Premier Netanyahu wollte die 84jährige befreite Geisel Elma Avraham im Krankenhaus besuchen. Doch deren Familie lehnte ab, man wolle den Premier nicht sehen. Ähnlich ging es ihm bei einem Besuch im Süden. Nach rund zwei Monaten war es das erste Mal, dass sich der Premier mit den Überlebenden der zerstörten Orte traf, was viele empörte. Zwei Bürgermeister kamen nicht zu dem Treffen, von denen, die kamen, machten viele gegenüber Netanyahu ihrer Wut lauthals Luft/ Einige der freigelassenen thailändischen Geiseln erzählten, dass sie sahen, wie ihre jüdischen Mitgefangenen von der Hamas geschlagen wurden, manchmal sogar mit elektrischen Kabeln./ Zu einem Zwischenfall kam es am frühen Abend im Roten Meer. Das amerikanische Kriegsschiff, die USS Carney schoss eine iranische Drohne ab, die offensichtlich von den Huthis im Jemen gestartet worden war. Sie kam dem Schiff bedrohlich nahe./ Einen Zwischenfall gab es in Gaza. Laut den Aussagen von IDF-Sprecher Daniel Hagari wurden drei palästinensische Kämpfer getötet, nachdem sie «die Waffenpause gebrochen und eine Bedrohung für unsere Truppen wurden», so Hagari.
 

Tag 53: 28. November 2023

23.00
Die islamistische Terrororganisation Hamas hat eine weitere Gruppe von Geiseln im Rahmen der Feuerpause dem Roten Kreuz übergeben. Es handle sich um zehn Israelis sowie zwei Thailänder, teilte die israelische Armee mit. Im Gegenzug sollen 30 weitere palästinensische Häftlinge entlassen werden. Es war bereits die fünfte Gruppe an Geiseln, die seit Beginn der Feuerpause am Freitag freikam. 

Damit sind seit Beginn einer Feuerpause am Freitag insgesamt 81 Geiseln freigekommen, darunter 61 Israelis. Im Gegenzug wurden bisher 150 palästinensische Häftlinge freigelassen. Weitere 30 sollten noch am Abend aus israelischen Gefängnissen auf freien Fuß gesetzt werden.

02:00
Im Rahmen der Feuerpause im Gaza-Krieg hat die islamistische Hamas nach israelischen Armeeangaben eine weitere Gruppe von Geiseln freigelassen. Elf Geiseln seien in die Obhut der Mitarbeiter des Roten Kreuzes übergeben worden, teilte die israelische Armee mit. Sie befänden sich auf dem Weg nach Israel. Unter ihnen sind nach Angaben des katarischen Außenministeriums zwei deutsche Doppelstaatler - sowie drei Franzosen und sechs Argentinier mit doppelter Staatsbürgerschaft.  Nach israelischen Medienberichten handelt es sich neun Kinder und zwei Frauen. Im Gegenzug sollen 33 weibliche und jugendliche palästinensische Häftlinge entlassen werden. Weitere Geiseln sollten im Zuge der verlängerten Feuerpause freikommen.  Es ist die vierte Gruppe an Geiseln, die seit Beginn der Feuerpause am Freitag im Gegenzug für die Freilassung palästinensischer Gefangener aus israelischen Gefängnissen freikommt. Bisher waren 58 Geiseln freigekommen, unter ihnen acht deutsche Doppelstaatsbürger. Im Gegenzug wurden 117 Palästinenser aus der Haft entlassen. 

00: 00 
Der Chef der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, soll israelische Geiseln nach ihrer Entführung in den Küstenstreifen besucht haben. Das israelische Fernsehen berichtete dies unter Berufung auf eine freigelassene Geisel. Der Besuch habe sich in den ersten Tagen nach der Entführung am 7. Oktober in einem unterirdischen Tunnel ereignet, erzählte die namentlich nicht genannte Frau demnach. Der Besucher habe sich als Jihia al-Sinwar vorgestellt und Hebräisch gesprochen. "Ihr seid hier am sichersten, euch wird nichts geschehen", habe er gesagt. Der Bericht lässt sich nicht unabhängig überprüfen. 

 

 

Tag 52: 27. November 2023

17.30
Offensichtlich wird das zehn Monate alte Baby Kfir Bibas am heutigen Montag nicht freigelassen. Zumindest erklärten die Angehörigen, dass sie die «Umarmung, die wir uns gewünscht haben, nicht bekommen werden». Es sind allerdings noch drei weitere Familienmitglieder Geiseln, eventuell meinten sie, dass von ihnen jemand nicht freikommt. Auch am heutigen Tag hat die Hamas mit Israel wieder Katz und Maus gespielt. Auf der ersten Liste mit Namen musste die Regierung feststellen, dass entgegen dem Abkommen die Hamas Mütter und Kinder doch getrennt hatte und nicht gemeinsam in die Freiheit schicken wollte. Inzwischen soll man sich geeinigt haben und bald erwartet Israel zum vierten Mal Geiseln zurück.  Gleichzeitig verkündete Katar, dass Israel und die Hamas sich auf eine zweitägige Verlängerung der Waffenruhe geeinigt haben, da es der Hamas gelungen sei, weitere Geiseln, die sich in den Händen anderer Gruppen befanden, ausfindig zu machen. Sie sollen, insgesamt wohl 30 Israelis, am Dienstag und Mittwoch übergeben werden. Danach würden – theoretisch – die Kämpfe wieder aufgenommen werden. Aber vielleicht arbeitet die Hamas mit Salamitaktik und wird am Mittwoch wieder sagen, sie hätte noch ein paar Geiseln, die sie herausgeben könnte. Natürlich ist die Rettung jedes einzelnen Israelis ein absolutes Muss für die Regierung. Aber das Militär verliert an Momentum, die Hamas hat Zeit, sich neu zu organisieren und kann dann möglicherweise bei weiteren Kämpfen der Armee doch noch grosse Verluste zufügen. Auch wird der internationale Druck auf Israel, einem echten Waffenstillstand zuzustimmen, immer grösser. Bislang widerstehen alle Verantwortlichen diesen Forderungen. Armee und Politik sagen, dass weitergekämpft wird, bis die Hamas vernichtet ist. Grosse Worte, die aber im Augenblick nichts besagen.

00:30
Die radikal-islamische Hamas will nach eigener Darstellung die Feuerpause mit Israel unter bestimmten Bedingungen verlängern. Die Hamas teilt in einer Erklärung mit, dass sie eine Verlängerung der viertägigen Kampfpause mit Israel anpeile, wenn ernsthafte Anstrengungen unternommen würden, um die Zahl der aus Israel freigelassenen palästinensischen Gefangenen zu erhöhen. Die am Freitag begonnene Feuerpause ist die erste in dem aktuellen Konflikt.

 

Tag 51: 26. November 2023

21:30
Nach Beginn der Feuerpause im Gaza-Krieg hat die islamistische Hamas eine zweite Gruppe von Geiseln freigelassen. Das Rote Kreuz brachte am Samstagabend 13 Israelis sowie vier thailändische Staatsbürger über die Grenze nach Ägypten, wie das israelische Militär mitteilte. Nach Angaben Katars sollen unter den freigelassenen Israelis acht Minderjährige und fünf Frauen sein. Der Konvoi mit den freigelassenen Geiseln fuhr nach Armeeangaben zunächst zum nahe gelegenen israelischen Grenzübergang Kerem Schalom. Dort wollten Sicherheitsvertreter die Namensliste überprüfen. Schon am Freitag waren 24 Geiseln freigekommen: 13 Israelis sowie 11 Ausländer. Unter ihnen waren auch vier Deutsch-Israelis. Unklar war zunächst, ob auch am Samstag Doppelstaatler unter den freigelassenen Israelis waren. Sie sollen nach einer ersten medizinischen Untersuchung zunächst in Krankenhäuser in Israel geflogen werden. Dort werden sie auch ihre Familien treffen. Im Gegenzug sollten am Abend 39 palästinensische Gefangene aus israelischen Gefängnissen entlassen werden. Unter ihnen sind der Hamas zufolge sechs Frauen und 33 männliche Jugendliche unter 19 Jahren. Die Häftlinge sollen nahe ihren Wohnorten im Westjordanland oder Ost-Jerusalem freikommen. Nur wenige Stunden vor der Freilassung der Geiseln hatte die Hamas eine Übergabe in letzter Minute überraschend gestoppt. Als Grund nannte die Terrororganisation, dass Israel aus ihrer Sicht gegen einen Teil des Geisel-Deals verstossen habe. Sie warf Israel unter anderem vor, nicht ausreichend Hilfslieferungen in den nördlichen Teil des Gazastreifens ermöglicht zu haben. Israel wies das zurück und drohte mit einer Aufkündigung des Abkommens, das von Katar vermittelt wurde. Nach Einschreiten Katars lenkte die Hamas am späten Abend ein. Das Abkommen für eine Feuerpause zwischen Israel und der Hamas sieht vor, dass im Gegenzug für jede Geisel aus Israel drei palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen entlassen werden. Am Tag zuvor waren so bereits 39 palästinensische Häftlinge freigekommen. Die Kampfpause soll mindestens vier Tage dauern. Gemäss der Vereinbarung sollen in dieser Zeit insgesamt 50 Geiseln freigelassen werden. Eine Verlängerung der Feuerpause auf bis zu zehn Tage ist möglich, wie das in dem Konflikt vermittelnde Golfemirat Katar mitgeteilt hatte.

 

08:00
Die israelische Regierung hat eine Liste mit den Namen von weiteren Geiseln der Hamas erhalten, die im Laufe des heutigen Samstags freigelassen werden sollen. Laut Medienberichten soll es sich um 13 Israelis handeln, acht von ihnen Kinder. Ein Beamter im Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu sagte, israelische Sicherheitsbeamte prüften die Liste.  Nach Beginn der Feuerpause war gestern eine erste Gruppe von 24 Geiseln - 13 Israelis und elf Ausländer - freigekommen, die vor sieben Wochen von Hamas-Terroristen in den Gazastreifen verschleppt worden waren. Darunter waren vier Doppelstaatler, die auch die deutsche Staatsangehörigkeit haben.

 

Tag 49: 24. November 2023

Die ersten 13 israelischen Geiseln sind frei. Am Nachmittag hat die Hamas am ersten Tag der Feuerpause einen ersten Schwung an gefangenen Israelis freigelassen, wie das Abkommen es vorsieht. Auch die Israelis liessen im Gegenzug 39 Gefangene palästinensische Frauen und Jugendliche frei, die wegen terroristischer Aktivitäten einsassen. Die Israelis wurden zuerst dem Roten Kreuz übergeben, dann kamen sie an die Grenze Rafah zu Ägypten, wurden dort von den Ägyptern in Empfang genommen und dann in mehreren Rotkreuz-Wagen hinüber nach Israel gefahren. Dort kommen sie jetzt erst einmal in ein Krankenhaus in der Militärbasis Hazerim, werden untersucht und treffen dann endlich mit ihren Liebsten zusammen. Doch das Wiedersehen dürfte auch mit Trauer verbunden sein. Die Freigelassenen wissen wahrscheinlich nicht, was alles in ihren jeweiligen Ortschaften geschah und haben noch keine Ahnung, wer alles ermordet wurde, den sie vielleicht kennen oder mit dem sie sogar verwandt sind. 

In ganz Israel hielt man den Atem an und wartete angespannt, bis die Nachricht der Freilassung kam. Zusammen mit den Familien waren viele Israelis in Tel Aviv auf dem sogenannten «Platz der Geiseln» vor dem Tel Aviv Museum und hofften, endlich die Meldung zu hören: sie sind frei. Unter den Menschen: Benny Gantz, der einzige Politiker, der heute ganz nah bei den Familien sein wollte

Morgen sollen die nächsten Geiseln freigelassen werden. Es sind dann 50 Tage seit Kriegsbeginn. Der Krieg indes ist bislang nur unterbrochen und nach Meinung der Politiker und Militärs noch lange nicht zu Ende. Das betonte auch US-Präsident Joe Biden in einer Pressekonferenz. Er sprach davon, dass er es für legitim hält, dass Israel weiter versuchen wird, die Hamas zu vernichten. Aber er wiederholte erneut, dass alles getan werden muss, um die palästinensische Zivilbevölkerung zu schützen. Und, so Biden, er hoffe, dass der Krieg bald vorbei sein werde. Ein Zeichen nach Israel, dass die USA nicht mehr allzulange ihre uneingeschränkte Unterstützung für den Feldzug der Israelis geben werden.

 

Tag 48: 23. November 2023
 

Den ganzen Tag war es klar in Israel: Ab heute, Donnerstag, werden die ersten Geiseln freigelassen, um 10 Uhr Ortszeit beginnt die Feuerpause. Dann kam am Abend eine Pressekonferenz von Premier Netanyahu mit Yoav Gallant und Benny Gantz. Netanyahu versuchte der Bevölkerung klar zu machen, dass man diesen Deal machen musste, dass er gut sei für Israel und man auf alle Fälle danach weiterkämpfen werde, damit es nie wieder eine Bedrohung aus Gaza geben werde. Dann verkündete er noch das Offensichtliche. Er habe den Mossad beauftragt die beiden Hamas-Führer im Ausland, Khaled Mashal und Ismail Haniyeh zu töten. Wozu er das sagte – keiner weiss es, denn das war ja eh klar, dass Israel alle Hamas Granden umbringen will. Um kurz vor Mitternacht Ortszeit kam dann plötzlich eine Ankündigung von TzachiHanegbi, den nationalen Sicherheitsberater. Der Geiselaustausch werde nicht am Donnerstag beginnen, sondern erst am Freitag. Donnerstag – das sei nur eine Ankündigung der Presse gewesen. Der Freitag sei eigentlich für einen erste Freilassung vorgesehen gewesen. Das ist umso merkwürdiger, da der Mossad-Chef David Barnea in Katar ist, wo er die Namen der ersten Geiseln erhalten hat, die freigelassen werden sollen.

Tag 47: 22. November 2023

08:00
Die Vereinigung der Opfer des Almagor-Terrors wird heute Mittag beim Obersten Gerichtshof eine Petition gegen die Vereinbarung der Regierung über die Rückgabe von 50 Geiseln, die von der Hamas in Gaza festgehalten werden, einreichen. In einem Brief an Justizminister Yariv Levin schreiben Almagor-Gründer Meir Indoor und Vorstandsmitglied Dr. Aryeh Bachrach, dass die Organisation der Meinung ist, dass "die gleichen Minen und Überraschungen in der Vereinbarung auch in fast jedem anderen [Geisel-]Abkommen in der Vergangenheit vorhanden waren".

Almagor fordert Einsicht in die Liste der Gefangenen, die Israel im Rahmen des Abkommens freizulassen gedenkt und die das Justizministerium jetzt auf seiner Website veröffentlicht hat. Die Organisation fordert auch alle Einzelheiten der Verpflichtungen, die Israel gegenüber der Hamas bezüglich der Einschränkungen der Kampfhandlungen während der Waffenruhe macht, einschließlich der Einstellung der Nachrichtenbeschaffung sowie der Lieferung von Treibstoff und anderen Gütern, die der Hamas helfen könnten, Terroroperationen gegen die Bewohner Israels durchzuführen". Darüber hinaus fordern sie Levin auf, "die allgemeinen Verpflichtungen, die Israel gegenüber der Hamas eingeht und die direkt oder über Dritte eingegangen wurden, offenzulegen." Der Oberste Gerichtshof wird alle im Laufe des heutigen Tages eingereichten Petitionen anhören und es wird allgemein erwartet, dass er sie ablehnt, so wie er es bei den Petitionen gegen den Shalit-Deal im Jahr 2011 getan hat.

03:00
Israels Regierung hat einer viertägigen Feuerpause im  Gazakreig  sowie dem Austausch von Geiseln gegen palästinensische Häftlinge zugestimmt. Eine Mehrheit des Kabinetts stimmte für eine entsprechende Vereinbarung mit der islamistischen Hamas , teilte das Büro von Regierungschef Binjamin Netanyahu mit.

20:00
Am Abend kam die israelische Regierung zusammen, um über das geplante Abkommen mit der Hamas abzustimmen. Das Abkommen sieht vor, dass etwa 50 Geiseln, Frauen und Kinder, für etwa 300 palästinensische Frauen und Jugendliche in israelischen Gefängnissen freikommen. Ausserdem soll es eine fünftägige Feuerpause geben. Jeden Tag sollen etwa 10 Geiseln freigelassen werden. Die beiden rechtsextremen Koalitionäre, Bezalel Smotrich und Itamar Ben Gvir, sind gegen das Abkommen. Aus der Partei Smotrichs gab es Stimmen, die besagten, man erwäge den Austritt aus der Koaliton. Aus der Partei von Ben Gvir am frühen Abend so etwas nicht zu hören. Premier Netanyahu sagte bei dem Treffen, dass man ausgehandelt habe, dass das Rote Kreuz die weiter festgehaltenen Geiseln besuchen und medizinisch betreuen dürfe. Verteidigungsminister Gallant erklärte, man werde nach der Waffenruhe mit voller Macht weiter gegen die Hamas kämpfen, um sie militärisch zu vernichten. Netanyahu dürfte eine Mehrheit für das Ja zum Abkommen erhalten. Wahrscheinlich dürfte am morgigen Mittwoch dann der Deal in Kraft treten.

Tag 46: 21. November 2023

Das Thema der Stunde: die Freilassung der Geiseln. Angeblich stehe man kurz davor einen Deal zu haben, erklärt inzwischen auch ein wichtiger Offzieller aus der israelischen Regierung. Die Armee geht aber unterdessen in Gaza mit ungebremster Härte vor. Laut eigenen Angaben habe man inzwischen das Flüchtlingslager Jabaliya umzingelt, wobei es heftige Kämpfe mit Hamas-Leuten gäbe. Man habe bereits einige Tunnel zerstört und Waffen gefunden, ebenso viele Hamas-Kämpfer getötet, doch die Kämpfe dauern natürlich an. Inzwischen beschwert sich der Bürgermeister von Metula, der nördlichsten Stadt Israels an der Grenze zum Libanon, dass die Armee de facto eine 5 km Sicherheitszone südlich der Grenze eingerichtet habe. Man solle sie lieber 5 km nördlich der Grenze auf libanesischem Territorium einrichten, wütete der Bürgermeister, man befände sich doch schon längst im Krieg mit der Hizbollah. Unterdessen ist die Zahl der gefallenen israelischen Soldaten auf 68 gestiegen. Beinahe täglich kommen ein bis zwei Tote dazu, aber es sind insgesamt sehr viel weniger als die Armee zu Beginn des Krieges befürchtet hatte. Wer nun die Verantwortung für das Sicherheitsdebakel Israels am 7. Oktober hat, wird weiter heftig diskutiert. So hat nun Amit Saar sich öffentlich geäussert. Er ist der Chef der Rechercheabteilung des Militärischen Geheimdienstes. Laut seinen Aussagen erklärte er, dass er zweimal Premier Netanyahu davor gewarnt hatte, dass Iran, Hizbollah und die Hamas eine militärische Aktion gegen Israel planen.

 

Tag 45: 20. November 2023

05:00
Israel hat weitere Details zu einem mutmasslichen Tunnel der militant-islamistischen Hamas unter dem Komplex des Al-Schifa-Krankenhauses im Gazastreifen veröffentlicht. Der vor wenigen Tagen freigelegte Schacht führe zu einem Tunnel mit einer Länge von rund 55 Metern in einer Tiefe von zehn Metern, teilte die Armee mit. Dazu lieferte das Militär Aufnahmen von zwei Geräten, die den Tunnel von Innen zeigen sollen. Am Ende des Tunnels befinde sich demnach eine "explosionssichere Tür". Was sich genau hinter der Tür befindet, war unklar. Die israelischen Truppen seien zudem damit beschäftigt, "die Route des Tunnels aufzudecken", hieß es vom Militär. Der Tunneleingang war der Armee zufolge im Bereich des Al-Schifa-Krankenhauses unter einem Fahrzeug freigelegt worden. Die Angaben sind nicht unabhängig zu überprüfen.

 

Tag 44: 19. November 2023

14.00
Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen haben vor der Küste des Jemens ein Frachtschiff entführt und mehrere Geiseln genommen. Die Rebellen hätten an Bord des Autotransporters "Galaxy Leader" die Kontrolle übernommen, berichtete der Nachrichtensender Al-Hadath am Sonntag. An Bord sind nach Angaben Israels 25 Besatzungsmitglieder, darunter aus der Ukraine, Bulgarien und Mexiko sowie aus den Philippinen. Die Huthis teilten mit, sie hätten bei einem "Militäreinsatz" im Roten Meer ein israelisches Schiff gekapert und zur jemenitischen Küste gebracht. Hintergrund sei eine "moralischen Verpflichtung gegenüber dem unterdrückten palästinensischen Volk", hiess es in einer Mitteilung bei X von Huthi-Militärsprecher Jahja Sari. Alle Schiffe mit Verbindungen zum "israelischen Feind" würden "legitime Ziele", hiess es. "Wenn die internationale Gemeinschaft sich um die Sicherheit und Stabilität der Region sorgt und den Konflikt nicht ausweiten will, sollte sie Israels Aggression gegen Gaza stoppen." Erst Sonntag früh hatten die Huthis mit entsprechenden Angriffen auf "sämtliche Schiffe" mit Israel-Bezug gedroht.Israelischen Medien zufolge soll das Frachtschiff von einem Unternehmen betrieben werden, das zum Teil dem britisch-israelischen Geschäftsmann Rami Ungar gehört. Der etwa 190 Meter lange Frachter "Galaxy Leader" zum Transport von Autos wurde 2002 gebaut und fährt unter Flagge der Bahamas.Der Jemen liegt im Süden der Arabischen Halbinsel. An ihr vorbei führt eine der wichtigsten Schifffahrtswege der Welt vom und zum Suezkanal in Ägypten. Dieser Kanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und bietet damit die kürzeste Verbindung auf dem Seeweg von Asien nach Europa. Etwa zehn Prozent des gesamten Welthandels laufen über das Rote Meer, darunter auch Öl und Flüssiggas. Ein Sprecher der israelischen Armee sprach von einem "sehr schwerwiegendem Vorfall mit globaler Reichweite". Der Frachter sei von der Türkei auf dem Weg nach Indien mit einer internationalen Crew an Bord gewesen. Israelische Staatsangehörige seien nicht an Bord. Er betonte, es handle sich um "kein israelisches Schiff". Das Büro des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu machte den Iran direkt für den Angriff verantwortlich. "Wir verurteilen den iranischen Angriff auf ein internationales Schiff aufs Schärfste", teilte ein Sprecher mit. "Dies ist ein weiterer Akt des iranischen Terrorismus". Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen haben vor der Küste des Jemens ein Frachtschiff entführt und mehrere Geiseln genommen. Die Rebellen hätten an Bord des Autotransporters "Galaxy Leader" die Kontrolle übernommen, berichtete der Nachrichtensender Al-Hadath am Sonntag. An Bord sind nach Angaben Israels 25 Besatzungsmitglieder, darunter aus der Ukraine, Bulgarien und Mexiko sowie aus den Philippinen. Die Huthis teilten mit, sie hätten bei einem "Militäreinsatz" im Roten Meer ein israelisches Schiff gekapert und zur jemenitischen Küste gebracht. Hintergrund sei eine "moralischen Verpflichtung gegenüber dem unterdrückten palästinensischen Volk", hiess es in einer Mitteilung bei X von Huthi-Militärsprecher Jahja Sari. Alle Schiffe mit Verbindungen zum "israelischen Feind" würden "legitime Ziele", hiess es. "Wenn die internationale Gemeinschaft sich um die Sicherheit und Stabilität der Region sorgt und den Konflikt nicht ausweiten will, sollte sie Israels Aggression gegen Gaza stoppen." Erst Sonntag früh hatten die Huthis mit entsprechenden Angriffen auf "sämtliche Schiffe" mit Israel-Bezug gedroht. Israelischen Medien zufolge soll das Frachtschiff von einem Unternehmen betrieben werden, das zum Teil dem britisch-israelischen Geschäftsmann Rami Ungar gehört. Der etwa 190 Meter lange Frachter "Galaxy Leader" zum Transport von Autos wurde 2002 gebaut und fährt unter Flagge der Bahamas. Der Jemen liegt im Süden der Arabischen Halbinsel. An ihr vorbei führt eine der wichtigsten Schifffahrtswege der Welt vom und zum Suezkanal in Ägypten. Dieser Kanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und bietet damit die kürzeste Verbindung auf dem Seeweg von Asien nach Europa. Etwa zehn Prozent des gesamten Welthandels laufen über das Rote Meer, darunter auch Öl und Flüssiggas. Ein Sprecher der israelischen Armee sprach von einem "sehr schwerwiegendem Vorfall mit globaler Reichweite". Der Frachter sei von der Türkei auf dem Weg nach Indien mit einer internationalen Crew an Bord gewesen. Israelische Staatsangehörige seien nicht an Bord. Er betonte, es handle sich um "kein israelisches Schiff". Das Büro des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu machte den Iran direkt für den Angriff verantwortlich. "Wir verurteilen den iranischen Angriff auf ein internationales Schiff aufs Schärfste", teilte ein Sprecher mit. "Dies ist ein weiterer Akt des iranischen Terrorismus".

 

 

Tag 42: 17. November 2023

Die Kämpfe gehen immer weiter. Auch wenn die israelische Armee viele Hinweise gefunden hat, dass die Hamas sich im und unter dem Al-Shifa Krankenhaus befunden hat, einen echten Beweis, dass hier die Kommandozentrale der Islamisten gewesen sein soll, hat sie noch nicht geliefert. Derweil sah sich Premier Netanyahu gezwungen, ab sofort knapp 60 000 Liter Treibstoff täglich nach Gaza einführen zu lassen. Die USA haben die Daumenschrauben angesetzt, nachdem sie schon vor zwei Wochen von Israel die Zusicherung bekamen, dass man Benzin für Generatoren etc. liefern werde, was aber bislang nicht geschah.Die Hardliner in Netanyahus Regierung toben. Man sei eingeknickt, liefere nun Benzin und bekäme dafür nichts in retour. Finanzminister Smotrich verlangt, dass die Zusammensetzung des Kriegskabinetts sich ganz anders gestalten muss. Nicht nur Netanyahu, Verteidigungsminister Yoav Gallant und der frühere Verteidigungsminister Benny Gantz, sondern von jeder Partei der Regierungskoalition soll mindestens ein Vertreter im Kriegskabinett sitzt.  Auch Avigdor Lieberman von der oppositionellen „Yisrael Beiteinu“ tobte über die Lieferungen. Viele Politiker sehen das als erstes Schwächezeichen der Regierung gegenüber den Palästinensern und vor allem der Hamas. Unterdessen geht im Hintergrund das Tauziehen um die Freilassung von 50 Geiseln weiter. Am Freitagnachmittag hiess es, dass Hamas und Israel bislang keine Einigung erzielen konnten. 

Tag 41: 16. November 2023

13.00
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben die "operative Kontrolle" über den Hafen der Stadt Gaza im nördlichen Gazastreifen übernommen. Bei dem Militäreinsatz mit Unterstützung der Marine und der Luftwaffe seien auch zehn Terroristen getötet worden, teilte die Armee mit. Der Hafen sei zuvor durch die militant-islamistische Hamas kontrolliert worden. Örtliche Quellen im Gazastreifen bestätigten der Nachrichtenagentur dpa die Übernahme des Hafens. In der Westbank sind 6 israelische Polizisten verletzt worden, die Attentäter wurden neutralisiert. 

 

 

Tag 40: 15. November 2023

19.00
Der Direktor des FBI sagte gegenüber dem US Kongress, dass Al-Kaida und ISIS ihre Anhänger auffordern, jüdische Gemeinden in den USA und Europa anzugreifen.  In Frankreich wurden unterdessen Gräber jüdischer Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gekämpft haben, geschändet. Laut der Agentur Reuters soll Iran dem Chef der Hamas, Ismail Haniyeh bei seinem Besuch in Teheran Anfang November klar gesagt haben: Wir werden nicht in den Krieg einsteigen, weil ihr uns nichts über den Angriff am 7. Oktober gesagt habt.  In den USA sinkt inzwischen die Unterstützung für Israels Krieg. Eine Mehrheit will einen Waffenstillstand. In Gaza konnten nun mit Erlaubnis Israels 23'000 Liter Benzin über Ägypten eingeführt werden, das macht aber gerade mal 9% dessen aus, was man in Gaza dringend benötigen würde. Katar bemüht sich weiterhin um einen Deal zwischen Hamas und Israel. Im Gespräch ist nun, dass die Hamas 50 Geiseln frei lässt und dafür eine dreitägige Feuerpause erhielte. Angeblich hat Israel dies abgelehnt, aber da auch die USA ein Interesse haben, weitere amerikanische Staatsbürger freizubekommen, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen  In Gaza selbst drangen heute israelische Soldaten in das Shifa-Krankenhaus ein. Während in arabischen Medien von Greueltaten der Israelis an der Ärztebelegschaft und den Patienten die Rede war, berichteten israelische Medien, die Soldaten würden zwar Stockwerk für Stockwerk durchkämmen, aber es fänden keine Kämpfe statt, wo sich Patienten befinden. Ein Augenzeuge bestätigte dies gegenüber der israelischen Tageszeitung Haaretz. Bislang konnten die Soldaten keinerlei Hinweise finden, dass sich die Geiseln dort befunden haben oder noch befinden.

 

Tag 39: 14. November 2023

20.00
Während rund 200'000 Menschen in Washington an einer pro-israelischen Demonstration teilnahmen, erklärte die US-Regierung, dass ihre Geheimdienste zuverlässige und sichere Informationen haben, dass sich unterhalb des ShifaKrankenhauses in Gaza die Hamas ihre Zentrale habe, aber nicht nur dort, sondern auch unterhalb anderer Krankenhäuser. Gleichzeitig aber lehnt Washington eine israelische Bombardierung des Krankenhauses aus der Luft ab, man müsse die Krankenhäuser und die Patienten schützen. Das Kriegskabinett in Tel Aviv erhielt inzwischen vom Shin Bet Chef, der von einem Treffen mit seinem Kollegen in Ägypten zurückgekommen ist, einen Bericht zu den Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln. Die Huthis feuerten unterdessen wieder eine Boden-Boden-Rakete auf Israel ab, die jedoch über dem Roten Meer abgefangen wurde.Gleichzeitig erklärt Verteidigungsminister Yoav Gallant, die Armee habe die Verteidigungslinien der Hamas in Gaza-Stadt überwunden. Die entscheidende Frage ist nun, wie die Armee gegen die unterirdische Zentrale der Hamas beim Shifa-Krankenhaus vorgehen will. Dieser Kampf dürfte für die israelischen Soldaten sehr schwierig und gefährlich werden.

 

08:30
Längst hat sich der Krieg auch auf die Nordfront Israels ausgedehnt. Die Gefechte werden immer heftiger. Gestern wurden zwei israelische Soldaten bei Raketenangriffen aus dem Libanon verletzt, einer davon schwer. In Gaza stieg die Zahl der gefallenen israelischen Soldaten inzwischen auf 46. In Tulkarem, einer palästinensischen Stadt im Westjordanland, wurden bei einer Operation der Armee sechs Palästinenser getötet, davon drei durch eine israelische Drohne. Gestern wurde bekannt gegeben, dass die Friedensaktivistin Vivian Silver am 7. Oktober ermordet wurde. Sie galt bislang als vermisst, doch nun konnte ihre Leiche identifiziert werden. Unterdessen wächst die Kritik an Israels Vorgehen in Gaza. So erklärte der brasilianische Präsident Lula da Silva, dass Israels Militäraktionen seit dem 7. Oktober ebenso schrecklich seien wie der Überfall der Hamas. US-Präsident Joe Biden forderte gestern, das Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt «zu schützen». Die Kämpfe rund um die Klinik werden immer heftiger, das Krankenhaus hat aufgehört zu funktionieren, es fehlt an Wasser, Strom, Nahrungsmittel. Israel will aber dort die mutmassliche Zentrale der Hamas unterhalb der Klinik zerstören. Israelische und auch amerikanische Geheimdienste haben mehrfach erklärt, Hinweise dafür zu haben, dass sich unter dem Krankenhaus tatsächlich die wichtigste Schaltposition der Hamas befinden soll.

Tag 38: 13.  November 2023

18.00
Am Abend veröffentlichte die israelische Armee Bilder aus dem Rantisi-Krankenhaus in Gaza. Sie zeigen einen Tunnel, der ganz in der Nähe des Krankenhauses angelegt ist und nach Angaben der Armee unter das Krankenhaus führt. Im Keller des Krankenhauses zeigt die Armee Waffen, die angeblich dort gefunden worden sind, sowie einige Hinweise, die laut IDF zeigen, dass hier zumindest für einige Zeit Geiseln festgehalten wurden, darunter wohl auch ein Baby, wie einige zurückgelassene Utensilien vermuten lassen. Für die Armee ist das ein klarer Beweis, dass die Krankenhäuser in Gaza sehr wohl Schalt- und Machtzentren der Hamas sind. Die Bilder, die unterirdisch von der Armee gedreht wurden, sollen der ganzen Welt zeigen, dass Israel einen guten Grund hat, gegen die Krankenhäuser vorzugehen. Denn die öffentliche Kritik bezichtigt Israel eines Kriegsverbrechens, da Krankenhäuser im Krieg immer Tabu sind. Doch es wird nur selten erwähnt, dass es ebenfalls ein Kriegsverbrechen ist, Krankenhäuser als militärische Basen zu missbrauchen. 

 

07:00
Bei Angriffen aus dem Libanon sind nach israelischen Angaben am Sonntag mindestens 17 Menschen im Norden des Landes verletzt worden. Die israelischen Streitkräfte teilten mit, dass in der Gegend von Manara sieben Soldaten durch Mörsergranaten leicht verletzt worden seien. Die israelischen Rettungsdienste berichteten von zehn weiteren Verletzten durch Raketeneinschläge oder Granatsplitter. Das israelische Militär meldete 15 Raketenangriffe aus dem Libanon innerhalb kurzer Zeit. Vier Geschosse seien abgefangen worden und der Rest in freiem Gelände niedergegangen. Der israelische Militärsprecher Daniel Hagari sagte, Israel sei konzentriert auf den Krieg im Gazastreifen, sei aber nach wie vor in höchster Bereitschaft im Norden Israels und könne jederzeit weitere Schritte ergreifen. Es gebe konkrete Pläne, die Situation im Norden Israels zu ändern. "Der Sicherheitsstatus wird nicht so bleiben, dass Zivilisten im Norden sich nicht sicher dabei fühlen, in ihre Häuser zurückzukehren." Der militärische Arm der militant-islamistischen Hamas bekannte sich zu Angriffen auf Haifa und die Grenzstädte Na'ura und Schlomi. Die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah übernahm die Verantwortung für weitere Attacken, bei denen sie unter anderem Panzerabwehrraketen und Lenkflugkörper einsetzte. Israel reagierte mit Angriffen auf mehrere Städte im Süden des Libanon, unter anderem Jarun, Mais al-Dschabal und Alma al-Schaab.

 

Tag 37: 12.  November 2023

05:00
Als Reaktion auf den Beschuss der annektierten Golanhöhen griff Israel  zudem Ziele im benachbarten Syrien an. Die Luftwaffe habe dabei »terroristische Infrastruktur« ins Visier genommen, teilte die Armee mit. Nach Armeeangaben waren am Samstag zwei von Syrien aus abgefeuerte Geschosse in unbewohnten Gebieten auf den Golanhöhen eingeschlagen. Israel hatte bereits am Freitag Ziele Syrien angegriffen, nachdem eine Drohne, die nach Armeeangaben aus Syrien abgefeuert wurde, eine Grundschule in Eilat im Süden Israels getroffen hatte. Die Drohne richtete nur Sachschaden an.


001.:00
Die Hamas hat nach israelischer Darstellung die Kontrolle über den nördlichen Teil des Gaza-Streifens verloren. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Abend, Hamas-Terroristen hätten „keinen sicheren Ort mehr, um sich zu verstecken“. Netanjahu sagte, von Hamas-Chef Jihia al-Sinwar „bis zum letzten Terroristen“ seien alle dem Tod geweiht. Die Armee habe bereits Tausende Terroristen getötet, darunter auch „Kommandeure, die das schreckliche Massaker am 7. Oktober angeführt haben“. Es werde keine Waffenruhe ohne Rückführung der Geiseln geben, bekräftigte Netanjahu.

 

Tag 36: 11. November 2023

01:00
Mehr als 100.000 Bewohner haben nach israelischen Angaben in den vergangenen zwei Tagen den Norden des Gazastreifens in Richtung Süden verlassen. In dem nördlichen Teil des Palästinenser-Gebietes liegt die Stadt Gaza, in der die israelische Armee weit vorgedrungen sei, sagte ein Militärsprecher. Israel hat die Bevölkerung zur Räumung des Nordens aufgefordert. 



Tag 35: 10. November 2023

17.00
Die israelische Regierung hat ihre Angaben zur Zahl der beim Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober getöteten Menschen nach unten korrigiert. Bei dem Angriff seien etwa 1200 Menschen in Israel getötet worden, nicht 1400 wie bisher vermutet, sagte Außenministeriumssprecher Lior Haiat der Nachrichtenagentur AFP. Bei vielen der nach dem Angriff gefundenen und zunächst nicht identifizierten Leichen handele es sich offenbar um die von Hamas-Kämpfern, erklärte Haiat zur Begründung für die aktualisierte Angabe. 


 

Tag 34: 9. November 2023

22.00

Ein Militärsprecher hat betont, dass Israel keinem Waffenstillstand (ceasefire) im Kampf gegen die Hamas im Gazastreifen zugestimmt habe, sondern lediglich zeitlich und lokal begrenzte Pausen. »Was wir tun, dieses Vier-Stunden-Fenster, das sind taktische, lokale Pausen für humanitäre Hilfe«, sagte Richard Hecht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Die USA hatten kurz zuvor mitgeteilt, dass im Norden des Palästinenser-Gebietes jeden Tag vier Stunden lang keine Einsätze ausgeführt sollen, um Palästinensern zu ermöglichen, sich in Sicherheit zu bringen. 
Die israelische Regierung beharrt auf ihrer Forderung, dass es ein Waffenstillstand mit der Hamas nur gegen die Freilassung der von den Islamisten festgehaltenen Geiseln geben wird. »Die Kämpfe gehen weiter und es wird keine Feuerpause ohne die Freilassung unserer Geiseln geben«, hieß es in einer Mitteilung des Büros des Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu. Auf die Frage, ob es sich bei der Stellungnahme des Büros des Ministerpräsidenten um ein Dementi der US-Ankündigung handele, ging ein Sprecher Netanjahus nicht ein. Netanyahus Büro verwies auf einen Fluchtkorridor für Zivilisten im Gazastreifen vom Norden in den Süden, auf dem Israel den Menschen zurzeit täglich für einige Stunden eine sichere Passage zusagt. 
Das israelische Militär hatte bereits Stunden vor der Mitteilung des Weißen Hauses auf der Online-Plattform X darauf hingewiesen, dass es keinen Waffenstillstand gebe, aber »taktische, lokale Pausen für humanitäre Hilfe für Zivilisten in Gaza«. 
 

08.00
Die Nahal Brigade hat nach zehnstündigen Kämpfen eine wichtige Hamas-Hochburg eingenommen, den sogenannten Outpost 17. Man habe die Hamas-Terroristen oberhalb und unterhalb der Erde bekämpft und besiegt, hieß es. Man fand unterirdisch einen Weg der direkt neben einem Kindergarten liegt. Bisher sind 34 Soldaten bei den Kämpfen in Gaza gefallen. Das sind 34 zuviel, aber es sind bislang wesentlich weniger als man befürchtet hatte in der Generalität. Das Shifa Krankenhaus, wo sich auch darunter die Zentrale der Hamas befinden soll, hat inzwischen medizinische Hilfslieferungen erhalten, doch wesentlich mehr wird weiterhin benötigt. Bei Verhören gaben die gefangenen Terroristen, die am 7. Oktober an dem Massenmord beteiligt waren an, warum sie auch Babys und Kinder ermordeten: Sie wachsen heran und werden dann eines Tages Soldaten, so die Terroristen. Inzwischen geht das Ringen um die Zukunft Gazas nach dem Krieg weiter. Der ägyptische Präsident al-Sissi hat einem Vorschlag der USA eine Abfuhr erteilt: Ägypten werde auf keinen Fall für die Sicherheit sorgen in Gaza bis die Palästinensische Autonomiebehörde übernehmen könnte.

 

Tag 33: 8. November 2023

19.30
Die israelische Armee dringt immer tiefer in Gaza-Stadt ein. 50 000 Palästinenser sind auch heute noch einmal vom Norden des Küstenstreifens in den Süden gegangen. Premier Netanyahu erklärte, es gäbe keine unmittelbar bevorstehende Feuerpause für die Freilassung der Geiseln. Das sei nur ein Gerücht. Die Armee hat Telefongespräche der Hamas aufgefangen, in denen die Kämpfer sich brüsteten über Krankenwagen jederzeit aus dem Kampfgebiet zu können. Die Armee zerstörte Hamas-Tunnel, die direkt neben einer UNRWA-Schule in Gaza war. Beides zeigt, dass die Terror-Organisation sich nicht einmal im Kleinen an internationales Kriegsrecht hält. Das Weiße Haus erklärte inzwischen, dass es wohl sehr wahrscheinlich sei, dass die Israelis nach dem Krieg anfänglich wohl die Sicherheit in Gaza kontrollieren werden. In Brasilien wurden unterdessen eine Gruppe von Brasilianern festgenommen, die für die Hizbollah einen Anschlag auf die jüdische Gemeinde ausführen sollten.

07.30
Israel will den Gazastreifen nach Angaben eines Ministers der Regierung Netanyahu nicht erneut besetzen. Der Minister für strategische Angelegenheiten, Ron Dermer, sagte am Dienstag in einem Interview mit den US-Fernsehsender MSNBC: »Israel wird den Gazastreifen nicht erneut besetzen.« Nachdem die islamistische Hamas »nicht mehr an der Macht« sein und ihre »Infrastruktur zerschlagen« sei, werde Israel aber »für unbestimmte Zeit« eine »allgemeine Verantwortung für die Sicherheit« tragen. Zuvor hatte US-Außenministeriumssprecher Vedant Patel sich gegen eine israelische Besetzung des Gazastreifens durch Israel ausgesprochen. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hatte am Montag in einem Interview gesagt, Israel wolle für unbestimmte Zeit« die Verantwortung für Sicherheit im Gazastreifen übernehmen, um weitere Angriffe zu unterbinden.

 

Tag 32: 7. November 2023

10.00
Israel wird laut Ministerpräsident Benjamin Netanyahu für unbestimmte Zeit die Verantwortung für die Sicherheit im Gazastreifen behalten. »Wir haben gesehen, was passiert, wenn wir sie nicht haben«, sagte Netanyahu dem US-Sender ABC auf die Frage, wer nach dem Ende des Gazakriegs zwischen Israel und der palästinensischen Hamas in dem Gebiet regieren sollte. »Wenn wir die Kontrolle über die Sicherheit nicht haben, wird der Terror der Hamas in einem Ausmaß ausbrechen, das wir uns nicht vorstellen können«, sagte Netanyahu.  In demselben Interview schloss Netanyahu eine längere Feuerpause im Gazastreifen vorerst aus. »Ohne die Freilassung der Geiseln wird es keine allgemeine Feuerpause im Gazastreifen geben«, sagte er.

08.00
Die israelische Armee dringt immer tiefer in den Gaza-Streifen ein und auch in Gaza-Stadt. Truppen näherten sich gestern Abend bereits dem Shifa-Krankenhaus. Laut Aussagen des Armeesprechers Daniel Hagari habe die Armee mehrere Feldkommandeure der Hamas töten können, was «die Fähigkeit der Hamas, Gegenangriffe durchzuführen, erheblich beeinträchtigt». Jeder Tunnel, den die Armee finde, werde mit verschiedenen und unterschiedlichen Geräten zerstört. Inzwischen hat Premier Benjamin Netanyahu dem amerikanischen Fernsehsender ABC ein Interview gegeben, das erste seit Kriegsbeginn. Darin deutete er an, was nach dem Krieg geschehen soll: «Ich denke, dass Israel auf unbestimmte Zeit die Gesamtverantwortung für die Sicherheit tragen wird, denn wir haben gesehen, was passiert, wenn wir sie nicht haben. Wenn wir diese Sicherheitsverantwortung nicht haben, kommt es zu einem Ausbruch des Hamas-Terrors in einem Ausmas, das wir uns nicht vorstellen können» erklärte der Premier. Wie das aber genau ausschauen soll, ist unklar, hat Israel doch stets betont, dass es den Gaza-Streifen nicht wieder besetzen wolle. In dem Interview deutete der Premier auch an, dass Israel sich stundenweise eine Feuerpause vorstellen könne, um die Zivilisten in Gaza humanitär besser zu versorgen und auch, um Geiseln, die möglicherweise freigelassen werden, durchlassen zu können. Die USA machen seit Tagen massiven Druck auf Israel, humanitäre Feuerpausen einzulegen.

03:00
Heute vor einem Monat stürzte der Angriff der Hamas Israel und die internationale Gemeinsdchaft in eine tiefe Krise: Bei Massakern kamen 1400 Israeli ums leben, 240 wurden entführt und Israel existentiell herausgefordert. Weltweit sind in jüdischen Gemeinden Mahnwachen und Gedenkfeiern geplant.

02:00
Die israelischen Bodentruppen sind nach Militärangaben bereits »tief in der Stadt Gaza« im Einsatz. Man erhöhe dort den Druck, sagte ein Armeesprecher. Es seien auch mehrere Eingänge unterirdischer Tunnel zerstört worden. Viele davon befänden sich in der Nähe von Schulen, Krankenhäusern und humanitären Einrichtungen. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Palästinensische Augenzeugen hatten von Schäden am Dach des Schifa-Krankenhauses im Zuge von israelischen Angriffen berichtet. Auf die Frage, ob Israel auch die Klinik angreifen werde, die nach Darstellung der Armee ebenfalls als Hamas-Kommandozentrum dient, sagte der Sprecher: »Wir werden tiefer in die Stadt Gaza eindringen und an jeden Ort gelangen, an dem es Terroristen gibt.« Es gebe »keinen Ort, an dem Hamas-Terroristen vor Angriffen der Armee sicher sein werden«. Man setze auch »neue Mittel« zur Zerstörung der unterirdischen Tunnel ein. 

 

Tag 31: 6. November 2023

18.30
Was immer er damit gemeint haben mag, auf einem Treffen mit ausländischen Botschaftern erklärte Israels Premier Benjamin Netanyahu, dass Israel nach der Vernichtung der Hamas den Menschen in Gaza «eine echte Zukunft, eine Zukunft der Versprechen und Hoffnung» bieten werde. Und natürlich erklärte er den Europäern vor allem, dass Israel auch Krieg für sie führe. Denn die Islamisten wollen auch den gesamten Westen bekämpfen. Während der Premier diese Botschaft an die Welt verkaufte, hat die israelische Polizei und der Shin Bet in Tukarem, einer palästinensischen Stadt im Westjordanland einen Terrorzelle ausgehoben, die einen Anschlag auf Israelis plante. In Gaza wurde unterdessen verlautbart, Israel habe das Shifa-Krankenhaus bei einem Luftangriff beschädigt. Unter dem Krankenhaus befindet sich mutmaßlich die Zentrale der Hamas. Gleichzeitig wird die Lage an der Nordgrenze Israels immer prekärer. Hamas und die Hizbollah feuerten heute mehr als 30 Raketen auf Israel und bedrohte Israel fast schon im Zentrum des Landes. In Jerusalem starb unterdessen eine israelische Polizistin, die am morgen in der Nähe der Altstadt niedgestochen wurde

Nach Angaben der israelischen Armee haben Soldaten die Kontrolle über ein Hamas-Militärgelände in Gaza, Beobachtungsposten, Übungsplätze für Hamas-Aktivisten und unterirdische Terrortunnel übernommen. Bei der Operation wurden mehrere Hamas-Terroristen getötet. Inzwischen wurden nach israelischen Angaben 30 Soldaten bei den Kämpfen in Gaza getötet. Laut Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums sollen inzwischen fast 10 000 Palästinenser getötet worden sein. Eine Unterscheidung in Zivilisten und Hamas-Terroristen macht diese Statistik nicht. Gestern Abend ist ein amerikanisches U-Boot der Ohio-Klasse im Nahen Osten angekommen. Es kann auch Nuklearwaffen abfeuern. Dass die USA angekündigt haben, wo sich das U-Boot befindet, kann nur als eine sehr klare und deutliche Botschaft an den Iran und die Hizbollah verstanden werden.

Die UN fordert erneut einen sofortigen Stopp der Kämpfe und will einen humanitären Waffenstillstand. Seit Ausbruch des Krieges sollen 88 Mitarbeiter der UNRWA getötet worden sein, was die «höchste Zahl an Todesopfern der Vereinten Nationen jemals in einem einzigen Konflikt“ darstellt. Am heutigen Montag trifft sich der UN-Sicherheitsrat, um über den Krieg zwischen Israel und der Hamas zu beraten. Israel lehnt weiterhin einen Waffenstillstand ab. Ohne die Freilassung der über 240 Geiseln würde weiter gekämpft werden, hies es aus Israel.

00:30
Gaza-Stadt ist laut israelischem Militär umzingelt. »Jetzt gibt es einen südlichen und einen nördlichen Gazastreifen«, so Armeesprecher Hagari. Und: Die Hisbollah droht Israel mit »Vergeltung« und feuert Raketen. Die israelische Armee hat den Gazastreifen bei ihrem Bodeneinsatz nach eigenen Angaben in zwei Teile gespalten, während »entscheidende« Angriffe im Krieg gegen die radikalislamische Hamas fortgesetzt würden. Die israelischen Streitkräfte hätten »Gaza-Stadt von der Südküste aus eingekreist«, sagte Armeesprecher Daniel Hagari. »Jetzt gibt es einen südlichen Gazastreifen und einen nördlichen Gazastreifen.«

00:00
In Frankreich sind seit dem 7. Oktober mehr als tausend antisemitische Vorfälle gemeldet worden. »Die Zahl der antisemitischen Akte ist explodiert«, sagte Innenminister Gérald Darmanin am Abend dem Fernsehsender France 2. Im Zusammenhang mit den insgesamt 1040 gemeldeten Vorfällen seien 486 Menschen festgenommen worden, so der Minister.
Ähnlich wie in Deutschland hat der Krieg zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas die Zahl gemeldeter antisemitischer Akte in Frankreich deutlich ansteigen lassen. Da in Frankreich sowohl die größte jüdische als auch die größte muslimische Gemeinde Europas lebt, ist die Sorge der Regierung in Paris groß, dass der Nahostkonflikt das Land spaltet. 

Tag 30: 5. November 2023

10.30
Benjamin Netanyahu hat den Minister für Kulturerbe, Amihai Eliyahu, nach übereinstimmenden Medienberichten auf unbestimmte Zeit suspendiert. Die Berichte beziehen sich auf das Büro Netanyahus als Quelle. Anlass für die Entscheidung des israelischen Regierungschefs sind demnach die Äußerungen Eliyahus zu einem möglichen Atomschlag gegen den Gazastreifen. Zuvor hatte Oppositionsführer Yair Lapid die sofortige Entlassung Eliyahus gefordert. Die Bemerkungen des Ministers seien »entsetzlich« und »wahnsinnig«. Und weiter: »Die Anwesenheit von Extremisten in der Regierung gefährdet uns und den Erfolg der Kriegsziele – den Sieg über die Hamas und die Rückgabe der Geiseln.«


06:00
Hunderte Menschen demonstrierten in der Nähe des Hauses des israelischen Premierministers in Jerusalem. Sie schwenkten blau-weiße israelische Flaggen und skandierten »Gefängnis jetzt!«, einige durchbrachen die Polizeisperren um Netanyahus Residenz. Netanyahu hat bisher keine persönliche Verantwortung für die Fehler übernommen, die den Überraschungsangriff am 7. Oktober ermöglichten. 
Eine Umfrage des israelischen Fernsehsenders Channel 13 ergab am Samstag, dass 76 Prozent der Israelis der Meinung sind, dass Netanyahu zurücktreten sollte. 64 Prozent meinten, dass das Land unmittelbar nach dem Krieg Wahlen abhalten sollte. Vor dem Tel Aviv Museum of Arts haben sich die Angehörigen und Unterstützer der Geiseln versammelt. Auf der anderen Straßenseite befindet sich das Verteidigungsministerium. Offizielle Zahlen gibt es bislang nicht, doch mutmaßlich sind es Tausende, die hier heute demonstrieren. 

Nach Angaben der Hamas werden mehr als 60 der von ihr entführten Geiseln infolge israelischer Luftangriffe auf den Gazastreifen vermisst. Allein 23 israelische Geiseln seien unter Trümmern verschüttet, teilen die Al-Kassam-Brigaden mit, die militärische Organisation der Hamas. Die Zahl der Geiseln in der Gewalt der Hamas war zuletzt auf rund 240 beziffert worden.

Tag 29: 4. November 2023

19.00
Am Freitagmittag hielt Hizbollah-Führer Hassan Nasrallah seine lang erwartete erste Rede seit Ausbruch des Gaza-Kriegs. Was kam, war in erster Linie heisse Luft. Er bejubelte die heroische Tat der Hamas am 7. Oktober, will heissen: das Massaker an 1400 Juden. Aber zugleich behauptete er, dass die Israelis es selbst gewesen seien, die ihre eigenen Landsleute umgebracht hätten. Abgesehen davon, dass dies Unsinn war, war es obendrein ein ziemlicher Widerspruch, doch das störte weder ihn noch seine Anhänger. Er erklärte, dass nicht einmal er etwas von dem Angriff gewusst habe, dass er auch nur deswegen gelingen konnte, weil die Hamas ihn streng geheim hielt. Er sprach davon, dass Israel natürlich untergehen werde, dass der zionistische Staat nur noch existiert, weil die USA ihn bei jeder Gelegenheit unterstützen wie auch jetzt wieder. Und dann kam’s. Er nahm Stellung, wie die Hizbollah nun in den Krieg so richtig eintreten werden. Die Antwort war: gar nicht. Er drohte. Der Krieg könne jederzeit eskalieren, je nachdem, wie es in Gaza weiterginge. Die Israelis sollten nicht auf die Idee kommen, den Libanon präemptiv anzugreifen, das wäre der «grösste Fehler in der Geschichte». Und auch den Amerikanern erklärte er, dass die Hizbollah schon Antworten parat hätte für die beiden Flugzeugträger, die vor der Küste des Libanon sind und von US-Präsident Biden als klar Drohung gegenüber der Hizbollah und dem Iran etabliert wurden, damit sie eben nicht in den Krieg eingreifen. Dann, nach einer guten Stunde, war die Rede vorbei. Klar war danach nur eins: Die Hamas wird weiterhin erst einmal auf sich allein gestellt sein. Die Hizbollah wird (noch?) nicht in den Krieg eingreifen. Und: heute vor 28 Jahren wurde der israelische Premier Yitzhak Rabin ermordet. 

 

18.00
Hass gegen Juden und Muslime hat laut dem Uno-Menschenrechtsbüro seit dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten in aller Welt drastisch zugenommen. »Die Flut an hasserfüllter Sprache, auch in den sozialen Medien, ist abscheulich«, sagte Volker Türk, der Hochkommissar für Menschenrechte. Türk berichtete in Genf unter anderem über beschmierte Wohngebäude und religiöse Einrichtungen sowie aufhetzende Botschaften von Politikern. »Ich höre sowohl von Juden als auch Muslimen, dass sie sich nicht mehr sicher fühlen, und das macht mich traurig«, sagte Türk. Der Hochkommissar beklagte außerdem Antisemitismus und Antiislamismus auf Demonstrationen im Kontext der Terrorattacke der Hamas auf Israel und Israels Gegenangriff im Gazastreifen. Gleichzeitig kritisierte Türk, dass manche Staaten Demonstrationen pauschal verboten haben. Solidaritätsbekundungen mit Israelis oder Palästinensern dürften nicht übermäßig eingeschränkt werden, betonte er.

 

Tag 28: 3. November 2023

21.00
Israel hat seine Bürger aufgefordert, aus Sicherheitsgründen jegliche Auslandsreisen zu überdenken. »Israel gibt eine dringende globale Reisewarnung für alle Bürger heraus, die irgendwohin auf der Welt reisen«, schreibt ein Regierungssprecher X.  »Wenn Sie reisen müssen, vermeiden Sie es, äußerliche Zeichen Ihrer israelischen oder jüdischen Identität zu zeigen.«
 
Grund sei die zunehmende Feindseligkeit gegenüber Juden und Israelis in Zusammenhang mit dem derzeitigen Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des Büros von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und des Außenministeriums. Lebensbedrohliche Angriffe, Antisemitismus und Hetze hätten in vielen Ländern seitdem deutlich zugenommen. 

18.30
Am Freitagmittag hielt Hizbollah-Führer Hassan Nasrallah seine lang erwartete erste Rede seit Ausbruch des Gaza-Kriegs. Was kam, war in erster Linie heisse Luft. Er bejubelte die heroische Tat der Hamas am 7. Oktober, will heissen: das Massaker an 1400 Juden. Aber zugleich behauptete er, dass die Israelis es selbst gewesen seien, die ihre eigenen Landsleute umgebracht hätten. Abgesehen davon, dass dies Unsinn war, war es obendrein ein ziemlicher Widerspruch, doch das störte weder ihn noch seine Anhänger. Er erklärte, dass nicht einmal er etwas von dem Angriff gewusst habe, dass er auch nur deswegen gelingen konnte, weil die Hamas ihn streng geheim hielt. Er sprach davon, dass Israel natürlich untergehen werde, dass der zionistische Staat nur noch existiert, weil die USA ihn bei jeder Gelegenheit unterstützen wie auch jetzt wieder. Und dann kam’s. Er nahm Stellung, wie die Hizbollah nun in den Krieg so richtig eintreten werden. Die Antwort war: gar nicht. Er drohte. Der Krieg könne jederzeit eskalieren, je nachdem, wie es in Gaza weiterginge. Die Israelis sollten nicht auf die Idee kommen, den Libanon präemptiv anzugreifen, das wäre der «grösste Fehler in der Geschichte». Und auch den Amerikanern erklärte er, dass die Hizbollah schon Antworten parat hätte für die beiden Flugzeugträger, die vor der Küste des Libanon sind und von US-Präsident Biden als klar Drohung gegenüber der Hizbollah und dem Iran etabliert wurden, damit sie eben nicht in den Krieg eingreifen. Dann, nach einer guten Stunde, war die Rede vorbei. Klar war danach nur eins: Die Hamas wird weiterhin erst einmal auf sich allein gestellt sein. Die Hizbollah wird (noch?) nicht in den Krieg eingreifen

18.00
US-Außenminister Antony Blinken sagte bei seinem Israelbesuch gegenüber der Presse. »Eine Eskalation des Konflikts muss verhindert werden«, sagt Blinken. Außerdem: »Wir müssen mehr tun, um palästinensische Zivilisten zu schützen.« Zivilisten im Gazastreifen, aber auch im Westjordanland, stellte Blinken klar. Zur Frage nach Waffenruhen im Gazastreifen sagte Blinken, es sei ein wichtiger Teil seiner Gespräche heute gewesen, zu klären, »wie, wann und wo« man »humanitäre Pausen« umsetzen könne. Diese könnten ein »entscheidender Mechanismus« sein, der gleichzeitig den Schutz der Zivilbevölkerung sowie den Sieg Israels über die Hamas ermögliche, so Blinken. Blinken traf mit Israels Präsident Isaac Herzog und Regierungschef Benjamin Netanyahu zusammen und wollte konkrete Schritte ausloten, die Folgen für die Zivilbevölkerung zu mildern. Netanyahu lehnte eine Feuerpause aber erneut ab. Darüber könne erst gesprochen werden, wenn die Geiseln frei seien, sagte er nach dem Treffen mit Blinken. 

08:00
Die neue republikanische Führung des US-Repräsentantenhauses geht bei der Frage von milliardenschweren Hilfen für Israel auf Konfrontation zum Senat und zu Präsident Joe Biden. Unter dem neuen Vorsitzenden Mike Johnson votierte die Kongresskammer am Donnerstag mit 226 zu 196 Stimmen für eine Vorlage, die 14,3 Milliarden Dollar für den engen Verbündeten vorsieht. Dabei sind massive Einsparungen bei der Bundessteuerbehörde IRS vorgesehen.

07:00
Die israelischen Truppen haben in ihrem Vergeltungsfeldzug für das Massaker der Hamas nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu Gaza-Stadt erreicht. »Wir befinden uns auf dem Höhepunkt der Schlacht«, ließ Netanyahu durch sein Büro erklären. »Wir haben beeindruckende Erfolge erzielt und sind über die Außenbezirke von Gaza-Stadt hinausgekommen. Wir sind auf dem Vormarsch.« 
In Gaza-Stadt hat die radikalislamische Hamas ihren Sitz. Sie hat ihre Infrastruktur in Gaza vor allem in einem weitläufigen Tunnelsystem organisiert, das das israelische Militär besonders im Visier hat. 

 

Tag 27: 2. November 2023

19.00
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben Gaza-Stadt komplett umzingelt. Laut IDF-Sprecher Daniel Hagari soll sich Hamas-Chef Ismail Haniyeh in seinem Privatjet auf dem Weg in den Iran befinden. Auf die Frage, ob ein Waffenstillstand in Sicht sei, antwortete Hagari, das Wort «Waffenstillstand» wäre derzeit nicht auf dem Tisch. Vom Schlachtfeld kommen immer mehr Details über die zum Teil heftigen Kämpfe, bei denen bislang die israelische Armee aber die Oberhand behält. Verteidigungsminister Yoav Gallant erklärte unterdessen, man habe «einzigartige Lösungen» für die Zerstörung der Tunnel parat. Man werde überall hingelangen. Und dann, so Gallant, hätten die Terroristen zwei Alternativen: sie sterben in den Tunnel oder sie kommen ans Tageslicht. Da könnten sie dann entweder im Kugelhagel der Soldaten sterben oder sich ergeben. In den USA bröckelt inzwischen bei den Demokraten die Unterstützung für Israels Krieg. Senator Dick Durbin ist der erste Politiker, der für einen Waffenstillstand eintritt aber gleichzeitig die Freilassung aller Geiseln verlangt. An der Nordfront war es heute heftig. Die Hizbollah sagte, sie habe 19 Militärpositionen der Israelis an der libanesischen Grenze bombardiert. Gleichzeitig hat die Hamas vom Libanon Raketen auf die nordisraelische Stadt Kiryat Shmone abgefeuert. Dabei wurden einige Häuser getroffen, einige Israelis wurden verletzt. Inzwischen gibt es Berichte, dass die berüchtigte russische Wagner-Gruppe der Hizbollah Flugabwehrraketen liefern könnte. Am Vortag der gross angekündigten Rede von Hizbollah-Führer Hassan Nasrallah griff Israel vermehrt und intensiv Stellungen der schiitischen Miliz im Libanon an. 

07.00
US-Präsident Joe Biden hat sich mit Blick auf den Krieg zwischen Israel und der Hamas für eine »Pause« ausgeprochen, damit die »Gefangenen« den Gazastreifen verlassen können. »Ich denke, wir brauchen eine Pause. Eine Pause bedeutet, Zeit zu geben, damit die Gefangenen rauskommen«, sagte Biden. Später erklärte das Weiße Haus, dass Biden mit den »Gefangenen« die von der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas verschleppten Geiseln meinte. Das Weisse Haus hatte sich bislang geweigert, von einer Waffenruhe zu sprechen, da eine solche nur der Hamas in die Hände spielen würde. Stattdessen forderte es »humanitäre Pausen«, um Hilfslieferungen oder Evakuierungen zu ermöglichen.

01:00
Der israelische Präsident Isaac Herzog hat sich gegen jede Form des Rassismus sowie gegen Hass zwischen jüdischen und arabischen Bürgern ausgesprochen. »Denken Sie daran, dass es hier Dutzende arabischer Bürger gibt, die bei dem schrecklichen Massaker, sowie als Teil der Sicherheitskräfte und der IDF mit ihrem Leben bezahlt haben«, sagte Herzog in einer Ansprache an die Nation am Abend. Die im Gazastreifen herrschende Hamas übe »brutalen psychologischen Terror« aus und versuche Hass und Gewalt zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Israel zu schüren, so Herzog weiter. »Dies muss bekämpft werden.« Außerdem betonte er, seine Gespräche mit den Angehörigen der in den Gazastreifen verschleppten Geiseln seien »die schmerzhaftesten« seines Lebens.

 

Tag 26: 1. November 2023
 

16.30
Brigade-General Itzik Cohen von der 162. Division der israelischen Armee erklärte in einem Pressestatement, dass sich die israelischen Truppen nun vor den Toren von Gaza-Stadt befänden. Man werde einen hohen Einsatz zeigen müssen, aber man sei gekommen, um zu siegen. Auch Verteidigungsminister Yoav Gallant sprach davon, dass man wichtige Erfolge im Bodenkrieg erzielt habe. Allerdings verwies auch er auf den Preis, den man bezahlen müsse. Bis zum späten Mittwochnachmittag sind insgesamt 15 Soldaten im Bodenkrieg gefallen. Auf diplomatischer Ebene hat es unterdessen Reaktionen auf den Krieg gegeben: Bolivien hat die diplomatischen Beziehungen zu Israel aufgekündigt. Chile, Kolumbien und Jordanien haben ihre Botschafter aus Israel abberufen. Aus Amman hiess es, die Israelis sollten ihren Botschafter gar nicht erst zurück in die jordanische Hauptstadt schicken. In Gaza wurde die Grenze Rafah zu Ägypten für ausländische Staatsbürger geöffnet. Über 300 Menschen konnten den Küstenstreifen so bislang verlassen. In der Knesset wurde am Nachmittag ein 45-minütiges Video der IDF in einer geschlossenen Sitzung den Parlamentariern gezeigt. Es ist dasselbe Video, das die Armee auch ausländischen Journalisten vor wenigen Tagen vorstellte. Das Video wurde aus dem Filmmaterial der Hamas und selbstgedrehten Material nach dem Massaker vom 7. Oktober zusammengestellt und zeigt unzensiert die ganze Grausamkeit, mit der die Terroristen die israelischen Familien vernichtet hatten. Viele Abgeordneten brachen in Tränen aufgelöst zusammen. 

 

US-Außenminister Antony Blinken reist am kommenden Freitag erneut nach Israel. Dort wolle er mit Entscheidungsträgern über den anhaltenden Krieg zwischen Israel und der militanten Hamas beraten, teilte Außenamtssprecher Matthew Miller in Washington mit. Nach seinem Israel-Besuch werde Blinken "weitere Stopps in der Region einlegen". In welche Staaten er reisen will, sagte Miller nicht.  Nach dem terroristischen Großangriff der Hamas auf den Süden Israels am 7. Oktober und dem Beginn der israelischen Gegenangriffe auf den Gazastreifen war Blinken bereits für Krisengespräche in den Nahen Osten gereist. Neben Israel besuchte der US-Chefdiplomat Jordanien, Ägypten, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. 
 

06:00
Die Eskalation in Nahost sorgt in den USA innenpolitisch für Streit: Die Republikaner wollen ein eigenes Hilfspaket für Israel schnüren – explizit abgekoppelt von der Ukraine. Doch das Weiße Haus blockt ab.

02:00
Bei einem israelischen Angriff auf das Flüchtlingslager Dschabalia im Gazastreifen sind mindestens 50 Menschen getötet worden. Das melden sowohl die Hamas als auch das israelische Militär. Laut Israel waren die Opfer Mitglieder der Terrormiliz. 

 

25: 31. Oktober 2023

08:00
Laut der israelischen Armee wurden gestern 300 Positionen der Hamas bombardiert, viele Hamas-Kämpfer seien getötet worden. Arabische Zeitungen berichten, die IDF sei dabei Nord- und Südgaza voneinander abzutrennen, was für die Hamas ein grosses Problem wäre, da sie sich dann nicht mehr bewegen kann. Die schiitische Terrorgruppe Kata’ib Hezbollah, die vom Iran ausgerüstet wird und im Irak und in Syrien operiert, hat nach eigenen Angaben erneut ein Militärlager der US-Army im Westen Iraks angegriffen. Inzwischen werden die Forderungen in Israel immer lauter, dass Netanyahu sofort abtreten soll. Sein Tweet von vorgestern Nacht, in dem er erneut die Armee und die Geheimdienste für das Versagen am 7. Oktober verantwortlich machte und sich selbst dabei exkulpierte, in dem er fälschlicherweise behauptete, niemand habe ihn je gewarnt, sorgte für einen Aufschrei in Israel. Netanyahu löschte den Tweet und musste sich entschuldigen, doch vielen zeigt es, dass «Mr. Security» nicht nur dabei ist, schon während des Krieges daran zu arbeiten, am Tag 1 nach dem Krieg politisch zu überleben, sondern auch die Realität in Israel nicht mehr richtig wahrzunehmen scheint. In einem Artikel in Haaretz wird berichtet, dass inzwischen immer mehr Politiker in seiner eigenen Partei, dem Likud, entsetzt sind über den Premier, der laut den Aussagen von Likudpolitikern völlig gefangen ist im Denken seiner Frau und seines Sohnes Yair. Für eine echte Revolte reicht es noch nicht, aber, so die Politiker, die nicht genannt werden wollten, wenn die Ultraorthodoxen mitmachen würden, wäre man bereit, Netanyahu zu stürzen. Immer häufiger rufen ehemalige Geheimdienst- und Armeepersönlichkeiten offen dazu auf, Netanyahu sofort abzusetzen, er sei nicht in der Lage, diesen Krieg zu führen. Gestern empörten sich auch führende High-Tech Bosse über Netanyahu. Auch sie forderten, dass er sofort seinen Stuhl räumen muss. Die Armee selbst sagt zu all dem nichts, sie ist natürlich mit dem Krieg selbst beschäftigt, doch hinter den Kulissen muss es hoch hergehen. «Eingeweihte» berichten, es gäbe zwischen Politik und Armee heftigen Streit.

07:00
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben am Dienstag erneut Luftangriffe gegen Stellungen der Hisbollah im Libanon ausgeführt. »Kampfflugzeuge haben Infrastruktur der Terrororganisation Hisbollah auf dem Territorium des Libanon angegriffen«, teilte die Armee auf X, ehemals Twitter, mit. Dabei seien Waffen und von der Hisbollah genutzte Einrichtungen zerstört worden, fügte die Armee hinzu. Seit dem Großangriff der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober gibt es beinahe täglich militärische Auseinandersetzungen an der israelisch-libanesischen Grenze. Nach Angaben der Hisbollah wurden dabei bislang 47 Mitglieder der mit der Hamas verbündeten und vom Iran unterstützten Miliz getötet. Es wird befürchtet, dass die Hisbollah vom Libanon aus eine neue Front zur Unterstützung der Hamas eröffnen könnte.  Der libanesische Ministerpräsident Najib Mikati sagte am Montag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP, er wolle eine Verwicklung seines Landes in den Krieg zwischen Israel und der Hamas vermeiden. Er tue seine Pflicht, um zu verhindern, dass der Libanon in den Krieg hineingezogen wird, so Mikati. 

Tag 24: 30. Oktober 2023

22:00
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat eine Waffenruhe im Kampf gegen die im Gazastreifen herrschende Hamas abgelehnt. "So wie die USA nach der Bombardierung von Pearl Harbor oder dem Terroranschlag vom 11. September keiner Waffenruhe zugestimmt hätten, wird Israel einem Stopp der Kämpfe mit der Hamas nach den schrecklichen Angriffen des 7. Oktobers nicht zustimmen", sagte Netanjahu am Montag vor Journalisten. "Aufrufe an Israel, einer Waffenruhe zuzustimmen, sind Aufrufe, gegenüber der Hamas, gegenüber Terrorismus, gegenüber der Barbarei zu kapitulieren. Das wird nicht passieren."

Israel lässt trotz des Konflikts mit den Vereinten Nationen UN-Nothilfe-Koordinator Martin Griffith einreisen. Dies bestätigte ein Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem. Griffith' Einreise sei "auf Bitte anderer Staaten, um die Ausreise ausländischer Staatsbürger aus dem Gazastreifen voranzutreiben", genehmigt worden. Israel hatte nach Äußerungen von UN-Generalsekretär Antonio Guterres mitgeteilt, UN-Vertretern die Einreise zu verweigern. Guterres hatte israelische Gegenangriffe im Gazastreifen kritisiert und von "eindeutigen Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht" gesprochen.

Die Hamas hat eine israelische Soldatin aus der Geiselhaft entlassen.

07:00
Israels Präsident Izchak Herzog hat in der Beduinenstadt Rahat im Süden des Landes arabische Familien besucht, deren Angehörige von der Hamas im Gazastreifen als Geiseln gehalten werden. "Dies ist kein Krieg zwischen Juden und Muslimen", sagte er am Donnerstag in Bezug auf den Gaza-Krieg nach den Massakern im Auftrag der Hamas am 7. Oktober. "Dies ist ein Krieg zwischen den Menschen, die Licht bringen wollen und den Menschen, die Dunkelheit bringen wollen."

06:30
Während Israels Militär im Gazastreifen verstärkt mit Panzerverbänden und Kampfflugzeugen gegen die islamistische Hamas vorrückt, wird die humanitäre Lage für die Menschen dort immer furchtbarer. Obwohl Israel mit Nachdruck die noch im Norden des Gazastreifens verbliebenen Zivilisten, darunter Patienten in Krankenhäusern, aufrief, sich in den Süden in Sicherheit zu begeben, halten sich etwa beim Schifa-Krankenhaus nach TV-Berichten weiterhin Tausende von Menschen auf. Nach israelischer Darstellung dient das Krankenhaus auch als Hamas-Kommandozentrum. Derweil kommt es im Nordkaukasus zu gewaltsamen antijüdischen Übergriffen angesichts von immer mehr Todesopfern im Gazastreifen.


06:00
Präsident Ebrahim Raisi hat mit dem Eingreifen weiterer Akteure in den Krieg zwischen Israel und der Hamas gedroht. Israels »Verbrechen« hätten »die roten Linien überschritten«, warnte Raisi am Sonntag im Onlinedienst X. Dies könne »jeden dazu zwingen, Massnahmen zu ergreifen«. Washington würde Teheran zwar »bitten, nichts zu tun«, fügte Raisi hinzu. »Aber sie unterstützen Israel weiterhin auf breiter Front.« Ebenso hätten die USA »Botschaften an die Achse des Widerstands« geschickt, erklärte Raisi.

 

03:00
Nach Angaben des israelischen Militärs steigt die Zahl der von der Hamas in den Gazastreifen verschleppten Geiseln auf 239. 40 Menschen würden demnach weiter vermisst.
 

Tag 23: 29. Oktober 2023

18.00
Nach seiner Pressekonferenz gestern Abend, wiederholte Premier Netanyahu in einem Tweet mitten in der Nacht, dass er von einem möglichen Angriff nichts gewusst habe. Militär und Geheimdienste hätten versagt und seien verantwortlich. Damit fing sich «Bibi» einen Shitstorm ein. Benny Gantz, Gadi Eisenkot, Yair Lapid und andere Politiker forderten, dass sich Netanyahu entschuldige und nicht die Moral der Armee zerstöre, die gerade in Gaza und an der Nordfront kämpft. Netanyahu liess das Tweet löschen, wiederholte aber noch einmal, dass er von nichts gewusst habe, bis er sich schliesslich entschuldigte für seinen Fehler. Hinter diesem «Twittergate» steckt natürlich schon die Absicht, sich nach dem Krieg reinzuwaschen und an der Macht zu halten. Ob das gelingen wird, bleibt abzuwarten. Die Kämpfe wurden heute sowohl in Gaza wie auch im Norden immer intensiver. Mehrmals gab es in Nordisrael Raketenalarm, die Gefechte zwischen der Hizbollah und der IDF nehmen zu, es gibt immer häufiger Tote, bislang vor allem auf der Seite der schiitischen Organisation. Die Armee hat in Gaza unterdessen weitere Truppen einrücken lassen. Am späten Nachmittag wurde eine Gruppe israelischer Soldaten überrascht, als plötzlich aus einem Tunnel Hamas-Kämpfer heraussprangen. Man lieferte sich ein heftiges Feuergefecht. Ersten Angaben zur Folge wurde einige Hamas-Leute getötet, andere verletzt, angeblich wurde auf israelischer Seite niemand verletzt. Die Luftwaffe greift weiterhin zahlreiche Ziele in Gaza mit ungeheurer Intensität an. Es ist der 23. Tag des Krieges, aber trotz des Dauerbombardements bekommt die Armee die Hamas nicht in den Griff. Immer noch fliegen Raketen mehrmals am Tag aus Gaza nach Israel, Alarm wird ausgelöst, die Menschen müssen in ihre Schutzbunker eilen. Man ahnt, was das für den Bodenkrieg noch bedeuten wird. Die Hamas hat sich offensichtlich sehr gut auf einen Einmarsch der Israelis vorbereitet. Um die humanitäre Lage der rund zwei Millionen Palästinenser im Gaza-Streifen zu verbessern, haben die Israelis heute eine zweite Wasserpipeline geöffnet. Aus Israel direkt bezieht Gaza etwa 13 % seines Wassers. 

 

10.00
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat Berichte zurückgewiesen, er sei über eine Gefahr durch die Hamas informiert gewesen. »Unter keinen Umständen und zu keinem Zeitpunkt wurde Ministerpräsident Netanyahu vor kriegerischen Absichten der Hamas gewarnt«, schreibt er auf X. Im Gegenteil seien alle Sicherheitsbeamten der Meinung gewesen, dass die Hamas abgeschreckt sei. Dies sei ihm und dem Kabinett »immer wieder von allen Sicherheitskräften und Geheimdiensten vorgelegt worden, auch bis zum Ausbruch des Krieges«, schreibt er weiter.  Israel wurde von den Angriffen der Hamas am 7. Oktober, bei denen 1400 Menschen umgebracht und mindestens 230 verschleppt wurden, vollkommen überrascht. Es ist noch nicht geklärt, ob die israelische Aufklärung versagt hat oder ob entsprechende Berichte nicht weitergereicht oder an höheren Stellen ignoriert wurden. 

00:30
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu weiss eigenen Angaben zufolge nicht, ob der Iran an der Planung des brutalen Terrorangriffs der islamistischen Hamas vom 7. Oktober beteiligt war. Er könne nicht sagen, ob Teheran in diesem speziellen Fall bei der "Mikroplanung" dabei gewesen sei, sagte Netanjahu am Samstagabend vor Journalisten in Tel Aviv. Er gehe davon aus, dass der Iran 90 Prozent des Militärbudgets der Hamas finanziere. Ohne den Iran gebe es die Palästinenserorganisation nicht, betonte Israels Regierungschef. Gleiches gelte für die Hisbollah-Miliz im Nachbarland Libanon. Im Krieg zwischen Israel und der Hamas gibt es die Sorge, dass auch die pro-iranische Hisbollah vom Libanon aus stärker einsteigen könnte. Die Hisbollah gilt als weitaus gefährlicher für Israel als die im Gazastreifen herrschende Hamas.

00:00
Zehntausende pro-palästinensische Demonstranten haben auf einem erneuten Grossprotest in London eine sofortige Waffenruhe im Gaza-Krieg und Solidarität mit den Palästinensern gefordert. Viele von ihnen trugen am Samstag Banner und Schilder mit Botschaften, mit denen sie ihre Unterstützung für die Palästinenser bekundeten.  Aussenminister James Cleverly forderte die Protestteilnehmer vorab auf, sich Desinformation und Manipulation bewusst zu sein. Damit ging er auf Berichte ein, wonach der Iran versuche, die Stimmung auf den Kundgebungen anzuheizen und dadurch Zwietracht zu säen. Es sei absolut möglich, die palästinensische Bevölkerung zu unterstützen und gleichzeitig die islamistische Hamas zu verurteilen, so Cleverly.

Tag 22: 28. Oktober 2023

18.00
Seit gestern Abend läuft die israelische Bodenoffensive, die aber offiziell nur «Ausweitung der Operationen» genannt wird. Gleichzeitig bombardiert die israelische Luftwaffe Gazas in noch nie dagewesenem Ausmass. Was verwundert ist, dass die Hamas immer noch in der Lage ist, mehrmals täglich in Israel Raketenalarm auszulösen. In Kiryat Ono schlug eine Rakete in einem Parkplatz ein. Die Armee erklärt, dass dies nun eine neue Phase des Krieges sei. Offensichtlich wurde der Einmarsch befohlen, nachdem klar wurde, dass die Verhandlungen über die Geiseln in eine Sackgasse geraten sind. Gleichzeitig gehen in ganz Europa Menschen auf die Strasse, um gegen Israel zu protestieren. Dabei werden auch antisemitische Parolen gerufen. Israel hat heute seine Diplomaten aus Ankara abberufen. Jerusalem erklärt, es will seine Beziehungen zur Türkei «überdenken». Am Abend will sich Benjamin Netanyahu das erste Mal seit Kriegsbeginn der Presse stellen. Er hat auch angeordnet, dass er sich mit Familien von Geiseln treffen will. Drei Wochen liess der Premier keine Fragen der Presse zu, jetzt muss er sich offensichtlich erklären. Im Norden Israels gibt es immer häufiger Raketenalarm, aber noch ist die Hizbollah mit ihrem Waffenarsenal und ihren Möglichkeiten nicht wirklich in den Krieg eingestiegen. Viele hoffen, dass es auch so bleiben wird. US-Präsident Joe Biden macht dem Regime in Teheran immer wieder deutlich, dass es sich zusammen mit seinen Stellvertreter-Milizen aus diesem Krieg heraushalten soll.


 

10.30
Ein israelischer Sprecher hat die der laufenden Bodenoffensiven in Gaza bestätigt. Experten haben avisiert, dass Hamas Vorräte für drei Monate hätte für eine Kriegsführung aus den Tunnelsystemen. 

10.00
Das israelische Militär plant, deutlich mehr humanitäre Hilfe aus Ägypten in den südlichen Gazastreifen zu lassen. Das berichten israelische Medien unter Bezug auf Quellen in den Streitkräften. Offenbar besteht die Hoffnung, dass die zusätzlichen Lebensmittel, Wasser und medizinischen Hilfsgüter mehr Palästinenser dazu bewegen könnten, den nördlichen Teil des Gazastreifens in Richtung Süden zu verlassen. Israel hat in der Nacht Gaza und andere Gebiete im nördlichen Gazastreifen, in denen die Hamas vermutlich ihre wichtigsten Operationsbasen hat, massiv bombardiert.

 

Tag 21: 27. Oktober 2023

20:30
Israel hat seine erwartete Bodenoffensive im Gazastreifen nach Worten des jordanischen Aussenministers Aiman Safadi begonnen. "Israel hat gerade einen Bodenkrieg gegen Gaza gestartet", schrieb Safadi am Freitagabend bei X. "Das Ergebnis wird eine humanitäre Katastrophe von epischem Ausmass über Jahre sein." Zu einer geplanten Abstimmung in der UN-Vollversammlung über eine von Jordanien eingebrachte Resolution schreibt Safadi: "Millionen werden jede Stimme mitverfolgen. Die Geschichte wird urteilen." Stimmen gegen die UN-Resolution würden bedeuten, "diesem sinnlosen Krieg, diesem sinnlose Töten zuzustimmen". Die Abstimmung über die Resolution war für Freitag angesetzt. Die Resolutionen der UN-Vollversammlung sind nicht bindend und haben vor allem symbolische Bedeutung. Israels Armee hatte am Freitagabend angekündigt, ihre Bodeneinsätze im Gazastreifen gegen die islamistische Hamas auszuweiten. In den letzten Stunden habe das Militär seine Angriffe im Gazastreifen bereits verstärkt, teilte Militärsprecher Daniel Hagari bei X mit. Es würden vermehrt unterirdische Ziele und terroristische Infrastruktur angegriffen.

 

19:00 
Ein israelischer Militärsprecher hat angekündigt, dass Israel heute Freitagabend die Bodenoffensive in Gaza ausweiten würden. Damit wird der Einsatz von Bodeneinheiten im Norden Gazas verstärkt. 

17.30
Israel hat sich gegen die von den EU-Staaten geforderten Feuerpausen im Gazastreifen ausgesprochen. "Israel lehnt einen humanitären Waffenstillstand derzeit ab", sagte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums. Dazu zähle "jegliche Art von geforderten Feuerpausen". Gleichwohl wies er darauf hin, dass das Land grundsätzlich jedoch erlaube, "dass humanitäre Hilfe in den Gazastreifen gelangt, solange sie nicht in den Händen von Terroristen der Hamas landet". Am Donnerstagabend hatten die Staats- und Regierungschefs der EU in einer Gipfelerklärung "humanitäre Korridore und Pausen für humanitäre Zwecke" im Gazastreifen gefordert. 

16.30
Der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant hat sich zu der weithin erwarteten israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen geäussert. Diese werde lang und mühselig, sagte er. Die Bodenoffensive werde darauf abzielen, ein ausgedehntes Netzwerk aus Tunneln zu zerstören, das von der Hamas genutzt wird. Gallant sagte, bei der erwarteten Bodenoffensive werde eine große Zahl von Soldaten zum Einsatz kommen. Die Offensive werde von Luftangriffen begleitet werden und "lange Zeit" in Anspruch nehmen. Gefolgt werde dies von einer Phase mit Kämpfen in geringerer Intensität, in der Israel "Widerstandsnester" zerstören werde.

 

15:00
Das Rote Kreuz hat einen kleinen Hilfskonvoi in den Gazastreifen gebracht. Wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mitteilte, gelangten zehn seiner Mitarbeiter, darunter ein OP-Team, zusammen mit sechs Lastwagen mit medizinischen Hilfsgütern und Wasserreinigungstabletten in das Küstengebiet. Die medizinischen Hilfsgüter reichten aus, um zwischen 1.000 und 5.000 Menschen zu behandeln, erklärte das IKRK. Mit den Wasserreinigungstabletten könnten 50.000 Liter Wasser aufbereitet werden. "Diese wichtige humanitäre Hilfe ist eine kleine Dosis der Erleichterung, aber es ist nicht genug", sagte IKRK-Regionaldirektor Fabrizio Carboni. "Unser chirurgisches Team und die medizinischen Güter werden dabei helfen, den extremen Druck auf die Ärzte und Krankenschwestern in Gaza zu lindern. Aber sicherer, dauerhafter Zugang für humanitäre Hilfe wird dringend benötigt", sagte er. "Diese humanitäre Katastrophe verschlimmert sich stündlich." 

 

 

07:00
Das israelische Militär ist am Freitagmorgen erneut gegen Hamas-Terroristen vorgegangen. Ersten Meldungen zufolge rückten nach einem Panzer-Angriff am Donnerstag jetzt auch IDF-Truppen für eine begrenzte Aktion in das Zentrum des Gazastreifens vor. Auch Jets seien beteiligt gewesen. Inzwischen seien alle Soldaten wieder von der Operation nach Israel zurückgekehrt.

 

06.00
Das US-Militär hat nach eigenen Angaben am Donnerstag zwei Einrichtungen der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) im Osten Syriens angegriffen. »Diese gezielten Schläge zur Selbstverteidigung sind eine Reaktion auf eine Reihe von anhaltenden und größtenteils erfolglosen Angriffen gegen US-Streitkräfte im Irak und in Syrien durch von Iran unterstützte Milizen, die am 17. Oktober begannen«, teilte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin in einer Erklärung mit. Die Angriffe seien von US-Präsident Joe Biden angeordnet worden. Die angegriffenen Einrichtungen wurden dem US-Militär zufolge vom IRGC und von unterstützten Gruppen genutzt. »Wenn die Angriffe der iranischen Stellvertreter gegen die US-Streitkräfte anhalten, werden wir nicht zögern, weitere notwendige Maßnahmen zum Schutz unserer Bevölkerung zu ergreifen«, fügte der US-Verteidigungsminister hinzu. 

Tag 20: 26. Oktober 2023

18.00
«Entweder wir oder sie», sagte Israels Verteidigungsminister Yoav Gallant in einer Pressekonferenz am frühen Abend. Er kündigte die Bodenoffensive an, die allerdings erst beginnen werde, wenn die richtigen Voraussetzungen dafür geschaffen sind. Frustriert ist dagegen die Hamas, ihr Sprecher, Ghazi Hamad forderte, dass die Hezbollah und die anderen Verbündeten mehr tun müssten als bisher. Das Bombardement in Gaza geht unerbittlich weiter. Die IDF verkündete, dass sie den stellvertretenden Leiter der Aufklärungsabteilung der Hamas, Shadi Barud, getötet hat. Barud soll zusammen mit Hamas Führer Yahiya Sinwar das Massaker am 7. Oktober geplant haben. Ebenfalls sollen fast 50 Geiseln durch Luftangriffe getötet worden seien. Das zumindest behauptet die Hamas. Ob das stimmt, kann nicht verifiziert werden. Es ist Teil der psychologischen Kriegsführung. Am Nachmittag trafen sich eine Delegation der Hamas mit dem stellvertretenden iranischen Ausenminister und russischen Funktionären in Moskau. Unterdessen zeigt sich wieder einmal die innenpolitische Krise Israels. Eine Organisation der wichtigsten Geschäfts- und Handelsfirmen, die rund 1,5 Millionen Angestellte vertritt, hat den Wirtschaftsplan von Finanzminister Bezalel Smotrich rundweg abgelehnt. Er würde ihnen nicht helfen in diesen Kriegszeiten zu überleben. Stattdessen bevorzugen sie den Alternativplan von Wirtschaftsminister Nir Barkat, der selbst ein überaus erfolgreicher Unternehmer war, ehe er in die Politik einstieg. Wieder einmal scheint sich die fachliche Inkompetenz von Smotrich zu zeigen, der in seiner gesamten Laufbahn noch nie mit Finanz- und Wirtschaftsfragen konfrontiert war. In solchen Krisenzeiten einen Finanzminister zu haben, der über keine echten Fachkenntnisse verfügt, ist ein Debakel für Israel.

07:00
US-Präsident Joe Biden hat Vergeltungsangriffe israelischer Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland infolge des Hamas-Terrorangriffs vom 7. Oktober verurteilt. Biden sagte, dass die Angriffe von »extremistischen Siedlern« darauf hinausliefen, »Benzin« auf die bereits brennenden Feuer im Nahen Osten zu gießen. »Das muss aufhören. Sie müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Es muss jetzt aufhören«, sagte der US-Präsident. Die Gewalt der Siedler gegen Palästinenser hat seit dem Hamas-Anschlag zugenommen, und Angaben palästinensischer Behörden zufolge wurden Palästinenser von Siedlern getötet. Auch Israelis wurden getötet. Nach Berichten von Menschenrechtsgruppen haben Siedler Autos angezündet und mehrere kleine Beduinengemeinschaften angegriffen, sodass diese gezwungen waren, in andere Gebiete zu fliehen.

06:00
In der Nacht hat es nach Angaben des Radiosenders der israelischen Armee einen relativ großen Einfall israelischer Bodentruppen in den Gazastreifen gegeben. Dieser habe dem Angriff auf Hamas-Stellungen gedient. Dem Bericht zufolge war die Razzia größer als frühere seit Beginn des Krieges. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Ein Video  das die israelische Armee auf X teilte, soll eine Kolonne israelischer Panzer und Bulldozer zeigen, die in den Gazastreifen eindringt und angebliche Ziele zerstört. »Zur Vorbereitung der nächsten Kampfphasen operierten die IDF im nördlichen Gazastreifen. Panzer und Infanterie der IDF griffen zahlreiche terroristische Zellen, Infrastruktur und Abschussrampen für Panzerabwehrraketen an«, heißt es in dem Post. Die Soldaten haben das Gebiet inzwischen verlassen und seien in israelisches Territorium zurückgekehrt.
 

03:00
Im Uno-Sicherheitsrat sind erneut zwei Resolutionen zum Krieg zwischen Israel und der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas gescheitert. Russland und China legten am Mittwoch (Ortszeit) ihr Veto gegen einen von den USA vorgelegten Resolutionsentwurf ein – während auch ein von Russland vorgelegter Text abgelehnt wurde. Die Resolution der mit Israel verbündeten Vereinigten Staaten sieht »humanitäre Pausen« in dem Krieg vor, um Hilfsgüter in den blockierten Gazastreifen zu lassen, und unterstützt zudem das Recht »aller Staaten« auf Selbstverteidigung unter Einhaltung des Völkerrechts. Ein vollständiger Waffenstillstand wird darin nicht gefordert.  Die Beschlussvorlage Russlands hingegen strebt einen »sofortigen, dauerhaften und vollständig eingehaltenen humanitären Waffenstillstand« an und verurteilt »jegliche Gewalt und Feindseligkeiten gegen Zivilisten«. 

Die Resolution der USA wurde von zehn der 15 Mitglieder im Uno-Sicherheitsrat unterstützt. Russland, China und die Arabischen Emirate stimmten dagegen, Brasilien und Mosambik enthielten sich.  Für den russischen Text stimmten nur Russland, China, die Vereinigten Arabischen Emirate und Gabun. Die USA und Großbritannien stimmten dagegen, die anderen neun Länder enthielten sich.  Der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Wassili Nebensia, kritisierte, die US-Resolution habe nicht etwa die Rettung von Zivilisten, sondern nur »die Stärkung der politischen Position der USA in der Region« zum Ziel. Die US-Botschafterin bei der Uno, Linda Thomas-Greenfield, warf ihrerseits Russland »zynisches und verantwortungsloses Verhalten« vor und kritisierte, der russische Entwurf sei »ohne Beratungen« vorgelegt worden und enthalte »problematische Abschnitte«. Am Donnerstag hält die Uno-Vollversammlung eine Dringlichkeitssitzung zum Krieg im Nahen Osten ab. Mehrere Mitgliedstaaten hatten die Sitzung nach dem Scheitern mehrerer Resolutionen im Uno-Sicherheitsrat beantragt. 

 

Tag 19: 25. Oktober 2023

02:00
Der Tag war überschattet von der Berichterstattung in Israel, die aufdeckte, dass es zwischen Premier Netanyahu und der Armeeführung massiven Streit gibt. Netanyahu soll sogar laut geworden sein. Die Presseberichte sprechen davon, dass Netanyahu ein „Blame-game“ begonnen habe, in dem er den Geheimdiensten und den Generälen die Schuld für das Versagen am 7. Oktober gibt, um selbst seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und nach dem Krieg politisch überleben zu können. Einige Generäle sind inzwischen wütend, dass der Premier nicht den Einmarsch nach Gaza anordnet. Man könne die Soldaten nicht ewig an der Grenze warten lassen. Einer soll Netanyahu sogar einen Feigling genannt haben. Die Kämpfe gehen unterdessen mit grosser Heftigkeit weiter. Palästinenser in Gaza berichten, dass sich die Einschläge der Bomben seit gestern anders anfühlen. Beobachter glauben, dass das darauf hinweisen könnte, dass Israel inzwischen Bomben abwirft, die Bunker und Tunnelsysteme zerstören können. Am Abend dann gab es in Israel Alarm. Zehn Hamasleute versuchten über das Meer nach Israel einzudringen, doch sie wurden gestoppt. Die Armee veröffentlichte heute einen Mitschnitt eines Telefonats eines der Mörder vom 7. Oktober. Der Mann hatte seine Eltern angerufen, um zu prahlen, dass er Juden ermordet hat. Und noch etwas wurde heute bekannt: Dass eine der drei Raketen, die die Huthis vom Jemen aus auf Israel abgefeuert hatten, von Saudi-Arabien abgefangen wurde. Die beiden anderen von einem amerikanischen Kriegsschiff, doch letzteres war ja schon bekannt. 

Tag 18: 24. Oktober 2023

09.30
Am Morgen ist der französische Präsident Emmanuel Macron in Israel gelandet. Er traf sich sogleich mit Franzosen, die bei dem Anschlag der Hamas Angehörige verloren haben. Natürlich wird er sich auch mit der politischen Führung des Landes treffen. Er erklärte, dass Frankreich fest an der Seite Israels stehe. Gestern Abend liess die Hamas zwei weitere Geiseln, ältere Frauen, frei. Zunächst hatte es geheissen, dass etwa 50 Geiseln freikommen. Der Iran zündelt in der Region immer weiter. Das Weisse Haus gab an, dass einige Angriffe auf US-Basen in Irak und Syrien von Stellvertretergruppen des Iran angegriffen wurden und Teheran diese dazu aufgefordert habe. Der Bodeneinsatz der israelischen Truppen lässt weiter auf sich warten, währenddessen bombardiert die Air Force Gaza ohne Unterlass. Die Zahl der zivilen Todesopfer steigt, wieviele es sind, ist schwer zu sagen, die Zahlen, die das Gesundheitsministerium, das in der Hand der Hamas ist, sind nicht verlässlich. Die Nordgrenze Israels ist inzwischen ein Kampfgebiet, wenngleich die Gefechte noch nicht ein Mass erreicht haben, dass man sagen könnte, die Hizbollah ist vollständig in den Krieg eingetreten. Dennoch hat eine Rakete die Stadt Kiriyat Shmona getroffen, es gab zwei Verletzte. Die israelische Armee greift kontinuierlich Stellungen der Hizbollah an. 

 

07:00
Der französische Präsident Emmanuel Macron ist zu einem Besuch in Israel eingetroffen. Seine Maschine landete auf dem Flughafen Tel Aviv. Geplant sind Gespräche mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, Präsident Isaac Herzog sowie den Oppositionspolitikern Benny Gantz und Jair Lapid. Die Hamas hält sieben französische Geiseln gefangn. 

06:00
US-Präsident Joe Biden hat in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu die Notwendigkeit, "einen kontinuierlichen Strom" humanitärer Hilfe in den Gazastreifen aufrechtzuerhalten, unterstrichen. Zudem habe er sein "Engagement für die laufenden Bemühungen zur Freilassung aller verbleibenden Geiseln der Hamas" bekräftigt, teilt das US-Präsidialamt mit. Er habe Natanyahu auch über "die US-Unterstützung für Israel und die laufenden Bemühungen zur regionalen Abschreckung, einschließlich neuer US-Militärstützpunkte" informiert. Einzelheiten der Unterstützung nannte das Weiße Haus zunächst nicht.

06.30
Israelische Flugzeuge haben israelischen Militärangaben zufolge zwei Zellen der Hisbollah im Libanon getroffen. Von den beiden Stellungen aus sollten Panzerabwehrraketen und Raketen auf Israel abgefeuert werden, teilte das israelische Militär mit.  Nach Angaben der Armee befand sich eine Zelle in der Nähe der israelischen Stadt Mattat, etwa 13 Kilometer südwestlich von Aitaroun. Die andere befand sich weiter nördlich im umstrittenen Gebiet der Shebaa-Farmen.  Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA hatte zuvor von einem israelischen Luftangriff am südlichen Stadtrand von Aitaroun im Südlibanon berichtet. Ob sich beide Seiten auf dieselben Vorfälle beziehen, ist zunächst unklar. 

Tag 16: 22. Oktober 2023

17:00
Die Kämpfe im Süden und im Norden Israels intensivieren. Bis zum frühen Abend hat die israelische Armee bei Gefechten mit der Hizbollah nach eigenen Angaben bereits fünf Hizbollah-Kämpfer getötet. In Gaza bombardierte die israelische Luftwaffe immer weitere Ziele und tötete mehrere Islamistenführer. Die Hamas soll inzwischen die Kontrolle über Nord-Gaza verloren haben, heisst es. Bei Raketenangriffen aus Gaza wurde in Netivot ein Mann schwer verwundet. Bis Bis jetzt hat die Hamas über 7400 Raketen auf Israel abgefeuert. Die Armee schätzt, dass das gesamte Arsenal der Terrororganisation etwa 12'000 Raketen beträgt, doch das könnte durchaus eine falsche Einschätzung sein. Die USA verlangen von Israel immer deutlicher, dass es eine Exit-Strategie entwickelt. Was soll nach dem Krieg in Gaza geschehen? Wer soll dort die Macht übernehmen? Der Mossad und der Shin Bet haben inzwischen ein „Operation Center“ eingerichtet, um die Attentäter vom 7. Oktober ausfindig zu machen und zu liquidieren. Einen der Attentäter konnte in Israel gestellt werden. Er hatte sich seit zwei Wochen im Land versteckt. Als Sicherheitsorgane den Mann stellten, gab er vor Erschöpfung sofort auf. 


 

 

06:30
Die israelische Luftwaffe hat das Gelände einer Moschee im Westjordanland beschossen – darunter soll sich ein Tunnelsystem von Terroristen befinden. Bei der Attacke gab es mehrere Todesopfer.
 

Tag 15: 21. Oktober 2023

19.30
US-Aussenminister Antony Blinken rief heute den libanesischen Premier Najib Mikati an, um ihn davor zu warnen, zuzulassen, dass der Krieg nach Libanon hineingetragen wird. An der Grenze zwischen dem Libanon und Israel werden die Gefechte zwischen den Hizbollah und Israel immer intensiver. Dabei wurde ein Kämpfer der Hizbollah getötet, Israel hat sein Beginn der Kämpfe bereits 14 Hizbollah-Männer bei Gefechten getötet. Bei der grossen Konferenz in Kairo, die sich mit dem Krieg zwischen Hamas und Israel befasst und wie man diesen beenden kann, beschimpften die arabischen Staaten den Westen. Ägyptens Präsident Abdel Fatah el-Sissi, erklärte, die Reaktion der Welt zeige einen «Mangel an den Werten der internationalen Gemeinschaft bei der Bewältigung von Krisen. Während wir an einem Ort sehen, wie Beamte sich beeilen und konkurrieren, um die Tötung unschuldiger Menschen umgehen zu verurteilen, stossen wir an einem anderen Ort auf unverständliches Zögern, dieselbe Tat anzuprangern». Das israelische Kriegskabinett tagte heute im Süden des Landes. Premier Benjamin Netanyahu wurde von einer Gruppe Protestierender ausgebuht. Generalstabschef Herzl Halevi wandte sich heute an die Soldaten warnte die Truppe, dass der Feind eine Reihe von Überraschungen in Gaza vorbereitet hat. Aber auch die IDF hätte Überraschungen und man werden den Feind vernichten. Die Soldaten sollten stets an die Bilder und die Ermordeten vom 7. Oktober denken. Wann genau die Bodenoffensive beginnt, ist schwer abzuschätzen, denn da ist noch die Frage, ob das Militär nicht noch wartet, um Verhandlungen für die Freilassung der Geiseln abzuwarten, zumindest

18.00
Katars Aussenministerium hat angekündigt, dass bald alle israelische Geiseln befreit würden. Die Hamas wiederum erwiderte, dass über Soldaten unter den Geiseln erst nach Beendigung des Krieges verhandelt werden würde. Von israelischer Seite gibt es dazu bisher keinen Kommentar. 

 

17.30
In Kairo wurde am Samstag ein internationales Gipfeltreffen zum Hamas-Israel-Krieg eröffnet, an dem der jordanische König Abdullah, der ägyptische Präsident Al-Sisi, Palästinenserpräsident Abbas, der britische Außenminister James Cleverly und UN-Generalsekretär Guterres teilnahmen. Im Mittelpunkt des Gipfels standen die humanitäre Krise im Gazastreifen, die Freilassung der von der Hamas festgehaltenen Geiseln, die Notwendigkeit regionaler Stabilität und die Forderung, dass Israel bei seiner militärischen Reaktion das Völkerrecht respektiert. Er endete, ohne dass sich die Staats- und Regierungschefs und die Außenminister auf eine gemeinsame Erklärung einigen konnten

10 .00
Um 10 Uhr am Samstagmorgen konnten die ersten LKWs mit Hilfsgütern für die Zivilisten Rafah, die Grenze zwischen Ägypten und Gaza, passieren. Währenddessen hat Israel seine Bürger aufgefordert, sofort Jordanien und Ägypten zu verlassen. Immer häufiger tauchen Berichte auf, dass die USA Israel daran gehindert haben, ihre Bodenoffensive sofort zu beginnen, auch die EU soll versuchen, Israel zu überzeugen, die Offensive zu verschieben, um bessere Möglichkeiten zu haben, die Geiseln freizubekommen. Das Kalkül der Hamas scheint diesbezüglich aufzugehen. Im israelischen Kriegskabinett gab es in den letzten Tagen die Überlegung, die Hizbollah anzugreifen, ehe man selbst angegriffen wird. Doch sowohl die USA als auch Premier Netanyahu waren dagegen. Am gestrigen Abend liess die Hamas eine Mutter und ihre Tochter, die zu den Geiseln gehörten, frei. Die beiden Frauen sind amerikanische Staatsbürgerinnen. Sie waren im Süden, um Familie zu besuchen, als der Überfall der Hamas kam. Ob die beiden Frauen auch israelische Staatsbürgerinnen sind, wurde nicht weiter ausgeführt. Inzwischen kam aus Frankreich die Meldung, dass auch seine Experten den Angriff auf das Krankenhaus in Gaza untersucht und ausgewertet haben. Auch die Franzosen kamen zu dem eindeutigen Ergebni, dass es nicht Israel war, sondern eine fehlgeleitete Rakete der Islamisten. Das israelische Gesundheitsministerium nennt die Zahl von 5000 Verletzten. 

Tag 14: 20. Oktober 2023

11.00

Israel setzt seine Pläne um und evakuiert im Norden des Landes die 20 000 Seelen Stadt Kiryat Shmone. Ganz offensichtlich rechnet man mit einer Ausweitung der Kämpfe an der Grenze zum Libanon, möglicherweise sogar mit einem vollen Zwei-Fronten-Krieg. Bereits gestern konnte man mehrmals hohe israelische Militärs vernehmen, die die Soldaten auf den Bodenkrieg einschwören. Verteidigungsminister Yoav Gallant sagte unzweideutig, dass er kommen werde. Am gestrigen Abend wurden drei Raketen der Houthis aus dem Jemen von amerikanischen Kriegsschiffen abgefangen. Sie waren auf Israel gerichtet. Der Iran hat offensichtlich auch diesen Stellvertreter nun gegen Israel aktiviert. Die IDF sagte, man sei gewappnet und in der Lage auch gegen die Houthis vorzugehen. Während US-Präsident Joe Biden fest zu Israel steht und dem Land ein grosses Militärpaket schnürt, gibt es von 400 Staatsbeamten in Washington inzwischen einen Protestbrief, dass sie diese Entscheidung ablehnen und nicht einverstanden sind, dass Israel so aufgerüstet wird. Unter den Demokraten gibt es eine kleine Mehrheit, die ebenfalls die proisraelische Kriegspolitik Joe Bidens kritisch sind. Im Kongress gibt es dagegen eine überwältigende Zustimmung für die unbedingte Unterstützung Jerusalem in diesem Krieg. Unterdessen gehen die israelischen Luftangriffe auf Gaza weiter, laut Angaben der Armee habe man Truppen der Hamas ausgeschaltet, die an dem Massaker von 7. Oktober teilgenommen hatten. In Israel hat es schon mehrfach seit dem Morgen Raketenalarm gegeben. Trotz Tausender Bomben, die die israelische Luftwaffe nun seit Tagen abgeworfen hat, kann die Hamas immer noch Israel mit seinen Raketen bedrohen. Das zeigt, wie gut organisiert und ausgerüstet die Terrororganisation immer noch ist.

08:30
Israel glaubt, dass einige der nach dem Hamas-Angriff Vermissten nicht gefunden werden. Nach den jüngsten Angaben der israelischen Armee gelten zwischen 100 und 200 Personen als vermisst, wobei sich die Zahl mit der Identifizierung der Leichen noch ändern dürfte. Die Armee weiß von etwa 30 Kindern unter 16 Jahren, die entführt worden sind

07:00

Joe Biden kündigt Hilfe an: Die Biden-Regierung will dem US-Kongress ein Paket über 100 Milliarden Dollar vorlegen. Dies haben Medien bereits vor der Grundsatzrede des Präsidenten aus dem Oval Office am gestrigen Abend vermeldet. Demnach sieht das Weisse Haus zehn Milliarden Dollar an Hilfen für Israel, etwa 60 Milliarden Dollar für die Ukraine und grosse Aufwendungen für den Ausbau der Sperranlagen an der Grenze zu Mexiko vor. Die politische Kalkulation liegt auf der Hand: Die Koppelung soll zumindest Teile der weiterhin führungslosen Republikaner im Repräsentantenhaus zur umfassenden Unterstützung der Biden-Politik bewegen. Beobachter sahen die Rede als stark und mit grosser Überzeugung vorgetragen. Biden schien aus tiefstem Herzen zu sprechen, als er die Zivilisten in Israel und der Ukraine durch den Terror von Hamas und Putin zugefügten Leiden beschrieb. Von da aus hielt der am 20. November 1942 und damit am Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges zugunsten der Alliierten Mächte geborene Präsident Amerika als «Hoffnung der Welt» hoch. Die USA stünden weiterhin für Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung für Unterdrückte weltweit. Biden nannte keine Zahlen für das Hilfspaket, was Tradition hat: Präsidenten wollen an derlei «historischen Wendepunkten» – so Biden eingangs – nicht wie Buchhalter wirken. Er unterliess zudem jeden Appell an Israel zu einem Waffenstillstand. Die Rufe danach werden auch in Washington laufend lauter (siehe Meldung dazu). Allerdings sprach Biden über die Notwendigkeit einer Einhaltung des Kriegsrechts durch Israel, die er bei seinem Besuch mit Netanyahu besprochen habe. Ob Biden tatsächlich seine Wünsche im Kongress durchsetzen kann, bleibt jedoch offen. Für Spannungen dürfte auch die anscheinend geplante Umleitung von zehntausenden Artillerie-Granaten nach Israel sorgen, die eigentlich für die Ukraine bestimmt waren. Angeblich will sich Israel auf einen drohenden Schlagabtausch mit der Hisbollah vorbereiten.

 

Tag 13: 19. Oktober 2023


18.20
Rishi Sunak in Israel. Nach US-Präsident Biden besuchte der britische Premierminister Rishi Sunak Israel. In seiner Ansprache erklärte er, dass Grossbritannien fest an der Seite Israels stehe und dessen Recht auf Verteidigung voll unterstütze. «Wir wollen, dass ihr gewinnt», erklärte der Premierminister, ohne aber speziell zu sagen, dass Israel die Hamas vernichten soll. Er betonte allerdings auch, dass er wisse, Israel halte sich an das Internationale Recht und werde die Zivilisten in Gaza so gut wie möglich schützen. Den ganzen Tag über feuerte die Hamas aus Gaza Raketen auf Israel. Auch aus dem Libanon wurden Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert. Die Armee griff jedesmal die Positionen an, von denen der Abschuss jeweils erfolgte. Zu den Angriffen bekannte sich die Hamas in Gaza. Die Hizbollah zeichnet nicht verantwortlich, doch es ist klar, dass ohne ihre Genehmigung solche Raketenbeschüsse nicht möglich wären. Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock rüstet sich unterdessen zu einer zweiten Reise nach Israel aus «unbedingter Solidarität» mit dem jüdischen Staat. Sie wird danach auch nach Jordanien und Libanon reisen. Inzwischen wartet man in Israel, wann die Bodenoffensive kommt. Dass sie kommt, machte der kommandierende General für die Südfront, Yaron Finkelmann, klar: «Jetzt tragen wir den Kampf in das Territorium des Feindes. Und wir werden ihn auf seinem Gebiet schlagen. Das wird schwierig, lang und intensiv werden».

08.30
Debatte um Opferzahlen: Nach der Explosion am Ahli-Arab-Krankenhaus machten schnell erschreckend hohe Opferzahlen die Runde – basierend auf Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums, das der Hamas untersteht. Die israelische Armee hat jetzt klargemacht, dass sie von einer niedrigeren Zahl an Opfern ausgeht. Man habe Informationen, die darauf hinweisen, dass die Zahl der Todesfälle von der Hamas übertrieben wurde, teilte ein Armeesprecher mit.  Vor einem Bildschirm mit Aufnahmen, die den Parkplatz des Krankenhauses und damit dem Sprecher zufolge den »Ground Zero« einer abgestürzten Rakete des Islamischen Dschihad zeigen sollen, sagt der Sprecher: »Ich sehe hier rund 15 Autos, die getroffen wurden, ich sehe Brandrückstände.« Was er nicht sehe, seien Leichen. »Wenn so viele Menschen getötet wurden, wo sind die Leichen?« Das sei keine Frage, die er beantworten müsse, so der Sprecher weiter, das sei die Aufgabe der Hamas, die behaupte, es seien 471 Menschen ums Leben gekommen. Oder der Medien, »die gesagt haben, wir seien das gewesen«. Tatsächlich haben bislang weder die Hamas noch der Islamische Dschihad Belege für ihre Aussagen angeführt. Die Hintergründe der Explosion am Ahli-Arab-Krankenhaus sind weiter unklar. Die Hamas beschuldigt Israel eines Angriffs, Israel geht von einer Fehlfunktion an einer Rakete der palästinensischen Terrororganisation Islamischer Dschihad aus, die ebenfalls im Gazastreifen operiert. US-Präsident Joe Biden hatte am Mittwoch bei einem Besuch in Israel gesagt, er gehe aufgrund von Informationen des eigenen Geheimdienstes davon aus, dass die Verantwortung für die Tragödie beim »anderen Team« liege.

Tag 12: 18. Oktober 2023

19.00
Nach Biden: Der Besuch von US-Präsident Biden dauerte nur ein paar Stunden. Er traf sich mit Premier Netanyahu und demKriegskabinett. Er versicherte wiederholte seine hundertprozentige Hilfe. Und das heißt: Waffen, politische Unterstützung und notfalls auch ein militärisches Eingreifen, sollte die Hizbollah in den Krieg eingreifen. Aber er machte auch massiven Druck auf Netanyahu. Die USA verlangen von den Israelis, dass sie den Krieg gänzlich nach dem Kriegsrecht führen, dass sie eine Strategie für die Zeit nach dem Krieg entwickeln – was die Führung bislang noch nicht getan hat – und vor allem: dass Israel unbedingte humanitäre Hilfe für die zwei Millionen Flüchtlinge im Gazastreifen gewährt. Der Druck auf Bibi muss groß gewesen sein. Denn kaum war Biden abgeflogen, wurde bekannt gegeben, dass Israel humanitäre Hilfe von Ägypten über die Grenze Rafah nach Gaza hineinlassen werden. 

Parallel zu dieser Entwicklung versuchte Israel zu zeigen, dass der Einschlag in das Krankenhaus in Gaza am Tag zuvor nicht von der Armee verursacht wurde, sondern von einer Rakete des Islamischen Jihad stammte. Auch die USA glauben das inzwischen und Biden äußerte sich dementsprechend. Auch er ist überzeugt, dass Israel nicht verantwortlich ist.

18.00
Biden korrigiert: US-Präsident Joe Biden hat seine Bemerkung konkretisiert, dass nicht Israel, sondern das «andere Team» für die Krankenhaus-Tragödie im Gazastreifen verantwortlich sei. Er sagte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, sein Kommentar beruhe auf Daten, die ihm das US-Verteidigungsministerium vorgelegt habe.

Bombendrohung. Die israelische und die US-Botschaft in Argentinien haben am Mittwoch nach Angaben lokaler Medien Bombendrohungen erhalten. Die Zeitungen «Clarin» und «La Nacion» berichten übereinstimmend, in beiden Landesvertretungen seien die Drohungen per E-Mail eingegangen. Antibombeneinsatzkräfte seien zum Einsatz gekommen. Während die israelische Botschaft evakuiert worden sei, sei der Betrieb in der US-Botschaft normal weitergegangen – die Drohung sei unglaubwürdig gewesen. In beiden Fällen konnte den Berichten zufolge rasch Entwarnung gegeben werden.

Veto: Ein brasilianischer Resolutionsentwurf zur Krise in Nahost mit Fokus auf humanitärer Hilfe ist im Weltsicherheitsrat gescheitert. Die USA legten gegen den Text ein Veto ein. 12 der 15 Ratsmitglieder hatten dem Papier zuvor zugestimmt, Russland und China enthielten sich.
In dem Text Brasiliens, das dem Uno-Sicherheitsrat momentan vorsitzt, hiess es unter anderem, dass Israel seine Aufforderung zur Evakuierung der Zivilbevölkerung aus dem nördlichen Gazastreifen rückgängig machen müsse. Das Land wurde in diesem Zusammenhang allerdings nicht direkt genannt.
Damit folgte das Papier den Aussagen der Uno, die eine Evakuierung von über einer Million Menschen in dem dicht besiedelten Küstengebiet als unmöglich bezeichnet hatten und vor einem humanitären Desaster warnten. Zudem verlangte der Text Bemühungen für ein Ende der Kämpfe und betonte die Relevanz der Zwei-Staaten-Lösung. In dem Entwurf wurde die Hamas-Attacke auf Israel als «abscheulicher Angriff» verurteilt, die als Geiseln genommenen Israelis müssten umgehend freigelassen werden. Es wurde betont, dass beide Konfliktparteien sich an das internationale Völkerrecht zu halten hätten und dass humanitäre Hilfslieferungen und Kampfpausen zugelassen werden müssten. Eine direkte Forderung nach einem Waffenstillstand enthält der Text nicht. Die Annahme des Entwurfs im gespaltenen Sicherheitsrat galt von vorneherein als fraglich. Die USA haben ihren Verbündeten Israel immer wieder mit ihrem Vetorecht vor unliebsamen Resolutionen geschützt. Eine angenommene Resolution hätte den Druck auf Israel erhöht, das sich allem Anschein nach auf eine grossangelegte Bodenoffensive im Gazastreifen vorbereitet. Resolutionen des Uno-Gremiums sind völkerrechtlich bindend.

Kriegsverbrechen der Hamas: Die Angriffe der islamistischen Hamas auf Israel müssen nach Ansicht von Human Rights Watch (HRW) als Kriegsverbrechen untersucht werden. Zu diesem Schluss kommt die Menschenrechtsorganisation nach der Auswertung von vier Videos vom 7. Oktober. Sie zeigen unter anderem bewaffnete Männer, die fliehende oder am Boden liegende verletzte Personen erschiessen. Die ausgewerteten Aufnahmen, die Human Rights Watch veröffentlichte, sind vorweg mit einer Warnung versehen: «Die folgenden Inhalte können grausame oder gewalttätige Darstellungen enthalten». Die Videos stammen nach Angaben von HRW von Sicherheitskameras auf der Strasse oder Kameras in Autos. Geodaten darauf gäben den genauen Standort an, Uhrzeiten den genauen Zeitpunkt. Das Team habe unter anderem auch die Schatten, die Menschen und Gebäude warfen, überprüft um sicherzustellen, dass sie mit der Uhrzeit und dem Sonnenstand zu dem Zeitpunkt übereinstimmen. Die Aufnahmen stammen nach diesen Angaben unter anderem aus der Nähe des Musikfestivals, das bewaffnete Männer überfielen, und aus israelischen Siedlungen nahe dem Gazastreifens.

07:00
Vor dem Biden-Besuch: US-Präsident Joe Biden will den Kongress um 100 Milliarden Dollar für Israel, die Ukraine, Taiwan und die Sicherung der US-Grenze bitten. Einen entsprechenden Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg bestätigten informierte Kreise der Nachrichtenagentur AFP. Ein solches Paket im Umfang von umgerechnet rund 95 Milliarden Euro wäre gewissermaßen ein Kompromiss zwischen Bidens Demokraten und den oppositionellen Republikanern. Während die Demokraten auf neue Hilfen für die von Russland angegriffene Ukraine pochen, was bei den Republikanern auf Widerstand stößt, fordern die Konservativen mehr Mittel zur Sicherung der US-Grenze zu Mexiko. In beiden Parteien gibt es großen Rückhalt für neue Hilfen für das von der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas attackierte Israel. Auch hinter der Unterstützung Taiwans, das eine Invasion Chinas befürchtet, stehen Demokraten und Republikaner.

 

Tag 11: 17. Oktober 2023

19.15
Aufruhr an der Frankfurter Buchmesse: Der slowenische Philosoph Slavoj Žižek hat für einen Aufruhr bei der Eröffnungsfeier gesorgt. Er nutzte seine Rede, um sich für die im Gazastreifen lebenden Palästinenserinnen und Palästinenser einzusetzen. Er verurteile zwar die Attacke der Hamas und Israel habe auch das Recht, sich zu verteidigen. "Wir sollten aber nicht den düsteren Hintergrund von Palästina vergessen", so Žižek. Es sei nötig, den Hintergrund der Situation vor Ort zu analysieren. Das palästinensische Volk in Gaza werde ausschließlich als Problem behandelt, Israel zeige ihnen keine positive Rolle im Nahostkonflikt auf. Der Terrorismus gegen Israel widerspreche allen Werten der Buchmesse. Genauso sei aber "die kollektive Bestrafung von Millionen in Gaza" ein Widerspruch. Die Absage der Verleihung des LiBeratungspreises an die palästinensische Autorin Adania Shabli  bezeichnete er als "skandalöse Entscheidung" und Cancel Culture. Diejenigen, die nicht in das allgemeine Bild von Diversität und Inklusion passten, würden davon ausgeschlossen. "Ich bin deshalb nicht nur stolz, hier zu sein, ich schäme mich auch ein bisschen", so Žižek. Buchmessen-Direktor Juergen Boos sagte im Anschluss an Žižeks Rede, man müsse diese Worte im Sinne der Freiheit des Wortes stehen lassen - auch, wenn man sie nicht teile. Es sei wichtig, "dass wir uns zuhören". Boos kritisierte aber die von Žižek gewählten Worte. "Ich glaube, ich kann für diese Gemeinde hier sprechen, wenn ich sage: Wir verurteilen den Terror. Wir sind Menschen und wir denken menschlich - auf palästinensischer und auf israelischer Seite."

19:00
Am frühen Abend heulten wieder die Sirenen in Zentralisrael. Die Hamas feuerte Raketen auf Tel Aviv und Umgebung. Es ist erstaunlich, dass die Terrororganisation nach weiteren 6000 Bomben, die die israelische Luftwaffe auf Gaza abgefeuert hat, immer noch mehrmals täglich Unmengen an Raketen auf Israel abfeuern kann. Dies gibt auch dem Laien eine Vorstellung, wie ausgeklügelt der militärische Arme der Hamas funktioniert und was die Soldaten, die möglicherweise schon in wenigen Tagen in Gaza einmarschieren erwartet. Heute war auch Bundeskanzler Olaf Scholz zu einem Solidaritätsbesuch in Jerusalem. Scholz traf sich schon vor einigen Tagen mit den Kataris und wird morgen weiterreisen nach Ägypten. Mit Sicherheit sind die Deutschen mit an Bord, wenn es um die Hilfe für die palästinensischen Zivilisten in Gaza geht. Premier Netanyahu war um schlagzeilenfähige Sprüche gegenüber den deutschen Kanzler nicht verlegen: «Hamas sind die neuen Nazis, Hamas ist ISIS» Scholz wollte auch die Familien der deutschen Geiseln besuchen, die nun ebenfalls in den Händen der Islamisten irgendwo in Gaza festgehalten werden. Generalstabschef Herzl Halevi besuchte heute die Truppen im Norden des Landes und erklärte markig, falls «Hizbollah einen Fehler macht, wird sie vernichtet». Netanyahu klang ebenfalls äusserst entchlossen. Bei einem Besuch der Eliteeinheit Sayeret Matkal, der er als junger Soldat selbst angehörte, erklärte der 74jährige: «Der Kampf wird in den nächsten Tagen mit grosser Gewalt geführt werden». Was das bedeutet, führte dann Aussenminister Eli Cohen aus. Gegenüber dem Sender Channel 12 sagte er: «Diese Operation wird mehrere Monate dauern, da wir sehr ambitionierte Ziele haben.»


 

17:00
Bodenoffensive abgesagt? Israel bereitet sich nach Angaben eines Militärsprechers im Gaza-Streifen auf „die nächsten Stufen des Krieges“ gegen die dort herrschende islamistische Palästinenserorganisation Hamas vor. „Alle sprechen von einer Bodenoffensive, aber es könnte etwas anderes sein“, sagte der israelische Armeesprecher Richard Hecht. Dabei nannte er keine Einzelheiten. Experten warnen vor einem blutigen Häuserkampf bei einer Bodenoffensive Israels im dicht besiedelten Gaza-Streifen. Israel will nach den verheerenden Terroranschlägen der Hamas am 7. Oktober die militärischen Fähigkeiten sowie die Herrschaft der Islamistenorganisation ausschalten. Die meisten Politiker sehen dabei keine Alternative zu einem Eingreifen auf dem Boden. Klar ist auch, dass der Druck aus dem Ausland auf Israel immer grösser wird, wenngleich westliche Staaten auf Israels Recht auf Verteidigung pochen. Hinter den Kulissen tönt es aber oft anders und man versucht eine Eskalation durch einen Rückschlag Israels zu vermeiden. Täglich reisen nun westliche und andere Staatschefs nach Israel. So auch Morgen Mittwoch US-Präsident Joe Biden. 

 

 

13.30
Geiselvideos: Am gestrigen Abend veröffentlichte die Hamas zum ersten Mal ein Video von einer israelischen Geisel. Das Video zeigt, wie sie medizinisch versorgt wird. Dann erzählt die junge Frau, dass es ihr gut gehe, dass sie gut behandelt werden und sie nur eines will: so schnell wie möglich wieder nach Hause zu kommen. Die Geisel hat auch die französische Staatsbürgerschaft und die Hamas deutete an, dass man «ausländische Gäste» wohl eher freilassen wird als Israelis ohne einen zweiten Pass.

Die Bodenoffensive der Israelis hat immer noch nicht begonnen. Dafür gibt es zwei Gründe: der morgige Besuch von US-Präsident Joe Biden in Israel. Er hat sich zu dieser Solidaritätsgeste entschieden und will damit zeigen, dass die USA fest an der Seite Israels stehen. Der zweite Grund: Die Soldaten werden intensivst auf den Häuserkampf vorbereitet, den Israel nun seit fast zehn Jahren nicht mehr geführt hat, zuletzt im Gaza-Krieg 2014 und auch damals nur mit einer relativ geringen Anzahl von Soldaten. Auch wartet man, dass die letzten palästinensischen Zivilisten den Norden Gazas verlassen, was immer noch nicht zur Gänze geschehen ist. Am heutigen Dienstag wird der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz in Israel erwartet. Das Land, die Menschen aber bereiten sich auf das Schlimmste vor. Im Süden werden bald viele israelische Soldaten sterben nachdem sie in Gaza einmarschiert sind. Und dann ist da noch die Drohung des Iran, dass die „Achse des Widerstands“ „Präventive Massnahmen“ ergreifen wird gegen Israel. Der jüdische Staat befindet sich seit 11 Tagen im Krieg. Der wirkliche Sturm aber wird erst noch kommen. 

06:30
500'000 Israeli evakuiert: Seit dem Grossangriff der Hamas am 7. Oktober haben fast 500'000 Menschen innerhalb Israels ihre Heimat verlassen. »Wir haben den gesamten Süden Israels evakuiert, alle Ortschaften in der Nähe des Gazastreifens, aufgrund der Anweisungen der Regierung (…)«, sagte der Armeesprecher Jonathan Conricus bei einer Pressekonferenz am Dienstag. »Das Gleiche haben wir im Norden getan, wo 20 Ortschaften in der Nähe der Grenze evakuiert wurden«, fügte er hinzu.

Hunderttausende Palästinenser bei Rafah: Die Vereinten Nationen sind bereit, Hilfe für Hunderttausende Palästinenserinnen und Palästinenser über den Grenzübergang Rafah in den Gazastreifen zu bringen. Auf der ägyptischen Sinaihalbinsel sei ein Flugzeug mit Hilfsgütern der Weltgesundheitsorganisation WHO angekommen, teilte das Uno-Nothilfebüro Ocha. 

Russische Resolution ohne Hamas: Der UN-Sicherheitsrat hat am Montagabend eine russische Nahost-Resolution abgelehnt, die Gewalt und Terrorismus gegen Zivilisten zwar verurteilt, die Hamas und deren Überraschungsangriff auf Israel aber nicht erwähnt hätte. Vier Länder stimmten mit Russland für die Resolution - China, die Vereinigten Arabischen Emirate, Mosambik und Gabun. Gegenstimmen gab es von vier anderen Ländern - den USA, Großbritannien, Frankreich und Japan. Die weiteren sechs Länder enthielten sich. Damit eine Resolution angenommen werden kann, sind mindestens neun Ja-Stimmen in dem 15-köpfigen Gremium erforderlich.

Tag 10: 16. Oktober 2023

19:00
Die Zahlen des Tages: 291 israelische Soldaten sind bisher gefallen. Und nun sind es offiziell 199 gekidnappte Israelis, die in den Klauen der Hamas sind. Abgesehen von diesen schrecklichen Nachrichten, war der Tag auch sonst düster. Israel bombardiert den Gaza-Streifen mit voller Wucht und Härte. Die Folge: die Lage der Zivilbevölkerung wird immer prekärer, die Opferzahlen steigen, die Einzelschicksale, wie der Tod eines sechsjährigen palästinensischen Kindes bewegen die Welt. Allmählich werden die Bilder des Massakers vom 7. Oktober von den neuen katastrophalen Bildern verdrängt. Das war zu erwarten. Die Stimmung dreht sich weltweit. Nicht zuletzt deshalb betonen die USA in den letzten Tagen immer und immer wieder, dass Israel sich unbedingt an das Kriegsrecht halten muss. Man gibt den Israelis grünes Licht die Hamas zu vernichten. Aber nicht um jeden Preis. Die EU hat unterdessen angekündigt eine humanitäre Luftbrücke nach Gaza einrichten zu wollen, um die palästinensischen Zivilisten dort zu versorgen. Der israelische Botschafter Gilad Erdan hat heute erklärt, Israel habe zwar nicht vor, den Gazastreifen wieder zu besetzen, doch man sei bereit alles zu machen, um die Hamas für immer zu vernichten. Er schloss also die Möglichkeit einer Wiederbesetzung Gazas nicht gänzlich aus. Während an der Nordfront die Gefechte zwischen Hizbollah und Armee fortgesetzt werden, ohne dass sie eine bestimmte Grenze wirklich überschreiten, lässt die Bodenoffensive auf sich warten. Die Gründe sind ungewiss. Ob man tatsächlich fürchtet, die Hizbollah könnte wirklich mit Raketen angreifen, wenn Soldaten nach Gaza einmarschieren, ob man noch zu wenig Aufklärung hat oder ob die Taktik erst noch beschlossen und besprochen werden muss, ist nicht auszumachen. Unterdessen führte heute US-Aussenminister Antony Biden weitere Gespräche mit dem Kriegskabinett in Tel Aviv. Am Abend wurde bekannt, dass die Hamas von 250 israelischen Geiseln in Gewahrsam spricht. 

18.30
In einem Brief an die Mitarbeiter des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet hat dessen Chef Ronen Bar Versagen zugegeben. »Wir haben nicht ausreichend gewarnt, um den Anschlag zu vereiteln, die Verantwortung liegt bei mir.« Weiter heißt es: »Trotz einer Reihe von Maßnahmen, die wir ergriffen haben, ist es uns am Samstag leider nicht gelungen, eine ausreichende Warnung zu erzeugen, die es uns ermöglicht hätte, den Anschlag zu vereiteln. Als Leiter der Organisation trage ich die Verantwortung dafür.« Es werde eine Untersuchung der Vorgänge geben, schreibt er weiter. Aber nicht jetzt. »Jetzt kämpfen wir.« 

16.30
US-Präsident Joe Biden plant am Mittwoch nach Israel zu kommen. Der russische Präsident Wladimir Putin berät angeblich noch heute mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas und dem ägyptischen Staatsoberhaupt Abdel Fattah al-Sissi über die Lage im Gazastreifen. 

Die israelischen Behörden haben die Zahl der bestätigten Geiseln in Gewahrsam der Hamas auf 199 erhöht. 

10.15

Noch hat die Bodenoffensive nicht begonnen. Dafür heizt sich der Norden immer mehr auf. Israel hat jetzt 28 Ortschaften an der Grenze zum Libanon evakuieren lassen. Sowohl die Hizbollah und der Iran als auch Israel machen sich gegenseitig Drohungen. Neben den USA hat nun auch Frankreich Iran gewarnt, ja nicht in den Krieg einzusteigen. Unterdessen erlauben die Israelis, dass Hilfslieferungen an die Palästinenser über Ägypten nach Gaza gebracht werden. Zwischendurch gab es Gerüchte eines Waffenstillstands, doch sowohl Hamas wie auch Israel verneinten dies. Am Dienstag wird der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz nach Israel reisen. Ob dies nur eine Solidaritätsreise sein wird oder ob der Kanzler «etwas» mitbringt, ist noch unklar. Die Botschaften in Israel sind derzeit fieberhaft dabei, ihre Staatsbürger aus dem Kriegsgebiet zu bringen. Dass Israel diesen Krieg durchziehen wird, bis die Hamas in irgendeiner Form «besiegt» ist, hat US-Präsident Joe Biden noch einmal bestätigt. Die Hamas müsse eliminiert werden, erklärte Biden in einem Interview. Es wäre aber ein Fehler, Gaza wieder zu besetzen. Doch diese Absicht hat Israel nicht. UN-Botschafter Gilad Erdan bestätigte dies.

07.30

Biden gegen Besetzung. US-Präsident Joe Biden hat eventuelle Pläne Israels zu einer möglichen Besetzung des Gazastreifens als «grossen Fehler» bezeichnet. In einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der CBS-Nachrichtensendung «60 Minutes» antwortete Biden auf die Frage, ob er eine Besetzung des Gazastreifens durch den Verbündeten unterstützen würde, mit den Worten: «Ich denke, das wäre ein grosser Fehler».

Biden sagte zudem, die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas repräsentiere «nicht das gesamte palästinensische Volk». Eine Invasion des Küstenstreifens und die «Ausschaltung der Extremisten» seien aber eine «notwendige Voraussetzung», fügte er hinzu.

Tag 9: 15. Oktober 2023

23.00
 

Die Hamas hat am Sonntag weiterhin Raketen auf Israel abgefeuert, hauptsächlich auf den Süden und die Grenzgemeinden des Gazastreifens, aber auch drei schwere Geschosse auf Tel Aviv gerichtet. Die Spannungen im Norden Israels sind sprunghaft angestiegen, als die Hisbollah am frühen Sonntag begann, Panzerabwehrraketen auf israelische Militärziele und eine israelische Gemeinde nahe der libanesischen Grenze abzufeuern, wobei ein Mann getötet und mehrere andere verletzt wurden. Die IDF erwiderte das Feuer auf Ziele der Hisbollah und richtete eine 4 Kilometer lange Pufferzone entlang der Grenze ein. Das Feuergefecht dauerte bis zum Abend an, als die IDF erklärte, sie habe militärische Infrastruktur im Libanon getroffen, nachdem acht Menschen durch das Feuer der Hisbollah verwundet worden waren. Außerdem behaupteten die Hamas-Kräfte im Libanon, sie hätten 20 Raketen auf Israel abgefeuert.

Verteidigungsminister Yoav Gallant sagte auf einer Pressekonferenz an der Grenze zum Gazastreifen: "Dies wird ein heftiger Krieg, ein tödlicher Krieg, ein präziser Krieg, und es wird ein Krieg sein, der die Situation dauerhaft verändert", und fügte hinzu, dass Israel "kein Interesse daran hat, einen Krieg an seiner Nordfront zu führen." Laut Anshel Pfeffer von Haaretz deutet das beispiellose Ausmaß der Einberufung von Reservisten zusammen mit dem Evakuierungsbefehl für 1,1 Millionen Palästinenser im Gazastreifen darauf hin, dass Israels bevorstehende Bodenoffensive länger und intensiver sein wird als alle bisherigen Angriffe seit dem Rückzug von 2005.

In Interviews am Sonntag sagte der Nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, dass die USA die Bedrohung Israels vor dem bösartigen Angriff der Hamas in der vergangenen Woche "nie aus den Augen verloren" haben. Er erklärte auch, dass Israel die Wasserversorgung im südlichen Gazastreifen wiederhergestellt hat.

Das Gesundheitsministerium in Gaza berichtet, dass 2450 Palästinenser getötet und etwa 9200 verwundet wurden und mehr als 4230000 aus ihren Häusern vertrieben wurden. Die IDF teilte unterdessen mit, dass Hunderttausende von Palästinensern Gaza-Stadt verlassen haben, um weiter nach Süden zu gehen, und dass die Hamas versucht, sie an der Ausreise zu hindern. Ägypten erklärte außerdem, dass es seine Bemühungen mit seinen internationalen und regionalen Partnern intensiviert, um Hilfe nach Gaza zu liefern.

US-Präsident Joe Biden sagte, die überwältigende Mehrheit der Palästinenser habe nichts mit den schrecklichen Angriffen der Hamas zu tun und leide nun darunter. Ägypten schlug einen härteren Ton an. Präsident Abdel Fattah al-Sissi sagte zu US-Außenminister Blinken, der am Montag nach einer Reise durch den Nahen Osten nach Israel zurückkehren wird, dass Israels Reaktion auf den Angriff der Hamas über die Selbstverteidigung hinausgehe und einer kollektiven Bestrafung gleichkomme. Blinken bemerkte: "Die Art und Weise, wie Israel dies tut, ist wichtig. Es muss auf eine Art und Weise geschehen, die unsere gemeinsamen Werte bekräftigt, indem wir alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um zu vermeiden, dass Zivilisten zu Schaden kommen."

Am Sonntag landete die französische Aussnministerin Catherine Colonna in Israel und traf sich mit Familienangehörigen israelischer Geiseln. Der israelische Präsident Isaac Herzog traf sich mit einer überparteilichen Delegation von US-Senatoren unter der Leitung des Mehrheitsführers im Senat, Chuck Schumer, der versprach, den Senat anzuführen, um Israel "die Unterstützung zukommen zu lassen, die es braucht, um sich gegen diesen monströsen Angriff zu verteidigen."

Der iranische Aussenminister Hossein Amir-Abdollahian warnte erneut, wenn Israel seine "Aggression im Gazastreifen" nicht einstelle, bestehe eine wachsende Chance, dass sich der Krieg ausweitet. Israel beschuldigte den Iran, eine zweite Kriegsfront eröffnen zu wollen, indem es Waffen in oder über Syrien einsetzt.

In den ersten acht Tagen des Krieges zwischen Israel und Hamas wurden nach Angaben des Komitees zum Schutz von Journalisten mindestens 12 Journalisten getötet und acht verwundet. Zwei Journalisten gelten als vermisst.

 Etwa 1'500 ultra-orthodoxe israelische Juden, die das Alter für die Befreiung von der Wehrpflicht überschritten haben, haben sich seit Ausbruch des Krieges für die IDF-Reserve beworben.

Im Westjordanland hat die IDF nach eigenen Angaben in der Nacht zum Samstag Anti-Terror-Operationen durchgeführt, bei denen 49 Verdächtige, darunter 33 Hamas-Mitglieder, verhaftet und Waffen sowie 50.000 Schekel beschlagnahmt wurden, die für den Terrorismus bestimmt waren, so der IDF-Sprecher.

19.00
Israels Armee bestätigte gegen Abend, dass die Hamas 155 Geiseln gefangen hält. Bisher  waren die Zahlen über die entführten Israeli in Gefangenschaft nicht offiziell bestätigt. 

17.30
Update am Sonntag: Am Sonntag Nachmittag war die längst erwartete Bodenoffensive der Israelis noch nicht gestartet. Schlechtes Wetter, was die Auflärungsmöglichkeit der Flugzeuge und Drohnen für die Bodentruppen einschränkt, war ein Grund. Der andere: Man gab der palästinensischen Bevölkerung mehr Zeit, sich in den Süden Gazas zu begeben. Dort haben die Israelis auch buchstäblich die Wasserhähne wieder aufgemacht. Israel hatte ja auch angeordnet, dass keine Nahrungsmittel und kein Wasser nach Gaza dürfen. Indem sie die Wasseranlagen im Süden füllen, hoffen sie, dass die Bevölkerung nun doch in Gänze Nordgaza verlässt. Unterdessen werden die «kleinen» Gefechte zwischen Israel und der Hizbollah an der Nordgrenze gefährlicher. Am Sonntag kam es zu mehreren Angriffen und Gegenangriffen, dabei wurde ein Israeli getötet, 4 wurden verletzt. US-Ausenminister Antony Blinken, der derzeit in Nahost unterwegs ist, wird am Montag wieder in Jerusalem erwartet. Den Amerikanern geht es vor allem um zwei Dinge: die Hizbollah und den Iran in ihre Schranken zu verweisen und eine humanitäre Katastrophe in Gaza zu verhindern. Ganz offensichtlich erlaubt Washington Israel die Hamas zu vernichten – wenn das überhaupt gelingt. Aber um das gewährleisten zu können, müssen die Zivilisten geschützt sein. Ansonsten war auch dieser Tag wieder ein typischer Tag: Israel bombardiert in Gaza, die Hamas feuert Raketen auf israelische Ortschaften. Beide Seiten warten ganz offensichtlich auf den Bodenkrieg. Und der wird, soviel ist sicher, für beide Seiten blutig.

15:00
Kriegskabinett tagt: Mit einer Schweigeminute für die mehr als 1300 vor einer Woche getöteten Israelis hat am Sonntag die erste Sitzung des neuen Notkabinetts in Tel Aviv begonnen. »Hamas hat gedacht, wir würden zerstört werden. Aber wir werden Hamas zerstören«, sagte Israels Premierminister Benjamin Netanyahu vor dem Treffen in einem Militärgebäude. Der Premier begrüsste den bisherigen Oppositionspolitiker Benny Gantz im Kreis der Minister, die »rund um die Uhr mit einer vereinten Front arbeiten« würden. Zuvor hatte die Armeeführung mitgeteilt, man warte auf eine politische Entscheidung zum Einmarsch im von der Hamas beherrschten Gazastreifen.

07:10
Verzögerung beim israelischen Einmarsch in Gaza: Die Bodenoffensive Israels in Gaza steht kurz bevor. Der israelische Einmarsch in den Gazastreifen hat noch nicht begonnen. Der bewölkte Himmel würde die Sicht für Piloten und Drohnen erschweren, ihren Einsatz zu schwierig machen. Das berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf drei namentlich nicht genannte, ranghohe israelische Offiziere. Das israelische Militär richtet nach eigenen Angaben auch an diesem Sonntag einen Fluchtkorridor in Gaza ein. Von 9 bis 12 Uhr (deutscher Zeit) werde die Armee an einer Straße, die in den Süden des Gazastreifens führe, keine Angriffe vornehmen, teilte ein Sprecher mit. »Nutzen Sie zu Ihrer Sicherheit die kurze Zeitspanne«, appellierte er an die Bevölkerung vor Ort. Am Samstag hatte es einen solchen Korridor in der Zeitspanne von 9 bis 15 Uhr deutscher Zeit gegeben.Premier Netanyahu kündigt die »nächste Phase« im Kampf gegen die Hamas an. Gestern Abend besuchte er die Truppen an der Front. Einem Bericht zufolge könnte schlechtes Wetter die Bodenoffensive verzögern. Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben einen weiteren Mitverantwortlichen der von Hamas-Angreifern unter Israelis verübten Massaker getötet. Billal Al Kedra, Befehlshaber terroristischer Einheiten im südlichen Chan Yunis, sei bei Luftangriffen am Vorabend getötet worden, teilte die Armee am Sonntagmorgen mit. Auch weitere Terroristen der Hamas und der Gruppe Islamischer Dschihad seien dabei ums Leben gekommen. Bereits am Samstag hatte Israels Militär den Tod zweier mutmaßlicher Hamas-Drahtzieher der Angriffe vom vergangenen Wochenende gemeldet (tachles online berichtete).

01:30
Sondergipfel: Die EU-Staats- und Regierungschefs sollen sich am Dienstag zu einem virtuellen Gipfel zur Lage in Nahost treffen. Das gab der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, bekannt. Der Rat müsse einen gemeinsamen Standpunkt festlegen und eine klare, einheitliche Vorgehensweise beschließen, hieß es in einer Einladung zu dem Treffen.

01.00
Syrien angegriffen: Innerhalb von zwei Tagen ist ein Flughafen in Syrien erneut Ziel von Luftangriffen geworden. Die mutmaßlich israelischen Angriffe beschädigten die Landebahn des Flughafens in Aleppo, wie gut informierte Kreise und syrische Aktivisten am späten Abend übereinstimmend berichteten. Erst kurz zuvor war die Landebahn wieder repariert und für den Betrieb freigegeben worden. Die israelische Armee äußerte sich auf Anfrage nicht, wie in diesen Fällen üblich. 

00:30
Der israelische Oppositionspolitiker Avigdor Lieberman hat trotz anderslautender Berichte einen Eintritt in die Notstandsregierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nicht bestätigt. Netanjahus Likud-Partei hatte zuvor mitgeteilt, dass der frühere Verteidigungsminister einer Einladung Netanyahus zugestimmt habe, der Notstandsregierung beizutreten.  Lieberman schrieb auf X: "Wir unterstützen alle Maßnahmen, die die Regierung ergreift, um die Hamas und ihre Führer auszuschalten, und werden dies auch weiterhin tun." Er sei auch bereit, dem Kriegskabinett beizutreten, um so schnell wie möglichen einen Sieg zu erreichen. Er habe aber "kein Interesse daran, Minister Nummer 38 in der Regierung zu sein und wie ein Feigenblatt benutzt zu werden."

 

 

Tag 8: 14. Oktober 2023

17:00
Am Samstagnachmittag wurden israelische Militärposten an der Grenze zum Libanon von der Hizbollah mit Raketen und Mörsergranaten beschossen. Der Angriff erfolgte bei Har Dov bei den umstrittenen Sheeba Farmen. Die Armee griff daraufhin Stellungen der Hizbollah an. Gleichzeitig wurde eine Terrorzelle angegriffen, die auf israelisches Gebiet vordringen wollte. Die Bewohner einiger israelischer Dörfer an der Grenze wurden gewarnt vor möglichen Eindringlingen. Am frühen Nachmittag wurde bekannt, dass die USA ihr Personal aus der Botschaft mitsamt Familien abzieht. Übrig bleiben nur die diplomatischen Angestellten, die für einen Notbetrieb der Botschaft vor Ort sein müssen. Unterdessen gehen die Angriffe Israels auf den Gazastreifen weiter. Die Armee hat der Bevölkerung bis 16 Uhr Zeit gegeben, sich auf zwei direkten Wegen vom Norden in den Süden von Gaza zu begeben. Das wird als Indiz angesehen, dass ein Einmarsch israelischer Bodentruppen unmittelbar bevorsteht. Unterdessen hat der iranische Aussenminister Israel vor einem Angrif auf dei Hizbollah gewarnt. Sollte Jerusalem die Schiiten-Miliz in den Krieg hineinziehen, dann würde Israel ein «Erdbeben» erleben. Die Ägypter versiegeln unterdessen ihre Grenze zu Gaza. Bis 17 Uhr dürfen allerdings noch Palästinenser mit amerikanischer Staatsbürgerschaft nach Ägypten ausreisen. 

 

13.30
Hamas-Mörder liquidiert: Die israelische Armee hat die Tötung eines weiteren Hamas-Anführers gemeldet. Ali Qadi habe das barbarische Massaker am 7. Oktober an Zivilisten angeführt, teilten die Streitkräfte mit. "Wir haben ihn gerade eliminiert."

11.30
Saudi-Arabien hat die Gespräche über eine mögliche Normalisierung der Beziehungen mit Israel offenbar gestoppt. Das melden die Nachrichtenagenturen AFP und dpa unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise. »Saudi-Arabien hat beschlossen, die Gespräche über eine mögliche Normalisierung zu unterbrechen«, AFP eine Quelle aus Riad. Die US-Regierung sei über diesen Schritt informiert worden. US-Außenminister Antony Blinken, der nach seinem Solidaritätsbesuch in Israel mehrere Länder in der Region bereist, hält sich derzeit in der saudi-arabischen Hauptstadt auf.

Zwischen Israel und Saudi-Arabien hatte sich jüngst eine Annäherung abgezeichnet. Eine mögliche Normalisierung der Beziehungen wurde von US-Präsident Joe Biden vorangetrieben. Der Krieg zwischen Israel und der Hamas könnte die Annäherung nun aber gefährden. 

 


11.00
Unter den mehr als 1300 Todesopfern der Terrorattacken der Hamas in Israel sind auch mindestens 265 israelische Soldaten. Das teilte Militärsprecher Richard Hecht am Samstag mit. Die weitaus meisten der bei den Großangriffen getöteten Menschen sind demnach Zivilisten. Bei 120 Menschen gelte als gesichert, dass sie in den Gazastreifen verschleppt worden sind, sagte Hecht. 

08.30
Die israelische Armee hat den Einwohnern von Gaza-Stadt sechs Stunden freies Geleit auf zwei Hauptstrassen zum Verlassen des evakuierten Gebietes gegeben. Die Bewohner könnten diese von 9 bis 16 Uhr Ortszeit gefahrlos nutzen, teilte ein Armeesprecher auf Arabisch mit.  Bewohner sollten diese Zeit nutzen, um sich nach Süden zu bewegen. »Seien Sie versichert, dass die Hamas-Führer auf sich selbst aufpassen und sich vor Angriffen in der Region in Sicherheit bringen.«

 

Tag 7: 13. Oktober 2023

23.00
Israel setzt angeblich weissen Phosphor gegen Gaza ein: Aufnahmen eines israelischen Angriffs auf den Hafen von Gaza am Mittwoch zeigen anscheinend den Einsatz von weissem Phosphor, so die «Washington Post» am Freitag. Das Medium hatte Experten bei Amnesty International beauftragt, das Video zu überprüfen. Human Rights Watch hatte bereits am Donnerstag eine Analyse publiziert, die den Einsatz von weissem Phosphor am Hafen bestätigt. Neben dem Video zitieren die Analysen zwei Zeugen, die den erstickenden, charakteristischen Geruch des Kampfstoffes bemerkt haben. Die IDF hat die Behauptungen am Freitag als «eindeutig falsch» zurück gewiesen. Das im Auftrag der Post untersuchte Video zeigt zwei, schnell hintereinander abgefeuerte Artilleriegeschosse, die in der Luft explodieren und für den Kampfstoff charakteristische Phänomene zeigen: Weisser Phosphor entzündet sich nach Freisetzung automatisch in der Luft und erzeugt weisse Linien, gefolgt von dichtem Rauch. Laut Human Rights Watch hat Israel bei dem Angriff 155-mm-Airburst-Artilleriegeschosse mit weissem Phosphor eingesetzt. Die Menschenrechts-Organisation verurteilt den Einsatz der Chemikalie, die in einem so dicht besiedelten Gebiet schwere Verbrennungen bei Menschen verursachen und zivile Gebäude in Brand setzen kann. Ein Sprecher des Palästinensischen Roten Halbmonds erklärte, für die Organisation tätige Mediziner hätten Verletzungen gesehen, die auf die Verwendung von weissem Phosphor zurückzuführen seien.  Der Einsatz der Munition ist gegen militärische Ziele innerhalb von Konzentrationen von Zivilisten verboten. Völkerrechtlich erlaubt sind Einsätze nur, wenn ein militärisches Ziel klar abseits von den Zivilisten liegt, so das Rote Kreuz in einer Erklärung von 2009. Laut Human Rights Watch hat Israel während der 22-tägigen Kampagne in Gaza Ende 2008 bis Anfang 2009 wiederholt weissen Phosphor eingesetzt (https://www.washingtonpost.com/world/2023/10/12/white-phosphorus-israel…).

 

18.00

Brief der Basler Regierung. Der Regierungsratspräsident des Kantons Basel-Stadt, Beat Jans, richtete gestern einen Brief an Vertreterinnen und Vertreter der jüdischen Gemeinden Basel-Stadt. Darin heisst es u.a., dass der Regierungsrat den schrecklichen Terrorangriff der Hamas auf Israel verurteile. Er sei erschüttert über die Hemmungslosigkeit des Vorgehens und das grosse Leid, das den Opfern und ihren Angehörigen angetan worden ist und wird. Jans versichert in dem Brief seine Solidarität.

Sonderflüge abgesagt. Die Swiss hat nach einem letzten Flug am Freitag weitere Sonderflüge von Zürich nach Tel Aviv und zurück abgesagt. Der Grund für den Entscheid sind Sicherheitsbedenken. Am Samstagmorgen ende das Ultimatum der israelischen Regierung an die Hamas, so die Swiss in einer Mitteilung. Ab diesem Zeitpunkt sei mit einer Bodenoffensive Israels im Gazastreifen und einer weiteren Eskalation der Gewalt zu rechnen. Eine Durchführung der Flüge sei daher bis auf weiteres nicht vertretbar.

14.15

Schweizer getötet. Bei den Terrorangriffen auf Israel am vergangenen Wochenende ist ein Schweizer Staatsangehöriger getötet worden. Dies bestätigte Aussenminister Ignazio Cassis am Freitag in Genf. Es handle sich um einen Doppelbürger im Alter von fast 70 Jahren.

11.15

Kein Flugverkehr. «Aufgrund der sich weiterhin unklar entwickelnden Situation in Israel und nach intensiver Analyse der Lage haben sich die Fluggesellschaften der Lufthansa Group inklusive Swiss entschieden, ihre regulären Flüge von und nach Tel Aviv bis einschliesslich 22. Oktober auszusetzen», dies vermeldete die Swiss gestern Abend. Darüber hinaus seien die Swiss-Flüge von Zürich nach Tel Aviv bis einschliesslich 31. Oktober für den Verkauf geschlossen, so die Airline weiter. Die Swiss hat in Kooperation mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelenheiten bisher vier Sonderflüge von Zürich nach Tel Aviv und zurück durchgeführt.

08.15
Alarm über Hamas-Aufruf: Jüdische Organisationen weltweit geben Sicherheits-Anweisungen aus. Aus New York und Wien liegen der Redaktion detaillierte Ratgeber jüdischer Gemeindeorganisationen für den heutigen Freitag vor. Anlass ist ein Hamas-Aufruf zu weltweiten Kundgebungen zur Unterstützung der «Al Aksa-Flut» benannten Terror-Kampagne der Islamisten am heutigen Tag. Aus Wien verlautet, Sicherheitsmassnahmen seien bereits erhöht worden und für heute, Freitag, seien zusätzliche Schritte der Gemeinde-Sicherheitskräfte und der Polizei vorgesehen. Zudem habe Terrorismus nicht nur Gewalt per se zum Ziel, sondern auch die Verbreitung von Angst und Schrecken. Von daher bestehe kein Grund zur Panik, sehr wohl aber zu höherer Vorsicht.  So sollten Kinder am Weg zur und von der Schule von Erwachsenen begleitet werden. Das gilt auch für die Wege von und zu Synagogen und jüdischen Einrichtungen. Auf Provokationen sollte nicht eingegangen, Konfrontationen vermieden, aber sofort bei der Polizei gemeldet werden. Zudem rät die Gemeinde-Organisation: Verdächtige Personen oder Gegenstände sofort dem Sicherheitspersonal vor Ort melden; Türen stets geschlossen halten; nicht vor den Objekten verweilen. Ähnliche Hinweise und Ratschläge hat die Jewish Security Alliance in New York City erlassen: https://l.feathr.co/jewish-security-alliance-community-guidelines--w   Inzwischen haben jüdische Gemeinden und  Verbände weltweit ähnliche Warnungen und Anleitungen ausgeben.

07.35
Kontroverse um Offensive: Die wichtigste Meldung am Morgen ist die Aufforderung der israelischen Armee, die Bewohner von Gaza City sollten sich innerhalb von 24 Stunden in den Süden des Gaza-Streifens, jenseits des Wadi Gaza begeben. Das betrifft etwa eine Million von insgesamt zwei Millionen Menschen in dem Küstenstreifen. Israel hat die UN darüber informiert. Diese Massnahme sei notwendig, damit bei den kommenden Operationen der Armee Zivilisten nicht zu Schaden kämen. UN Sprecher Stéphane Dujarric erklärte, dass dies katastrophale humanitäre Konsequenzen haben werde. Auch das gesamte UN-Personal in der Region soll sich in den Süden begeben. Die Armee soll inzwischen gegenüber der UN eingeräumt haben, dass es länger als 24 Stunden dauern könnte, bis alle Bewohner in den Süden kommen. Dieser Aufruf ist ein deutliches Indiz, dass Israels Bodenoffensive unmittelbar bevorstehen könnte. Unterdessen wachsen die Sorgen, dass das Westjordanland explodieren könnte. Wie die israelische Tageszeitung Haaretz in einer Reportage zeigt, greifen radikale Siedler immer häufiger ungehindert Palästinenser an, von denen immer mehr flüchten und ihr Land und Eigentum zurücklassen. Bei den Palästinensern regt sich Widerstand, Bewaffnete Gruppe in Nablus erklären, dass sie genau wissen, wann und wo sie zurückschlagen müssen. Sollte die Armee die Lage nicht in den Griff bekommen, droht ihr in der Region neben Gaza eine weitere Front. Für grosse Aufregung sorgte eine Werbekampagne einer Pizzeria in der palästinensischen Stadt Huwara, die vor wenigen Monaten Schauplatz eines brutalen Überfalls von jüdischen Siedlern war. Das Restaurant zeigte eine ältere Israeli, die am 7. Oktober als Geisel nach Gaza verschleppt wurde. In einem Video, das die Hamas verbreitete, sieht man sie mit einer Kalaschnikow im Arm, eine Hand zum Victory-Zeichen erhoben, neben ihr ein Hamas-Mann. Aus diesem Video nahm der Pizzeria-Bäcker ein Foto der Israeli, die nun in seiner Werbung eine Pizza in der Hand hält. Wütende Siedler forderten die Zerstörung des Lokals, was die israelische Armee dann auch tat. Unterdessen trat die wegen ihrer schrillen und rechtsradikalen Äusserungen umstrittene Ministerin für Öffentliche Diplomatie, Galit Distel Atbaryan von ihrem Posten zurück. Sie begründete diesen Schritt damit, dass die Regierung sie beiseite geschoben habe und das Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten angewiesen habe, während des Krieges gemeinsam mit dem Aussenministerium die Öffentlichkeitsarbeit im In- und Ausland zu übernehmen 

06:30
Palästinensische Demo in Paris eskaliert. Die französische Polizei hat in Paris eine verbotene palästinensische Demonstration aufgelöst, wie SRF schreibt. Dabei kamen Tränengas und Wasserwerfer zum Einsatz. Hunderte Menschen waren im Zentrum der Stadt zusammengekommen - dies trotz eines Demonstrationsverbots.

Notstandsregierung genehmigt: Israels Parlament hat die Bildung einer Notstandsregierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Oppositionspolitiker Benny Gantz gebilligt. Das berichteten israelische Medien am Donnerstagabend. Neben Gantz sollen demnach vier weitere Mitglieder der Opposition in die Regierung eintreten.

Als Jude: US-Aussenminister Antony Blinken hat bei seinem Besuch in Israel angesichts der Angriffe der Hamas über seine eigene Familiengeschichte gesprochen. «Ich komme zu Ihnen nicht nur als Aussenminister der Vereinigten Staaten, sondern auch als Jude», sagte Blinken in Tel Aviv nach dem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

 

Tag 6: 12. Oktober 2023

Debatte in Israel: Israels Erziehungsminister Yoav Kisch ist das erste Regierungsmitglied, das zugibt, dass dieser Krieg und vor allem die Fehler, die am letzten Samstag gemacht wurden, auf das Konto dieser Regierung gehen wird und dass sie dafür bezahlen wird. Davon ist inzwischen in Israel jeder überzeugt: Netanyahu wird diesen Krieg politisch nicht überleben. Israels Generalstabschef Herzl Halevi hat heute in einer Rede erklärt, dass auch die Armee für die Katastrophe von Samstag verantwortlich sei und dass man dies aufarbeiten werden, aber jetzt sei erst einmal die Zeit des Krieges. Er hat auch gesagt, dass es ein Ziel der Armee sei, die Geiseln zu befreien. Wie das tatsächlich gehen soll, weiß man natürlich im Augenblick nicht, aber allein dies zu äußern ist psychologisch für die Israelis sehr wichtig. US-Außenminister Antony Blinken hat heute bei seinem Besuch in Israel noch einmal versichert, dass die USA Israel unterstützen werden und die Sicherheit des Landes garantieren. Völlig absurd und zynisch war heute ein öffentliches Statement der Hamas, man habe am Samstag nur die israelische Armee als Ziel gehabt. Angesichts solcher Äusserungen, die in Israel das Blut in Wallung bringt, wird nur dazu führen, dass man erst recht in Gaza tabula rasa machen will. Doch genau das will die Hamas. Sie will den Bodenkampf, weil sie sich im Häuserkampf durchaus einen strategischen Vorteil ausrechnet.

 

15:00
Vierter Sonderflug. Die Swiss wird morgen, Freitag, 13. Oktober einen vierten Sonderflug von Zürich nach Tel Aviv und zurück in Kooperation mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) durchführen. Auch dieser Flug ist ausschliesslich über eine spezielle Hotline buchbar, die vom EDA an die Auslandschweizerinnen und -schweizer sowie Schweizer Reisende in Israel kommuniziert wurde.
Der Flug startet um 11.00 Uhr in Zürich und landet um 16.00 (Lokalzeit) in Tel Aviv. Der Rückflug ist um 17.00 Uhr mit Landung in Zürich um 20.20 Uhr. Auf dem Flug gibt es 215 Sitzplätze.
Wie die Swiss mitteilte, ist der zweite Sonderflug am Mittwochabend planmässig gelandet. An Bord waren 210 Erwachsene/Kinder und 5 Babys.

12.30
97 Geiseln: Ein Sprecher des israelischen Militärs hat mitgeteilt, dass den Behörden die Identität von 97 Personen bekannt ist, die von der Hamas in den Gazastreifen verschleppt worden sind. Es wird aber davon ausgegangen, dass mehr als hundert Menschen als Geiseln entführt wurden.  Zudem sagte der Sprecher, dass seit Samstag 222 Soldaten getötet worden seien. »Das Militär bereitet sich auf die nächste Phase des Krieges vor«, fügte der Sprecher an. Damit meint er womöglich eine Bodenoffensive auf den Gazastreifen, sicher ist das jedoch nicht. 

Geiseln für Energie: Nach dem Hamas-Großangriff hat Israels Energieminister die Grundversorgung der Zivilbevölkerung im Gazastreifen an die Freilassung der israelischen Geiseln in Hand der islamistischen Hamas geknüpft. »Kein Stromschalter wird umgelegt, kein Wasserhahn geöffnet und kein Treibstofflaster fährt rein, bis die israelischen Geiseln nach Hause zurückgekehrt sind«, schrieb Israel Katz am Donnerstag auf der Plattform X (vormals Twitter). Humanitäre Gesten werde es nur im Gegenzug für humanitäre Gesten geben. »Und dass uns keiner Moral predigt«, schrieb Katz. 

07.25
Kein ÖV für Reservisten. Auch in der Nacht gingen die Bombenangriffe auf Gaza weiter, dabei wurde nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums 31 Menschen getötet. Während der frühere US-Präsident Donald Trump in einer Rede Israels Geheimdienste kritisierte und erklärte, sie müssten schnell wieder funktionieren, denn Israel kämpfe gegen einen mächtigen Feind im Hintergrund, den Iran, gab die amerikanische UN Botschafterin ein klares pro-israelisches Statement ab: «Nie wieder» – das sei jetzt. Der israelische Starjournalist Barak Ravid berichtet, dass es im Kabinett zu einem heftigen Disput zwischen Transportministerin Miri Regev und Verteidigungsminister Yoav Gallant, beziehungsweise dem Generalstabschef Herzl Halevi gekommen sei. Der Grund: Rekruten und Reservisten, die am Samstag einberufen wurden, konnten teilweise keinen öffentlichen Transport finden, da wegen Schabbat viele Busse etc. nicht fuhren. Normalerweise wird im Kriegsfall, bei der Einberufung von Soldaten auch am Schabbat gefahren. Die USA hatten mit Ägypten und Israel gesprochen, dass man für die palästinensische Zivilbevölkerung einen Fluchtkorridor im Sinai öffnen sollte. Doch in den frühen Morgenstunden berichtetet die Nachrichtenagentur Reuters, dass Ägypten abgelehnt hat. Kurz danach kam die Meldung, Israel habe zwei führende Hamasleute getötet, Muhammad Abu Shamala und Mustafa Shahin. Shamala war ein ranghohes Mitglied der Seekräfte der Hamas.

Tag 5: 11. Oktober 2023

18.15
Furcht vor Eskalation: Am Mittwochnachmittag schien die Lage ausser Kontrolle zu geraten. Plötzlich gab es Alarm. Dutzende Drohnen und Paraglider waren aus dem Libanon in den israelischen Luftraum eingedrungen. Der ganze Norden musste in die Bunker fliehen. Man befürchtete, dass dies nun die endgültige Eskalation sei, die diesen Krieg zu einem Zwei-Fronten-Krieg macht. Doch dann stellte sich heraus, dass dies falscher Alarm war. Das Warnsystem war durchgedreht. Noch mehr Chaos in Israel. Zur gleichen Zeit wurde verkündet, dass Benny Gantz mit seiner Partei zusammen mit der Regierungskoalition in eine Notstandregierung eintreten werde. Aus seiner Partei „Blau-Weiß“ werden fünf Abgeordnete Minister ohne Portfolio. Gantz selbst, ehemals Generalstabschef und Verteidigungsminister, wird mit Netanyahu und dem aktuellen Verteidigungsminister, General Yoav Gallant, im Kriegskabinett sitzen. Ron Dermer, Netanyahus Vertrauter, sowie Gadi Eizenkot, ebenfalls eine ehemaliger Generalstabschef und heute Parteifreund von Gantz, werden als «Beobachter» im Kriegskabinett sitzen. Damit hat Netanyahu nun die geballte Erfahrung mehrerer Generäle um sich. Die beiden rechtsextremen Minister, Itamar Ben Gvir und Bezalel Smotrich, werden in Sachen Krieg nichts zu sagen haben. Zum Glück – denken die meisten Israelis. Doch der Krieg hat gerade erst begonnen. Und keiner kann sagen, wohin die Reise geht. Auch nicht die Militärs.

18.15
Luftalarm im Norden. Wegen des Eindringens «feindlicher Fluggeräte» hat Israel die Bevölkerung im Norden aufgerufen, Schutz zu suchen. Das berichten die Nachrichtenagentur AP und die «Times of Israel». Die Zeitung zeigt den Screenshot einer Warnapp, in der zahlreiche Ortschaften in der Nähe der Grenze zum Südlibanon als gefährdet markiert sind. Um welche Art von Fluggeräten es sich genau handelt, wurde nicht mitgeteilt. Zuvor hatte es Berichte über den Einflug von Fluggeräten gegeben, darunter möglicherweise Paraglider.

17.00
Notstandsregierung beschlossen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und der ehemalige Verteidigungsminister und heutige Oppositionspolitiker Benny Gantz haben sich auf die Bildung einer Notstandsregierung der nationalen Einheit geeinigt. Nach Medienangaben sollen die bisherigen Oppositionspolitiker Benny Gantz, Gadi Eisenkot und Gideon Saar als Minister dem Kabinett beitreten.  Gantz und Eisenkot werden ebenfalls dem Sicherheitskabinett angehören, das bisher aus Netanyahu, Verteidigungsminister Yoav Gallant und Aufklärungsminister Ron Dermer besteht. Am Abend sollen Netanyahu und Gantz vor der Presse eine Erklärung abgeben. 

15.45
Dritter Sonderflug. Die Swiss wird morgen, Donnerstag, 12. Oktober einen dritten Sonderflug von Zürich nach Tel Aviv und zurück in Kooperation mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) durchführen. Auch dieser Flug ist ausschliesslich über eine spezielle Hotline buchbar, die vom EDA an die Auslandschweizerinnen und -schweizer sowie Schweizer Reisende in Israel kommuniziert wurde.
Der Flug startet um 11.00 Uhr in Zürich und landet um 16.00 (Lokalzeit) in Tel Aviv. Der Rückflug ist um 17.00 Uhr mit Landung in Zürich um 20.20 Uhr. Auf dem Flug gibt es 215 Sitzplätze.
Wie die Swiss mitteilte, ist der erste Sonderflug am Dienstagabend planmässig gelandet. An Bord waren 214 Erwachsene/Kinder und 10 Babys. Stefan-Kenan Scheib, Commander des Sonderfluges, sagt: «Es bedeutet uns viel, dass wir Schweizerinnen und Schweizer in die Heimat zurückbringen konnten. Dies war nur möglich, dank eines ausserordentlichen Efforts sämtlicher Beteiligten von der Planung bis zur Abfertigung und nicht zuletzt dank des grossen Einsatzes der Besatzungsmitglieder, die sich allesamt freiwillig für den Flug zur Verfügung gestellt haben.» Im Vorfeld des Fluges habe die Swiss eine besonders intensive Beurteilung der Sicherheitslage vorgenommen und die Lage auch während des Fluges und bis zur Landung immer wieder neu beurteilt.

13.00
Die Opferzahlen steigen. Israel und Hisbollah feuern entlang der Nordgrenze. Die Situation bleibt angespannt. Inzwischen steigen die Opferzahlen. 1200 Israelis wurden getötet, 2400 sind verundet. Die Palästinenser sprechen von 950 Toten und 5'000 Verwundeten durch israelische Luftangriffen . Die IDF sprechen von 1'500 Leichen von Militanten Hamas-Kämpfen.und rufen die Einwohner von Gaza zur Flucht nach Ägypten auf

11.00
Bedrohliche Lage im Norden: Die Lage im Norden Israels wird immer bedrohlicher. Auch heute Vormittag feuerte die schiitische Hizbollah-Miliz Raketen auf einen israelischen Grenzposten, woraufhin die Armee mit Gegenangriffen reagierte. Die Sorge, dass es zu einem Zwei-Fronten-Krieg kommen könnte, wächst. Und das obwohl US-Präsident Joe Biden gestern in einer Ansprache den Iran und die Hizbollah sehr klar gewarnt hat. Kein Staat und keine Organisation sollten diese Situation ausnutzen, erklärte der Präsident. Und sagte nur: „Don’t“ – Tut es nicht. Im Klartext bedeutet das: Die USA würden dann wohl militärisch eingreifen. Seit gestern Abend ist der größte Flugzeugträger der Welt, die USS Ford im östlichen Mittelmeer eingetroffen. Eine klare Ansage, dass die USA da sind, falls es für Israel bedrohlich wird. Und auch das sagte der Präsident gestern: dass das Vorgehen der Hamas und anderer Organisationen und Staaten mit entsprechender Ideologie eine Gefahr für den Weltfrieden sei. Biden gab den Israelis gestern grünes Licht hart durchzugreifen. Für morgen wird der Besuch von US-Außenminister Antony Blinken in Israel erwartet.

 

06:30
US-Kommando-Einheiten angeblich in Israel eingetroffen. US-Präsident Joe Biden hat am Dienstag die Terror-Attacken der Hamas auf Israel als «Ausgeburt des Bösen» bezeichnet und dem jüdischen Staat rückhaltlose Unterstützung gelobt. Den Attacken seien 14 amerikanische Staatsbürger zum Opfer gefallen und weitere seien als Geiseln genommen worden. Aus Regierungskreisen wurde deren Zahl mit 20 angegeben.Der auf den Krieg der Ukraine gegen russische Invasoren spezialisierte Twitter-Account Visegrad24 vermeldet derweil das Eintreffen amerikanischer Kommando-Einheiten in Israel. Die Truppen sollen dem «Special Operations Command» unterstehen und speziell auf die Befreiung von Geiseln trainiert worden sein. Der Twitter-Post beruft sich auf einen ungenannten «Offiziellen im Pentagon». Bislang wurde die Information nicht von Medien oder dem US-Militär bestätigt. Allerdings hat Verteidigungsminister Lloyd Austin bereits kurz nach der Hamas-Attacke die Entsendung von Kommandos nach Israel angeboten (https://twitter.com/visegrad24/status/1711751012162183316).

 

00:30
US-Präsident Joe Biden  spricht Klartext: "Die Hamas hat das pure Böse entfesselt und Erinnerungen an den jüdischen Völkermord wachgerufen. Lassen Sie es mich ganz klar sagen: Wir stehen an der Seite Israels". Der US Präsident sei entsetzt über "erschütternde Berichte über getötete Babys, ganze Familien, massakrierte junge Menschen, vergewaltigte, misshandelte und als Trophäen zur Schau gestellte Frauen.

 

Tag 4: 10. Oktober 2023

18:30
Details über das Massaker. Die wichtigste Nachricht des Tages aus der Sicht Israelis sind neue Details über das Massker vom vergangenen Samstag. Heute wurde ein Gruppe von Journalisten nach Kfar Gaza gebracht. Dort konnten sie sehen, was die Hamas-Terroristen angestellt haben. Sie sahen vor allem verstümmelte Babies. Einigen war der Kopf abgehackt worden. Haaretz-Journalist Anshel Pfeffer, der in Kfar Aza war, schrieb nachher betroffen auf X (früher Twitter). „Von der Anzahl der Leichen ausgehend, die man jetzt in den kleinen Häusern des Kibbutz Kfar Aza entdeckt hat, sieht es so aus, also ob dies die jüdische Gemeinde ist, die das grösste Massaker im Land erleiden musste, seitdem Juden vor 150 Jahren begonnen haben hierher zurückzukehren.“ So wie das Massaker von Hebron 1929 in die Geschichte des Zionismus eingegangen ist, so dürfte auch der 7.Oktober 2023 für immer ein dunkler Tag in der Erinnerung des gesamten jüdischen Volkes bleiben. Parallel dazu nehmen die Zwischenfälle an der Nordgrenze zu. Die Hizbollah schiesst mit Anti-Panzer-Raketen auf Fahrzeuge der IDF. Israelische Kampfhubschrauber beschiessen als Vergeltunsmassnahme einen Beobachterposten der Hizbollah. Es ist ein Spiel mit dem Feuer und die Gefahr eines Zwei-Fronten-Kriegs für Israel wächst.

17:30
Weiterer Sonderflug mit neuen Zeiten. Die Swiss korrigiert die Zeiten für den weiteren Sonderflug, den die Fluggesellschaft in Kooperation mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) durchführt. Der Flug zwischen Zürich und Tel Aviv für morgen, den 11. Oktober, startet um 11.55 Uhr in Zürich mit Ankunft um 17.05 Uhr in Tel Aviv. Der Rückflug erfolgt um 18.05 Uhr ab Tel Aviv mit Ankunft in Zürich um 21.25 Uhr. Der Sonderflug erfolgt nach starker Kritik am EDA. Auch dieser Flug ist nur über eine spezielle Hotline buchbar, die vom EDA an die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer sowie Schweizer Reisende in Israel kommuniziert wurde.

16:45

Noch über 100 Geiseln. Seit dem ersten Hamas-Angriff am Samstagmorgen sind über 900 Israelis getötet worden. Die Hamas hält immer noch über 100 israelische Geiseln, darunter Zivilisten und IDF-Soldaten. Nach Angaben der IDF wurden mindestens 123 israelische Soldaten getötet, 50 wurden nach Gaza entführt. Das israelische Gesundheitsministerium meldete, dass seit dem Angriff der Hamas am Samstagmorgen 2.806 Israelis verwundet und in Krankenhäuser eingeliefert worden sind.

09:30
Reservisten aus Europa. Am Morgen hat Israel Flugzeuge nach Europa geschickt, um dort gestrandete Reservisten zum Dienst abzuholen. Unterdessen gingen die massiven Luftschläge auf Gaza unvermindert weiter, während die Zahlen der Tote und Verletzten in Israel weiter ansteigen: Am Dienstagmorgen sind es 900 tote Israelis und mehr als 2400 Verletzte. Die Palästinensischen Behörden sprechen von 704 Palästinensern, die bei den Bombenangriffen der Israelis getötet wurden. Aus den USA sind inzwischen die ersten Cargo-Flugzeuge auf dem Weg nach Israel, um die Armee mit Ausrüstung, Munition und Waffen zu versorgen. Der UN-Gesandte Israels spricht von 100 – 150 Geiseln, die die Hamas nun in Gaza in ihren Händen hat, darunter auch viele Ausländer, nicht nur Israelis. Am gestrigen Abend wurden im Kernland Israels 1500 Leichen von Hamas-Terroristen gefunden. Die EU, die gestern zunächst beschlossen hatte, den Palästinensern keinerlei Gelder mehr zu Verfügung zu stellen, hat ihre Entscheidung revidiert, da Irland, Spanien und inzwischen auch Frankreich dagegen sind. Bei den gestrigen Zwischenfällen an der Nordgrenze ist nicht nur ein israelischer Soldat getötet worden, sondern drei, wie die Armee mittlerweile bekanntgab. Zehntausende Truppen sollen an die Nordgrenze geschickt worden sein, um die Lage dort zu kontrollieren, das sagte ein Armeesprecher einem Korrespondenten von CNN. 

 

 

07:00
Die EU stoppt Zahlungen. Die Europäische Union bestätigte am Montag, dass sie die Entwicklungshilfe für die Palästinenser in Höhe von 691 Millionen Euro vorübergehend aussetzt, sagte jedoch später, dass die humanitäre Hilfe „so lange wie nötig fortgesetzt“ werde.

03:30
Kundgebung für Israel am UN-Hauptquartier. Die New Yorker Dachverbände Jewish Community Relations Council und UJA Federation rufen für heute, Dienstag, um 17 Uhr Ortszeit zu einer Trauer- und Solidarität-Veranstaltung für Israel am UN-Hauptquartier in Midtown Manhattan auf (https://l.feathr.co/tomorrow---rally-in-support-of-israel--o). Am Sonntag hatten dort und am Times Square linke und palästinensische Organisationen gegen Israel und für die «Befreiung Palästinas» demonstriert. 
 

02:00
Uni Bern mit Gewaltverherrlicher. Ein Mitarbeiter am Institut für Islamwissenschaft der Uni Bern lobt auf Social Media den Grossangriff der Hamas auf Israel. Der Dozent am Institut für Studien zum Nahen Osten und zur muslimischen Gesellschaften.bedankte er sich auf X/Twitter) beim palästinensischen Widerstand und sprach vom «besten Geschenk, das ich vor meinem Geburtstag bekommen habe». In einem weiteren Post kommentierte er auf Hebräisch ein Video, das den Überfall dokumentiert, mit den Worten «Shabbat Shalom. Der Redaktion von tachles liegen die Dokumente vor.

01:10

Die islamistische Hamas im Gazastreifen hat nach dem Grossangriff auf Israel einen Gefangenenaustausch gefordert. Die Palästinenserorganisation verlange die Freilassung von 36 inhaftierten Palästinenserinnen in Israel für die Übergabe von älteren entführten Israelinnen, sagte ein Hamas-Sprecher am Montag. Wie viele israelische Frauen ausgetauscht werden sollen, sagte der Sprecher nicht. Der Golfstaat Katar vermittelt demnach. Ein Sprecher der israelischen Regierung wollte sich dazu nicht äussern. Die Hamas hatte am Samstag bei einem Grossangriff auf das israelische Grenzgebiet unter Zivilisten das schlimmste Blutbad seit der israelischen Staatsgründung angerichtet. Dabei wurden mindestens 700 Menschen getötet und rund 2400 weitere verletzt. Mehr als 100 Israelis wurden in den Gazastreifen verschleppt. Die Hamas wird von der EU, den USA und Israel als Terrororganisation eingestuft. Bei israelischen Luftangriffen als Reaktion auf den massiven Angriff wurden im Gazastreifen nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums mehr als 558 Menschen getötet und mehr als 2800 verletzt.

 

Tag 3: 9. Oktober 2023

22:00

Ansprache von Netanyahu - In einer landesweit im Fernsehen übertragenen Ansprache an die Nation hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Oppositionellen seiner Regierung dazu aufgefordert, "sofort eine nationale Notstandsregierung ohne Vorbedingungen" zu bilden. "Die Menschen sind geeint und jetzt muss sich die Führung vereinen", sagte Netanjahu. Mehrere Oppositionelle hatten sich bereits am Wochenende zu einer solchen Regierung bereit erklärt, darunter der frühere Außenminister Jair Lapid und der frühere Verteidigungsminister Benny Gantz.  Netanjahu erklärte die Spaltung der Israelis in den letzten Monaten für beendet. "Wir sind alle vereint", sagte er. "Wir befinden uns in einem Einsatz für die Heimat, einem Krieg zur Sicherung unserer Existenz, einem Krieg, den wir gewinnen werden."

19:10

Israel hat seinen Angriff auf Gaza intensiviert. Die Enklave bekommt keinen Strom, kein Essen, kein Wasser, kein Gas mehr. Eine totale Blockade ist eingerichtet worden, nichts kommt mehr nach Gaza rein, nichts mehr raus. Die „Anklopf“-Politik wurde aufgegeben. Bislang hat die Air Force, wenn sie ein Haus, in dem eine Hamasposition war, bombardieren wollte, eine kleine Warnbombe auf das Dach des Hauses abgefeuert, damit die Zivilbevölkerung Zeit hatte zu fliehen. Dadurch waren aber auch die Hamas-Leute gewarnt. Das wird es ab sofort nicht mehr geben. Man ist in Jerusalem auch entschieden Gaza zu bombardieren ohne Rücksicht auf die israelischen Geiseln. Wenn man weiß, wo sich welche befinden, dann wird darauf Rücksicht genommen, heißt es in Jerusalem. Ansonsten wird sich Israel nicht zügeln, das sei nachdem was geschehen ist, nicht mehr möglich. Gleichzeitig hat Hamas angekündigt für jede israelische Bombe eine israelische Geisel zu exuktieren, dies zu filmen und öffentlich zu machen. Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate haben den Angriff der Hamas auf israelische Zivilisten verurteilt. Am frühen Abend gab es neue Zahlen über die israelischen Opfer: 900 Tote und mehr 2600 verwundet.

16.30

Raketenangriffe auf Tel Aviv und Umgebung, eine Rakete, die in unmittelbarer Nähe des Flughafen Ben Gurion einschlug. Luftalarm im Norden, heftige Angriffe der IAF auf Gaza. So sieht der dritte Tag des Krieges aus. Inzwischen wurden 300 000 Reservisten in kürzester Zeit eingezogen, mehr als jemals zuvor in der Geschichte Israels. Inzwischen sind neue Zahlen bekannt: Über 800 Israelis wurden getötet mehr als 2000 sind verletzt. Noch am Vormittag kämpfte die Armee innerhalb Israels, an der Grenze zu Gaza, mit palästinensischen Terroristen, inzwischen habe man das Territorium wieder im Griff, heisst es. Die Hamas verhandelt angeblich mit Israel. Man sei bereit Frauen und Kinder freizulassen, dafür wolle man 36 palästinensische Frauen und Kindern aus den israelischen Gefängnissen zurück haben. In Jerusalem laufen derzeit Gespräch, um eine Einheitsregierung zu bilden. Benny Gantz verlangt, dass Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich ihre Sicherheitskompetenzen entzogen werden, dann wäre er bereit, in die Koalition zu gehen. Yair Lapid verlangt den kompletten Ausschluss der beiden Rechtsextremisten. Österreich hat inzwischen seine Hilfsgelder für die Palästinenser komplett gestoppt, Deutschland berät im Augenblick über ähnliche Schritte.

07:30

In der Nacht auf Montag sind israelische Truppen mit Bodentruppen in Gaza einmarschiert. Auf Hizbollahs Angriffe im Norden mit Mörsergranaten schickte die Armee schweres Gerät in den Norden und evakuiert einige Dörfer und Siedlungen an der Grenze zum Libanon. Inzwischen weiss man, dass unter den von der Hamas Getöteten eine israelische, mehrere amerikanische und ein französischer Staatsbürger waren, mehrere Franzosen werden noch vermisst.  In der Nacht stieg die Zahl der Opfer auf palästinensischer Seite, was im Vorfeld der gestern Nacht kurzfristig einberufenen Sicherheitsratssitzung der Vereinten Nationen zu einem Schlagabtausch zwischen den UN-Botschaftern Israels und der Palästinensischen Autonomiebehörde. Indessen ist die Rede von 100 bestätigten israelischen Geiseln, die von Hamas in den Gazastreifen entführt wurden. Zwei zentristische Gegner Netanjahus, Yair Lapid und Benny Gantz, haben beide öffentlich die Bildung einer breit angelegten Notstandsregierung für die Dauer des Krieges ins Gespräch gebracht. Unterdessen wurde befürchtet, dass sich im Norden eine zweite Front auftun könnte, wo die Hisbollah, die wie die Hamas als Stellvertreter des Iran gilt, im Libanon operiert. Amir Tibon, ein "Haaretz"-Journalist, dessen Familie am späten Samstag von einem Bataillon, dem auch sein Vater, ein General im Ruhestand, angehörte, aus ihrem belagerten Kibbuz gerettet wurde, warnte in X, dass sich die Israelis im Norden auf einen Konflikt einstellen sollten. "Wir waren nicht richtig vorbereitet", schrieb er. "Machen Sie diesen Fehler nicht." Noch am späten Sonntagabend trafen wiederum Raketen aus Gaza in Zentralisrael.

Tag 2: 8. Oktober 2023

Mehr als 600 Tote, immer noch Kämpfe mit Terroristen auf israelischem Staatsgebiet und die offizielle Kriegserklärung Israels. Das ist Tag 2 des Krieges mit der Hamas. Auch im Norden wird geschossen. Immer mal wieder feuert die Hizbollah Mörsergranaten. Die Armee schickte schweres Gerät in den Norden und evakuiert einige Dörfer und Siedlungen an der Grenze zum Libanon. Inzwischen weiss man, dass unter den von der Hamas Getöteten eine israelische, mehrere amerikanische und ein französischer Staatsbürger waren, mehrere Franzosen werden noch vermisst. Berlin erklärt, dass es nach dem Angriff der Hamas seine Wirtschaftshilfe an die Palästinenser neu überdenken wird. Inzwischen haben Benjamin Netanyahu und US-Präsident Joe Biden erneut miteinander telefoniert. Biden sicher seine volle Unterstützung zu. Avigdor Lieberman von der oppositionellen Yisrael Beiteinu-Partei erklärte, er würde der Regierung sofort beitreten, wenn der Premier verspricht die Hamas zu zerstören und ihre Führer zu töten. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz sprach mit Premier Netanyahu. Er wolle sich in Kairo dafür einsetzen, dass Ägypten eine Vermittlerrolle einnimmt. Womöglich geht es da schon um Gespräche über die Geiseln. Unterdessen gehen aber die Angriffe der israelischen Luftwaffe erst so richtig los, auch die Hamas feuert Raketen ab, der Krieg ist in vollem Gange

Am Sonntagmittag sind mehr als 500 Israelis getötet und mehr als 2000 verwundet worden. Das ist die schreckliche Bilanz 24 Stunden nach dem überraschenden Überfall der Hamas auf israelische Dörfer und Kibbuzim an der Grenze zu Gaza am gestrigen Morgen. Inzwischen gilt gemäss israelischen Medien als sicher, dass 200 Besucher eines Musifestivals in Israels Süden massakriert oder entführt wurden. Am heutigen Morgen feuerte die Hizbollah Mörsergranaten auf israelisches Gebiet, Israel feuerte zurück. Die Hizbollah erklärte sich solidarisch mit der Hamas. In Israel ist die Angst vor einem Zwei-Fronten-Krieg gross. Unterdessen läuft die Einberufung der Reservisten weiter. Bis zu 100'000 will die Armee einberufen, auch der ehemaligen Premier Naftali Bennett, sowie der frühere Wirtschaftsminister Yair Golan und der ehemalige Kommunikationsminister Yoaz Hendel meldeten sich als Freiwillige zum Dienst. Im Norden hat die Armee einige Städte und Dörfer, wie etwa Kiryat Shmona, vorgeschlagen, die Bevölkerung sicherheitshalber zu evakuieren. Bei der halbnackten jungen Frau, die gestern in einem Video aus Gaza auf einem Pickup-Truck tot der palästinensischen Bevölkerung gezeigt wurde, handelt es sich um eine Deutsche, die auf einem Musikfestival nahe der Grenze zu Gaza war. Zwei britische Bürger, die ebenfalls auf dem Festival waren, werden vermisst. Im Laufe des Tages will Hamas einige der entführten Israelis präsentieren, berichtet Al Jazeera. Dies ist natürlich Teil ihrer psychologischen Kriegsführung. Kurz vor 12 Uhr mittags am heutigen Sonntag liefert sich die israelische Armee mit palästinensischen Terroristen im Kibbuz Magen erbitterte Gefechte. Noch hat Israel nicht sein ganzes Staatsgebiet wieder im Griff. Am Sonntagnachmittag erklärte Israels Sicherheitskabinett offiziell den Krieg.

 

Tel

Eine Hamas-Rakete zerstört am Samstag ein Haus mitten in Tel Aviv.

Reaktionen aus der Schweiz
Indessen rät das Eidgenössischen Departement des Äusseren vor Reisen nach Israel ab. «Bis zur Klärung der Lage wird von touristischen und anderen nicht dringenden Reisen nach Israel abgeraten». Die  Die Fluggesellschaft Swiss stellt ihre Flüge nach Tel Aviv ab Samstagabend ein. In einem Rundschreiben der Gesellschaft Schweiz-Israel ruft die Organisation zu Solidarität mit Israels Zivilbevölkerung auf. Unklar ist bisher, ob das Länderspiel Israel-Schweiz stattfindet.

 

Tag 1: 7.  Oktober 203
 

Die Bilanz des ersten Tages des Krieges, den Israel «Eiserne Schwerter» nennt, ist entsetzlich: Das totale Fiasko der Geheimdienste, die völlige Überraschung der Armee und der Regierung, ein unglaublicher Siegeszug von ein paar Hundert Hamas-Kämpfer innerhalb Israels und die auch in den frühen Abendstunden immer noch Ortschaften und Kibbuzim besetzt halten. Mehr als 300 Israelis wurden getötet, mehr als 1200 verletzt und mindestens 50 Israelis wurden nach Gaza verschleppt. 

Die Regierung hat den nationalen Notstand ausgerufen, den Einsatz von Bodentruppen befürwortet. Den ganzen Tag bombt die israelische Air Force Gaza, im israelischen Fernsehen wird von Militärs darüber geredet, dass man möglicherweise Gaza wieder besetzen muss. Das Chaos ist total. Und die Bilder sind entsetzlich: Eine halbnackte Israelin auf einem Pick-Up Truck in Gaza, Soldaten, die vorgeführt werden. Und überall jubelnden und tanzende Palästinenser, die ihr Glück nicht fassen können – und doch wissen, was sie nun erwartet. Denn die israelische Armee und die Regierung können jetzt nicht einen Krieg führen wie sie das in der Vergangenheit getan haben. Nun muss ein die Armee ihre Abschreckungskraft wiederherstellen. Im israelischen Fernsehen reden Militärs von einer möglichen Besetzung Gazas. In Tel Aviv sind Raketen mehrfach eingeschlagen. Die Lage ist auch am frühen Abend alles andere als unter Kontrolle.

Der Schabbat und Shmini Azeret zeigte sich Vormittag so: Die israelischen Ortschaften rund um Gaza sind in der Hand der Hamas – das sagte nicht die Hamas, sondern die israelische Armee. Am frühen Morgen überraschte die Hamas die israelische Armee und politische Führung mit einem Raketenangriff und dem Eindringen Dutzender Hamas-Kämpfer in den Süden des Landes. Sie haben zahlreiche Orte, wie Sderot in ihrer Hand, zumindest im Augenblick. Es herrscht Krieg. Beide Seiten bezeichnen die aktuelleSituation so. Im Augenblick sollen bereits 34 Israelis nach Gaza entführt worden, mehr als 250 Israelis sind verwundet. Es sollen gemäss Medienberichten 22 Tote Israelis gegeben haben. Im palästinensischen Fernsehen konnte man in den Strassen von Gaza einen israelischen Militärjeep sehen, den die Hamas in ihre Hände bekommen hat. Ein palästinensischer Journalist aus Gaza berichtete aus einer jüdischen Ortschaft, vor den Häusern der Israelis. Die israelischen Bewohner, die können, versuchen zu fliehen. Es gibt erste Bilder von Palästinensern, die auf Leichen von Israelis herumtrampeln.

Angriffe Hamas

Reservisten einberufen

Die IAF greift massiv Ziele in Gaza an, die Reservisten wurden einberufen. Die Protestbewegung hat alle ihre Demonstrationen abgesagt, die protestierenden Reservisten, die ihren Dienst seit Wochen verweigern, haben sich zum Dienst gemeldet. Israel nennt diesen Krieg «Eiserne Schwerter». 50 Jahre nach dem Jom Kippur Krieg, der Armee und Regierung völlig überraschte, ist Israel erneut in derselben Situation. Niemand ahnte, was die Hamas plante, die Geheimdienste haben offensichtlich, so zumindest nach aktuellem Stand, komplett versagt. Israel befindet sich in der schlimmsten und schwierigsten Situation der vergangenen Jahrzehnte. Man wird abwarten müssen, wie es weitergeht. Werden andere Islamisten in den Krieg mit einsteigen? Wird die schiitische Hizbollah im Libanon mit ihren 130‘000 Raketen Israel aus dem Norden angreifen. Und wird Israel nun möglicherweise Terroristenziele im Libanon, in Syrien und anderswo angreifen? Dieser soeben begonnene Krieg könnte komplett eskalieren. Gemäss Experten handelt es sich um die grösste Aktion der Hamas, während viele offene Fragen noch ungeklärt sind. Bereits wird eine massive Reaktion von Israels Streitkräften in den kommenden Wochen erwartet. Bereits in den ersten Stunden ist die innenisraelische Kritik an schlecht informierten Geheimdiensten beachtlich. Inzwischen haben weltweit Regierungen Solidarität mit Israels Bevölkerung bekundet und zum Ende der Gewalt aufgerufen. 

 

 

 

Redaktion, Andreas Mink, Richard C. Schneider, Yves Kugelmann