LIVE TICKER +++ 03. Dez 2023

Israelische Offensive auf ganz Gaza ausgeweitet - Heftige Kämpfe +++ die Updates

Der LiveTicker+++ berichtet laufend über Entwicklungen rund um den Krieg in Israel. Am Tag des 50. Jahrestags des Jom Kippur Kriegs: Die palästinensische Terrororganisation Hamas greift Israel massiv an, tötet bisher rund 1200 Israeli und nimmt über 241 Geiseln. Im Süden Israels verübten sie ein Massaker an Festivalbesuchern. Das Dossier mit Berichterstattung, Analysen und Podcasts zum Krieg in Israel findet sich hier.

Tag 60: 4. Dezember 2023

07:00
Gut fünf Wochen nach dem Beginn der israelischen Bodenoffensive im Norden des Gazastreifens weitet das Militär seine Einsätze am Boden auf das gesamte Palästinensergebiet aus. Die Soldaten gingen gegen Ziele der islamistischen Hamas vor, sagte Armeesprecher Daniel Hagari. 

 

Tag 59: 3. Dezember 2023

17.00
Rund um die beiden palästinensischen Städte im Süden Gazas, Khan Younis und Rafah, wird heftig gekämpft, ebenso im Norden des Küstenstreifens. Die Armee hat in verschiedenen Gebieten um Khan Younis die Bevölkerung aufgefordert, sofort die Region zu verlassen/ Insgesamt 800 Tunnel hat die Armee laut eigenen Angaben bislang ausfindig gemacht, davon bereits 500 zerstört. Viele Tunneleingänge befanden sich in der Nähe oder in Schulen, Kindergärten, Moschee und Spielplätzen/ Der Sprecher des amerikanischen Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, bestätigte, dass es im Augenblick keine offiziellen Verhandlungen über eine neue humanitäre Pause gebe/ Währenddessen erklärte das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium, dass seit Ende der Waffenruhe 316 Palästinenser getötet worden seien, insgesamt hätte es schon 15 500 Todesopfer auf palästinensischer Seite gegeben./ Das amerikanische Kriegsschiff USS Carney und etliche Handelsschiffe, wurden im Roten Meer am Sonntag von Raketen und Drohnen, die aus dem Jemen kamen, angegriffen./ Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, der sich zum ersten Mal in Israel befindet, erklärte den Angriff der Hamas am 7. Oktober «ernste internationale Verbrechen».
 

Tag 57: 1. Dezember 2023

19.00
Nach der Wiederaudnahme der Kämpfe am Morgen, ist es der Hamas gelungen, immer wieder heftige Raketensalven auf Israel abzufeuern, darunter auch wieder viele Geschosse, die die Gush Dan, das Zentrum Israel erreichten./Die israelische Armee hat vier Geiseln, die immer noch in Gaza festgehalten wurde, für tot erklärt. Die israelische Aufklärung habe Beweise gefunden, die klar belegen, dass die Geiseln gestorben sind, hieß es aus Kreisen des Militärs. Auch Guy Iluz, ein 26-jähriger Israeli, der am 7. Oktober als Geisel nach Gaza verschleppt wurde, ist inzwischen tot. Iluz hatte das Rave-Festival besucht./ Bei den Gesprächen mit US- Außenminister Antony Blinken hat Premier Netanyahu deutlich zu erkennen gegeben, dass Israel tief im Gaza-Streifen eine Pufferzone errichten will, im Gegensatz zu den USA, die keine Verkleinerung des Gebiets für die Palästinenser wollen. Doch Netanyahu scheint dies egal zu sein./ Am frühen Abend wurde bekannt, dass Israel das Visum der  führenden Mitarbeiterin der UN für humanitäre Hilfe für den Gazastreifen und das Westjordanland nicht verlängern werde. Lynn Hastings fungiert seit drei Jahren als stellvertretende Koordinatorin der UN für den Nahost-Friedensprozess und humanitäre UN-Koordinatorin für die besetzten palästinensischen Gebiete./ Unterdessen bemühen sich die Kataris um einen neuen Deal zwischen Israel und der Hamas, um die Freilassung von Geiseln voranzutreiben und eine neue Waffenruhe zu erreichen

08:00
Raketen-Alarm im Süden Israels. Die Hamas hat den Beschuss Israels in Aschkelon wieder aufgenommen. 

06:00
Die Feuerpause im Gazastreifen wird vorerst nicht verlängert. Eine Frist zur Verlängerung der Waffenruhe verstrich um 6 Uhr (MEZ) ohne eine Einigung. Israels Armee teilte kurz darauf mit, dass die Kämpfe gegen die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen nun fortgesetzt werden

 

Tag 56: 30. November 2023

06:00
Heute Donnerstagmorgen kam es in Jerusalem zu einem schrecklichen Attentat. Gegen 7.40 h stiegen zwei Terroristen aus ihrem Auto und begannen an einer Bushaltestelle das Feuer zu eröffnen, dabei wurden mindestens zwei Menschen getötet, sechs zum Teil schwer verletzt. Die Identität der beiden Attentäter wurden von der Polizei noch nicht genannt, aber israelische Medien berichteten, sie stammten aus Ostjerusalem., Der Generaldirektor des Roten Davidsterns, Eli Bin, sagte gegenüber dem israelischen Fernsehsender Kan, dass vier Menschen sehr schwer verletzt wurden. Ob es weitere Todesopfer geben wird, ist zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen noch unklar. Gleichzeitig wurde am Donnerstag bekannt gegeben, dass die Feuerpause um einen Tag verlängert wird. Die Hamas wird sieben Geiseln und drei Leichen zurückgeben. Bereits gestern wurden zwei zusätzliche Geiseln freigelassen, die einen russischen Pass haben, diese werden zu den heutigen Freilassungen dazugerechnet, so dass Israel sich bereit erklärte, die Feuerpause zu verlängern. Zum aktuellen Zeitpunkt würden die Kämpfe also am Freitag wieder aufgenommen werden, falls Hamas und Israel sich nicht auf weitere Freilassungen verständigen würden. Die Armee erklärte, sie sei bereit, die Kämpfe jederzeit in vollem Umfang wieder aufzunehmen. Der amerikanische Aussenminister Antony Blinken ist in Israel eingetroffen, um mit Premier Netanyahu über das weitere Vorgehen zu sprechen. Die USA würden eine Verlängerung der Feuerpause bevorzugen, um so noch mehr Geiseln frei zu bekommen.

02:00
Laut dem israelischen Armeeradio sind zehn israelische und vier thailändische Geiseln von der islamistischen Terrororganisation Hamas freigelassen worden. Sie seien nach dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) übergeben worden und auf dem Weg nach Israel. Unter den Geiseln sollen auch drei Deutsche sein. Es seien Doppelstaatler, die auch den israelischen Pass hätten, teilte Madschid Al-Ansari, Sprecher des katarischen Außenministeriums, laut der Nachrichtenagentur dpa mit. Im Gegenzug würden 16 palästinensische Minderjährige und 14 palästinensische Frauen aus israelischen Gefängnissen freigelassen, sagte Al-Ansari.

 

Tag 55: 29. November 2023

Am Abend begann zum sechsten Mal die Übergabe von israelischen Geiseln an das Rote Kreuz, das die Freigelassenen dann nach Israel bringt. Gleichzeitig lassen die Israelis erneut palästinensische Häftlinge frei. Bei der Übergabe der Geiseln an die Hamas inszeniert diese inzwischen grosse Jubelszenen. Viele Palästinenser toben um die Rotkreuzautos mit den Geiseln herum und wollen so zeigen, dass sie den Krieg gewinnen. Für die Geiseln eine schreckliche Situation, auch noch so kurz vor ihrer Freilassung. /Premier Netanyahu wollte die 84jährige befreite Geisel Elma Avraham im Krankenhaus besuchen. Doch deren Familie lehnte ab, man wolle den Premier nicht sehen. Ähnlich ging es ihm bei einem Besuch im Süden. Nach rund zwei Monaten war es das erste Mal, dass sich der Premier mit den Überlebenden der zerstörten Orte traf, was viele empörte. Zwei Bürgermeister kamen nicht zu dem Treffen, von denen, die kamen, machten viele gegenüber Netanyahu ihrer Wut lauthals Luft/ Einige der freigelassenen thailändischen Geiseln erzählten, dass sie sahen, wie ihre jüdischen Mitgefangenen von der Hamas geschlagen wurden, manchmal sogar mit elektrischen Kabeln./ Zu einem Zwischenfall kam es am frühen Abend im Roten Meer. Das amerikanische Kriegsschiff, die USS Carney schoss eine iranische Drohne ab, die offensichtlich von den Huthis im Jemen gestartet worden war. Sie kam dem Schiff bedrohlich nahe./ Einen Zwischenfall gab es in Gaza. Laut den Aussagen von IDF-Sprecher Daniel Hagari wurden drei palästinensische Kämpfer getötet, nachdem sie «die Waffenpause gebrochen und eine Bedrohung für unsere Truppen wurden», so Hagari.
 

Tag 53: 27. November 2023

23.00
Die islamistische Terrororganisation Hamas hat eine weitere Gruppe von Geiseln im Rahmen der Feuerpause dem Roten Kreuz übergeben. Es handle sich um zehn Israelis sowie zwei Thailänder, teilte die israelische Armee mit. Im Gegenzug sollen 30 weitere palästinensische Häftlinge entlassen werden. Es war bereits die fünfte Gruppe an Geiseln, die seit Beginn der Feuerpause am Freitag freikam. 

Damit sind seit Beginn einer Feuerpause am Freitag insgesamt 81 Geiseln freigekommen, darunter 61 Israelis. Im Gegenzug wurden bisher 150 palästinensische Häftlinge freigelassen. Weitere 30 sollten noch am Abend aus israelischen Gefängnissen auf freien Fuß gesetzt werden.

02:00
Im Rahmen der Feuerpause im Gaza-Krieg hat die islamistische Hamas nach israelischen Armeeangaben eine weitere Gruppe von Geiseln freigelassen. Elf Geiseln seien in die Obhut der Mitarbeiter des Roten Kreuzes übergeben worden, teilte die israelische Armee mit. Sie befänden sich auf dem Weg nach Israel. Unter ihnen sind nach Angaben des katarischen Außenministeriums zwei deutsche Doppelstaatler - sowie drei Franzosen und sechs Argentinier mit doppelter Staatsbürgerschaft.  Nach israelischen Medienberichten handelt es sich neun Kinder und zwei Frauen. Im Gegenzug sollen 33 weibliche und jugendliche palästinensische Häftlinge entlassen werden. Weitere Geiseln sollten im Zuge der verlängerten Feuerpause freikommen.  Es ist die vierte Gruppe an Geiseln, die seit Beginn der Feuerpause am Freitag im Gegenzug für die Freilassung palästinensischer Gefangener aus israelischen Gefängnissen freikommt. Bisher waren 58 Geiseln freigekommen, unter ihnen acht deutsche Doppelstaatsbürger. Im Gegenzug wurden 117 Palästinenser aus der Haft entlassen. 

00: 00 
Der Chef der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, soll israelische Geiseln nach ihrer Entführung in den Küstenstreifen besucht haben. Das israelische Fernsehen berichtete dies unter Berufung auf eine freigelassene Geisel. Der Besuch habe sich in den ersten Tagen nach der Entführung am 7. Oktober in einem unterirdischen Tunnel ereignet, erzählte die namentlich nicht genannte Frau demnach. Der Besucher habe sich als Jihia al-Sinwar vorgestellt und Hebräisch gesprochen. "Ihr seid hier am sichersten, euch wird nichts geschehen", habe er gesagt. Der Bericht lässt sich nicht unabhängig überprüfen. 

 

 

Tag 52: 27. November 2023

17.30
Offensichtlich wird das zehn Monate alte Baby Kfir Bibas am heutigen Montag nicht freigelassen. Zumindest erklärten die Angehörigen, dass sie die «Umarmung, die wir uns gewünscht haben, nicht bekommen werden». Es sind allerdings noch drei weitere Familienmitglieder Geiseln, eventuell meinten sie, dass von ihnen jemand nicht freikommt. Auch am heutigen Tag hat die Hamas mit Israel wieder Katz und Maus gespielt. Auf der ersten Liste mit Namen musste die Regierung feststellen, dass entgegen dem Abkommen die Hamas Mütter und Kinder doch getrennt hatte und nicht gemeinsam in die Freiheit schicken wollte. Inzwischen soll man sich geeinigt haben und bald erwartet Israel zum vierten Mal Geiseln zurück.  Gleichzeitig verkündete Katar, dass Israel und die Hamas sich auf eine zweitägige Verlängerung der Waffenruhe geeinigt haben, da es der Hamas gelungen sei, weitere Geiseln, die sich in den Händen anderer Gruppen befanden, ausfindig zu machen. Sie sollen, insgesamt wohl 30 Israelis, am Dienstag und Mittwoch übergeben werden. Danach würden – theoretisch – die Kämpfe wieder aufgenommen werden. Aber vielleicht arbeitet die Hamas mit Salamitaktik und wird am Mittwoch wieder sagen, sie hätte noch ein paar Geiseln, die sie herausgeben könnte. Natürlich ist die Rettung jedes einzelnen Israelis ein absolutes Muss für die Regierung. Aber das Militär verliert an Momentum, die Hamas hat Zeit, sich neu zu organisieren und kann dann möglicherweise bei weiteren Kämpfen der Armee doch noch grosse Verluste zufügen. Auch wird der internationale Druck auf Israel, einem echten Waffenstillstand zuzustimmen, immer grösser. Bislang widerstehen alle Verantwortlichen diesen Forderungen. Armee und Politik sagen, dass weitergekämpft wird, bis die Hamas vernichtet ist. Grosse Worte, die aber im Augenblick nichts besagen.

00:30
Die radikal-islamische Hamas will nach eigener Darstellung die Feuerpause mit Israel unter bestimmten Bedingungen verlängern. Die Hamas teilt in einer Erklärung mit, dass sie eine Verlängerung der viertägigen Kampfpause mit Israel anpeile, wenn ernsthafte Anstrengungen unternommen würden, um die Zahl der aus Israel freigelassenen palästinensischen Gefangenen zu erhöhen. Die am Freitag begonnene Feuerpause ist die erste in dem aktuellen Konflikt.

 

Tag 51: 26. November 2023

21:30
Nach Beginn der Feuerpause im Gaza-Krieg hat die islamistische Hamas eine zweite Gruppe von Geiseln freigelassen. Das Rote Kreuz brachte am Samstagabend 13 Israelis sowie vier thailändische Staatsbürger über die Grenze nach Ägypten, wie das israelische Militär mitteilte. Nach Angaben Katars sollen unter den freigelassenen Israelis acht Minderjährige und fünf Frauen sein. Der Konvoi mit den freigelassenen Geiseln fuhr nach Armeeangaben zunächst zum nahe gelegenen israelischen Grenzübergang Kerem Schalom. Dort wollten Sicherheitsvertreter die Namensliste überprüfen. Schon am Freitag waren 24 Geiseln freigekommen: 13 Israelis sowie 11 Ausländer. Unter ihnen waren auch vier Deutsch-Israelis. Unklar war zunächst, ob auch am Samstag Doppelstaatler unter den freigelassenen Israelis waren. Sie sollen nach einer ersten medizinischen Untersuchung zunächst in Krankenhäuser in Israel geflogen werden. Dort werden sie auch ihre Familien treffen. Im Gegenzug sollten am Abend 39 palästinensische Gefangene aus israelischen Gefängnissen entlassen werden. Unter ihnen sind der Hamas zufolge sechs Frauen und 33 männliche Jugendliche unter 19 Jahren. Die Häftlinge sollen nahe ihren Wohnorten im Westjordanland oder Ost-Jerusalem freikommen. Nur wenige Stunden vor der Freilassung der Geiseln hatte die Hamas eine Übergabe in letzter Minute überraschend gestoppt. Als Grund nannte die Terrororganisation, dass Israel aus ihrer Sicht gegen einen Teil des Geisel-Deals verstossen habe. Sie warf Israel unter anderem vor, nicht ausreichend Hilfslieferungen in den nördlichen Teil des Gazastreifens ermöglicht zu haben. Israel wies das zurück und drohte mit einer Aufkündigung des Abkommens, das von Katar vermittelt wurde. Nach Einschreiten Katars lenkte die Hamas am späten Abend ein. Das Abkommen für eine Feuerpause zwischen Israel und der Hamas sieht vor, dass im Gegenzug für jede Geisel aus Israel drei palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen entlassen werden. Am Tag zuvor waren so bereits 39 palästinensische Häftlinge freigekommen. Die Kampfpause soll mindestens vier Tage dauern. Gemäss der Vereinbarung sollen in dieser Zeit insgesamt 50 Geiseln freigelassen werden. Eine Verlängerung der Feuerpause auf bis zu zehn Tage ist möglich, wie das in dem Konflikt vermittelnde Golfemirat Katar mitgeteilt hatte.

 

08:00
Die israelische Regierung hat eine Liste mit den Namen von weiteren Geiseln der Hamas erhalten, die im Laufe des heutigen Samstags freigelassen werden sollen. Laut Medienberichten soll es sich um 13 Israelis handeln, acht von ihnen Kinder. Ein Beamter im Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu sagte, israelische Sicherheitsbeamte prüften die Liste.  Nach Beginn der Feuerpause war gestern eine erste Gruppe von 24 Geiseln - 13 Israelis und elf Ausländer - freigekommen, die vor sieben Wochen von Hamas-Terroristen in den Gazastreifen verschleppt worden waren. Darunter waren vier Doppelstaatler, die auch die deutsche Staatsangehörigkeit haben.

 

Tag 49: 24. November 2023

Die ersten 13 israelischen Geiseln sind frei. Am Nachmittag hat die Hamas am ersten Tag der Feuerpause einen ersten Schwung an gefangenen Israelis freigelassen, wie das Abkommen es vorsieht. Auch die Israelis liessen im Gegenzug 39 Gefangene palästinensische Frauen und Jugendliche frei, die wegen terroristischer Aktivitäten einsassen. Die Israelis wurden zuerst dem Roten Kreuz übergeben, dann kamen sie an die Grenze Rafah zu Ägypten, wurden dort von den Ägyptern in Empfang genommen und dann in mehreren Rotkreuz-Wagen hinüber nach Israel gefahren. Dort kommen sie jetzt erst einmal in ein Krankenhaus in der Militärbasis Hazerim, werden untersucht und treffen dann endlich mit ihren Liebsten zusammen. Doch das Wiedersehen dürfte auch mit Trauer verbunden sein. Die Freigelassenen wissen wahrscheinlich nicht, was alles in ihren jeweiligen Ortschaften geschah und haben noch keine Ahnung, wer alles ermordet wurde, den sie vielleicht kennen oder mit dem sie sogar verwandt sind. 

In ganz Israel hielt man den Atem an und wartete angespannt, bis die Nachricht der Freilassung kam. Zusammen mit den Familien waren viele Israelis in Tel Aviv auf dem sogenannten «Platz der Geiseln» vor dem Tel Aviv Museum und hofften, endlich die Meldung zu hören: sie sind frei. Unter den Menschen: Benny Gantz, der einzige Politiker, der heute ganz nah bei den Familien sein wollte

Morgen sollen die nächsten Geiseln freigelassen werden. Es sind dann 50 Tage seit Kriegsbeginn. Der Krieg indes ist bislang nur unterbrochen und nach Meinung der Politiker und Militärs noch lange nicht zu Ende. Das betonte auch US-Präsident Joe Biden in einer Pressekonferenz. Er sprach davon, dass er es für legitim hält, dass Israel weiter versuchen wird, die Hamas zu vernichten. Aber er wiederholte erneut, dass alles getan werden muss, um die palästinensische Zivilbevölkerung zu schützen. Und, so Biden, er hoffe, dass der Krieg bald vorbei sein werde. Ein Zeichen nach Israel, dass die USA nicht mehr allzulange ihre uneingeschränkte Unterstützung für den Feldzug der Israelis geben werden.

 

Tag 48: 23. November 2023
 

Den ganzen Tag war es klar in Israel: Ab heute, Donnerstag, werden die ersten Geiseln freigelassen, um 10 Uhr Ortszeit beginnt die Feuerpause. Dann kam am Abend eine Pressekonferenz von Premier Netanyahu mit Yoav Gallant und Benny Gantz. Netanyahu versuchte der Bevölkerung klar zu machen, dass man diesen Deal machen musste, dass er gut sei für Israel und man auf alle Fälle danach weiterkämpfen werde, damit es nie wieder eine Bedrohung aus Gaza geben werde. Dann verkündete er noch das Offensichtliche. Er habe den Mossad beauftragt die beiden Hamas-Führer im Ausland, Khaled Mashal und Ismail Haniyeh zu töten. Wozu er das sagte – keiner weiss es, denn das war ja eh klar, dass Israel alle Hamas Granden umbringen will. Um kurz vor Mitternacht Ortszeit kam dann plötzlich eine Ankündigung von TzachiHanegbi, den nationalen Sicherheitsberater. Der Geiselaustausch werde nicht am Donnerstag beginnen, sondern erst am Freitag. Donnerstag – das sei nur eine Ankündigung der Presse gewesen. Der Freitag sei eigentlich für einen erste Freilassung vorgesehen gewesen. Das ist umso merkwürdiger, da der Mossad-Chef David Barnea in Katar ist, wo er die Namen der ersten Geiseln erhalten hat, die freigelassen werden sollen.

Tag 47: 22. November 2023

08:00
Die Vereinigung der Opfer des Almagor-Terrors wird heute Mittag beim Obersten Gerichtshof eine Petition gegen die Vereinbarung der Regierung über die Rückgabe von 50 Geiseln, die von der Hamas in Gaza festgehalten werden, einreichen. In einem Brief an Justizminister Yariv Levin schreiben Almagor-Gründer Meir Indoor und Vorstandsmitglied Dr. Aryeh Bachrach, dass die Organisation der Meinung ist, dass "die gleichen Minen und Überraschungen in der Vereinbarung auch in fast jedem anderen [Geisel-]Abkommen in der Vergangenheit vorhanden waren".

Almagor fordert Einsicht in die Liste der Gefangenen, die Israel im Rahmen des Abkommens freizulassen gedenkt und die das Justizministerium jetzt auf seiner Website veröffentlicht hat. Die Organisation fordert auch alle Einzelheiten der Verpflichtungen, die Israel gegenüber der Hamas bezüglich der Einschränkungen der Kampfhandlungen während der Waffenruhe macht, einschließlich der Einstellung der Nachrichtenbeschaffung sowie der Lieferung von Treibstoff und anderen Gütern, die der Hamas helfen könnten, Terroroperationen gegen die Bewohner Israels durchzuführen". Darüber hinaus fordern sie Levin auf, "die allgemeinen Verpflichtungen, die Israel gegenüber der Hamas eingeht und die direkt oder über Dritte eingegangen wurden, offenzulegen." Der Oberste Gerichtshof wird alle im Laufe des heutigen Tages eingereichten Petitionen anhören und es wird allgemein erwartet, dass er sie ablehnt, so wie er es bei den Petitionen gegen den Shalit-Deal im Jahr 2011 getan hat.

03:00
Israels Regierung hat einer viertägigen Feuerpause im  Gazakreig  sowie dem Austausch von Geiseln gegen palästinensische Häftlinge zugestimmt. Eine Mehrheit des Kabinetts stimmte für eine entsprechende Vereinbarung mit der islamistischen Hamas , teilte das Büro von Regierungschef Binjamin Netanyahu mit.

20:00
Am Abend kam die israelische Regierung zusammen, um über das geplante Abkommen mit der Hamas abzustimmen. Das Abkommen sieht vor, dass etwa 50 Geiseln, Frauen und Kinder, für etwa 300 palästinensische Frauen und Jugendliche in israelischen Gefängnissen freikommen. Ausserdem soll es eine fünftägige Feuerpause geben. Jeden Tag sollen etwa 10 Geiseln freigelassen werden. Die beiden rechtsextremen Koalitionäre, Bezalel Smotrich und Itamar Ben Gvir, sind gegen das Abkommen. Aus der Partei Smotrichs gab es Stimmen, die besagten, man erwäge den Austritt aus der Koaliton. Aus der Partei von Ben Gvir am frühen Abend so etwas nicht zu hören. Premier Netanyahu sagte bei dem Treffen, dass man ausgehandelt habe, dass das Rote Kreuz die weiter festgehaltenen Geiseln besuchen und medizinisch betreuen dürfe. Verteidigungsminister Gallant erklärte, man werde nach der Waffenruhe mit voller Macht weiter gegen die Hamas kämpfen, um sie militärisch zu vernichten. Netanyahu dürfte eine Mehrheit für das Ja zum Abkommen erhalten. Wahrscheinlich dürfte am morgigen Mittwoch dann der Deal in Kraft treten.

Tag 46: 21. November 2023

Das Thema der Stunde: die Freilassung der Geiseln. Angeblich stehe man kurz davor einen Deal zu haben, erklärt inzwischen auch ein wichtiger Offzieller aus der israelischen Regierung. Die Armee geht aber unterdessen in Gaza mit ungebremster Härte vor. Laut eigenen Angaben habe man inzwischen das Flüchtlingslager Jabaliya umzingelt, wobei es heftige Kämpfe mit Hamas-Leuten gäbe. Man habe bereits einige Tunnel zerstört und Waffen gefunden, ebenso viele Hamas-Kämpfer getötet, doch die Kämpfe dauern natürlich an. Inzwischen beschwert sich der Bürgermeister von Metula, der nördlichsten Stadt Israels an der Grenze zum Libanon, dass die Armee de facto eine 5 km Sicherheitszone südlich der Grenze eingerichtet habe. Man solle sie lieber 5 km nördlich der Grenze auf libanesischem Territorium einrichten, wütete der Bürgermeister, man befände sich doch schon längst im Krieg mit der Hizbollah. Unterdessen ist die Zahl der gefallenen israelischen Soldaten auf 68 gestiegen. Beinahe täglich kommen ein bis zwei Tote dazu, aber es sind insgesamt sehr viel weniger als die Armee zu Beginn des Krieges befürchtet hatte. Wer nun die Verantwortung für das Sicherheitsdebakel Israels am 7. Oktober hat, wird weiter heftig diskutiert. So hat nun Amit Saar sich öffentlich geäussert. Er ist der Chef der Rechercheabteilung des Militärischen Geheimdienstes. Laut seinen Aussagen erklärte er, dass er zweimal Premier Netanyahu davor gewarnt hatte, dass Iran, Hizbollah und die Hamas eine militärische Aktion gegen Israel planen.

 

Tag 45: 20. November 2023

05:00
Israel hat weitere Details zu einem mutmasslichen Tunnel der militant-islamistischen Hamas unter dem Komplex des Al-Schifa-Krankenhauses im Gazastreifen veröffentlicht. Der vor wenigen Tagen freigelegte Schacht führe zu einem Tunnel mit einer Länge von rund 55 Metern in einer Tiefe von zehn Metern, teilte die Armee mit. Dazu lieferte das Militär Aufnahmen von zwei Geräten, die den Tunnel von Innen zeigen sollen. Am Ende des Tunnels befinde sich demnach eine "explosionssichere Tür". Was sich genau hinter der Tür befindet, war unklar. Die israelischen Truppen seien zudem damit beschäftigt, "die Route des Tunnels aufzudecken", hieß es vom Militär. Der Tunneleingang war der Armee zufolge im Bereich des Al-Schifa-Krankenhauses unter einem Fahrzeug freigelegt worden. Die Angaben sind nicht unabhängig zu überprüfen.

 

Tag 44: 19. November 2023

14.00
Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen haben vor der Küste des Jemens ein Frachtschiff entführt und mehrere Geiseln genommen. Die Rebellen hätten an Bord des Autotransporters "Galaxy Leader" die Kontrolle übernommen, berichtete der Nachrichtensender Al-Hadath am Sonntag. An Bord sind nach Angaben Israels 25 Besatzungsmitglieder, darunter aus der Ukraine, Bulgarien und Mexiko sowie aus den Philippinen. Die Huthis teilten mit, sie hätten bei einem "Militäreinsatz" im Roten Meer ein israelisches Schiff gekapert und zur jemenitischen Küste gebracht. Hintergrund sei eine "moralischen Verpflichtung gegenüber dem unterdrückten palästinensischen Volk", hiess es in einer Mitteilung bei X von Huthi-Militärsprecher Jahja Sari. Alle Schiffe mit Verbindungen zum "israelischen Feind" würden "legitime Ziele", hiess es. "Wenn die internationale Gemeinschaft sich um die Sicherheit und Stabilität der Region sorgt und den Konflikt nicht ausweiten will, sollte sie Israels Aggression gegen Gaza stoppen." Erst Sonntag früh hatten die Huthis mit entsprechenden Angriffen auf "sämtliche Schiffe" mit Israel-Bezug gedroht.Israelischen Medien zufolge soll das Frachtschiff von einem Unternehmen betrieben werden, das zum Teil dem britisch-israelischen Geschäftsmann Rami Ungar gehört. Der etwa 190 Meter lange Frachter "Galaxy Leader" zum Transport von Autos wurde 2002 gebaut und fährt unter Flagge der Bahamas.Der Jemen liegt im Süden der Arabischen Halbinsel. An ihr vorbei führt eine der wichtigsten Schifffahrtswege der Welt vom und zum Suezkanal in Ägypten. Dieser Kanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und bietet damit die kürzeste Verbindung auf dem Seeweg von Asien nach Europa. Etwa zehn Prozent des gesamten Welthandels laufen über das Rote Meer, darunter auch Öl und Flüssiggas. Ein Sprecher der israelischen Armee sprach von einem "sehr schwerwiegendem Vorfall mit globaler Reichweite". Der Frachter sei von der Türkei auf dem Weg nach Indien mit einer internationalen Crew an Bord gewesen. Israelische Staatsangehörige seien nicht an Bord. Er betonte, es handle sich um "kein israelisches Schiff". Das Büro des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu machte den Iran direkt für den Angriff verantwortlich. "Wir verurteilen den iranischen Angriff auf ein internationales Schiff aufs Schärfste", teilte ein Sprecher mit. "Dies ist ein weiterer Akt des iranischen Terrorismus". Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen haben vor der Küste des Jemens ein Frachtschiff entführt und mehrere Geiseln genommen. Die Rebellen hätten an Bord des Autotransporters "Galaxy Leader" die Kontrolle übernommen, berichtete der Nachrichtensender Al-Hadath am Sonntag. An Bord sind nach Angaben Israels 25 Besatzungsmitglieder, darunter aus der Ukraine, Bulgarien und Mexiko sowie aus den Philippinen. Die Huthis teilten mit, sie hätten bei einem "Militäreinsatz" im Roten Meer ein israelisches Schiff gekapert und zur jemenitischen Küste gebracht. Hintergrund sei eine "moralischen Verpflichtung gegenüber dem unterdrückten palästinensischen Volk", hiess es in einer Mitteilung bei X von Huthi-Militärsprecher Jahja Sari. Alle Schiffe mit Verbindungen zum "israelischen Feind" würden "legitime Ziele", hiess es. "Wenn die internationale Gemeinschaft sich um die Sicherheit und Stabilität der Region sorgt und den Konflikt nicht ausweiten will, sollte sie Israels Aggression gegen Gaza stoppen." Erst Sonntag früh hatten die Huthis mit entsprechenden Angriffen auf "sämtliche Schiffe" mit Israel-Bezug gedroht. Israelischen Medien zufolge soll das Frachtschiff von einem Unternehmen betrieben werden, das zum Teil dem britisch-israelischen Geschäftsmann Rami Ungar gehört. Der etwa 190 Meter lange Frachter "Galaxy Leader" zum Transport von Autos wurde 2002 gebaut und fährt unter Flagge der Bahamas. Der Jemen liegt im Süden der Arabischen Halbinsel. An ihr vorbei führt eine der wichtigsten Schifffahrtswege der Welt vom und zum Suezkanal in Ägypten. Dieser Kanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und bietet damit die kürzeste Verbindung auf dem Seeweg von Asien nach Europa. Etwa zehn Prozent des gesamten Welthandels laufen über das Rote Meer, darunter auch Öl und Flüssiggas. Ein Sprecher der israelischen Armee sprach von einem "sehr schwerwiegendem Vorfall mit globaler Reichweite". Der Frachter sei von der Türkei auf dem Weg nach Indien mit einer internationalen Crew an Bord gewesen. Israelische Staatsangehörige seien nicht an Bord. Er betonte, es handle sich um "kein israelisches Schiff". Das Büro des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu machte den Iran direkt für den Angriff verantwortlich. "Wir verurteilen den iranischen Angriff auf ein internationales Schiff aufs Schärfste", teilte ein Sprecher mit. "Dies ist ein weiterer Akt des iranischen Terrorismus".

 

 

Tag 42: 17. November 2023

Die Kämpfe gehen immer weiter. Auch wenn die israelische Armee viele Hinweise gefunden hat, dass die Hamas sich im und unter dem Al-Shifa Krankenhaus befunden hat, einen echten Beweis, dass hier die Kommandozentrale der Islamisten gewesen sein soll, hat sie noch nicht geliefert. Derweil sah sich Premier Netanyahu gezwungen, ab sofort knapp 60 000 Liter Treibstoff täglich nach Gaza einführen zu lassen. Die USA haben die Daumenschrauben angesetzt, nachdem sie schon vor zwei Wochen von Israel die Zusicherung bekamen, dass man Benzin für Generatoren etc. liefern werde, was aber bislang nicht geschah.Die Hardliner in Netanyahus Regierung toben. Man sei eingeknickt, liefere nun Benzin und bekäme dafür nichts in retour. Finanzminister Smotrich verlangt, dass die Zusammensetzung des Kriegskabinetts sich ganz anders gestalten muss. Nicht nur Netanyahu, Verteidigungsminister Yoav Gallant und der frühere Verteidigungsminister Benny Gantz, sondern von jeder Partei der Regierungskoalition soll mindestens ein Vertreter im Kriegskabinett sitzt.  Auch Avigdor Lieberman von der oppositionellen „Yisrael Beiteinu“ tobte über die Lieferungen. Viele Politiker sehen das als erstes Schwächezeichen der Regierung gegenüber den Palästinensern und vor allem der Hamas. Unterdessen geht im Hintergrund das Tauziehen um die Freilassung von 50 Geiseln weiter. Am Freitagnachmittag hiess es, dass Hamas und Israel bislang keine Einigung erzielen konnten. 

Tag 41: 16. November 2023

13.00
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben die "operative Kontrolle" über den Hafen der Stadt Gaza im nördlichen Gazastreifen übernommen. Bei dem Militäreinsatz mit Unterstützung der Marine und der Luftwaffe seien auch zehn Terroristen getötet worden, teilte die Armee mit. Der Hafen sei zuvor durch die militant-islamistische Hamas kontrolliert worden. Örtliche Quellen im Gazastreifen bestätigten der Nachrichtenagentur dpa die Übernahme des Hafens. In der Westbank sind 6 israelische Polizisten verletzt worden, die Attentäter wurden neutralisiert. 

 

 

Tag 40: 15. November 2023

19.00
Der Direktor des FBI sagte gegenüber dem US Kongress, dass Al-Kaida und ISIS ihre Anhänger auffordern, jüdische Gemeinden in den USA und Europa anzugreifen.  In Frankreich wurden unterdessen Gräber jüdischer Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gekämpft haben, geschändet. Laut der Agentur Reuters soll Iran dem Chef der Hamas, Ismail Haniyeh bei seinem Besuch in Teheran Anfang November klar gesagt haben: Wir werden nicht in den Krieg einsteigen, weil ihr uns nichts über den Angriff am 7. Oktober gesagt habt.  In den USA sinkt inzwischen die Unterstützung für Israels Krieg. Eine Mehrheit will einen Waffenstillstand. In Gaza konnten nun mit Erlaubnis Israels 23'000 Liter Benzin über Ägypten eingeführt werden, das macht aber gerade mal 9% dessen aus, was man in Gaza dringend benötigen würde. Katar bemüht sich weiterhin um einen Deal zwischen Hamas und Israel. Im Gespräch ist nun, dass die Hamas 50 Geiseln frei lässt und dafür eine dreitägige Feuerpause erhielte. Angeblich hat Israel dies abgelehnt, aber da auch die USA ein Interesse haben, weitere amerikanische Staatsbürger freizubekommen, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen  In Gaza selbst drangen heute israelische Soldaten in das Shifa-Krankenhaus ein. Während in arabischen Medien von Greueltaten der Israelis an der Ärztebelegschaft und den Patienten die Rede war, berichteten israelische Medien, die Soldaten würden zwar Stockwerk für Stockwerk durchkämmen, aber es fänden keine Kämpfe statt, wo sich Patienten befinden. Ein Augenzeuge bestätigte dies gegenüber der israelischen Tageszeitung Haaretz. Bislang konnten die Soldaten keinerlei Hinweise finden, dass sich die Geiseln dort befunden haben oder noch befinden.

 

Tag 39: 14. November 2023

20.00
Während rund 200'000 Menschen in Washington an einer pro-israelischen Demonstration teilnahmen, erklärte die US-Regierung, dass ihre Geheimdienste zuverlässige und sichere Informationen haben, dass sich unterhalb des ShifaKrankenhauses in Gaza die Hamas ihre Zentrale habe, aber nicht nur dort, sondern auch unterhalb anderer Krankenhäuser. Gleichzeitig aber lehnt Washington eine israelische Bombardierung des Krankenhauses aus der Luft ab, man müsse die Krankenhäuser und die Patienten schützen. Das Kriegskabinett in Tel Aviv erhielt inzwischen vom Shin Bet Chef, der von einem Treffen mit seinem Kollegen in Ägypten zurückgekommen ist, einen Bericht zu den Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln. Die Huthis feuerten unterdessen wieder eine Boden-Boden-Rakete auf Israel ab, die jedoch über dem Roten Meer abgefangen wurde.Gleichzeitig erklärt Verteidigungsminister Yoav Gallant, die Armee habe die Verteidigungslinien der Hamas in Gaza-Stadt überwunden. Die entscheidende Frage ist nun, wie die Armee gegen die unterirdische Zentrale der Hamas beim Shifa-Krankenhaus vorgehen will. Dieser Kampf dürfte für die israelischen Soldaten sehr schwierig und gefährlich werden.

 

08:30
Längst hat sich der Krieg auch auf die Nordfront Israels ausgedehnt. Die Gefechte werden immer heftiger. Gestern wurden zwei israelische Soldaten bei Raketenangriffen aus dem Libanon verletzt, einer davon schwer. In Gaza stieg die Zahl der gefallenen israelischen Soldaten inzwischen auf 46. In Tulkarem, einer palästinensischen Stadt im Westjordanland, wurden bei einer Operation der Armee sechs Palästinenser getötet, davon drei durch eine israelische Drohne. Gestern wurde bekannt gegeben, dass die Friedensaktivistin Vivian Silver am 7. Oktober ermordet wurde. Sie galt bislang als vermisst, doch nun konnte ihre Leiche identifiziert werden. Unterdessen wächst die Kritik an Israels Vorgehen in Gaza. So erklärte der brasilianische Präsident Lula da Silva, dass Israels Militäraktionen seit dem 7. Oktober ebenso schrecklich seien wie der Überfall der Hamas. US-Präsident Joe Biden forderte gestern, das Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt «zu schützen». Die Kämpfe rund um die Klinik werden immer heftiger, das Krankenhaus hat aufgehört zu funktionieren, es fehlt an Wasser, Strom, Nahrungsmittel. Israel will aber dort die mutmassliche Zentrale der Hamas unterhalb der Klinik zerstören. Israelische und auch amerikanische Geheimdienste haben mehrfach erklärt, Hinweise dafür zu haben, dass sich unter dem Krankenhaus tatsächlich die wichtigste Schaltposition der Hamas befinden soll.

Tag 38: 13.  November 2023

18.00
Am Abend veröffentlichte die israelische Armee Bilder aus dem Rantisi-Krankenhaus in Gaza. Sie zeigen einen Tunnel, der ganz in der Nähe des Krankenhauses angelegt ist und nach Angaben der Armee unter das Krankenhaus führt. Im Keller des Krankenhauses zeigt die Armee Waffen, die angeblich dort gefunden worden sind, sowie einige Hinweise, die laut IDF zeigen, dass hier zumindest für einige Zeit Geiseln festgehalten wurden, darunter wohl auch ein Baby, wie einige zurückgelassene Utensilien vermuten lassen. Für die Armee ist das ein klarer Beweis, dass die Krankenhäuser in Gaza sehr wohl Schalt- und Machtzentren der Hamas sind. Die Bilder, die unterirdisch von der Armee gedreht wurden, sollen der ganzen Welt zeigen, dass Israel einen guten Grund hat, gegen die Krankenhäuser vorzugehen. Denn die öffentliche Kritik bezichtigt Israel eines Kriegsverbrechens, da Krankenhäuser im Krieg immer Tabu sind. Doch es wird nur selten erwähnt, dass es ebenfalls ein Kriegsverbrechen ist, Krankenhäuser als militärische Basen zu missbrauchen. 

 

07:00
Bei Angriffen aus dem Libanon sind nach israelischen Angaben am Sonntag mindestens 17 Menschen im Norden des Landes verletzt worden. Die israelischen Streitkräfte teilten mit, dass in der Gegend von Manara sieben Soldaten durch Mörsergranaten leicht verletzt worden seien. Die israelischen Rettungsdienste berichteten von zehn weiteren Verletzten durch Raketeneinschläge oder Granatsplitter. Das israelische Militär meldete 15 Raketenangriffe aus dem Libanon innerhalb kurzer Zeit. Vier Geschosse seien abgefangen worden und der Rest in freiem Gelände niedergegangen. Der israelische Militärsprecher Daniel Hagari sagte, Israel sei konzentriert auf den Krieg im Gazastreifen, sei aber nach wie vor in höchster Bereitschaft im Norden Israels und könne jederzeit weitere Schritte ergreifen. Es gebe konkrete Pläne, die Situation im Norden Israels zu ändern. "Der Sicherheitsstatus wird nicht so bleiben, dass Zivilisten im Norden sich nicht sicher dabei fühlen, in ihre Häuser zurückzukehren." Der militärische Arm der militant-islamistischen Hamas bekannte sich zu Angriffen auf Haifa und die Grenzstädte Na'ura und Schlomi. Die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah übernahm die Verantwortung für weitere Attacken, bei denen sie unter anderem Panzerabwehrraketen und Lenkflugkörper einsetzte. Israel reagierte mit Angriffen auf mehrere Städte im Süden des Libanon, unter anderem Jarun, Mais al-Dschabal und Alma al-Schaab.

 

Tag 37: 12.  November 2023

05:00
Als Reaktion auf den Beschuss der annektierten Golanhöhen griff Israel  zudem Ziele im benachbarten Syrien an. Die Luftwaffe habe dabei »terroristische Infrastruktur« ins Visier genommen, teilte die Armee mit. Nach Armeeangaben waren am Samstag zwei von Syrien aus abgefeuerte Geschosse in unbewohnten Gebieten auf den Golanhöhen eingeschlagen. Israel hatte bereits am Freitag Ziele Syrien angegriffen, nachdem eine Drohne, die nach Armeeangaben aus Syrien abgefeuert wurde, eine Grundschule in Eilat im Süden Israels getroffen hatte. Die Drohne richtete nur Sachschaden an.


001.:00
Die Hamas hat nach israelischer Darstellung die Kontrolle über den nördlichen Teil des Gaza-Streifens verloren. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Abend, Hamas-Terroristen hätten „keinen sicheren Ort mehr, um sich zu verstecken“. Netanjahu sagte, von Hamas-Chef Jihia al-Sinwar „bis zum letzten Terroristen“ seien alle dem Tod geweiht. Die Armee habe bereits Tausende Terroristen getötet, darunter auch „Kommandeure, die das schreckliche Massaker am 7. Oktober angeführt haben“. Es werde keine Waffenruhe ohne Rückführung der Geiseln geben, bekräftigte Netanjahu.

 

Tag 36: 11. November 2023

01:00
Mehr als 100.000 Bewohner haben nach israelischen Angaben in den vergangenen zwei Tagen den Norden des Gazastreifens in Richtung Süden verlassen. In dem nördlichen Teil des Palästinenser-Gebietes liegt die Stadt Gaza, in der die israelische Armee weit vorgedrungen sei, sagte ein Militärsprecher. Israel hat die Bevölkerung zur Räumung des Nordens aufgefordert. 



Tag 35: 10. November 2023

17.00
Die israelische Regierung hat ihre Angaben zur Zahl der beim Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober getöteten Menschen nach unten korrigiert. Bei dem Angriff seien etwa 1200 Menschen in Israel getötet worden, nicht 1400 wie bisher vermutet, sagte Außenministeriumssprecher Lior Haiat der Nachrichtenagentur AFP. Bei vielen der nach dem Angriff gefundenen und zunächst nicht identifizierten Leichen handele es sich offenbar um die von Hamas-Kämpfern, erklärte Haiat zur Begründung für die aktualisierte Angabe. 


 

Tag 34: 9. November 2023

22.00

Ein Militärsprecher hat betont, dass Israel keinem Waffenstillstand (ceasefire) im Kampf gegen die Hamas im Gazastreifen zugestimmt habe, sondern lediglich zeitlich und lokal begrenzte Pausen. »Was wir tun, dieses Vier-Stunden-Fenster, das sind taktische, lokale Pausen für humanitäre Hilfe«, sagte Richard Hecht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Die USA hatten kurz zuvor mitgeteilt, dass im Norden des Palästinenser-Gebietes jeden Tag vier Stunden lang keine Einsätze ausgeführt sollen, um Palästinensern zu ermöglichen, sich in Sicherheit zu bringen. 
Die israelische Regierung beharrt auf ihrer Forderung, dass es ein Waffenstillstand mit der Hamas nur gegen die Freilassung der von den Islamisten festgehaltenen Geiseln geben wird. »Die Kämpfe gehen weiter und es wird keine Feuerpause ohne die Freilassung unserer Geiseln geben«, hieß es in einer Mitteilung des Büros des Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu. Auf die Frage, ob es sich bei der Stellungnahme des Büros des Ministerpräsidenten um ein Dementi der US-Ankündigung handele, ging ein Sprecher Netanjahus nicht ein. Netanyahus Büro verwies auf einen Fluchtkorridor für Zivilisten im Gazastreifen vom Norden in den Süden, auf dem Israel den Menschen zurzeit täglich für einige Stunden eine sichere Passage zusagt. 
Das israelische Militär hatte bereits Stunden vor der Mitteilung des Weißen Hauses auf der Online-Plattform X darauf hingewiesen, dass es keinen Waffenstillstand gebe, aber »taktische, lokale Pausen für humanitäre Hilfe für Zivilisten in Gaza«. 
 

08.00
Die Nahal Brigade hat nach zehnstündigen Kämpfen eine wichtige Hamas-Hochburg eingenommen, den sogenannten Outpost 17. Man habe die Hamas-Terroristen oberhalb und unterhalb der Erde bekämpft und besiegt, hieß es. Man fand unterirdisch einen Weg der direkt neben einem Kindergarten liegt. Bisher sind 34 Soldaten bei den Kämpfen in Gaza gefallen. Das sind 34 zuviel, aber es sind bislang wesentlich weniger als man befürchtet hatte in der Generalität. Das Shifa Krankenhaus, wo sich auch darunter die Zentrale der Hamas befinden soll, hat inzwischen medizinische Hilfslieferungen erhalten, doch wesentlich mehr wird weiterhin benötigt. Bei Verhören gaben die gefangenen Terroristen, die am 7. Oktober an dem Massenmord beteiligt waren an, warum sie auch Babys und Kinder ermordeten: Sie wachsen heran und werden dann eines Tages Soldaten, so die Terroristen. Inzwischen geht das Ringen um die Zukunft Gazas nach dem Krieg weiter. Der ägyptische Präsident al-Sissi hat einem Vorschlag der USA eine Abfuhr erteilt: Ägypten werde auf keinen Fall für die Sicherheit sorgen in Gaza bis die Palästinensische Autonomiebehörde übernehmen könnte.

 

Tag 33: 8. November 2023

19.30
Die israelische Armee dringt immer tiefer in Gaza-Stadt ein. 50 000 Palästinenser sind auch heute noch einmal vom Norden des Küstenstreifens in den Süden gegangen. Premier Netanyahu erklärte, es gäbe keine unmittelbar bevorstehende Feuerpause für die Freilassung der Geiseln. Das sei nur ein Gerücht. Die Armee hat Telefongespräche der Hamas aufgefangen, in denen die Kämpfer sich brüsteten über Krankenwagen jederzeit aus dem Kampfgebiet zu können. Die Armee zerstörte Hamas-Tunnel, die direkt neben einer UNRWA-Schule in Gaza war. Beides zeigt, dass die Terror-Organisation sich nicht einmal im Kleinen an internationales Kriegsrecht hält. Das Weiße Haus erklärte inzwischen, dass es wohl sehr wahrscheinlich sei, dass die Israelis nach dem Krieg anfänglich wohl die Sicherheit in Gaza kontrollieren werden. In Brasilien wurden unterdessen eine Gruppe von Brasilianern festgenommen, die für die Hizbollah einen Anschlag auf die jüdische Gemeinde ausführen sollten.

07.30
Israel will den Gazastreifen nach Angaben eines Ministers der Regierung Netanyahu nicht erneut besetzen. Der Minister für strategische Angelegenheiten, Ron Dermer, sagte am Dienstag in einem Interview mit den US-Fernsehsender MSNBC: »Israel wird den Gazastreifen nicht erneut besetzen.« Nachdem die islamistische Hamas »nicht mehr an der Macht« sein und ihre »Infrastruktur zerschlagen« sei, werde Israel aber »für unbestimmte Zeit« eine »allgemeine Verantwortung für die Sicherheit« tragen. Zuvor hatte US-Außenministeriumssprecher Vedant Patel sich gegen eine israelische Besetzung des Gazastreifens durch Israel ausgesprochen. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hatte am Montag in einem Interview gesagt, Israel wolle für unbestimmte Zeit« die Verantwortung für Sicherheit im Gazastreifen übernehmen, um weitere Angriffe zu unterbinden.

 

Tag 32: 7. November 2023

10.00
Israel wird laut Ministerpräsident Benjamin Netanyahu für unbestimmte Zeit die Verantwortung für die Sicherheit im Gazastreifen behalten. »Wir haben gesehen, was passiert, wenn wir sie nicht haben«, sagte Netanyahu dem US-Sender ABC auf die Frage, wer nach dem Ende des Gazakriegs zwischen Israel und der palästinensischen Hamas in dem Gebiet regieren sollte. »Wenn wir die Kontrolle über die Sicherheit nicht haben, wird der Terror der Hamas in einem Ausmaß ausbrechen, das wir uns nicht vorstellen können«, sagte Netanyahu.  In demselben Interview schloss Netanyahu eine längere Feuerpause im Gazastreifen vorerst aus. »Ohne die Freilassung der Geiseln wird es keine allgemeine Feuerpause im Gazastreifen geben«, sagte er.

08.00
Die israelische Armee dringt immer tiefer in den Gaza-Streifen ein und auch in Gaza-Stadt. Truppen näherten sich gestern Abend bereits dem Shifa-Krankenhaus. Laut Aussagen des Armeesprechers Daniel Hagari habe die Armee mehrere Feldkommandeure der Hamas töten können, was «die Fähigkeit der Hamas, Gegenangriffe durchzuführen, erheblich beeinträchtigt». Jeder Tunnel, den die Armee finde, werde mit verschiedenen und unterschiedlichen Geräten zerstört. Inzwischen hat Premier Benjamin Netanyahu dem amerikanischen Fernsehsender ABC ein Interview gegeben, das erste seit Kriegsbeginn. Darin deutete er an, was nach dem Krieg geschehen soll: «Ich denke, dass Israel auf unbestimmte Zeit die Gesamtverantwortung für die Sicherheit tragen wird, denn wir haben gesehen, was passiert, wenn wir sie nicht haben. Wenn wir diese Sicherheitsverantwortung nicht haben, kommt es zu einem Ausbruch des Hamas-Terrors in einem Ausmas, das wir uns nicht vorstellen können» erklärte der Premier. Wie das aber genau ausschauen soll, ist unklar, hat Israel doch stets betont, dass es den Gaza-Streifen nicht wieder besetzen wolle. In dem Interview deutete der Premier auch an, dass Israel sich stundenweise eine Feuerpause vorstellen könne, um die Zivilisten in Gaza humanitär besser zu versorgen und auch, um Geiseln, die möglicherweise freigelassen werden, durchlassen zu können. Die USA machen seit Tagen massiven Druck auf Israel, humanitäre Feuerpausen einzulegen.

03:00
Heute vor einem Monat stürzte der Angriff der Hamas Israel und die internationale Gemeinsdchaft in eine tiefe Krise: Bei Massakern kamen 1400 Israeli ums leben, 240 wurden entführt und Israel existentiell herausgefordert. Weltweit sind in jüdischen Gemeinden Mahnwachen und Gedenkfeiern geplant.

02:00
Die israelischen Bodentruppen sind nach Militärangaben bereits »tief in der Stadt Gaza« im Einsatz. Man erhöhe dort den Druck, sagte ein Armeesprecher. Es seien auch mehrere Eingänge unterirdischer Tunnel zerstört worden. Viele davon befänden sich in der Nähe von Schulen, Krankenhäusern und humanitären Einrichtungen. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Palästinensische Augenzeugen hatten von Schäden am Dach des Schifa-Krankenhauses im Zuge von israelischen Angriffen berichtet. Auf die Frage, ob Israel auch die Klinik angreifen werde, die nach Darstellung der Armee ebenfalls als Hamas-Kommandozentrum dient, sagte der Sprecher: »Wir werden tiefer in die Stadt Gaza eindringen und an jeden Ort gelangen, an dem es Terroristen gibt.« Es gebe »keinen Ort, an dem Hamas-Terroristen vor Angriffen der Armee sicher sein werden«. Man setze auch »neue Mittel« zur Zerstörung der unterirdischen Tunnel ein. 

 

Tag 31: 6. November 2023

18.30
Was immer er damit gemeint haben mag, auf einem Treffen mit ausländischen Botschaftern erklärte Israels Premier Benjamin Netanyahu, dass Israel nach der Vernichtung der Hamas den Menschen in Gaza «eine echte Zukunft, eine Zukunft der Versprechen und Hoffnung» bieten werde. Und natürlich erklärte er den Europäern vor allem, dass Israel auch Krieg für sie führe. Denn die Islamisten wollen auch den gesamten Westen bekämpfen. Während der Premier diese Botschaft an die Welt verkaufte, hat die israelische Polizei und der Shin Bet in Tukarem, einer palästinensischen Stadt im Westjordanland einen Terrorzelle ausgehoben, die einen Anschlag auf Israelis plante. In Gaza wurde unterdessen verlautbart, Israel habe das Shifa-Krankenhaus bei einem Luftangriff beschädigt. Unter dem Krankenhaus befindet sich mutmaßlich die Zentrale der Hamas. Gleichzeitig wird die Lage an der Nordgrenze Israels immer prekärer. Hamas und die Hizbollah feuerten heute mehr als 30 Raketen auf Israel und bedrohte Israel fast schon im Zentrum des Landes. In Jerusalem starb unterdessen eine israelische Polizistin, die am morgen in der Nähe der Altstadt niedgestochen wurde

Nach Angaben der israelischen Armee haben Soldaten die Kontrolle über ein Hamas-Militärgelände in Gaza, Beobachtungsposten, Übungsplätze für Hamas-Aktivisten und unterirdische Terrortunnel übernommen. Bei der Operation wurden mehrere Hamas-Terroristen getötet. Inzwischen wurden nach israelischen Angaben 30 Soldaten bei den Kämpfen in Gaza getötet. Laut Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums sollen inzwischen fast 10 000 Palästinenser getötet worden sein. Eine Unterscheidung in Zivilisten und Hamas-Terroristen macht diese Statistik nicht. Gestern Abend ist ein amerikanisches U-Boot der Ohio-Klasse im Nahen Osten angekommen. Es kann auch Nuklearwaffen abfeuern. Dass die USA angekündigt haben, wo sich das U-Boot befindet, kann nur als eine sehr klare und deutliche Botschaft an den Iran und die Hizbollah verstanden werden.

Die UN fordert erneut einen sofortigen Stopp der Kämpfe und will einen humanitären Waffenstillstand. Seit Ausbruch des Krieges sollen 88 Mitarbeiter der UNRWA getötet worden sein, was die «höchste Zahl an Todesopfern der Vereinten Nationen jemals in einem einzigen Konflikt“ darstellt. Am heutigen Montag trifft sich der UN-Sicherheitsrat, um über den Krieg zwischen Israel und der Hamas zu beraten. Israel lehnt weiterhin einen Waffenstillstand ab. Ohne die Freilassung der über 240 Geiseln würde weiter gekämpft werden, hies es aus Israel.

00:30
Gaza-Stadt ist laut israelischem Militär umzingelt. »Jetzt gibt es einen südlichen und einen nördlichen Gazastreifen«, so Armeesprecher Hagari. Und: Die Hisbollah droht Israel mit »Vergeltung« und feuert Raketen. Die israelische Armee hat den Gazastreifen bei ihrem Bodeneinsatz nach eigenen Angaben in zwei Teile gespalten, während »entscheidende« Angriffe im Krieg gegen die radikalislamische Hamas fortgesetzt würden. Die israelischen Streitkräfte hätten »Gaza-Stadt von der Südküste aus eingekreist«, sagte Armeesprecher Daniel Hagari. »Jetzt gibt es einen südlichen Gazastreifen und einen nördlichen Gazastreifen.«

00:00
In Frankreich sind seit dem 7. Oktober mehr als tausend antisemitische Vorfälle gemeldet worden. »Die Zahl der antisemitischen Akte ist explodiert«, sagte Innenminister Gérald Darmanin am Abend dem Fernsehsender France 2. Im Zusammenhang mit den insgesamt 1040 gemeldeten Vorfällen seien 486 Menschen festgenommen worden, so der Minister.
Ähnlich wie in Deutschland hat der Krieg zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas die Zahl gemeldeter antisemitischer Akte in Frankreich deutlich ansteigen lassen. Da in Frankreich sowohl die größte jüdische als auch die größte muslimische Gemeinde Europas lebt, ist die Sorge der Regierung in Paris groß, dass der Nahostkonflikt das Land spaltet. 

Tag 30: 5. November 2023

10.30
Benjamin Netanyahu hat den Minister für Kulturerbe, Amihai Eliyahu, nach übereinstimmenden Medienberichten auf unbestimmte Zeit suspendiert. Die Berichte beziehen sich auf das Büro Netanyahus als Quelle. Anlass für die Entscheidung des israelischen Regierungschefs sind demnach die Äußerungen Eliyahus zu einem möglichen Atomschlag gegen den Gazastreifen. Zuvor hatte Oppositionsführer Yair Lapid die sofortige Entlassung Eliyahus gefordert. Die Bemerkungen des Ministers seien »entsetzlich« und »wahnsinnig«. Und weiter: »Die Anwesenheit von Extremisten in der Regierung gefährdet uns und den Erfolg der Kriegsziele – den Sieg über die Hamas und die Rückgabe der Geiseln.«


06:00
Hunderte Menschen demonstrierten in der Nähe des Hauses des israelischen Premierministers in Jerusalem. Sie schwenkten blau-weiße israelische Flaggen und skandierten »Gefängnis jetzt!«, einige durchbrachen die Polizeisperren um Netanyahus Residenz. Netanyahu hat bisher keine persönliche Verantwortung für die Fehler übernommen, die den Überraschungsangriff am 7. Oktober ermöglichten. 
Eine Umfrage des israelischen Fernsehsenders Channel 13 ergab am Samstag, dass 76 Prozent der Israelis der Meinung sind, dass Netanyahu zurücktreten sollte. 64 Prozent meinten, dass das Land unmittelbar nach dem Krieg Wahlen abhalten sollte. Vor dem Tel Aviv Museum of Arts haben sich die Angehörigen und Unterstützer der Geiseln versammelt. Auf der anderen Straßenseite befindet sich das Verteidigungsministerium. Offizielle Zahlen gibt es bislang nicht, doch mutmaßlich sind es Tausende, die hier heute demonstrieren. 

Nach Angaben der Hamas werden mehr als 60 der von ihr entführten Geiseln infolge israelischer Luftangriffe auf den Gazastreifen vermisst. Allein 23 israelische Geiseln seien unter Trümmern verschüttet, teilen die Al-Kassam-Brigaden mit, die militärische Organisation der Hamas. Die Zahl der Geiseln in der Gewalt der Hamas war zuletzt auf rund 240 beziffert worden.

Tag 29: 4. November 2023

19.00
Am Freitagmittag hielt Hizbollah-Führer Hassan Nasrallah seine lang erwartete erste Rede seit Ausbruch des Gaza-Kriegs. Was kam, war in erster Linie heisse Luft. Er bejubelte die heroische Tat der Hamas am 7. Oktober, will heissen: das Massaker an 1400 Juden. Aber zugleich behauptete er, dass die Israelis es selbst gewesen seien, die ihre eigenen Landsleute umgebracht hätten. Abgesehen davon, dass dies Unsinn war, war es obendrein ein ziemlicher Widerspruch, doch das störte weder ihn noch seine Anhänger. Er erklärte, dass nicht einmal er etwas von dem Angriff gewusst habe, dass er auch nur deswegen gelingen konnte, weil die Hamas ihn streng geheim hielt. Er sprach davon, dass Israel natürlich untergehen werde, dass der zionistische Staat nur noch existiert, weil die USA ihn bei jeder Gelegenheit unterstützen wie auch jetzt wieder. Und dann kam’s. Er nahm Stellung, wie die Hizbollah nun in den Krieg so richtig eintreten werden. Die Antwort war: gar nicht. Er drohte. Der Krieg könne jederzeit eskalieren, je nachdem, wie es in Gaza weiterginge. Die Israelis sollten nicht auf die Idee kommen, den Libanon präemptiv anzugreifen, das wäre der «grösste Fehler in der Geschichte». Und auch den Amerikanern erklärte er, dass die Hizbollah schon Antworten parat hätte für die beiden Flugzeugträger, die vor der Küste des Libanon sind und von US-Präsident Biden als klar Drohung gegenüber der Hizbollah und dem Iran etabliert wurden, damit sie eben nicht in den Krieg eingreifen. Dann, nach einer guten Stunde, war die Rede vorbei. Klar war danach nur eins: Die Hamas wird weiterhin erst einmal auf sich allein gestellt sein. Die Hizbollah wird (noch?) nicht in den Krieg eingreifen. Und: heute vor 28 Jahren wurde der israelische Premier Yitzhak Rabin ermordet. 

 

18.00
Hass gegen Juden und Muslime hat laut dem Uno-Menschenrechtsbüro seit dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten in aller Welt drastisch zugenommen. »Die Flut an hasserfüllter Sprache, auch in den sozialen Medien, ist abscheulich«, sagte Volker Türk, der Hochkommissar für Menschenrechte. Türk berichtete in Genf unter anderem über beschmierte Wohngebäude und religiöse Einrichtungen sowie aufhetzende Botschaften von Politikern. »Ich höre sowohl von Juden als auch Muslimen, dass sie sich nicht mehr sicher fühlen, und das macht mich traurig«, sagte Türk. Der Hochkommissar beklagte außerdem Antisemitismus und Antiislamismus auf Demonstrationen im Kontext der Terrorattacke der Hamas auf Israel und Israels Gegenangriff im Gazastreifen. Gleichzeitig kritisierte Türk, dass manche Staaten Demonstrationen pauschal verboten haben. Solidaritätsbekundungen mit Israelis oder Palästinensern dürften nicht übermäßig eingeschränkt werden, betonte er.

 

Tag 28: 3. November 2023

21.00
Israel hat seine Bürger aufgefordert, aus Sicherheitsgründen jegliche Auslandsreisen zu überdenken. »Israel gibt eine dringende globale Reisewarnung für alle Bürger heraus, die irgendwohin auf der Welt reisen«, schreibt ein Regierungssprecher X.  »Wenn Sie reisen müssen, vermeiden Sie es, äußerliche Zeichen Ihrer israelischen oder jüdischen Identität zu zeigen.«
 
Grund sei die zunehmende Feindseligkeit gegenüber Juden und Israelis in Zusammenhang mit dem derzeitigen Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des Büros von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und des Außenministeriums. Lebensbedrohliche Angriffe, Antisemitismus und Hetze hätten in vielen Ländern seitdem deutlich zugenommen. 

18.30
Am Freitagmittag hielt Hizbollah-Führer Hassan Nasrallah seine lang erwartete erste Rede seit Ausbruch des Gaza-Kriegs. Was kam, war in erster Linie heisse Luft. Er bejubelte die heroische Tat der Hamas am 7. Oktober, will heissen: das Massaker an 1400 Juden. Aber zugleich behauptete er, dass die Israelis es selbst gewesen seien, die ihre eigenen Landsleute umgebracht hätten. Abgesehen davon, dass dies Unsinn war, war es obendrein ein ziemlicher Widerspruch, doch das störte weder ihn noch seine Anhänger. Er erklärte, dass nicht einmal er etwas von dem Angriff gewusst habe, dass er auch nur deswegen gelingen konnte, weil die Hamas ihn streng geheim hielt. Er sprach davon, dass Israel natürlich untergehen werde, dass der zionistische Staat nur noch existiert, weil die USA ihn bei jeder Gelegenheit unterstützen wie auch jetzt wieder. Und dann kam’s. Er nahm Stellung, wie die Hizbollah nun in den Krieg so richtig eintreten werden. Die Antwort war: gar nicht. Er drohte. Der Krieg könne jederzeit eskalieren, je nachdem, wie es in Gaza weiterginge. Die Israelis sollten nicht auf die Idee kommen, den Libanon präemptiv anzugreifen, das wäre der «grösste Fehler in der Geschichte». Und auch den Amerikanern erklärte er, dass die Hizbollah schon Antworten parat hätte für die beiden Flugzeugträger, die vor der Küste des Libanon sind und von US-Präsident Biden als klar Drohung gegenüber der Hizbollah und dem Iran etabliert wurden, damit sie eben nicht in den Krieg eingreifen. Dann, nach einer guten Stunde, war die Rede vorbei. Klar war danach nur eins: Die Hamas wird weiterhin erst einmal auf sich allein gestellt sein. Die Hizbollah wird (noch?) nicht in den Krieg eingreifen

18.00
US-Außenminister Antony Blinken sagte bei seinem Israelbesuch gegenüber der Presse. »Eine Eskalation des Konflikts muss verhindert werden«, sagt Blinken. Außerdem: »Wir müssen mehr tun, um palästinensische Zivilisten zu schützen.« Zivilisten im Gazastreifen, aber auch im Westjordanland, stellte Blinken klar. Zur Frage nach Waffenruhen im Gazastreifen sagte Blinken, es sei ein wichtiger Teil seiner Gespräche heute gewesen, zu klären, »wie, wann und wo« man »humanitäre Pausen« umsetzen könne. Diese könnten ein »entscheidender Mechanismus« sein, der gleichzeitig den Schutz der Zivilbevölkerung sowie den Sieg Israels über die Hamas ermögliche, so Blinken. Blinken traf mit Israels Präsident Isaac Herzog und Regierungschef Benjamin Netanyahu zusammen und wollte konkrete Schritte ausloten, die Folgen für die Zivilbevölkerung zu mildern. Netanyahu lehnte eine Feuerpause aber erneut ab. Darüber könne erst gesprochen werden, wenn die Geiseln frei seien, sagte er nach dem Treffen mit Blinken. 

08:00
Die neue republikanische Führung des US-Repräsentantenhauses geht bei der Frage von milliardenschweren Hilfen für Israel auf Konfrontation zum Senat und zu Präsident Joe Biden. Unter dem neuen Vorsitzenden Mike Johnson votierte die Kongresskammer am Donnerstag mit 226 zu 196 Stimmen für eine Vorlage, die 14,3 Milliarden Dollar für den engen Verbündeten vorsieht. Dabei sind massive Einsparungen bei der Bundessteuerbehörde IRS vorgesehen.

07:00
Die israelischen Truppen haben in ihrem Vergeltungsfeldzug für das Massaker der Hamas nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu Gaza-Stadt erreicht. »Wir befinden uns auf dem Höhepunkt der Schlacht«, ließ Netanyahu durch sein Büro erklären. »Wir haben beeindruckende Erfolge erzielt und sind über die Außenbezirke von Gaza-Stadt hinausgekommen. Wir sind auf dem Vormarsch.« 
In Gaza-Stadt hat die radikalislamische Hamas ihren Sitz. Sie hat ihre Infrastruktur in Gaza vor allem in einem weitläufigen Tunnelsystem organisiert, das das israelische Militär besonders im Visier hat. 

 

Tag 27: 2. November 2023

19.00
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben Gaza-Stadt komplett umzingelt. Laut IDF-Sprecher Daniel Hagari soll sich Hamas-Chef Ismail Haniyeh in seinem Privatjet auf dem Weg in den Iran befinden. Auf die Frage, ob ein Waffenstillstand in Sicht sei, antwortete Hagari, das Wort «Waffenstillstand» wäre derzeit nicht auf dem Tisch. Vom Schlachtfeld kommen immer mehr Details über die zum Teil heftigen Kämpfe, bei denen bislang die israelische Armee aber die Oberhand behält. Verteidigungsminister Yoav Gallant erklärte unterdessen, man habe «einzigartige Lösungen» für die Zerstörung der Tunnel parat. Man werde überall hingelangen. Und dann, so Gallant, hätten die Terroristen zwei Alternativen: sie sterben in den Tunnel oder sie kommen ans Tageslicht. Da könnten sie dann entweder im Kugelhagel der Soldaten sterben oder sich ergeben. In den USA bröckelt inzwischen bei den Demokraten die Unterstützung für Israels Krieg. Senator Dick Durbin ist der erste Politiker, der für einen Waffenstillstand eintritt aber gleichzeitig die Freilassung aller Geiseln verlangt. An der Nordfront war es heute heftig. Die Hizbollah sagte, sie habe 19 Militärpositionen der Israelis an der libanesischen Grenze bombardiert. Gleichzeitig hat die Hamas vom Libanon Raketen auf die nordisraelische Stadt Kiryat Shmone abgefeuert. Dabei wurden einige Häuser getroffen, einige Israelis wurden verletzt. Inzwischen gibt es Berichte, dass die berüchtigte russische Wagner-Gruppe der Hizbollah Flugabwehrraketen liefern könnte. Am Vortag der gross angekündigten Rede von Hizbollah-Führer Hassan Nasrallah griff Israel vermehrt und intensiv Stellungen der schiitischen Miliz im Libanon an. 

07.00
US-Präsident Joe Biden hat sich mit Blick auf den Krieg zwischen Israel und der Hamas für eine »Pause« ausgeprochen, damit die »Gefangenen« den Gazastreifen verlassen können. »Ich denke, wir brauchen eine Pause. Eine Pause bedeutet, Zeit zu geben, damit die Gefangenen rauskommen«, sagte Biden. Später erklärte das Weiße Haus, dass Biden mit den »Gefangenen« die von der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas verschleppten Geiseln meinte. Das Weisse Haus hatte sich bislang geweigert, von einer Waffenruhe zu sprechen, da eine solche nur der Hamas in die Hände spielen würde. Stattdessen forderte es »humanitäre Pausen«, um Hilfslieferungen oder Evakuierungen zu ermöglichen.

01:00
Der israelische Präsident Isaac Herzog hat sich gegen jede Form des Rassismus sowie gegen Hass zwischen jüdischen und arabischen Bürgern ausgesprochen. »Denken Sie daran, dass es hier Dutzende arabischer Bürger gibt, die bei dem schrecklichen Massaker, sowie als Teil der Sicherheitskräfte und der IDF mit ihrem Leben bezahlt haben«, sagte Herzog in einer Ansprache an die Nation am Abend. Die im Gazastreifen herrschende Hamas übe »brutalen psychologischen Terror« aus und versuche Hass und Gewalt zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Israel zu schüren, so Herzog weiter. »Dies muss bekämpft werden.« Außerdem betonte er, seine Gespräche mit den Angehörigen der in den Gazastreifen verschleppten Geiseln seien »die schmerzhaftesten« seines Lebens.

 

Tag 26: 1. November 2023
 

16.30
Brigade-General Itzik Cohen von der 162. Division der israelischen Armee erklärte in einem Pressestatement, dass sich die israelischen Truppen nun vor den Toren von Gaza-Stadt befänden. Man werde einen hohen Einsatz zeigen müssen, aber man sei gekommen, um zu siegen. Auch Verteidigungsminister Yoav Gallant sprach davon, dass man wichtige Erfolge im Bodenkrieg erzielt habe. Allerdings verwies auch er auf den Preis, den man bezahlen müsse. Bis zum späten Mittwochnachmittag sind insgesamt 15 Soldaten im Bodenkrieg gefallen. Auf diplomatischer Ebene hat es unterdessen Reaktionen auf den Krieg gegeben: Bolivien hat die diplomatischen Beziehungen zu Israel aufgekündigt. Chile, Kolumbien und Jordanien haben ihre Botschafter aus Israel abberufen. Aus Amman hiess es, die Israelis sollten ihren Botschafter gar nicht erst zurück in die jordanische Hauptstadt schicken. In Gaza wurde die Grenze Rafah zu Ägypten für ausländische Staatsbürger geöffnet. Über 300 Menschen konnten den Küstenstreifen so bislang verlassen. In der Knesset wurde am Nachmittag ein 45-minütiges Video der IDF in einer geschlossenen Sitzung den Parlamentariern gezeigt. Es ist dasselbe Video, das die Armee auch ausländischen Journalisten vor wenigen Tagen vorstellte. Das Video wurde aus dem Filmmaterial der Hamas und selbstgedrehten Material nach dem Massaker vom 7. Oktober zusammengestellt und zeigt unzensiert die ganze Grausamkeit, mit der die Terroristen die israelischen Familien vernichtet hatten. Viele Abgeordneten brachen in Tränen aufgelöst zusammen. 

 

US-Außenminister Antony Blinken reist am kommenden Freitag erneut nach Israel. Dort wolle er mit Entscheidungsträgern über den anhaltenden Krieg zwischen Israel und der militanten Hamas beraten, teilte Außenamtssprecher Matthew Miller in Washington mit. Nach seinem Israel-Besuch werde Blinken "weitere Stopps in der Region einlegen". In welche Staaten er reisen will, sagte Miller nicht.  Nach dem terroristischen Großangriff der Hamas auf den Süden Israels am 7. Oktober und dem Beginn der israelischen Gegenangriffe auf den Gazastreifen war Blinken bereits für Krisengespräche in den Nahen Osten gereist. Neben Israel besuchte der US-Chefdiplomat Jordanien, Ägypten, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. 
 

06:00
Die Eskalation in Nahost sorgt in den USA innenpolitisch für Streit: Die Republikaner wollen ein eigenes Hilfspaket für Israel schnüren – explizit abgekoppelt von der Ukraine. Doch das Weiße Haus blockt ab.

02:00
Bei einem israelischen Angriff auf das Flüchtlingslager Dschabalia im Gazastreifen sind mindestens 50 Menschen getötet worden. Das melden sowohl die Hamas als auch das israelische Militär. Laut Israel waren die Opfer Mitglieder der Terrormiliz. 

 

25: 31. Oktober 2023

08:00
Laut der israelischen Armee wurden gestern 300 Positionen der Hamas bombardiert, viele Hamas-Kämpfer seien getötet worden. Arabische Zeitungen berichten, die IDF sei dabei Nord- und Südgaza voneinander abzutrennen, was für die Hamas ein grosses Problem wäre, da sie sich dann nicht mehr bewegen kann. Die schiitische Terrorgruppe Kata’ib Hezbollah, die vom Iran ausgerüstet wird und im Irak und in Syrien operiert, hat nach eigenen Angaben erneut ein Militärlager der US-Army im Westen Iraks angegriffen. Inzwischen werden die Forderungen in Israel immer lauter, dass Netanyahu sofort abtreten soll. Sein Tweet von vorgestern Nacht, in dem er erneut die Armee und die Geheimdienste für das Versagen am 7. Oktober verantwortlich machte und sich selbst dabei exkulpierte, in dem er fälschlicherweise behauptete, niemand habe ihn je gewarnt, sorgte für einen Aufschrei in Israel. Netanyahu löschte den Tweet und musste sich entschuldigen, doch vielen zeigt es, dass «Mr. Security» nicht nur dabei ist, schon während des Krieges daran zu arbeiten, am Tag 1 nach dem Krieg politisch zu überleben, sondern auch die Realität in Israel nicht mehr richtig wahrzunehmen scheint. In einem Artikel in Haaretz wird berichtet, dass inzwischen immer mehr Politiker in seiner eigenen Partei, dem Likud, entsetzt sind über den Premier, der laut den Aussagen von Likudpolitikern völlig gefangen ist im Denken seiner Frau und seines Sohnes Yair. Für eine echte Revolte reicht es noch nicht, aber, so die Politiker, die nicht genannt werden wollten, wenn die Ultraorthodoxen mitmachen würden, wäre man bereit, Netanyahu zu stürzen. Immer häufiger rufen ehemalige Geheimdienst- und Armeepersönlichkeiten offen dazu auf, Netanyahu sofort abzusetzen, er sei nicht in der Lage, diesen Krieg zu führen. Gestern empörten sich auch führende High-Tech Bosse über Netanyahu. Auch sie forderten, dass er sofort seinen Stuhl räumen muss. Die Armee selbst sagt zu all dem nichts, sie ist natürlich mit dem Krieg selbst beschäftigt, doch hinter den Kulissen muss es hoch hergehen. «Eingeweihte» berichten, es gäbe zwischen Politik und Armee heftigen Streit.

07:00
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben am Dienstag erneut Luftangriffe gegen Stellungen der Hisbollah im Libanon ausgeführt. »Kampfflugzeuge haben Infrastruktur der Terrororganisation Hisbollah auf dem Territorium des Libanon angegriffen«, teilte die Armee auf X, ehemals Twitter, mit. Dabei seien Waffen und von der Hisbollah genutzte Einrichtungen zerstört worden, fügte die Armee hinzu. Seit dem Großangriff der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober gibt es beinahe täglich militärische Auseinandersetzungen an der israelisch-libanesischen Grenze. Nach Angaben der Hisbollah wurden dabei bislang 47 Mitglieder der mit der Hamas verbündeten und vom Iran unterstützten Miliz getötet. Es wird befürchtet, dass die Hisbollah vom Libanon aus eine neue Front zur Unterstützung der Hamas eröffnen könnte.  Der libanesische Ministerpräsident Najib Mikati sagte am Montag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP, er wolle eine Verwicklung seines Landes in den Krieg zwischen Israel und der Hamas vermeiden. Er tue seine Pflicht, um zu verhindern, dass der Libanon in den Krieg hineingezogen wird, so Mikati. 

Tag 24: 30. Oktober 2023

22:00
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat eine Waffenruhe im Kampf gegen die im Gazastreifen herrschende Hamas abgelehnt. "So wie die USA nach der Bombardierung von Pearl Harbor oder dem Terroranschlag vom 11. September keiner Waffenruhe zugestimmt hätten, wird Israel einem Stopp der Kämpfe mit der Hamas nach den schrecklichen Angriffen des 7. Oktobers nicht zustimmen", sagte Netanjahu am Montag vor Journalisten. "Aufrufe an Israel, einer Waffenruhe zuzustimmen, sind Aufrufe, gegenüber der Hamas, gegenüber Terrorismus, gegenüber der Barbarei zu kapitulieren. Das wird nicht passieren."

Israel lässt trotz des Konflikts mit den Vereinten Nationen UN-Nothilfe-Koordinator Martin Griffith einreisen. Dies bestätigte ein Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem. Griffith' Einreise sei "auf Bitte anderer Staaten, um die Ausreise ausländischer Staatsbürger aus dem Gazastreifen voranzutreiben", genehmigt worden. Israel hatte nach Äußerungen von UN-Generalsekretär Antonio Guterres mitgeteilt, UN-Vertretern die Einreise zu verweigern. Guterres hatte israelische Gegenangriffe im Gazastreifen kritisiert und von "eindeutigen Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht" gesprochen.

Die Hamas hat eine israelische Soldatin aus der Geiselhaft entlassen.

07:00
Israels Präsident Izchak Herzog hat in der Beduinenstadt Rahat im Süden des Landes arabische Familien besucht, deren Angehörige von der Hamas im Gazastreifen als Geiseln gehalten werden. "Dies ist kein Krieg zwischen Juden und Muslimen", sagte er am Donnerstag in Bezug auf den Gaza-Krieg nach den Massakern im Auftrag der Hamas am 7. Oktober. "Dies ist ein Krieg zwischen den Menschen, die Licht bringen wollen und den Menschen, die Dunkelheit bringen wollen."

06:30
Während Israels Militär im Gazastreifen verstärkt mit Panzerverbänden und Kampfflugzeugen gegen die islamistische Hamas vorrückt, wird die humanitäre Lage für die Menschen dort immer furchtbarer. Obwohl Israel mit Nachdruck die noch im Norden des Gazastreifens verbliebenen Zivilisten, darunter Patienten in Krankenhäusern, aufrief, sich in den Süden in Sicherheit zu begeben, halten sich etwa beim Schifa-Krankenhaus nach TV-Berichten weiterhin Tausende von Menschen auf. Nach israelischer Darstellung dient das Krankenhaus auch als Hamas-Kommandozentrum. Derweil kommt es im Nordkaukasus zu gewaltsamen antijüdischen Übergriffen angesichts von immer mehr Todesopfern im Gazastreifen.


06:00
Präsident Ebrahim Raisi hat mit dem Eingreifen weiterer Akteure in den Krieg zwischen Israel und der Hamas gedroht. Israels »Verbrechen« hätten »die roten Linien überschritten«, warnte Raisi am Sonntag im Onlinedienst X. Dies könne »jeden dazu zwingen, Massnahmen zu ergreifen«. Washington würde Teheran zwar »bitten, nichts zu tun«, fügte Raisi hinzu. »Aber sie unterstützen Israel weiterhin auf breiter Front.« Ebenso hätten die USA »Botschaften an die Achse des Widerstands« geschickt, erklärte Raisi.

 

03:00
Nach Angaben des israelischen Militärs steigt die Zahl der von der Hamas in den Gazastreifen verschleppten Geiseln auf 239. 40 Menschen würden demnach weiter vermisst.
 

Tag 23: 29. Oktober 2023

18.00
Nach seiner Pressekonferenz gestern Abend, wiederholte Premier Netanyahu in einem Tweet mitten in der Nacht, dass er von einem möglichen Angriff nichts gewusst habe. Militär und Geheimdienste hätten versagt und seien verantwortlich. Damit fing sich «Bibi» einen Shitstorm ein. Benny Gantz, Gadi Eisenkot, Yair Lapid und andere Politiker forderten, dass sich Netanyahu entschuldige und nicht die Moral der Armee zerstöre, die gerade in Gaza und an der Nordfront kämpft. Netanyahu liess das Tweet löschen, wiederholte aber noch einmal, dass er von nichts gewusst habe, bis er sich schliesslich entschuldigte für seinen Fehler. Hinter diesem «Twittergate» steckt natürlich schon die Absicht, sich nach dem Krieg reinzuwaschen und an der Macht zu halten. Ob das gelingen wird, bleibt abzuwarten. Die Kämpfe wurden heute sowohl in Gaza wie auch im Norden immer intensiver. Mehrmals gab es in Nordisrael Raketenalarm, die Gefechte zwischen der Hizbollah und der IDF nehmen zu, es gibt immer häufiger Tote, bislang vor allem auf der Seite der schiitischen Organisation. Die Armee hat in Gaza unterdessen weitere Truppen einrücken lassen. Am späten Nachmittag wurde eine Gruppe israelischer Soldaten überrascht, als plötzlich aus einem Tunnel Hamas-Kämpfer heraussprangen. Man lieferte sich ein heftiges Feuergefecht. Ersten Angaben zur Folge wurde einige Hamas-Leute getötet, andere verletzt, angeblich wurde auf israelischer Seite niemand verletzt. Die Luftwaffe greift weiterhin zahlreiche Ziele in Gaza mit ungeheurer Intensität an. Es ist der 23. Tag des Krieges, aber trotz des Dauerbombardements bekommt die Armee die Hamas nicht in den Griff. Immer noch fliegen Raketen mehrmals am Tag aus Gaza nach Israel, Alarm wird ausgelöst, die Menschen müssen in ihre Schutzbunker eilen. Man ahnt, was das für den Bodenkrieg noch bedeuten wird. Die Hamas hat sich offensichtlich sehr gut auf einen Einmarsch der Israelis vorbereitet. Um die humanitäre Lage der rund zwei Millionen Palästinenser im Gaza-Streifen zu verbessern, haben die Israelis heute eine zweite Wasserpipeline geöffnet. Aus Israel direkt bezieht Gaza etwa 13 % seines Wassers. 

 

10.00
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat Berichte zurückgewiesen, er sei über eine Gefahr durch die Hamas informiert gewesen. »Unter keinen Umständen und zu keinem Zeitpunkt wurde Ministerpräsident Netanyahu vor kriegerischen Absichten der Hamas gewarnt«, schreibt er auf X. Im Gegenteil seien alle Sicherheitsbeamten der Meinung gewesen, dass die Hamas abgeschreckt sei. Dies sei ihm und dem Kabinett »immer wieder von allen Sicherheitskräften und Geheimdiensten vorgelegt worden, auch bis zum Ausbruch des Krieges«, schreibt er weiter.  Israel wurde von den Angriffen der Hamas am 7. Oktober, bei denen 1400 Menschen umgebracht und mindestens 230 verschleppt wurden, vollkommen überrascht. Es ist noch nicht geklärt, ob die israelische Aufklärung versagt hat oder ob entsprechende Berichte nicht weitergereicht oder an höheren Stellen ignoriert wurden. 

00:30
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu weiss eigenen Angaben zufolge nicht, ob der Iran an der Planung des brutalen Terrorangriffs der islamistischen Hamas vom 7. Oktober beteiligt war. Er könne nicht sagen, ob Teheran in diesem speziellen Fall bei der "Mikroplanung" dabei gewesen sei, sagte Netanjahu am Samstagabend vor Journalisten in Tel Aviv. Er gehe davon aus, dass der Iran 90 Prozent des Militärbudgets der Hamas finanziere. Ohne den Iran gebe es die Palästinenserorganisation nicht, betonte Israels Regierungschef. Gleiches gelte für die Hisbollah-Miliz im Nachbarland Libanon. Im Krieg zwischen Israel und der Hamas gibt es die Sorge, dass auch die pro-iranische Hisbollah vom Libanon aus stärker einsteigen könnte. Die Hisbollah gilt als weitaus gefährlicher für Israel als die im Gazastreifen herrschende Hamas.

00:00
Zehntausende pro-palästinensische Demonstranten haben auf einem erneuten Grossprotest in London eine sofortige Waffenruhe im Gaza-Krieg und Solidarität mit den Palästinensern gefordert. Viele von ihnen trugen am Samstag Banner und Schilder mit Botschaften, mit denen sie ihre Unterstützung für die Palästinenser bekundeten.  Aussenminister James Cleverly forderte die Protestteilnehmer vorab auf, sich Desinformation und Manipulation bewusst zu sein. Damit ging er auf Berichte ein, wonach der Iran versuche, die Stimmung auf den Kundgebungen anzuheizen und dadurch Zwietracht zu säen. Es sei absolut möglich, die palästinensische Bevölkerung zu unterstützen und gleichzeitig die islamistische Hamas zu verurteilen, so Cleverly.

Tag 22: 28. Oktober 2023

18.00
Seit gestern Abend läuft die israelische Bodenoffensive, die aber offiziell nur «Ausweitung der Operationen» genannt wird. Gleichzeitig bombardiert die israelische Luftwaffe Gazas in noch nie dagewesenem Ausmass. Was verwundert ist, dass die Hamas immer noch in der Lage ist, mehrmals täglich in Israel Raketenalarm auszulösen. In Kiryat Ono schlug eine Rakete in einem Parkplatz ein. Die Armee erklärt, dass dies nun eine neue Phase des Krieges sei. Offensichtlich wurde der Einmarsch befohlen, nachdem klar wurde, dass die Verhandlungen über die Geiseln in eine Sackgasse geraten sind. Gleichzeitig gehen in ganz Europa Menschen auf die Strasse, um gegen Israel zu protestieren. Dabei werden auch antisemitische Parolen gerufen. Israel hat heute seine Diplomaten aus Ankara abberufen. Jerusalem erklärt, es will seine Beziehungen zur Türkei «überdenken». Am Abend will sich Benjamin Netanyahu das erste Mal seit Kriegsbeginn der Presse stellen. Er hat auch angeordnet, dass er sich mit Familien von Geiseln treffen will. Drei Wochen liess der Premier keine Fragen der Presse zu, jetzt muss er sich offensichtlich erklären. Im Norden Israels gibt es immer häufiger Raketenalarm, aber noch ist die Hizbollah mit ihrem Waffenarsenal und ihren Möglichkeiten nicht wirklich in den Krieg eingestiegen. Viele hoffen, dass es auch so bleiben wird. US-Präsident Joe Biden macht dem Regime in Teheran immer wieder deutlich, dass es sich zusammen mit seinen Stellvertreter-Milizen aus diesem Krieg heraushalten soll.


 

10.30
Ein israelischer Sprecher hat die der laufenden Bodenoffensiven in Gaza bestätigt. Experten haben avisiert, dass Hamas Vorräte für drei Monate hätte für eine Kriegsführung aus den Tunnelsystemen. 

10.00
Das israelische Militär plant, deutlich mehr humanitäre Hilfe aus Ägypten in den südlichen Gazastreifen zu lassen. Das berichten israelische Medien unter Bezug auf Quellen in den Streitkräften. Offenbar besteht die Hoffnung, dass die zusätzlichen Lebensmittel, Wasser und medizinischen Hilfsgüter mehr Palästinenser dazu bewegen könnten, den nördlichen Teil des Gazastreifens in Richtung Süden zu verlassen. Israel hat in der Nacht Gaza und andere Gebiete im nördlichen Gazastreifen, in denen die Hamas vermutlich ihre wichtigsten Operationsbasen hat, massiv bombardiert.

 

Tag 21: 27. Oktober 2023

20:30
Israel hat seine erwartete Bodenoffensive im Gazastreifen nach Worten des jordanischen Aussenministers Aiman Safadi begonnen. "Israel hat gerade einen Bodenkrieg gegen Gaza gestartet", schrieb Safadi am Freitagabend bei X. "Das Ergebnis wird eine humanitäre Katastrophe von epischem Ausmass über Jahre sein." Zu einer geplanten Abstimmung in der UN-Vollversammlung über eine von Jordanien eingebrachte Resolution schreibt Safadi: "Millionen werden jede Stimme mitverfolgen. Die Geschichte wird urteilen." Stimmen gegen die UN-Resolution würden bedeuten, "diesem sinnlosen Krieg, diesem sinnlose Töten zuzustimmen". Die Abstimmung über die Resolution war für Freitag angesetzt. Die Resolutionen der UN-Vollversammlung sind nicht bindend und haben vor allem symbolische Bedeutung. Israels Armee hatte am Freitagabend angekündigt, ihre Bodeneinsätze im Gazastreifen gegen die islamistische Hamas auszuweiten. In den letzten Stunden habe das Militär seine Angriffe im Gazastreifen bereits verstärkt, teilte Militärsprecher Daniel Hagari bei X mit. Es würden vermehrt unterirdische Ziele und terroristische Infrastruktur angegriffen.

 

19:00 
Ein israelischer Militärsprecher hat angekündigt, dass Israel heute Freitagabend die Bodenoffensive in Gaza ausweiten würden. Damit wird der Einsatz von Bodeneinheiten im Norden Gazas verstärkt. 

17.30
Israel hat sich gegen die von den EU-Staaten geforderten Feuerpausen im Gazastreifen ausgesprochen. "Israel lehnt einen humanitären Waffenstillstand derzeit ab", sagte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums. Dazu zähle "jegliche Art von geforderten Feuerpausen". Gleichwohl wies er darauf hin, dass das Land grundsätzlich jedoch erlaube, "dass humanitäre Hilfe in den Gazastreifen gelangt, solange sie nicht in den Händen von Terroristen der Hamas landet". Am Donnerstagabend hatten die Staats- und Regierungschefs der EU in einer Gipfelerklärung "humanitäre Korridore und Pausen für humanitäre Zwecke" im Gazastreifen gefordert. 

16.30
Der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant hat sich zu der weithin erwarteten israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen geäussert. Diese werde lang und mühselig, sagte er. Die Bodenoffensive werde darauf abzielen, ein ausgedehntes Netzwerk aus Tunneln zu zerstören, das von der Hamas genutzt wird. Gallant sagte, bei der erwarteten Bodenoffensive werde eine große Zahl von Soldaten zum Einsatz kommen. Die Offensive werde von Luftangriffen begleitet werden und "lange Zeit" in Anspruch nehmen. Gefolgt werde dies von einer Phase mit Kämpfen in geringerer Intensität, in der Israel "Widerstandsnester" zerstören werde.

 

15:00
Das Rote Kreuz hat einen kleinen Hilfskonvoi in den Gazastreifen gebracht. Wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mitteilte, gelangten zehn seiner Mitarbeiter, darunter ein OP-Team, zusammen mit sechs Lastwagen mit medizinischen Hilfsgütern und Wasserreinigungstabletten in das Küstengebiet. Die medizinischen Hilfsgüter reichten aus, um zwischen 1.000 und 5.000 Menschen zu behandeln, erklärte das IKRK. Mit den Wasserreinigungstabletten könnten 50.000 Liter Wasser aufbereitet werden. "Diese wichtige humanitäre Hilfe ist eine kleine Dosis der Erleichterung, aber es ist nicht genug", sagte IKRK-Regionaldirektor Fabrizio Carboni. "Unser chirurgisches Team und die medizinischen Güter werden dabei helfen, den extremen Druck auf die Ärzte und Krankenschwestern in Gaza zu lindern. Aber sicherer, dauerhafter Zugang für humanitäre Hilfe wird dringend benötigt", sagte er. "Diese humanitäre Katastrophe verschlimmert sich stündlich." 

 

 

07:00
Das israelische Militär ist am Freitagmorgen erneut gegen Hamas-Terroristen vorgegangen. Ersten Meldungen zufolge rückten nach einem Panzer-Angriff am Donnerstag jetzt auch IDF-Truppen für eine begrenzte Aktion in das Zentrum des Gazastreifens vor. Auch Jets seien beteiligt gewesen. Inzwischen seien alle Soldaten wieder von der Operation nach Israel zurückgekehrt.

 

06.00
Das US-Militär hat nach eigenen Angaben am Donnerstag zwei Einrichtungen der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) im Osten Syriens angegriffen. »Diese gezielten Schläge zur Selbstverteidigung sind eine Reaktion auf eine Reihe von anhaltenden und größtenteils erfolglosen Angriffen gegen US-Streitkräfte im Irak und in Syrien durch von Iran unterstützte Milizen, die am 17. Oktober begannen«, teilte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin in einer Erklärung mit. Die Angriffe seien von US-Präsident Joe Biden angeordnet worden. Die angegriffenen Einrichtungen wurden dem US-Militär zufolge vom IRGC und von unterstützten Gruppen genutzt. »Wenn die Angriffe der iranischen Stellvertreter gegen die US-Streitkräfte anhalten, werden wir nicht zögern, weitere notwendige Maßnahmen zum Schutz unserer Bevölkerung zu ergreifen«, fügte der US-Verteidigungsminister hinzu. 

Tag 20: 26. Oktober 2023

18.00
«Entweder wir oder sie», sagte Israels Verteidigungsminister Yoav Gallant in einer Pressekonferenz am frühen Abend. Er kündigte die Bodenoffensive an, die allerdings erst beginnen werde, wenn die richtigen Voraussetzungen dafür geschaffen sind. Frustriert ist dagegen die Hamas, ihr Sprecher, Ghazi Hamad forderte, dass die Hezbollah und die anderen Verbündeten mehr tun müssten als bisher. Das Bombardement in Gaza geht unerbittlich weiter. Die IDF verkündete, dass sie den stellvertretenden Leiter der Aufklärungsabteilung der Hamas, Shadi Barud, getötet hat. Barud soll zusammen mit Hamas Führer Yahiya Sinwar das Massaker am 7. Oktober geplant haben. Ebenfalls sollen fast 50 Geiseln durch Luftangriffe getötet worden seien. Das zumindest behauptet die Hamas. Ob das stimmt, kann nicht verifiziert werden. Es ist Teil der psychologischen Kriegsführung. Am Nachmittag trafen sich eine Delegation der Hamas mit dem stellvertretenden iranischen Ausenminister und russischen Funktionären in Moskau. Unterdessen zeigt sich wieder einmal die innenpolitische Krise Israels. Eine Organisation der wichtigsten Geschäfts- und Handelsfirmen, die rund 1,5 Millionen Angestellte vertritt, hat den Wirtschaftsplan von Finanzminister Bezalel Smotrich rundweg abgelehnt. Er würde ihnen nicht helfen in diesen Kriegszeiten zu überleben. Stattdessen bevorzugen sie den Alternativplan von Wirtschaftsminister Nir Barkat, der selbst ein überaus erfolgreicher Unternehmer war, ehe er in die Politik einstieg. Wieder einmal scheint sich die fachliche Inkompetenz von Smotrich zu zeigen, der in seiner gesamten Laufbahn noch nie mit Finanz- und Wirtschaftsfragen konfrontiert war. In solchen Krisenzeiten einen Finanzminister zu haben, der über keine echten Fachkenntnisse verfügt, ist ein Debakel für Israel.

07:00
US-Präsident Joe Biden hat Vergeltungsangriffe israelischer Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland infolge des Hamas-Terrorangriffs vom 7. Oktober verurteilt. Biden sagte, dass die Angriffe von »extremistischen Siedlern« darauf hinausliefen, »Benzin« auf die bereits brennenden Feuer im Nahen Osten zu gießen. »Das muss aufhören. Sie müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Es muss jetzt aufhören«, sagte der US-Präsident. Die Gewalt der Siedler gegen Palästinenser hat seit dem Hamas-Anschlag zugenommen, und Angaben palästinensischer Behörden zufolge wurden Palästinenser von Siedlern getötet. Auch Israelis wurden getötet. Nach Berichten von Menschenrechtsgruppen haben Siedler Autos angezündet und mehrere kleine Beduinengemeinschaften angegriffen, sodass diese gezwungen waren, in andere Gebiete zu fliehen.

06:00
In der Nacht hat es nach Angaben des Radiosenders der israelischen Armee einen relativ großen Einfall israelischer Bodentruppen in den Gazastreifen gegeben. Dieser habe dem Angriff auf Hamas-Stellungen gedient. Dem Bericht zufolge war die Razzia größer als frühere seit Beginn des Krieges. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Ein Video  das die israelische Armee auf X teilte, soll eine Kolonne israelischer Panzer und Bulldozer zeigen, die in den Gazastreifen eindringt und angebliche Ziele zerstört. »Zur Vorbereitung der nächsten Kampfphasen operierten die IDF im nördlichen Gazastreifen. Panzer und Infanterie der IDF griffen zahlreiche terroristische Zellen, Infrastruktur und Abschussrampen für Panzerabwehrraketen an«, heißt es in dem Post. Die Soldaten haben das Gebiet inzwischen verlassen und seien in israelisches Territorium zurückgekehrt.
 

03:00
Im Uno-Sicherheitsrat sind erneut zwei Resolutionen zum Krieg zwischen Israel und der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas gescheitert. Russland und China legten am Mittwoch (Ortszeit) ihr Veto gegen einen von den USA vorgelegten Resolutionsentwurf ein – während auch ein von Russland vorgelegter Text abgelehnt wurde. Die Resolution der mit Israel verbündeten Vereinigten Staaten sieht »humanitäre Pausen« in dem Krieg vor, um Hilfsgüter in den blockierten Gazastreifen zu lassen, und unterstützt zudem das Recht »aller Staaten« auf Selbstverteidigung unter Einhaltung des Völkerrechts. Ein vollständiger Waffenstillstand wird darin nicht gefordert.  Die Beschlussvorlage Russlands hingegen strebt einen »sofortigen, dauerhaften und vollständig eingehaltenen humanitären Waffenstillstand« an und verurteilt »jegliche Gewalt und Feindseligkeiten gegen Zivilisten«. 

Die Resolution der USA wurde von zehn der 15 Mitglieder im Uno-Sicherheitsrat unterstützt. Russland, China und die Arabischen Emirate stimmten dagegen, Brasilien und Mosambik enthielten sich.  Für den russischen Text stimmten nur Russland, China, die Vereinigten Arabischen Emirate und Gabun. Die USA und Großbritannien stimmten dagegen, die anderen neun Länder enthielten sich.  Der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Wassili Nebensia, kritisierte, die US-Resolution habe nicht etwa die Rettung von Zivilisten, sondern nur »die Stärkung der politischen Position der USA in der Region« zum Ziel. Die US-Botschafterin bei der Uno, Linda Thomas-Greenfield, warf ihrerseits Russland »zynisches und verantwortungsloses Verhalten« vor und kritisierte, der russische Entwurf sei »ohne Beratungen« vorgelegt worden und enthalte »problematische Abschnitte«. Am Donnerstag hält die Uno-Vollversammlung eine Dringlichkeitssitzung zum Krieg im Nahen Osten ab. Mehrere Mitgliedstaaten hatten die Sitzung nach dem Scheitern mehrerer Resolutionen im Uno-Sicherheitsrat beantragt. 

 

Tag 19: 25. Oktober 2023

02:00
Der Tag war überschattet von der Berichterstattung in Israel, die aufdeckte, dass es zwischen Premier Netanyahu und der Armeeführung massiven Streit gibt. Netanyahu soll sogar laut geworden sein. Die Presseberichte sprechen davon, dass Netanyahu ein „Blame-game“ begonnen habe, in dem er den Geheimdiensten und den Generälen die Schuld für das Versagen am 7. Oktober gibt, um selbst seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und nach dem Krieg politisch überleben zu können. Einige Generäle sind inzwischen wütend, dass der Premier nicht den Einmarsch nach Gaza anordnet. Man könne die Soldaten nicht ewig an der Grenze warten lassen. Einer soll Netanyahu sogar einen Feigling genannt haben. Die Kämpfe gehen unterdessen mit grosser Heftigkeit weiter. Palästinenser in Gaza berichten, dass sich die Einschläge der Bomben seit gestern anders anfühlen. Beobachter glauben, dass das darauf hinweisen könnte, dass Israel inzwischen Bomben abwirft, die Bunker und Tunnelsysteme zerstören können. Am Abend dann gab es in Israel Alarm. Zehn Hamasleute versuchten über das Meer nach Israel einzudringen, doch sie wurden gestoppt. Die Armee veröffentlichte heute einen Mitschnitt eines Telefonats eines der Mörder vom 7. Oktober. Der Mann hatte seine Eltern angerufen, um zu prahlen, dass er Juden ermordet hat. Und noch etwas wurde heute bekannt: Dass eine der drei Raketen, die die Huthis vom Jemen aus auf Israel abgefeuert hatten, von Saudi-Arabien abgefangen wurde. Die beiden anderen von einem amerikanischen Kriegsschiff, doch letzteres war ja schon bekannt. 

Tag 18: 24. Oktober 2023

09.30
Am Morgen ist der französische Präsident Emmanuel Macron in Israel gelandet. Er traf sich sogleich mit Franzosen, die bei dem Anschlag der Hamas Angehörige verloren haben. Natürlich wird er sich auch mit der politischen Führung des Landes treffen. Er erklärte, dass Frankreich fest an der Seite Israels stehe. Gestern Abend liess die Hamas zwei weitere Geiseln, ältere Frauen, frei. Zunächst hatte es geheissen, dass etwa 50 Geiseln freikommen. Der Iran zündelt in der Region immer weiter. Das Weisse Haus gab an, dass einige Angriffe auf US-Basen in Irak und Syrien von Stellvertretergruppen des Iran angegriffen wurden und Teheran diese dazu aufgefordert habe. Der Bodeneinsatz der israelischen Truppen lässt weiter auf sich warten, währenddessen bombardiert die Air Force Gaza ohne Unterlass. Die Zahl der zivilen Todesopfer steigt, wieviele es sind, ist schwer zu sagen, die Zahlen, die das Gesundheitsministerium, das in der Hand der Hamas ist, sind nicht verlässlich. Die Nordgrenze Israels ist inzwischen ein Kampfgebiet, wenngleich die Gefechte noch nicht ein Mass erreicht haben, dass man sagen könnte, die Hizbollah ist vollständig in den Krieg eingetreten. Dennoch hat eine Rakete die Stadt Kiriyat Shmona getroffen, es gab zwei Verletzte. Die israelische Armee greift kontinuierlich Stellungen der Hizbollah an. 

 

07:00
Der französische Präsident Emmanuel Macron ist zu einem Besuch in Israel eingetroffen. Seine Maschine landete auf dem Flughafen Tel Aviv. Geplant sind Gespräche mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, Präsident Isaac Herzog sowie den Oppositionspolitikern Benny Gantz und Jair Lapid. Die Hamas hält sieben französische Geiseln gefangn. 

06:00
US-Präsident Joe Biden hat in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu die Notwendigkeit, "einen kontinuierlichen Strom" humanitärer Hilfe in den Gazastreifen aufrechtzuerhalten, unterstrichen. Zudem habe er sein "Engagement für die laufenden Bemühungen zur Freilassung aller verbleibenden Geiseln der Hamas" bekräftigt, teilt das US-Präsidialamt mit. Er habe Natanyahu auch über "die US-Unterstützung für Israel und die laufenden Bemühungen zur regionalen Abschreckung, einschließlich neuer US-Militärstützpunkte" informiert. Einzelheiten der Unterstützung nannte das Weiße Haus zunächst nicht.

06.30
Israelische Flugzeuge haben israelischen Militärangaben zufolge zwei Zellen der Hisbollah im Libanon getroffen. Von den beiden Stellungen aus sollten Panzerabwehrraketen und Raketen auf Israel abgefeuert werden, teilte das israelische Militär mit.  Nach Angaben der Armee befand sich eine Zelle in der Nähe der israelischen Stadt Mattat, etwa 13 Kilometer südwestlich von Aitaroun. Die andere befand sich weiter nördlich im umstrittenen Gebiet der Shebaa-Farmen.  Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA hatte zuvor von einem israelischen Luftangriff am südlichen Stadtrand von Aitaroun im Südlibanon berichtet. Ob sich beide Seiten auf dieselben Vorfälle beziehen, ist zunächst unklar. 

Tag 16: 22. Oktober 2023

17:00
Die Kämpfe im Süden und im Norden Israels intensivieren. Bis zum frühen Abend hat die israelische Armee bei Gefechten mit der Hizbollah nach eigenen Angaben bereits fünf Hizbollah-Kämpfer getötet. In Gaza bombardierte die israelische Luftwaffe immer weitere Ziele und tötete mehrere Islamistenführer. Die Hamas soll inzwischen die Kontrolle über Nord-Gaza verloren haben, heisst es. Bei Raketenangriffen aus Gaza wurde in Netivot ein Mann schwer verwundet. Bis Bis jetzt hat die Hamas über 7400 Raketen auf Israel abgefeuert. Die Armee schätzt, dass das gesamte Arsenal der Terrororganisation etwa 12'000 Raketen beträgt, doch das könnte durchaus eine falsche Einschätzung sein. Die USA verlangen von Israel immer deutlicher, dass es eine Exit-Strategie entwickelt. Was soll nach dem Krieg in Gaza geschehen? Wer soll dort die Macht übernehmen? Der Mossad und der Shin Bet haben inzwischen ein „Operation Center“ eingerichtet, um die Attentäter vom 7. Oktober ausfindig zu machen und zu liquidieren. Einen der Attentäter konnte in Israel gestellt werden. Er hatte sich seit zwei Wochen im Land versteckt. Als Sicherheitsorgane den Mann stellten, gab er vor Erschöpfung sofort auf. 


 

 

06:30
Die israelische Luftwaffe hat das Gelände einer Moschee im Westjordanland beschossen – darunter soll sich ein Tunnelsystem von Terroristen befinden. Bei der Attacke gab es mehrere Todesopfer.
 

Tag 15: 21. Oktober 2023

19.30
US-Aussenminister Antony Blinken rief heute den libanesischen Premier Najib Mikati an, um ihn davor zu warnen, zuzulassen, dass der Krieg nach Libanon hineingetragen wird. An der Grenze zwischen dem Libanon und Israel werden die Gefechte zwischen den Hizbollah und Israel immer intensiver. Dabei wurde ein Kämpfer der Hizbollah getötet, Israel hat sein Beginn der Kämpfe bereits 14 Hizbollah-Männer bei Gefechten getötet. Bei der grossen Konferenz in Kairo, die sich mit dem Krieg zwischen Hamas und Israel befasst und wie man diesen beenden kann, beschimpften die arabischen Staaten den Westen. Ägyptens Präsident Abdel Fatah el-Sissi, erklärte, die Reaktion der Welt zeige einen «Mangel an den Werten der internationalen Gemeinschaft bei der Bewältigung von Krisen. Während wir an einem Ort sehen, wie Beamte sich beeilen und konkurrieren, um die Tötung unschuldiger Menschen umgehen zu verurteilen, stossen wir an einem anderen Ort auf unverständliches Zögern, dieselbe Tat anzuprangern». Das israelische Kriegskabinett tagte heute im Süden des Landes. Premier Benjamin Netanyahu wurde von einer Gruppe Protestierender ausgebuht. Generalstabschef Herzl Halevi wandte sich heute an die Soldaten warnte die Truppe, dass der Feind eine Reihe von Überraschungen in Gaza vorbereitet hat. Aber auch die IDF hätte Überraschungen und man werden den Feind vernichten. Die Soldaten sollten stets an die Bilder und die Ermordeten vom 7. Oktober denken. Wann genau die Bodenoffensive beginnt, ist schwer abzuschätzen, denn da ist noch die Frage, ob das Militär nicht noch wartet, um Verhandlungen für die Freilassung der Geiseln abzuwarten, zumindest

18.00
Katars Aussenministerium hat angekündigt, dass bald alle israelische Geiseln befreit würden. Die Hamas wiederum erwiderte, dass über Soldaten unter den Geiseln erst nach Beendigung des Krieges verhandelt werden würde. Von israelischer Seite gibt es dazu bisher keinen Kommentar. 

 

17.30
In Kairo wurde am Samstag ein internationales Gipfeltreffen zum Hamas-Israel-Krieg eröffnet, an dem der jordanische König Abdullah, der ägyptische Präsident Al-Sisi, Palästinenserpräsident Abbas, der britische Außenminister James Cleverly und UN-Generalsekretär Guterres teilnahmen. Im Mittelpunkt des Gipfels standen die humanitäre Krise im Gazastreifen, die Freilassung der von der Hamas festgehaltenen Geiseln, die Notwendigkeit regionaler Stabilität und die Forderung, dass Israel bei seiner militärischen Reaktion das Völkerrecht respektiert. Er endete, ohne dass sich die Staats- und Regierungschefs und die Außenminister auf eine gemeinsame Erklärung einigen konnten

10 .00
Um 10 Uhr am Samstagmorgen konnten die ersten LKWs mit Hilfsgütern für die Zivilisten Rafah, die Grenze zwischen Ägypten und Gaza, passieren. Währenddessen hat Israel seine Bürger aufgefordert, sofort Jordanien und Ägypten zu verlassen. Immer häufiger tauchen Berichte auf, dass die USA Israel daran gehindert haben, ihre Bodenoffensive sofort zu beginnen, auch die EU soll versuchen, Israel zu überzeugen, die Offensive zu verschieben, um bessere Möglichkeiten zu haben, die Geiseln freizubekommen. Das Kalkül der Hamas scheint diesbezüglich aufzugehen. Im israelischen Kriegskabinett gab es in den letzten Tagen die Überlegung, die Hizbollah anzugreifen, ehe man selbst angegriffen wird. Doch sowohl die USA als auch Premier Netanyahu waren dagegen. Am gestrigen Abend liess die Hamas eine Mutter und ihre Tochter, die zu den Geiseln gehörten, frei. Die beiden Frauen sind amerikanische Staatsbürgerinnen. Sie waren im Süden, um Familie zu besuchen, als der Überfall der Hamas kam. Ob die beiden Frauen auch israelische Staatsbürgerinnen sind, wurde nicht weiter ausgeführt. Inzwischen kam aus Frankreich die Meldung, dass auch seine Experten den Angriff auf das Krankenhaus in Gaza untersucht und ausgewertet haben. Auch die Franzosen kamen zu dem eindeutigen Ergebni, dass es nicht Israel war, sondern eine fehlgeleitete Rakete der Islamisten. Das israelische Gesundheitsministerium nennt die Zahl von 5000 Verletzten. 

Tag 14: 20. Oktober 2023

11.00

Israel setzt seine Pläne um und evakuiert im Norden des Landes die 20 000 Seelen Stadt Kiryat Shmone. Ganz offensichtlich rechnet man mit einer Ausweitung der Kämpfe an der Grenze zum Libanon, möglicherweise sogar mit einem vollen Zwei-Fronten-Krieg. Bereits gestern konnte man mehrmals hohe israelische Militärs vernehmen, die die Soldaten auf den Bodenkrieg einschwören. Verteidigungsminister Yoav Gallant sagte unzweideutig, dass er kommen werde. Am gestrigen Abend wurden drei Raketen der Houthis aus dem Jemen von amerikanischen Kriegsschiffen abgefangen. Sie waren auf Israel gerichtet. Der Iran hat offensichtlich auch diesen Stellvertreter nun gegen Israel aktiviert. Die IDF sagte, man sei gewappnet und in der Lage auch gegen die Houthis vorzugehen. Während US-Präsident Joe Biden fest zu Israel steht und dem Land ein grosses Militärpaket schnürt, gibt es von 400 Staatsbeamten in Washington inzwischen einen Protestbrief, dass sie diese Entscheidung ablehnen und nicht einverstanden sind, dass Israel so aufgerüstet wird. Unter den Demokraten gibt es eine kleine Mehrheit, die ebenfalls die proisraelische Kriegspolitik Joe Bidens kritisch sind. Im Kongress gibt es dagegen eine überwältigende Zustimmung für die unbedingte Unterstützung Jerusalem in diesem Krieg. Unterdessen gehen die israelischen Luftangriffe auf Gaza weiter, laut Angaben der Armee habe man Truppen der Hamas ausgeschaltet, die an dem Massaker von 7. Oktober teilgenommen hatten. In Israel hat es schon mehrfach seit dem Morgen Raketenalarm gegeben. Trotz Tausender Bomben, die die israelische Luftwaffe nun seit Tagen abgeworfen hat, kann die Hamas immer noch Israel mit seinen Raketen bedrohen. Das zeigt, wie gut organisiert und ausgerüstet die Terrororganisation immer noch ist.

08:30
Israel glaubt, dass einige der nach dem Hamas-Angriff Vermissten nicht gefunden werden. Nach den jüngsten Angaben der israelischen Armee gelten zwischen 100 und 200 Personen als vermisst, wobei sich die Zahl mit der Identifizierung der Leichen noch ändern dürfte. Die Armee weiß von etwa 30 Kindern unter 16 Jahren, die entführt worden sind

07:00

Joe Biden kündigt Hilfe an: Die Biden-Regierung will dem US-Kongress ein Paket über 100 Milliarden Dollar vorlegen. Dies haben Medien bereits vor der Grundsatzrede des Präsidenten aus dem Oval Office am gestrigen Abend vermeldet. Demnach sieht das Weisse Haus zehn Milliarden Dollar an Hilfen für Israel, etwa 60 Milliarden Dollar für die Ukraine und grosse Aufwendungen für den Ausbau der Sperranlagen an der Grenze zu Mexiko vor. Die politische Kalkulation liegt auf der Hand: Die Koppelung soll zumindest Teile der weiterhin führungslosen Republikaner im Repräsentantenhaus zur umfassenden Unterstützung der Biden-Politik bewegen. Beobachter sahen die Rede als stark und mit grosser Überzeugung vorgetragen. Biden schien aus tiefstem Herzen zu sprechen, als er die Zivilisten in Israel und der Ukraine durch den Terror von Hamas und Putin zugefügten Leiden beschrieb. Von da aus hielt der am 20. November 1942 und damit am Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges zugunsten der Alliierten Mächte geborene Präsident Amerika als «Hoffnung der Welt» hoch. Die USA stünden weiterhin für Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung für Unterdrückte weltweit. Biden nannte keine Zahlen für das Hilfspaket, was Tradition hat: Präsidenten wollen an derlei «historischen Wendepunkten» – so Biden eingangs – nicht wie Buchhalter wirken. Er unterliess zudem jeden Appell an Israel zu einem Waffenstillstand. Die Rufe danach werden auch in Washington laufend lauter (siehe Meldung dazu). Allerdings sprach Biden über die Notwendigkeit einer Einhaltung des Kriegsrechts durch Israel, die er bei seinem Besuch mit Netanyahu besprochen habe. Ob Biden tatsächlich seine Wünsche im Kongress durchsetzen kann, bleibt jedoch offen. Für Spannungen dürfte auch die anscheinend geplante Umleitung von zehntausenden Artillerie-Granaten nach Israel sorgen, die eigentlich für die Ukraine bestimmt waren. Angeblich will sich Israel auf einen drohenden Schlagabtausch mit der Hisbollah vorbereiten.

 

Tag 13: 19. Oktober 2023


18.20
Rishi Sunak in Israel. Nach US-Präsident Biden besuchte der britische Premierminister Rishi Sunak Israel. In seiner Ansprache erklärte er, dass Grossbritannien fest an der Seite Israels stehe und dessen Recht auf Verteidigung voll unterstütze. «Wir wollen, dass ihr gewinnt», erklärte der Premierminister, ohne aber speziell zu sagen, dass Israel die Hamas vernichten soll. Er betonte allerdings auch, dass er wisse, Israel halte sich an das Internationale Recht und werde die Zivilisten in Gaza so gut wie möglich schützen. Den ganzen Tag über feuerte die Hamas aus Gaza Raketen auf Israel. Auch aus dem Libanon wurden Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert. Die Armee griff jedesmal die Positionen an, von denen der Abschuss jeweils erfolgte. Zu den Angriffen bekannte sich die Hamas in Gaza. Die Hizbollah zeichnet nicht verantwortlich, doch es ist klar, dass ohne ihre Genehmigung solche Raketenbeschüsse nicht möglich wären. Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock rüstet sich unterdessen zu einer zweiten Reise nach Israel aus «unbedingter Solidarität» mit dem jüdischen Staat. Sie wird danach auch nach Jordanien und Libanon reisen. Inzwischen wartet man in Israel, wann die Bodenoffensive kommt. Dass sie kommt, machte der kommandierende General für die Südfront, Yaron Finkelmann, klar: «Jetzt tragen wir den Kampf in das Territorium des Feindes. Und wir werden ihn auf seinem Gebiet schlagen. Das wird schwierig, lang und intensiv werden».

08.30
Debatte um Opferzahlen: Nach der Explosion am Ahli-Arab-Krankenhaus machten schnell erschreckend hohe Opferzahlen die Runde – basierend auf Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums, das der Hamas untersteht. Die israelische Armee hat jetzt klargemacht, dass sie von einer niedrigeren Zahl an Opfern ausgeht. Man habe Informationen, die darauf hinweisen, dass die Zahl der Todesfälle von der Hamas übertrieben wurde, teilte ein Armeesprecher mit.  Vor einem Bildschirm mit Aufnahmen, die den Parkplatz des Krankenhauses und damit dem Sprecher zufolge den »Ground Zero« einer abgestürzten Rakete des Islamischen Dschihad zeigen sollen, sagt der Sprecher: »Ich sehe hier rund 15 Autos, die getroffen wurden, ich sehe Brandrückstände.« Was er nicht sehe, seien Leichen. »Wenn so viele Menschen getötet wurden, wo sind die Leichen?« Das sei keine Frage, die er beantworten müsse, so der Sprecher weiter, das sei die Aufgabe der Hamas, die behaupte, es seien 471 Menschen ums Leben gekommen. Oder der Medien, »die gesagt haben, wir seien das gewesen«. Tatsächlich haben bislang weder die Hamas noch der Islamische Dschihad Belege für ihre Aussagen angeführt. Die Hintergründe der Explosion am Ahli-Arab-Krankenhaus sind weiter unklar. Die Hamas beschuldigt Israel eines Angriffs, Israel geht von einer Fehlfunktion an einer Rakete der palästinensischen Terrororganisation Islamischer Dschihad aus, die ebenfalls im Gazastreifen operiert. US-Präsident Joe Biden hatte am Mittwoch bei einem Besuch in Israel gesagt, er gehe aufgrund von Informationen des eigenen Geheimdienstes davon aus, dass die Verantwortung für die Tragödie beim »anderen Team« liege.

Tag 12: 18. Oktober 2023

19.00
Nach Biden: Der Besuch von US-Präsident Biden dauerte nur ein paar Stunden. Er traf sich mit Premier Netanyahu und demKriegskabinett. Er versicherte wiederholte seine hundertprozentige Hilfe. Und das heißt: Waffen, politische Unterstützung und notfalls auch ein militärisches Eingreifen, sollte die Hizbollah in den Krieg eingreifen. Aber er machte auch massiven Druck auf Netanyahu. Die USA verlangen von den Israelis, dass sie den Krieg gänzlich nach dem Kriegsrecht führen, dass sie eine Strategie für die Zeit nach dem Krieg entwickeln – was die Führung bislang noch nicht getan hat – und vor allem: dass Israel unbedingte humanitäre Hilfe für die zwei Millionen Flüchtlinge im Gazastreifen gewährt. Der Druck auf Bibi muss groß gewesen sein. Denn kaum war Biden abgeflogen, wurde bekannt gegeben, dass Israel humanitäre Hilfe von Ägypten über die Grenze Rafah nach Gaza hineinlassen werden. 

Parallel zu dieser Entwicklung versuchte Israel zu zeigen, dass der Einschlag in das Krankenhaus in Gaza am Tag zuvor nicht von der Armee verursacht wurde, sondern von einer Rakete des Islamischen Jihad stammte. Auch die USA glauben das inzwischen und Biden äußerte sich dementsprechend. Auch er ist überzeugt, dass Israel nicht verantwortlich ist.

18.00
Biden korrigiert: US-Präsident Joe Biden hat seine Bemerkung konkretisiert, dass nicht Israel, sondern das «andere Team» für die Krankenhaus-Tragödie im Gazastreifen verantwortlich sei. Er sagte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, sein Kommentar beruhe auf Daten, die ihm das US-Verteidigungsministerium vorgelegt habe.

Bombendrohung. Die israelische und die US-Botschaft in Argentinien haben am Mittwoch nach Angaben lokaler Medien Bombendrohungen erhalten. Die Zeitungen «Clarin» und «La Nacion» berichten übereinstimmend, in beiden Landesvertretungen seien die Drohungen per E-Mail eingegangen. Antibombeneinsatzkräfte seien zum Einsatz gekommen. Während die israelische Botschaft evakuiert worden sei, sei der Betrieb in der US-Botschaft normal weitergegangen – die Drohung sei unglaubwürdig gewesen. In beiden Fällen konnte den Berichten zufolge rasch Entwarnung gegeben werden.

Veto: Ein brasilianischer Resolutionsentwurf zur Krise in Nahost mit Fokus auf humanitärer Hilfe ist im Weltsicherheitsrat gescheitert. Die USA legten gegen den Text ein Veto ein. 12 der 15 Ratsmitglieder hatten dem Papier zuvor zugestimmt, Russland und China enthielten sich.
In dem Text Brasiliens, das dem Uno-Sicherheitsrat momentan vorsitzt, hiess es unter anderem, dass Israel seine Aufforderung zur Evakuierung der Zivilbevölkerung aus dem nördlichen Gazastreifen rückgängig machen müsse. Das Land wurde in diesem Zusammenhang allerdings nicht direkt genannt.
Damit folgte das Papier den Aussagen der Uno, die eine Evakuierung von über einer Million Menschen in dem dicht besiedelten Küstengebiet als unmöglich bezeichnet hatten und vor einem humanitären Desaster warnten. Zudem verlangte der Text Bemühungen für ein Ende der Kämpfe und betonte die Relevanz der Zwei-Staaten-Lösung. In dem Entwurf wurde die Hamas-Attacke auf Israel als «abscheulicher Angriff» verurteilt, die als Geiseln genommenen Israelis müssten umgehend freigelassen werden. Es wurde betont, dass beide Konfliktparteien sich an das internationale Völkerrecht zu halten hätten und dass humanitäre Hilfslieferungen und Kampfpausen zugelassen werden müssten. Eine direkte Forderung nach einem Waffenstillstand enthält der Text nicht. Die Annahme des Entwurfs im gespaltenen Sicherheitsrat galt von vorneherein als fraglich. Die USA haben ihren Verbündeten Israel immer wieder mit ihrem Vetorecht vor unliebsamen Resolutionen geschützt. Eine angenommene Resolution hätte den Druck auf Israel erhöht, das sich allem Anschein nach auf eine grossangelegte Bodenoffensive im Gazastreifen vorbereitet. Resolutionen des Uno-Gremiums sind völkerrechtlich bindend.

Kriegsverbrechen der Hamas: Die Angriffe der islamistischen Hamas auf Israel müssen nach Ansicht von Human Rights Watch (HRW) als Kriegsverbrechen untersucht werden. Zu diesem Schluss kommt die Menschenrechtsorganisation nach der Auswertung von vier Videos vom 7. Oktober. Sie zeigen unter anderem bewaffnete Männer, die fliehende oder am Boden liegende verletzte Personen erschiessen. Die ausgewerteten Aufnahmen, die Human Rights Watch veröffentlichte, sind vorweg mit einer Warnung versehen: «Die folgenden Inhalte können grausame oder gewalttätige Darstellungen enthalten». Die Videos stammen nach Angaben von HRW von Sicherheitskameras auf der Strasse oder Kameras in Autos. Geodaten darauf gäben den genauen Standort an, Uhrzeiten den genauen Zeitpunkt. Das Team habe unter anderem auch die Schatten, die Menschen und Gebäude warfen, überprüft um sicherzustellen, dass sie mit der Uhrzeit und dem Sonnenstand zu dem Zeitpunkt übereinstimmen. Die Aufnahmen stammen nach diesen Angaben unter anderem aus der Nähe des Musikfestivals, das bewaffnete Männer überfielen, und aus israelischen Siedlungen nahe dem Gazastreifens.

07:00
Vor dem Biden-Besuch: US-Präsident Joe Biden will den Kongress um 100 Milliarden Dollar für Israel, die Ukraine, Taiwan und die Sicherung der US-Grenze bitten. Einen entsprechenden Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg bestätigten informierte Kreise der Nachrichtenagentur AFP. Ein solches Paket im Umfang von umgerechnet rund 95 Milliarden Euro wäre gewissermaßen ein Kompromiss zwischen Bidens Demokraten und den oppositionellen Republikanern. Während die Demokraten auf neue Hilfen für die von Russland angegriffene Ukraine pochen, was bei den Republikanern auf Widerstand stößt, fordern die Konservativen mehr Mittel zur Sicherung der US-Grenze zu Mexiko. In beiden Parteien gibt es großen Rückhalt für neue Hilfen für das von der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas attackierte Israel. Auch hinter der Unterstützung Taiwans, das eine Invasion Chinas befürchtet, stehen Demokraten und Republikaner.

 

Tag 11: 17. Oktober 2023

19.15
Aufruhr an der Frankfurter Buchmesse: Der slowenische Philosoph Slavoj Žižek hat für einen Aufruhr bei der Eröffnungsfeier gesorgt. Er nutzte seine Rede, um sich für die im Gazastreifen lebenden Palästinenserinnen und Palästinenser einzusetzen. Er verurteile zwar die Attacke der Hamas und Israel habe auch das Recht, sich zu verteidigen. "Wir sollten aber nicht den düsteren Hintergrund von Palästina vergessen", so Žižek. Es sei nötig, den Hintergrund der Situation vor Ort zu analysieren. Das palästinensische Volk in Gaza werde ausschließlich als Problem behandelt, Israel zeige ihnen keine positive Rolle im Nahostkonflikt auf. Der Terrorismus gegen Israel widerspreche allen Werten der Buchmesse. Genauso sei aber "die kollektive Bestrafung von Millionen in Gaza" ein Widerspruch. Die Absage der Verleihung des LiBeratungspreises an die palästinensische Autorin Adania Shabli  bezeichnete er als "skandalöse Entscheidung" und Cancel Culture. Diejenigen, die nicht in das allgemeine Bild von Diversität und Inklusion passten, würden davon ausgeschlossen. "Ich bin deshalb nicht nur stolz, hier zu sein, ich schäme mich auch ein bisschen", so Žižek. Buchmessen-Direktor Juergen Boos sagte im Anschluss an Žižeks Rede, man müsse diese Worte im Sinne der Freiheit des Wortes stehen lassen - auch, wenn man sie nicht teile. Es sei wichtig, "dass wir uns zuhören". Boos kritisierte aber die von Žižek gewählten Worte. "Ich glaube, ich kann für diese Gemeinde hier sprechen, wenn ich sage: Wir verurteilen den Terror. Wir sind Menschen und wir denken menschlich - auf palästinensischer und auf israelischer Seite."

19:00
Am frühen Abend heulten wieder die Sirenen in Zentralisrael. Die Hamas feuerte Raketen auf Tel Aviv und Umgebung. Es ist erstaunlich, dass die Terrororganisation nach weiteren 6000 Bomben, die die israelische Luftwaffe auf Gaza abgefeuert hat, immer noch mehrmals täglich Unmengen an Raketen auf Israel abfeuern kann. Dies gibt auch dem Laien eine Vorstellung, wie ausgeklügelt der militärische Arme der Hamas funktioniert und was die Soldaten, die möglicherweise schon in wenigen Tagen in Gaza einmarschieren erwartet. Heute war auch Bundeskanzler Olaf Scholz zu einem Solidaritätsbesuch in Jerusalem. Scholz traf sich schon vor einigen Tagen mit den Kataris und wird morgen weiterreisen nach Ägypten. Mit Sicherheit sind die Deutschen mit an Bord, wenn es um die Hilfe für die palästinensischen Zivilisten in Gaza geht. Premier Netanyahu war um schlagzeilenfähige Sprüche gegenüber den deutschen Kanzler nicht verlegen: «Hamas sind die neuen Nazis, Hamas ist ISIS» Scholz wollte auch die Familien der deutschen Geiseln besuchen, die nun ebenfalls in den Händen der Islamisten irgendwo in Gaza festgehalten werden. Generalstabschef Herzl Halevi besuchte heute die Truppen im Norden des Landes und erklärte markig, falls «Hizbollah einen Fehler macht, wird sie vernichtet». Netanyahu klang ebenfalls äusserst entchlossen. Bei einem Besuch der Eliteeinheit Sayeret Matkal, der er als junger Soldat selbst angehörte, erklärte der 74jährige: «Der Kampf wird in den nächsten Tagen mit grosser Gewalt geführt werden». Was das bedeutet, führte dann Aussenminister Eli Cohen aus. Gegenüber dem Sender Channel 12 sagte er: «Diese Operation wird mehrere Monate dauern, da wir sehr ambitionierte Ziele haben.»


 

17:00
Bodenoffensive abgesagt? Israel bereitet sich nach Angaben eines Militärsprechers im Gaza-Streifen auf „die nächsten Stufen des Krieges“ gegen die dort herrschende islamistische Palästinenserorganisation Hamas vor. „Alle sprechen von einer Bodenoffensive, aber es könnte etwas anderes sein“, sagte der israelische Armeesprecher Richard Hecht. Dabei nannte er keine Einzelheiten. Experten warnen vor einem blutigen Häuserkampf bei einer Bodenoffensive Israels im dicht besiedelten Gaza-Streifen. Israel will nach den verheerenden Terroranschlägen der Hamas am 7. Oktober die militärischen Fähigkeiten sowie die Herrschaft der Islamistenorganisation ausschalten. Die meisten Politiker sehen dabei keine Alternative zu einem Eingreifen auf dem Boden. Klar ist auch, dass der Druck aus dem Ausland auf Israel immer grösser wird, wenngleich westliche Staaten auf Israels Recht auf Verteidigung pochen. Hinter den Kulissen tönt es aber oft anders und man versucht eine Eskalation durch einen Rückschlag Israels zu vermeiden. Täglich reisen nun westliche und andere Staatschefs nach Israel. So auch Morgen Mittwoch US-Präsident Joe Biden. 

 

 

13.30
Geiselvideos: Am gestrigen Abend veröffentlichte die Hamas zum ersten Mal ein Video von einer israelischen Geisel. Das Video zeigt, wie sie medizinisch versorgt wird. Dann erzählt die junge Frau, dass es ihr gut gehe, dass sie gut behandelt werden und sie nur eines will: so schnell wie möglich wieder nach Hause zu kommen. Die Geisel hat auch die französische Staatsbürgerschaft und die Hamas deutete an, dass man «ausländische Gäste» wohl eher freilassen wird als Israelis ohne einen zweiten Pass.

Die Bodenoffensive der Israelis hat immer noch nicht begonnen. Dafür gibt es zwei Gründe: der morgige Besuch von US-Präsident Joe Biden in Israel. Er hat sich zu dieser Solidaritätsgeste entschieden und will damit zeigen, dass die USA fest an der Seite Israels stehen. Der zweite Grund: Die Soldaten werden intensivst auf den Häuserkampf vorbereitet, den Israel nun seit fast zehn Jahren nicht mehr geführt hat, zuletzt im Gaza-Krieg 2014 und auch damals nur mit einer relativ geringen Anzahl von Soldaten. Auch wartet man, dass die letzten palästinensischen Zivilisten den Norden Gazas verlassen, was immer noch nicht zur Gänze geschehen ist. Am heutigen Dienstag wird der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz in Israel erwartet. Das Land, die Menschen aber bereiten sich auf das Schlimmste vor. Im Süden werden bald viele israelische Soldaten sterben nachdem sie in Gaza einmarschiert sind. Und dann ist da noch die Drohung des Iran, dass die „Achse des Widerstands“ „Präventive Massnahmen“ ergreifen wird gegen Israel. Der jüdische Staat befindet sich seit 11 Tagen im Krieg. Der wirkliche Sturm aber wird erst noch kommen. 

06:30
500'000 Israeli evakuiert: Seit dem Grossangriff der Hamas am 7. Oktober haben fast 500'000 Menschen innerhalb Israels ihre Heimat verlassen. »Wir haben den gesamten Süden Israels evakuiert, alle Ortschaften in der Nähe des Gazastreifens, aufgrund der Anweisungen der Regierung (…)«, sagte der Armeesprecher Jonathan Conricus bei einer Pressekonferenz am Dienstag. »Das Gleiche haben wir im Norden getan, wo 20 Ortschaften in der Nähe der Grenze evakuiert wurden«, fügte er hinzu.

Hunderttausende Palästinenser bei Rafah: Die Vereinten Nationen sind bereit, Hilfe für Hunderttausende Palästinenserinnen und Palästinenser über den Grenzübergang Rafah in den Gazastreifen zu bringen. Auf der ägyptischen Sinaihalbinsel sei ein Flugzeug mit Hilfsgütern der Weltgesundheitsorganisation WHO angekommen, teilte das Uno-Nothilfebüro Ocha. 

Russische Resolution ohne Hamas: Der UN-Sicherheitsrat hat am Montagabend eine russische Nahost-Resolution abgelehnt, die Gewalt und Terrorismus gegen Zivilisten zwar verurteilt, die Hamas und deren Überraschungsangriff auf Israel aber nicht erwähnt hätte. Vier Länder stimmten mit Russland für die Resolution - China, die Vereinigten Arabischen Emirate, Mosambik und Gabun. Gegenstimmen gab es von vier anderen Ländern - den USA, Großbritannien, Frankreich und Japan. Die weiteren sechs Länder enthielten sich. Damit eine Resolution angenommen werden kann, sind mindestens neun Ja-Stimmen in dem 15-köpfigen Gremium erforderlich.

Tag 10: 16. Oktober 2023

19:00
Die Zahlen des Tages: 291 israelische Soldaten sind bisher gefallen. Und nun sind es offiziell 199 gekidnappte Israelis, die in den Klauen der Hamas sind. Abgesehen von diesen schrecklichen Nachrichten, war der Tag auch sonst düster. Israel bombardiert den Gaza-Streifen mit voller Wucht und Härte. Die Folge: die Lage der Zivilbevölkerung wird immer prekärer, die Opferzahlen steigen, die Einzelschicksale, wie der Tod eines sechsjährigen palästinensischen Kindes bewegen die Welt. Allmählich werden die Bilder des Massakers vom 7. Oktober von den neuen katastrophalen Bildern verdrängt. Das war zu erwarten. Die Stimmung dreht sich weltweit. Nicht zuletzt deshalb betonen die USA in den letzten Tagen immer und immer wieder, dass Israel sich unbedingt an das Kriegsrecht halten muss. Man gibt den Israelis grünes Licht die Hamas zu vernichten. Aber nicht um jeden Preis. Die EU hat unterdessen angekündigt eine humanitäre Luftbrücke nach Gaza einrichten zu wollen, um die palästinensischen Zivilisten dort zu versorgen. Der israelische Botschafter Gilad Erdan hat heute erklärt, Israel habe zwar nicht vor, den Gazastreifen wieder zu besetzen, doch man sei bereit alles zu machen, um die Hamas für immer zu vernichten. Er schloss also die Möglichkeit einer Wiederbesetzung Gazas nicht gänzlich aus. Während an der Nordfront die Gefechte zwischen Hizbollah und Armee fortgesetzt werden, ohne dass sie eine bestimmte Grenze wirklich überschreiten, lässt die Bodenoffensive auf sich warten. Die Gründe sind ungewiss. Ob man tatsächlich fürchtet, die Hizbollah könnte wirklich mit Raketen angreifen, wenn Soldaten nach Gaza einmarschieren, ob man noch zu wenig Aufklärung hat oder ob die Taktik erst noch beschlossen und besprochen werden muss, ist nicht auszumachen. Unterdessen führte heute US-Aussenminister Antony Biden weitere Gespräche mit dem Kriegskabinett in Tel Aviv. Am Abend wurde bekannt, dass die Hamas von 250 israelischen Geiseln in Gewahrsam spricht. 

18.30
In einem Brief an die Mitarbeiter des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet hat dessen Chef Ronen Bar Versagen zugegeben. »Wir haben nicht ausreichend gewarnt, um den Anschlag zu vereiteln, die Verantwortung liegt bei mir.« Weiter heißt es: »Trotz einer Reihe von Maßnahmen, die wir ergriffen haben, ist es uns am Samstag leider nicht gelungen, eine ausreichende Warnung zu erzeugen, die es uns ermöglicht hätte, den Anschlag zu vereiteln. Als Leiter der Organisation trage ich die Verantwortung dafür.« Es werde eine Untersuchung der Vorgänge geben, schreibt er weiter. Aber nicht jetzt. »Jetzt kämpfen wir.« 

16.30
US-Präsident Joe Biden plant am Mittwoch nach Israel zu kommen. Der russische Präsident Wladimir Putin berät angeblich noch heute mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas und dem ägyptischen Staatsoberhaupt Abdel Fattah al-Sissi über die Lage im Gazastreifen. 

Die israelischen Behörden haben die Zahl der bestätigten Geiseln in Gewahrsam der Hamas auf 199 erhöht. 

10.15

Noch hat die Bodenoffensive nicht begonnen. Dafür heizt sich der Norden immer mehr auf. Israel hat jetzt 28 Ortschaften an der Grenze zum Libanon evakuieren lassen. Sowohl die Hizbollah und der Iran als auch Israel machen sich gegenseitig Drohungen. Neben den USA hat nun auch Frankreich Iran gewarnt, ja nicht in den Krieg einzusteigen. Unterdessen erlauben die Israelis, dass Hilfslieferungen an die Palästinenser über Ägypten nach Gaza gebracht werden. Zwischendurch gab es Gerüchte eines Waffenstillstands, doch sowohl Hamas wie auch Israel verneinten dies. Am Dienstag wird der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz nach Israel reisen. Ob dies nur eine Solidaritätsreise sein wird oder ob der Kanzler «etwas» mitbringt, ist noch unklar. Die Botschaften in Israel sind derzeit fieberhaft dabei, ihre Staatsbürger aus dem Kriegsgebiet zu bringen. Dass Israel diesen Krieg durchziehen wird, bis die Hamas in irgendeiner Form «besiegt» ist, hat US-Präsident Joe Biden noch einmal bestätigt. Die Hamas müsse eliminiert werden, erklärte Biden in einem Interview. Es wäre aber ein Fehler, Gaza wieder zu besetzen. Doch diese Absicht hat Israel nicht. UN-Botschafter Gilad Erdan bestätigte dies.

07.30

Biden gegen Besetzung. US-Präsident Joe Biden hat eventuelle Pläne Israels zu einer möglichen Besetzung des Gazastreifens als «grossen Fehler» bezeichnet. In einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der CBS-Nachrichtensendung «60 Minutes» antwortete Biden auf die Frage, ob er eine Besetzung des Gazastreifens durch den Verbündeten unterstützen würde, mit den Worten: «Ich denke, das wäre ein grosser Fehler».

Biden sagte zudem, die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas repräsentiere «nicht das gesamte palästinensische Volk». Eine Invasion des Küstenstreifens und die «Ausschaltung der Extremisten» seien aber eine «notwendige Voraussetzung», fügte er hinzu.

Tag 9: 15. Oktober 2023

23.00
 

Die Hamas hat am Sonntag weiterhin Raketen auf Israel abgefeuert, hauptsächlich auf den Süden und die Grenzgemeinden des Gazastreifens, aber auch drei schwere Geschosse auf Tel Aviv gerichtet. Die Spannungen im Norden Israels sind sprunghaft angestiegen, als die Hisbollah am frühen Sonntag begann, Panzerabwehrraketen auf israelische Militärziele und eine israelische Gemeinde nahe der libanesischen Grenze abzufeuern, wobei ein Mann getötet und mehrere andere verletzt wurden. Die IDF erwiderte das Feuer auf Ziele der Hisbollah und richtete eine 4 Kilometer lange Pufferzone entlang der Grenze ein. Das Feuergefecht dauerte bis zum Abend an, als die IDF erklärte, sie habe militärische Infrastruktur im Libanon getroffen, nachdem acht Menschen durch das Feuer der Hisbollah verwundet worden waren. Außerdem behaupteten die Hamas-Kräfte im Libanon, sie hätten 20 Raketen auf Israel abgefeuert.

Verteidigungsminister Yoav Gallant sagte auf einer Pressekonferenz an der Grenze zum Gazastreifen: "Dies wird ein heftiger Krieg, ein tödlicher Krieg, ein präziser Krieg, und es wird ein Krieg sein, der die Situation dauerhaft verändert", und fügte hinzu, dass Israel "kein Interesse daran hat, einen Krieg an seiner Nordfront zu führen." Laut Anshel Pfeffer von Haaretz deutet das beispiellose Ausmaß der Einberufung von Reservisten zusammen mit dem Evakuierungsbefehl für 1,1 Millionen Palästinenser im Gazastreifen darauf hin, dass Israels bevorstehende Bodenoffensive länger und intensiver sein wird als alle bisherigen Angriffe seit dem Rückzug von 2005.

In Interviews am Sonntag sagte der Nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, dass die USA die Bedrohung Israels vor dem bösartigen Angriff der Hamas in der vergangenen Woche "nie aus den Augen verloren" haben. Er erklärte auch, dass Israel die Wasserversorgung im südlichen Gazastreifen wiederhergestellt hat.

Das Gesundheitsministerium in Gaza berichtet, dass 2450 Palästinenser getötet und etwa 9200 verwundet wurden und mehr als 4230000 aus ihren Häusern vertrieben wurden. Die IDF teilte unterdessen mit, dass Hunderttausende von Palästinensern Gaza-Stadt verlassen haben, um weiter nach Süden zu gehen, und dass die Hamas versucht, sie an der Ausreise zu hindern. Ägypten erklärte außerdem, dass es seine Bemühungen mit seinen internationalen und regionalen Partnern intensiviert, um Hilfe nach Gaza zu liefern.

US-Präsident Joe Biden sagte, die überwältigende Mehrheit der Palästinenser habe nichts mit den schrecklichen Angriffen der Hamas zu tun und leide nun darunter. Ägypten schlug einen härteren Ton an. Präsident Abdel Fattah al-Sissi sagte zu US-Außenminister Blinken, der am Montag nach einer Reise durch den Nahen Osten nach Israel zurückkehren wird, dass Israels Reaktion auf den Angriff der Hamas über die Selbstverteidigung hinausgehe und einer kollektiven Bestrafung gleichkomme. Blinken bemerkte: "Die Art und Weise, wie Israel dies tut, ist wichtig. Es muss auf eine Art und Weise geschehen, die unsere gemeinsamen Werte bekräftigt, indem wir alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um zu vermeiden, dass Zivilisten zu Schaden kommen."

Am Sonntag landete die französische Aussnministerin Catherine Colonna in Israel und traf sich mit Familienangehörigen israelischer Geiseln. Der israelische Präsident Isaac Herzog traf sich mit einer überparteilichen Delegation von US-Senatoren unter der Leitung des Mehrheitsführers im Senat, Chuck Schumer, der versprach, den Senat anzuführen, um Israel "die Unterstützung zukommen zu lassen, die es braucht, um sich gegen diesen monströsen Angriff zu verteidigen."

Der iranische Aussenminister Hossein Amir-Abdollahian warnte erneut, wenn Israel seine "Aggression im Gazastreifen" nicht einstelle, bestehe eine wachsende Chance, dass sich der Krieg ausweitet. Israel beschuldigte den Iran, eine zweite Kriegsfront eröffnen zu wollen, indem es Waffen in oder über Syrien einsetzt.

In den ersten acht Tagen des Krieges zwischen Israel und Hamas wurden nach Angaben des Komitees zum Schutz von Journalisten mindestens 12 Journalisten getötet und acht verwundet. Zwei Journalisten gelten als vermisst.

 Etwa 1'500 ultra-orthodoxe israelische Juden, die das Alter für die Befreiung von der Wehrpflicht überschritten haben, haben sich seit Ausbruch des Krieges für die IDF-Reserve beworben.

Im Westjordanland hat die IDF nach eigenen Angaben in der Nacht zum Samstag Anti-Terror-Operationen durchgeführt, bei denen 49 Verdächtige, darunter 33 Hamas-Mitglieder, verhaftet und Waffen sowie 50.000 Schekel beschlagnahmt wurden, die für den Terrorismus bestimmt waren, so der IDF-Sprecher.

19.00
Israels Armee bestätigte gegen Abend, dass die Hamas 155 Geiseln gefangen hält. Bisher  waren die Zahlen über die entführten Israeli in Gefangenschaft nicht offiziell bestätigt. 

17.30
Update am Sonntag: Am Sonntag Nachmittag war die längst erwartete Bodenoffensive der Israelis noch nicht gestartet. Schlechtes Wetter, was die Auflärungsmöglichkeit der Flugzeuge und Drohnen für die Bodentruppen einschränkt, war ein Grund. Der andere: Man gab der palästinensischen Bevölkerung mehr Zeit, sich in den Süden Gazas zu begeben. Dort haben die Israelis auch buchstäblich die Wasserhähne wieder aufgemacht. Israel hatte ja auch angeordnet, dass keine Nahrungsmittel und kein Wasser nach Gaza dürfen. Indem sie die Wasseranlagen im Süden füllen, hoffen sie, dass die Bevölkerung nun doch in Gänze Nordgaza verlässt. Unterdessen werden die «kleinen» Gefechte zwischen Israel und der Hizbollah an der Nordgrenze gefährlicher. Am Sonntag kam es zu mehreren Angriffen und Gegenangriffen, dabei wurde ein Israeli getötet, 4 wurden verletzt. US-Ausenminister Antony Blinken, der derzeit in Nahost unterwegs ist, wird am Montag wieder in Jerusalem erwartet. Den Amerikanern geht es vor allem um zwei Dinge: die Hizbollah und den Iran in ihre Schranken zu verweisen und eine humanitäre Katastrophe in Gaza zu verhindern. Ganz offensichtlich erlaubt Washington Israel die Hamas zu vernichten – wenn das überhaupt gelingt. Aber um das gewährleisten zu können, müssen die Zivilisten geschützt sein. Ansonsten war auch dieser Tag wieder ein typischer Tag: Israel bombardiert in Gaza, die Hamas feuert Raketen auf israelische Ortschaften. Beide Seiten warten ganz offensichtlich auf den Bodenkrieg. Und der wird, soviel ist sicher, für beide Seiten blutig.

15:00
Kriegskabinett tagt: Mit einer Schweigeminute für die mehr als 1300 vor einer Woche getöteten Israelis hat am Sonntag die erste Sitzung des neuen Notkabinetts in Tel Aviv begonnen. »Hamas hat gedacht, wir würden zerstört werden. Aber wir werden Hamas zerstören«, sagte Israels Premierminister Benjamin Netanyahu vor dem Treffen in einem Militärgebäude. Der Premier begrüsste den bisherigen Oppositionspolitiker Benny Gantz im Kreis der Minister, die »rund um die Uhr mit einer vereinten Front arbeiten« würden. Zuvor hatte die Armeeführung mitgeteilt, man warte auf eine politische Entscheidung zum Einmarsch im von der Hamas beherrschten Gazastreifen.

07:10
Verzögerung beim israelischen Einmarsch in Gaza: Die Bodenoffensive Israels in Gaza steht kurz bevor. Der israelische Einmarsch in den Gazastreifen hat noch nicht begonnen. Der bewölkte Himmel würde die Sicht für Piloten und Drohnen erschweren, ihren Einsatz zu schwierig machen. Das berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf drei namentlich nicht genannte, ranghohe israelische Offiziere. Das israelische Militär richtet nach eigenen Angaben auch an diesem Sonntag einen Fluchtkorridor in Gaza ein. Von 9 bis 12 Uhr (deutscher Zeit) werde die Armee an einer Straße, die in den Süden des Gazastreifens führe, keine Angriffe vornehmen, teilte ein Sprecher mit. »Nutzen Sie zu Ihrer Sicherheit die kurze Zeitspanne«, appellierte er an die Bevölkerung vor Ort. Am Samstag hatte es einen solchen Korridor in der Zeitspanne von 9 bis 15 Uhr deutscher Zeit gegeben.Premier Netanyahu kündigt die »nächste Phase« im Kampf gegen die Hamas an. Gestern Abend besuchte er die Truppen an der Front. Einem Bericht zufolge könnte schlechtes Wetter die Bodenoffensive verzögern. Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben einen weiteren Mitverantwortlichen der von Hamas-Angreifern unter Israelis verübten Massaker getötet. Billal Al Kedra, Befehlshaber terroristischer Einheiten im südlichen Chan Yunis, sei bei Luftangriffen am Vorabend getötet worden, teilte die Armee am Sonntagmorgen mit. Auch weitere Terroristen der Hamas und der Gruppe Islamischer Dschihad seien dabei ums Leben gekommen. Bereits am Samstag hatte Israels Militär den Tod zweier mutmaßlicher Hamas-Drahtzieher der Angriffe vom vergangenen Wochenende gemeldet (tachles online berichtete).

01:30
Sondergipfel: Die EU-Staats- und Regierungschefs sollen sich am Dienstag zu einem virtuellen Gipfel zur Lage in Nahost treffen. Das gab der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, bekannt. Der Rat müsse einen gemeinsamen Standpunkt festlegen und eine klare, einheitliche Vorgehensweise beschließen, hieß es in einer Einladung zu dem Treffen.

01.00
Syrien angegriffen: Innerhalb von zwei Tagen ist ein Flughafen in Syrien erneut Ziel von Luftangriffen geworden. Die mutmaßlich israelischen Angriffe beschädigten die Landebahn des Flughafens in Aleppo, wie gut informierte Kreise und syrische Aktivisten am späten Abend übereinstimmend berichteten. Erst kurz zuvor war die Landebahn wieder repariert und für den Betrieb freigegeben worden. Die israelische Armee äußerte sich auf Anfrage nicht, wie in diesen Fällen üblich. 

00:30
Der israelische Oppositionspolitiker Avigdor Lieberman hat trotz anderslautender Berichte einen Eintritt in die Notstandsregierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nicht bestätigt. Netanjahus Likud-Partei hatte zuvor mitgeteilt, dass der frühere Verteidigungsminister einer Einladung Netanyahus zugestimmt habe, der Notstandsregierung beizutreten.  Lieberman schrieb auf X: "Wir unterstützen alle Maßnahmen, die die Regierung ergreift, um die Hamas und ihre Führer auszuschalten, und werden dies auch weiterhin tun." Er sei auch bereit, dem Kriegskabinett beizutreten, um so schnell wie möglichen einen Sieg zu erreichen. Er habe aber "kein Interesse daran, Minister Nummer 38 in der Regierung zu sein und wie ein Feigenblatt benutzt zu werden."

 

 

Tag 8: 14. Oktober 2023

17:00
Am Samstagnachmittag wurden israelische Militärposten an der Grenze zum Libanon von der Hizbollah mit Raketen und Mörsergranaten beschossen. Der Angriff erfolgte bei Har Dov bei den umstrittenen Sheeba Farmen. Die Armee griff daraufhin Stellungen der Hizbollah an. Gleichzeitig wurde eine Terrorzelle angegriffen, die auf israelisches Gebiet vordringen wollte. Die Bewohner einiger israelischer Dörfer an der Grenze wurden gewarnt vor möglichen Eindringlingen. Am frühen Nachmittag wurde bekannt, dass die USA ihr Personal aus der Botschaft mitsamt Familien abzieht. Übrig bleiben nur die diplomatischen Angestellten, die für einen Notbetrieb der Botschaft vor Ort sein müssen. Unterdessen gehen die Angriffe Israels auf den Gazastreifen weiter. Die Armee hat der Bevölkerung bis 16 Uhr Zeit gegeben, sich auf zwei direkten Wegen vom Norden in den Süden von Gaza zu begeben. Das wird als Indiz angesehen, dass ein Einmarsch israelischer Bodentruppen unmittelbar bevorsteht. Unterdessen hat der iranische Aussenminister Israel vor einem Angrif auf dei Hizbollah gewarnt. Sollte Jerusalem die Schiiten-Miliz in den Krieg hineinziehen, dann würde Israel ein «Erdbeben» erleben. Die Ägypter versiegeln unterdessen ihre Grenze zu Gaza. Bis 17 Uhr dürfen allerdings noch Palästinenser mit amerikanischer Staatsbürgerschaft nach Ägypten ausreisen. 

 

13.30
Hamas-Mörder liquidiert: Die israelische Armee hat die Tötung eines weiteren Hamas-Anführers gemeldet. Ali Qadi habe das barbarische Massaker am 7. Oktober an Zivilisten angeführt, teilten die Streitkräfte mit. "Wir haben ihn gerade eliminiert."

11.30
Saudi-Arabien hat die Gespräche über eine mögliche Normalisierung der Beziehungen mit Israel offenbar gestoppt. Das melden die Nachrichtenagenturen AFP und dpa unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise. »Saudi-Arabien hat beschlossen, die Gespräche über eine mögliche Normalisierung zu unterbrechen«, AFP eine Quelle aus Riad. Die US-Regierung sei über diesen Schritt informiert worden. US-Außenminister Antony Blinken, der nach seinem Solidaritätsbesuch in Israel mehrere Länder in der Region bereist, hält sich derzeit in der saudi-arabischen Hauptstadt auf.

Zwischen Israel und Saudi-Arabien hatte sich jüngst eine Annäherung abgezeichnet. Eine mögliche Normalisierung der Beziehungen wurde von US-Präsident Joe Biden vorangetrieben. Der Krieg zwischen Israel und der Hamas könnte die Annäherung nun aber gefährden. 

 


11.00
Unter den mehr als 1300 Todesopfern der Terrorattacken der Hamas in Israel sind auch mindestens 265 israelische Soldaten. Das teilte Militärsprecher Richard Hecht am Samstag mit. Die weitaus meisten der bei den Großangriffen getöteten Menschen sind demnach Zivilisten. Bei 120 Menschen gelte als gesichert, dass sie in den Gazastreifen verschleppt worden sind, sagte Hecht. 

08.30
Die israelische Armee hat den Einwohnern von Gaza-Stadt sechs Stunden freies Geleit auf zwei Hauptstrassen zum Verlassen des evakuierten Gebietes gegeben. Die Bewohner könnten diese von 9 bis 16 Uhr Ortszeit gefahrlos nutzen, teilte ein Armeesprecher auf Arabisch mit.  Bewohner sollten diese Zeit nutzen, um sich nach Süden zu bewegen. »Seien Sie versichert, dass die Hamas-Führer auf sich selbst aufpassen und sich vor Angriffen in der Region in Sicherheit bringen.«

 

Tag 7: 13. Oktober 2023

23.00
Israel setzt angeblich weissen Phosphor gegen Gaza ein: Aufnahmen eines israelischen Angriffs auf den Hafen von Gaza am Mittwoch zeigen anscheinend den Einsatz von weissem Phosphor, so die «Washington Post» am Freitag. Das Medium hatte Experten bei Amnesty International beauftragt, das Video zu überprüfen. Human Rights Watch hatte bereits am Donnerstag eine Analyse publiziert, die den Einsatz von weissem Phosphor am Hafen bestätigt. Neben dem Video zitieren die Analysen zwei Zeugen, die den erstickenden, charakteristischen Geruch des Kampfstoffes bemerkt haben. Die IDF hat die Behauptungen am Freitag als «eindeutig falsch» zurück gewiesen. Das im Auftrag der Post untersuchte Video zeigt zwei, schnell hintereinander abgefeuerte Artilleriegeschosse, die in der Luft explodieren und für den Kampfstoff charakteristische Phänomene zeigen: Weisser Phosphor entzündet sich nach Freisetzung automatisch in der Luft und erzeugt weisse Linien, gefolgt von dichtem Rauch. Laut Human Rights Watch hat Israel bei dem Angriff 155-mm-Airburst-Artilleriegeschosse mit weissem Phosphor eingesetzt. Die Menschenrechts-Organisation verurteilt den Einsatz der Chemikalie, die in einem so dicht besiedelten Gebiet schwere Verbrennungen bei Menschen verursachen und zivile Gebäude in Brand setzen kann. Ein Sprecher des Palästinensischen Roten Halbmonds erklärte, für die Organisation tätige Mediziner hätten Verletzungen gesehen, die auf die Verwendung von weissem Phosphor zurückzuführen seien.  Der Einsatz der Munition ist gegen militärische Ziele innerhalb von Konzentrationen von Zivilisten verboten. Völkerrechtlich erlaubt sind Einsätze nur, wenn ein militärisches Ziel klar abseits von den Zivilisten liegt, so das Rote Kreuz in einer Erklärung von 2009. Laut Human Rights Watch hat Israel während der 22-tägigen Kampagne in Gaza Ende 2008 bis Anfang 2009 wiederholt weissen Phosphor eingesetzt (https://www.washingtonpost.com/world/2023/10/12/white-phosphorus-israel…).

 

18.00

Brief der Basler Regierung. Der Regierungsratspräsident des Kantons Basel-Stadt, Beat Jans, richtete gestern einen Brief an Vertreterinnen und Vertreter der jüdischen Gemeinden Basel-Stadt. Darin heisst es u.a., dass der Regierungsrat den schrecklichen Terrorangriff der Hamas auf Israel verurteile. Er sei erschüttert über die Hemmungslosigkeit des Vorgehens und das grosse Leid, das den Opfern und ihren Angehörigen angetan worden ist und wird. Jans versichert in dem Brief seine Solidarität.

Sonderflüge abgesagt. Die Swiss hat nach einem letzten Flug am Freitag weitere Sonderflüge von Zürich nach Tel Aviv und zurück abgesagt. Der Grund für den Entscheid sind Sicherheitsbedenken. Am Samstagmorgen ende das Ultimatum der israelischen Regierung an die Hamas, so die Swiss in einer Mitteilung. Ab diesem Zeitpunkt sei mit einer Bodenoffensive Israels im Gazastreifen und einer weiteren Eskalation der Gewalt zu rechnen. Eine Durchführung der Flüge sei daher bis auf weiteres nicht vertretbar.

14.15

Schweizer getötet. Bei den Terrorangriffen auf Israel am vergangenen Wochenende ist ein Schweizer Staatsangehöriger getötet worden. Dies bestätigte Aussenminister Ignazio Cassis am Freitag in Genf. Es handle sich um einen Doppelbürger im Alter von fast 70 Jahren.

11.15

Kein Flugverkehr. «Aufgrund der sich weiterhin unklar entwickelnden Situation in Israel und nach intensiver Analyse der Lage haben sich die Fluggesellschaften der Lufthansa Group inklusive Swiss entschieden, ihre regulären Flüge von und nach Tel Aviv bis einschliesslich 22. Oktober auszusetzen», dies vermeldete die Swiss gestern Abend. Darüber hinaus seien die Swiss-Flüge von Zürich nach Tel Aviv bis einschliesslich 31. Oktober für den Verkauf geschlossen, so die Airline weiter. Die Swiss hat in Kooperation mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelenheiten bisher vier Sonderflüge von Zürich nach Tel Aviv und zurück durchgeführt.

08.15
Alarm über Hamas-Aufruf: Jüdische Organisationen weltweit geben Sicherheits-Anweisungen aus. Aus New York und Wien liegen der Redaktion detaillierte Ratgeber jüdischer Gemeindeorganisationen für den heutigen Freitag vor. Anlass ist ein Hamas-Aufruf zu weltweiten Kundgebungen zur Unterstützung der «Al Aksa-Flut» benannten Terror-Kampagne der Islamisten am heutigen Tag. Aus Wien verlautet, Sicherheitsmassnahmen seien bereits erhöht worden und für heute, Freitag, seien zusätzliche Schritte der Gemeinde-Sicherheitskräfte und der Polizei vorgesehen. Zudem habe Terrorismus nicht nur Gewalt per se zum Ziel, sondern auch die Verbreitung von Angst und Schrecken. Von daher bestehe kein Grund zur Panik, sehr wohl aber zu höherer Vorsicht.  So sollten Kinder am Weg zur und von der Schule von Erwachsenen begleitet werden. Das gilt auch für die Wege von und zu Synagogen und jüdischen Einrichtungen. Auf Provokationen sollte nicht eingegangen, Konfrontationen vermieden, aber sofort bei der Polizei gemeldet werden. Zudem rät die Gemeinde-Organisation: Verdächtige Personen oder Gegenstände sofort dem Sicherheitspersonal vor Ort melden; Türen stets geschlossen halten; nicht vor den Objekten verweilen. Ähnliche Hinweise und Ratschläge hat die Jewish Security Alliance in New York City erlassen: https://l.feathr.co/jewish-security-alliance-community-guidelines--w   Inzwischen haben jüdische Gemeinden und  Verbände weltweit ähnliche Warnungen und Anleitungen ausgeben.

07.35
Kontroverse um Offensive: Die wichtigste Meldung am Morgen ist die Aufforderung der israelischen Armee, die Bewohner von Gaza City sollten sich innerhalb von 24 Stunden in den Süden des Gaza-Streifens, jenseits des Wadi Gaza begeben. Das betrifft etwa eine Million von insgesamt zwei Millionen Menschen in dem Küstenstreifen. Israel hat die UN darüber informiert. Diese Massnahme sei notwendig, damit bei den kommenden Operationen der Armee Zivilisten nicht zu Schaden kämen. UN Sprecher Stéphane Dujarric erklärte, dass dies katastrophale humanitäre Konsequenzen haben werde. Auch das gesamte UN-Personal in der Region soll sich in den Süden begeben. Die Armee soll inzwischen gegenüber der UN eingeräumt haben, dass es länger als 24 Stunden dauern könnte, bis alle Bewohner in den Süden kommen. Dieser Aufruf ist ein deutliches Indiz, dass Israels Bodenoffensive unmittelbar bevorstehen könnte. Unterdessen wachsen die Sorgen, dass das Westjordanland explodieren könnte. Wie die israelische Tageszeitung Haaretz in einer Reportage zeigt, greifen radikale Siedler immer häufiger ungehindert Palästinenser an, von denen immer mehr flüchten und ihr Land und Eigentum zurücklassen. Bei den Palästinensern regt sich Widerstand, Bewaffnete Gruppe in Nablus erklären, dass sie genau wissen, wann und wo sie zurückschlagen müssen. Sollte die Armee die Lage nicht in den Griff bekommen, droht ihr in der Region neben Gaza eine weitere Front. Für grosse Aufregung sorgte eine Werbekampagne einer Pizzeria in der palästinensischen Stadt Huwara, die vor wenigen Monaten Schauplatz eines brutalen Überfalls von jüdischen Siedlern war. Das Restaurant zeigte eine ältere Israeli, die am 7. Oktober als Geisel nach Gaza verschleppt wurde. In einem Video, das die Hamas verbreitete, sieht man sie mit einer Kalaschnikow im Arm, eine Hand zum Victory-Zeichen erhoben, neben ihr ein Hamas-Mann. Aus diesem Video nahm der Pizzeria-Bäcker ein Foto der Israeli, die nun in seiner Werbung eine Pizza in der Hand hält. Wütende Siedler forderten die Zerstörung des Lokals, was die israelische Armee dann auch tat. Unterdessen trat die wegen ihrer schrillen und rechtsradikalen Äusserungen umstrittene Ministerin für Öffentliche Diplomatie, Galit Distel Atbaryan von ihrem Posten zurück. Sie begründete diesen Schritt damit, dass die Regierung sie beiseite geschoben habe und das Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten angewiesen habe, während des Krieges gemeinsam mit dem Aussenministerium die Öffentlichkeitsarbeit im In- und Ausland zu übernehmen 

06:30
Palästinensische Demo in Paris eskaliert. Die französische Polizei hat in Paris eine verbotene palästinensische Demonstration aufgelöst, wie SRF schreibt. Dabei kamen Tränengas und Wasserwerfer zum Einsatz. Hunderte Menschen waren im Zentrum der Stadt zusammengekommen - dies trotz eines Demonstrationsverbots.

Notstandsregierung genehmigt: Israels Parlament hat die Bildung einer Notstandsregierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Oppositionspolitiker Benny Gantz gebilligt. Das berichteten israelische Medien am Donnerstagabend. Neben Gantz sollen demnach vier weitere Mitglieder der Opposition in die Regierung eintreten.

Als Jude: US-Aussenminister Antony Blinken hat bei seinem Besuch in Israel angesichts der Angriffe der Hamas über seine eigene Familiengeschichte gesprochen. «Ich komme zu Ihnen nicht nur als Aussenminister der Vereinigten Staaten, sondern auch als Jude», sagte Blinken in Tel Aviv nach dem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

 

Tag 6: 12. Oktober 2023

Debatte in Israel: Israels Erziehungsminister Yoav Kisch ist das erste Regierungsmitglied, das zugibt, dass dieser Krieg und vor allem die Fehler, die am letzten Samstag gemacht wurden, auf das Konto dieser Regierung gehen wird und dass sie dafür bezahlen wird. Davon ist inzwischen in Israel jeder überzeugt: Netanyahu wird diesen Krieg politisch nicht überleben. Israels Generalstabschef Herzl Halevi hat heute in einer Rede erklärt, dass auch die Armee für die Katastrophe von Samstag verantwortlich sei und dass man dies aufarbeiten werden, aber jetzt sei erst einmal die Zeit des Krieges. Er hat auch gesagt, dass es ein Ziel der Armee sei, die Geiseln zu befreien. Wie das tatsächlich gehen soll, weiß man natürlich im Augenblick nicht, aber allein dies zu äußern ist psychologisch für die Israelis sehr wichtig. US-Außenminister Antony Blinken hat heute bei seinem Besuch in Israel noch einmal versichert, dass die USA Israel unterstützen werden und die Sicherheit des Landes garantieren. Völlig absurd und zynisch war heute ein öffentliches Statement der Hamas, man habe am Samstag nur die israelische Armee als Ziel gehabt. Angesichts solcher Äusserungen, die in Israel das Blut in Wallung bringt, wird nur dazu führen, dass man erst recht in Gaza tabula rasa machen will. Doch genau das will die Hamas. Sie will den Bodenkampf, weil sie sich im Häuserkampf durchaus einen strategischen Vorteil ausrechnet.

 

15:00
Vierter Sonderflug. Die Swiss wird morgen, Freitag, 13. Oktober einen vierten Sonderflug von Zürich nach Tel Aviv und zurück in Kooperation mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) durchführen. Auch dieser Flug ist ausschliesslich über eine spezielle Hotline buchbar, die vom EDA an die Auslandschweizerinnen und -schweizer sowie Schweizer Reisende in Israel kommuniziert wurde.
Der Flug startet um 11.00 Uhr in Zürich und landet um 16.00 (Lokalzeit) in Tel Aviv. Der Rückflug ist um 17.00 Uhr mit Landung in Zürich um 20.20 Uhr. Auf dem Flug gibt es 215 Sitzplätze.
Wie die Swiss mitteilte, ist der zweite Sonderflug am Mittwochabend planmässig gelandet. An Bord waren 210 Erwachsene/Kinder und 5 Babys.

12.30
97 Geiseln: Ein Sprecher des israelischen Militärs hat mitgeteilt, dass den Behörden die Identität von 97 Personen bekannt ist, die von der Hamas in den Gazastreifen verschleppt worden sind. Es wird aber davon ausgegangen, dass mehr als hundert Menschen als Geiseln entführt wurden.  Zudem sagte der Sprecher, dass seit Samstag 222 Soldaten getötet worden seien. »Das Militär bereitet sich auf die nächste Phase des Krieges vor«, fügte der Sprecher an. Damit meint er womöglich eine Bodenoffensive auf den Gazastreifen, sicher ist das jedoch nicht. 

Geiseln für Energie: Nach dem Hamas-Großangriff hat Israels Energieminister die Grundversorgung der Zivilbevölkerung im Gazastreifen an die Freilassung der israelischen Geiseln in Hand der islamistischen Hamas geknüpft. »Kein Stromschalter wird umgelegt, kein Wasserhahn geöffnet und kein Treibstofflaster fährt rein, bis die israelischen Geiseln nach Hause zurückgekehrt sind«, schrieb Israel Katz am Donnerstag auf der Plattform X (vormals Twitter). Humanitäre Gesten werde es nur im Gegenzug für humanitäre Gesten geben. »Und dass uns keiner Moral predigt«, schrieb Katz. 

07.25
Kein ÖV für Reservisten. Auch in der Nacht gingen die Bombenangriffe auf Gaza weiter, dabei wurde nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums 31 Menschen getötet. Während der frühere US-Präsident Donald Trump in einer Rede Israels Geheimdienste kritisierte und erklärte, sie müssten schnell wieder funktionieren, denn Israel kämpfe gegen einen mächtigen Feind im Hintergrund, den Iran, gab die amerikanische UN Botschafterin ein klares pro-israelisches Statement ab: «Nie wieder» – das sei jetzt. Der israelische Starjournalist Barak Ravid berichtet, dass es im Kabinett zu einem heftigen Disput zwischen Transportministerin Miri Regev und Verteidigungsminister Yoav Gallant, beziehungsweise dem Generalstabschef Herzl Halevi gekommen sei. Der Grund: Rekruten und Reservisten, die am Samstag einberufen wurden, konnten teilweise keinen öffentlichen Transport finden, da wegen Schabbat viele Busse etc. nicht fuhren. Normalerweise wird im Kriegsfall, bei der Einberufung von Soldaten auch am Schabbat gefahren. Die USA hatten mit Ägypten und Israel gesprochen, dass man für die palästinensische Zivilbevölkerung einen Fluchtkorridor im Sinai öffnen sollte. Doch in den frühen Morgenstunden berichtetet die Nachrichtenagentur Reuters, dass Ägypten abgelehnt hat. Kurz danach kam die Meldung, Israel habe zwei führende Hamasleute getötet, Muhammad Abu Shamala und Mustafa Shahin. Shamala war ein ranghohes Mitglied der Seekräfte der Hamas.

Tag 5: 11. Oktober 2023

18.15
Furcht vor Eskalation: Am Mittwochnachmittag schien die Lage ausser Kontrolle zu geraten. Plötzlich gab es Alarm. Dutzende Drohnen und Paraglider waren aus dem Libanon in den israelischen Luftraum eingedrungen. Der ganze Norden musste in die Bunker fliehen. Man befürchtete, dass dies nun die endgültige Eskalation sei, die diesen Krieg zu einem Zwei-Fronten-Krieg macht. Doch dann stellte sich heraus, dass dies falscher Alarm war. Das Warnsystem war durchgedreht. Noch mehr Chaos in Israel. Zur gleichen Zeit wurde verkündet, dass Benny Gantz mit seiner Partei zusammen mit der Regierungskoalition in eine Notstandregierung eintreten werde. Aus seiner Partei „Blau-Weiß“ werden fünf Abgeordnete Minister ohne Portfolio. Gantz selbst, ehemals Generalstabschef und Verteidigungsminister, wird mit Netanyahu und dem aktuellen Verteidigungsminister, General Yoav Gallant, im Kriegskabinett sitzen. Ron Dermer, Netanyahus Vertrauter, sowie Gadi Eizenkot, ebenfalls eine ehemaliger Generalstabschef und heute Parteifreund von Gantz, werden als «Beobachter» im Kriegskabinett sitzen. Damit hat Netanyahu nun die geballte Erfahrung mehrerer Generäle um sich. Die beiden rechtsextremen Minister, Itamar Ben Gvir und Bezalel Smotrich, werden in Sachen Krieg nichts zu sagen haben. Zum Glück – denken die meisten Israelis. Doch der Krieg hat gerade erst begonnen. Und keiner kann sagen, wohin die Reise geht. Auch nicht die Militärs.

18.15
Luftalarm im Norden. Wegen des Eindringens «feindlicher Fluggeräte» hat Israel die Bevölkerung im Norden aufgerufen, Schutz zu suchen. Das berichten die Nachrichtenagentur AP und die «Times of Israel». Die Zeitung zeigt den Screenshot einer Warnapp, in der zahlreiche Ortschaften in der Nähe der Grenze zum Südlibanon als gefährdet markiert sind. Um welche Art von Fluggeräten es sich genau handelt, wurde nicht mitgeteilt. Zuvor hatte es Berichte über den Einflug von Fluggeräten gegeben, darunter möglicherweise Paraglider.

17.00
Notstandsregierung beschlossen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und der ehemalige Verteidigungsminister und heutige Oppositionspolitiker Benny Gantz haben sich auf die Bildung einer Notstandsregierung der nationalen Einheit geeinigt. Nach Medienangaben sollen die bisherigen Oppositionspolitiker Benny Gantz, Gadi Eisenkot und Gideon Saar als Minister dem Kabinett beitreten.  Gantz und Eisenkot werden ebenfalls dem Sicherheitskabinett angehören, das bisher aus Netanyahu, Verteidigungsminister Yoav Gallant und Aufklärungsminister Ron Dermer besteht. Am Abend sollen Netanyahu und Gantz vor der Presse eine Erklärung abgeben. 

15.45
Dritter Sonderflug. Die Swiss wird morgen, Donnerstag, 12. Oktober einen dritten Sonderflug von Zürich nach Tel Aviv und zurück in Kooperation mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) durchführen. Auch dieser Flug ist ausschliesslich über eine spezielle Hotline buchbar, die vom EDA an die Auslandschweizerinnen und -schweizer sowie Schweizer Reisende in Israel kommuniziert wurde.
Der Flug startet um 11.00 Uhr in Zürich und landet um 16.00 (Lokalzeit) in Tel Aviv. Der Rückflug ist um 17.00 Uhr mit Landung in Zürich um 20.20 Uhr. Auf dem Flug gibt es 215 Sitzplätze.
Wie die Swiss mitteilte, ist der erste Sonderflug am Dienstagabend planmässig gelandet. An Bord waren 214 Erwachsene/Kinder und 10 Babys. Stefan-Kenan Scheib, Commander des Sonderfluges, sagt: «Es bedeutet uns viel, dass wir Schweizerinnen und Schweizer in die Heimat zurückbringen konnten. Dies war nur möglich, dank eines ausserordentlichen Efforts sämtlicher Beteiligten von der Planung bis zur Abfertigung und nicht zuletzt dank des grossen Einsatzes der Besatzungsmitglieder, die sich allesamt freiwillig für den Flug zur Verfügung gestellt haben.» Im Vorfeld des Fluges habe die Swiss eine besonders intensive Beurteilung der Sicherheitslage vorgenommen und die Lage auch während des Fluges und bis zur Landung immer wieder neu beurteilt.

13.00
Die Opferzahlen steigen. Israel und Hisbollah feuern entlang der Nordgrenze. Die Situation bleibt angespannt. Inzwischen steigen die Opferzahlen. 1200 Israelis wurden getötet, 2400 sind verundet. Die Palästinenser sprechen von 950 Toten und 5'000 Verwundeten durch israelische Luftangriffen . Die IDF sprechen von 1'500 Leichen von Militanten Hamas-Kämpfen.und rufen die Einwohner von Gaza zur Flucht nach Ägypten auf

11.00
Bedrohliche Lage im Norden: Die Lage im Norden Israels wird immer bedrohlicher. Auch heute Vormittag feuerte die schiitische Hizbollah-Miliz Raketen auf einen israelischen Grenzposten, woraufhin die Armee mit Gegenangriffen reagierte. Die Sorge, dass es zu einem Zwei-Fronten-Krieg kommen könnte, wächst. Und das obwohl US-Präsident Joe Biden gestern in einer Ansprache den Iran und die Hizbollah sehr klar gewarnt hat. Kein Staat und keine Organisation sollten diese Situation ausnutzen, erklärte der Präsident. Und sagte nur: „Don’t“ – Tut es nicht. Im Klartext bedeutet das: Die USA würden dann wohl militärisch eingreifen. Seit gestern Abend ist der größte Flugzeugträger der Welt, die USS Ford im östlichen Mittelmeer eingetroffen. Eine klare Ansage, dass die USA da sind, falls es für Israel bedrohlich wird. Und auch das sagte der Präsident gestern: dass das Vorgehen der Hamas und anderer Organisationen und Staaten mit entsprechender Ideologie eine Gefahr für den Weltfrieden sei. Biden gab den Israelis gestern grünes Licht hart durchzugreifen. Für morgen wird der Besuch von US-Außenminister Antony Blinken in Israel erwartet.

 

06:30
US-Kommando-Einheiten angeblich in Israel eingetroffen. US-Präsident Joe Biden hat am Dienstag die Terror-Attacken der Hamas auf Israel als «Ausgeburt des Bösen» bezeichnet und dem jüdischen Staat rückhaltlose Unterstützung gelobt. Den Attacken seien 14 amerikanische Staatsbürger zum Opfer gefallen und weitere seien als Geiseln genommen worden. Aus Regierungskreisen wurde deren Zahl mit 20 angegeben.Der auf den Krieg der Ukraine gegen russische Invasoren spezialisierte Twitter-Account Visegrad24 vermeldet derweil das Eintreffen amerikanischer Kommando-Einheiten in Israel. Die Truppen sollen dem «Special Operations Command» unterstehen und speziell auf die Befreiung von Geiseln trainiert worden sein. Der Twitter-Post beruft sich auf einen ungenannten «Offiziellen im Pentagon». Bislang wurde die Information nicht von Medien oder dem US-Militär bestätigt. Allerdings hat Verteidigungsminister Lloyd Austin bereits kurz nach der Hamas-Attacke die Entsendung von Kommandos nach Israel angeboten (https://twitter.com/visegrad24/status/1711751012162183316).

 

00:30
US-Präsident Joe Biden  spricht Klartext: "Die Hamas hat das pure Böse entfesselt und Erinnerungen an den jüdischen Völkermord wachgerufen. Lassen Sie es mich ganz klar sagen: Wir stehen an der Seite Israels". Der US Präsident sei entsetzt über "erschütternde Berichte über getötete Babys, ganze Familien, massakrierte junge Menschen, vergewaltigte, misshandelte und als Trophäen zur Schau gestellte Frauen.

 

Tag 4: 10. Oktober 2023

18:30
Details über das Massaker. Die wichtigste Nachricht des Tages aus der Sicht Israelis sind neue Details über das Massker vom vergangenen Samstag. Heute wurde ein Gruppe von Journalisten nach Kfar Gaza gebracht. Dort konnten sie sehen, was die Hamas-Terroristen angestellt haben. Sie sahen vor allem verstümmelte Babies. Einigen war der Kopf abgehackt worden. Haaretz-Journalist Anshel Pfeffer, der in Kfar Aza war, schrieb nachher betroffen auf X (früher Twitter). „Von der Anzahl der Leichen ausgehend, die man jetzt in den kleinen Häusern des Kibbutz Kfar Aza entdeckt hat, sieht es so aus, also ob dies die jüdische Gemeinde ist, die das grösste Massaker im Land erleiden musste, seitdem Juden vor 150 Jahren begonnen haben hierher zurückzukehren.“ So wie das Massaker von Hebron 1929 in die Geschichte des Zionismus eingegangen ist, so dürfte auch der 7.Oktober 2023 für immer ein dunkler Tag in der Erinnerung des gesamten jüdischen Volkes bleiben. Parallel dazu nehmen die Zwischenfälle an der Nordgrenze zu. Die Hizbollah schiesst mit Anti-Panzer-Raketen auf Fahrzeuge der IDF. Israelische Kampfhubschrauber beschiessen als Vergeltunsmassnahme einen Beobachterposten der Hizbollah. Es ist ein Spiel mit dem Feuer und die Gefahr eines Zwei-Fronten-Kriegs für Israel wächst.

17:30
Weiterer Sonderflug mit neuen Zeiten. Die Swiss korrigiert die Zeiten für den weiteren Sonderflug, den die Fluggesellschaft in Kooperation mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) durchführt. Der Flug zwischen Zürich und Tel Aviv für morgen, den 11. Oktober, startet um 11.55 Uhr in Zürich mit Ankunft um 17.05 Uhr in Tel Aviv. Der Rückflug erfolgt um 18.05 Uhr ab Tel Aviv mit Ankunft in Zürich um 21.25 Uhr. Der Sonderflug erfolgt nach starker Kritik am EDA. Auch dieser Flug ist nur über eine spezielle Hotline buchbar, die vom EDA an die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer sowie Schweizer Reisende in Israel kommuniziert wurde.

16:45

Noch über 100 Geiseln. Seit dem ersten Hamas-Angriff am Samstagmorgen sind über 900 Israelis getötet worden. Die Hamas hält immer noch über 100 israelische Geiseln, darunter Zivilisten und IDF-Soldaten. Nach Angaben der IDF wurden mindestens 123 israelische Soldaten getötet, 50 wurden nach Gaza entführt. Das israelische Gesundheitsministerium meldete, dass seit dem Angriff der Hamas am Samstagmorgen 2.806 Israelis verwundet und in Krankenhäuser eingeliefert worden sind.

09:30
Reservisten aus Europa. Am Morgen hat Israel Flugzeuge nach Europa geschickt, um dort gestrandete Reservisten zum Dienst abzuholen. Unterdessen gingen die massiven Luftschläge auf Gaza unvermindert weiter, während die Zahlen der Tote und Verletzten in Israel weiter ansteigen: Am Dienstagmorgen sind es 900 tote Israelis und mehr als 2400 Verletzte. Die Palästinensischen Behörden sprechen von 704 Palästinensern, die bei den Bombenangriffen der Israelis getötet wurden. Aus den USA sind inzwischen die ersten Cargo-Flugzeuge auf dem Weg nach Israel, um die Armee mit Ausrüstung, Munition und Waffen zu versorgen. Der UN-Gesandte Israels spricht von 100 – 150 Geiseln, die die Hamas nun in Gaza in ihren Händen hat, darunter auch viele Ausländer, nicht nur Israelis. Am gestrigen Abend wurden im Kernland Israels 1500 Leichen von Hamas-Terroristen gefunden. Die EU, die gestern zunächst beschlossen hatte, den Palästinensern keinerlei Gelder mehr zu Verfügung zu stellen, hat ihre Entscheidung revidiert, da Irland, Spanien und inzwischen auch Frankreich dagegen sind. Bei den gestrigen Zwischenfällen an der Nordgrenze ist nicht nur ein israelischer Soldat getötet worden, sondern drei, wie die Armee mittlerweile bekanntgab. Zehntausende Truppen sollen an die Nordgrenze geschickt worden sein, um die Lage dort zu kontrollieren, das sagte ein Armeesprecher einem Korrespondenten von CNN. 

 

 

07:00
Die EU stoppt Zahlungen. Die Europäische Union bestätigte am Montag, dass sie die Entwicklungshilfe für die Palästinenser in Höhe von 691 Millionen Euro vorübergehend aussetzt, sagte jedoch später, dass die humanitäre Hilfe „so lange wie nötig fortgesetzt“ werde.

03:30
Kundgebung für Israel am UN-Hauptquartier. Die New Yorker Dachverbände Jewish Community Relations Council und UJA Federation rufen für heute, Dienstag, um 17 Uhr Ortszeit zu einer Trauer- und Solidarität-Veranstaltung für Israel am UN-Hauptquartier in Midtown Manhattan auf (https://l.feathr.co/tomorrow---rally-in-support-of-israel--o). Am Sonntag hatten dort und am Times Square linke und palästinensische Organisationen gegen Israel und für die «Befreiung Palästinas» demonstriert. 
 

02:00
Uni Bern mit Gewaltverherrlicher. Ein Mitarbeiter am Institut für Islamwissenschaft der Uni Bern lobt auf Social Media den Grossangriff der Hamas auf Israel. Der Dozent am Institut für Studien zum Nahen Osten und zur muslimischen Gesellschaften.bedankte er sich auf X/Twitter) beim palästinensischen Widerstand und sprach vom «besten Geschenk, das ich vor meinem Geburtstag bekommen habe». In einem weiteren Post kommentierte er auf Hebräisch ein Video, das den Überfall dokumentiert, mit den Worten «Shabbat Shalom. Der Redaktion von tachles liegen die Dokumente vor.

01:10

Die islamistische Hamas im Gazastreifen hat nach dem Grossangriff auf Israel einen Gefangenenaustausch gefordert. Die Palästinenserorganisation verlange die Freilassung von 36 inhaftierten Palästinenserinnen in Israel für die Übergabe von älteren entführten Israelinnen, sagte ein Hamas-Sprecher am Montag. Wie viele israelische Frauen ausgetauscht werden sollen, sagte der Sprecher nicht. Der Golfstaat Katar vermittelt demnach. Ein Sprecher der israelischen Regierung wollte sich dazu nicht äussern. Die Hamas hatte am Samstag bei einem Grossangriff auf das israelische Grenzgebiet unter Zivilisten das schlimmste Blutbad seit der israelischen Staatsgründung angerichtet. Dabei wurden mindestens 700 Menschen getötet und rund 2400 weitere verletzt. Mehr als 100 Israelis wurden in den Gazastreifen verschleppt. Die Hamas wird von der EU, den USA und Israel als Terrororganisation eingestuft. Bei israelischen Luftangriffen als Reaktion auf den massiven Angriff wurden im Gazastreifen nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums mehr als 558 Menschen getötet und mehr als 2800 verletzt.

 

Tag 3: 9. Oktober 2023

22:00

Ansprache von Netanyahu - In einer landesweit im Fernsehen übertragenen Ansprache an die Nation hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Oppositionellen seiner Regierung dazu aufgefordert, "sofort eine nationale Notstandsregierung ohne Vorbedingungen" zu bilden. "Die Menschen sind geeint und jetzt muss sich die Führung vereinen", sagte Netanjahu. Mehrere Oppositionelle hatten sich bereits am Wochenende zu einer solchen Regierung bereit erklärt, darunter der frühere Außenminister Jair Lapid und der frühere Verteidigungsminister Benny Gantz.  Netanjahu erklärte die Spaltung der Israelis in den letzten Monaten für beendet. "Wir sind alle vereint", sagte er. "Wir befinden uns in einem Einsatz für die Heimat, einem Krieg zur Sicherung unserer Existenz, einem Krieg, den wir gewinnen werden."

19:10

Israel hat seinen Angriff auf Gaza intensiviert. Die Enklave bekommt keinen Strom, kein Essen, kein Wasser, kein Gas mehr. Eine totale Blockade ist eingerichtet worden, nichts kommt mehr nach Gaza rein, nichts mehr raus. Die „Anklopf“-Politik wurde aufgegeben. Bislang hat die Air Force, wenn sie ein Haus, in dem eine Hamasposition war, bombardieren wollte, eine kleine Warnbombe auf das Dach des Hauses abgefeuert, damit die Zivilbevölkerung Zeit hatte zu fliehen. Dadurch waren aber auch die Hamas-Leute gewarnt. Das wird es ab sofort nicht mehr geben. Man ist in Jerusalem auch entschieden Gaza zu bombardieren ohne Rücksicht auf die israelischen Geiseln. Wenn man weiß, wo sich welche befinden, dann wird darauf Rücksicht genommen, heißt es in Jerusalem. Ansonsten wird sich Israel nicht zügeln, das sei nachdem was geschehen ist, nicht mehr möglich. Gleichzeitig hat Hamas angekündigt für jede israelische Bombe eine israelische Geisel zu exuktieren, dies zu filmen und öffentlich zu machen. Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate haben den Angriff der Hamas auf israelische Zivilisten verurteilt. Am frühen Abend gab es neue Zahlen über die israelischen Opfer: 900 Tote und mehr 2600 verwundet.

16.30

Raketenangriffe auf Tel Aviv und Umgebung, eine Rakete, die in unmittelbarer Nähe des Flughafen Ben Gurion einschlug. Luftalarm im Norden, heftige Angriffe der IAF auf Gaza. So sieht der dritte Tag des Krieges aus. Inzwischen wurden 300 000 Reservisten in kürzester Zeit eingezogen, mehr als jemals zuvor in der Geschichte Israels. Inzwischen sind neue Zahlen bekannt: Über 800 Israelis wurden getötet mehr als 2000 sind verletzt. Noch am Vormittag kämpfte die Armee innerhalb Israels, an der Grenze zu Gaza, mit palästinensischen Terroristen, inzwischen habe man das Territorium wieder im Griff, heisst es. Die Hamas verhandelt angeblich mit Israel. Man sei bereit Frauen und Kinder freizulassen, dafür wolle man 36 palästinensische Frauen und Kindern aus den israelischen Gefängnissen zurück haben. In Jerusalem laufen derzeit Gespräch, um eine Einheitsregierung zu bilden. Benny Gantz verlangt, dass Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich ihre Sicherheitskompetenzen entzogen werden, dann wäre er bereit, in die Koalition zu gehen. Yair Lapid verlangt den kompletten Ausschluss der beiden Rechtsextremisten. Österreich hat inzwischen seine Hilfsgelder für die Palästinenser komplett gestoppt, Deutschland berät im Augenblick über ähnliche Schritte.

07:30

In der Nacht auf Montag sind israelische Truppen mit Bodentruppen in Gaza einmarschiert. Auf Hizbollahs Angriffe im Norden mit Mörsergranaten schickte die Armee schweres Gerät in den Norden und evakuiert einige Dörfer und Siedlungen an der Grenze zum Libanon. Inzwischen weiss man, dass unter den von der Hamas Getöteten eine israelische, mehrere amerikanische und ein französischer Staatsbürger waren, mehrere Franzosen werden noch vermisst.  In der Nacht stieg die Zahl der Opfer auf palästinensischer Seite, was im Vorfeld der gestern Nacht kurzfristig einberufenen Sicherheitsratssitzung der Vereinten Nationen zu einem Schlagabtausch zwischen den UN-Botschaftern Israels und der Palästinensischen Autonomiebehörde. Indessen ist die Rede von 100 bestätigten israelischen Geiseln, die von Hamas in den Gazastreifen entführt wurden. Zwei zentristische Gegner Netanjahus, Yair Lapid und Benny Gantz, haben beide öffentlich die Bildung einer breit angelegten Notstandsregierung für die Dauer des Krieges ins Gespräch gebracht. Unterdessen wurde befürchtet, dass sich im Norden eine zweite Front auftun könnte, wo die Hisbollah, die wie die Hamas als Stellvertreter des Iran gilt, im Libanon operiert. Amir Tibon, ein "Haaretz"-Journalist, dessen Familie am späten Samstag von einem Bataillon, dem auch sein Vater, ein General im Ruhestand, angehörte, aus ihrem belagerten Kibbuz gerettet wurde, warnte in X, dass sich die Israelis im Norden auf einen Konflikt einstellen sollten. "Wir waren nicht richtig vorbereitet", schrieb er. "Machen Sie diesen Fehler nicht." Noch am späten Sonntagabend trafen wiederum Raketen aus Gaza in Zentralisrael.

Tag 2: 8. Oktober 2023

Mehr als 600 Tote, immer noch Kämpfe mit Terroristen auf israelischem Staatsgebiet und die offizielle Kriegserklärung Israels. Das ist Tag 2 des Krieges mit der Hamas. Auch im Norden wird geschossen. Immer mal wieder feuert die Hizbollah Mörsergranaten. Die Armee schickte schweres Gerät in den Norden und evakuiert einige Dörfer und Siedlungen an der Grenze zum Libanon. Inzwischen weiss man, dass unter den von der Hamas Getöteten eine israelische, mehrere amerikanische und ein französischer Staatsbürger waren, mehrere Franzosen werden noch vermisst. Berlin erklärt, dass es nach dem Angriff der Hamas seine Wirtschaftshilfe an die Palästinenser neu überdenken wird. Inzwischen haben Benjamin Netanyahu und US-Präsident Joe Biden erneut miteinander telefoniert. Biden sicher seine volle Unterstützung zu. Avigdor Lieberman von der oppositionellen Yisrael Beiteinu-Partei erklärte, er würde der Regierung sofort beitreten, wenn der Premier verspricht die Hamas zu zerstören und ihre Führer zu töten. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz sprach mit Premier Netanyahu. Er wolle sich in Kairo dafür einsetzen, dass Ägypten eine Vermittlerrolle einnimmt. Womöglich geht es da schon um Gespräche über die Geiseln. Unterdessen gehen aber die Angriffe der israelischen Luftwaffe erst so richtig los, auch die Hamas feuert Raketen ab, der Krieg ist in vollem Gange

Am Sonntagmittag sind mehr als 500 Israelis getötet und mehr als 2000 verwundet worden. Das ist die schreckliche Bilanz 24 Stunden nach dem überraschenden Überfall der Hamas auf israelische Dörfer und Kibbuzim an der Grenze zu Gaza am gestrigen Morgen. Inzwischen gilt gemäss israelischen Medien als sicher, dass 200 Besucher eines Musifestivals in Israels Süden massakriert oder entführt wurden. Am heutigen Morgen feuerte die Hizbollah Mörsergranaten auf israelisches Gebiet, Israel feuerte zurück. Die Hizbollah erklärte sich solidarisch mit der Hamas. In Israel ist die Angst vor einem Zwei-Fronten-Krieg gross. Unterdessen läuft die Einberufung der Reservisten weiter. Bis zu 100'000 will die Armee einberufen, auch der ehemaligen Premier Naftali Bennett, sowie der frühere Wirtschaftsminister Yair Golan und der ehemalige Kommunikationsminister Yoaz Hendel meldeten sich als Freiwillige zum Dienst. Im Norden hat die Armee einige Städte und Dörfer, wie etwa Kiryat Shmona, vorgeschlagen, die Bevölkerung sicherheitshalber zu evakuieren. Bei der halbnackten jungen Frau, die gestern in einem Video aus Gaza auf einem Pickup-Truck tot der palästinensischen Bevölkerung gezeigt wurde, handelt es sich um eine Deutsche, die auf einem Musikfestival nahe der Grenze zu Gaza war. Zwei britische Bürger, die ebenfalls auf dem Festival waren, werden vermisst. Im Laufe des Tages will Hamas einige der entführten Israelis präsentieren, berichtet Al Jazeera. Dies ist natürlich Teil ihrer psychologischen Kriegsführung. Kurz vor 12 Uhr mittags am heutigen Sonntag liefert sich die israelische Armee mit palästinensischen Terroristen im Kibbuz Magen erbitterte Gefechte. Noch hat Israel nicht sein ganzes Staatsgebiet wieder im Griff. Am Sonntagnachmittag erklärte Israels Sicherheitskabinett offiziell den Krieg.

 

Tel

Eine Hamas-Rakete zerstört am Samstag ein Haus mitten in Tel Aviv.

Reaktionen aus der Schweiz
Indessen rät das Eidgenössischen Departement des Äusseren vor Reisen nach Israel ab. «Bis zur Klärung der Lage wird von touristischen und anderen nicht dringenden Reisen nach Israel abgeraten». Die  Die Fluggesellschaft Swiss stellt ihre Flüge nach Tel Aviv ab Samstagabend ein. In einem Rundschreiben der Gesellschaft Schweiz-Israel ruft die Organisation zu Solidarität mit Israels Zivilbevölkerung auf. Unklar ist bisher, ob das Länderspiel Israel-Schweiz stattfindet.

 

Tag 1: 7.  Oktober 203
 

Die Bilanz des ersten Tages des Krieges, den Israel «Eiserne Schwerter» nennt, ist entsetzlich: Das totale Fiasko der Geheimdienste, die völlige Überraschung der Armee und der Regierung, ein unglaublicher Siegeszug von ein paar Hundert Hamas-Kämpfer innerhalb Israels und die auch in den frühen Abendstunden immer noch Ortschaften und Kibbuzim besetzt halten. Mehr als 300 Israelis wurden getötet, mehr als 1200 verletzt und mindestens 50 Israelis wurden nach Gaza verschleppt. 

Die Regierung hat den nationalen Notstand ausgerufen, den Einsatz von Bodentruppen befürwortet. Den ganzen Tag bombt die israelische Air Force Gaza, im israelischen Fernsehen wird von Militärs darüber geredet, dass man möglicherweise Gaza wieder besetzen muss. Das Chaos ist total. Und die Bilder sind entsetzlich: Eine halbnackte Israelin auf einem Pick-Up Truck in Gaza, Soldaten, die vorgeführt werden. Und überall jubelnden und tanzende Palästinenser, die ihr Glück nicht fassen können – und doch wissen, was sie nun erwartet. Denn die israelische Armee und die Regierung können jetzt nicht einen Krieg führen wie sie das in der Vergangenheit getan haben. Nun muss ein die Armee ihre Abschreckungskraft wiederherstellen. Im israelischen Fernsehen reden Militärs von einer möglichen Besetzung Gazas. In Tel Aviv sind Raketen mehrfach eingeschlagen. Die Lage ist auch am frühen Abend alles andere als unter Kontrolle.

Der Schabbat und Shmini Azeret zeigte sich Vormittag so: Die israelischen Ortschaften rund um Gaza sind in der Hand der Hamas – das sagte nicht die Hamas, sondern die israelische Armee. Am frühen Morgen überraschte die Hamas die israelische Armee und politische Führung mit einem Raketenangriff und dem Eindringen Dutzender Hamas-Kämpfer in den Süden des Landes. Sie haben zahlreiche Orte, wie Sderot in ihrer Hand, zumindest im Augenblick. Es herrscht Krieg. Beide Seiten bezeichnen die aktuelleSituation so. Im Augenblick sollen bereits 34 Israelis nach Gaza entführt worden, mehr als 250 Israelis sind verwundet. Es sollen gemäss Medienberichten 22 Tote Israelis gegeben haben. Im palästinensischen Fernsehen konnte man in den Strassen von Gaza einen israelischen Militärjeep sehen, den die Hamas in ihre Hände bekommen hat. Ein palästinensischer Journalist aus Gaza berichtete aus einer jüdischen Ortschaft, vor den Häusern der Israelis. Die israelischen Bewohner, die können, versuchen zu fliehen. Es gibt erste Bilder von Palästinensern, die auf Leichen von Israelis herumtrampeln.

Angriffe Hamas

Reservisten einberufen

Die IAF greift massiv Ziele in Gaza an, die Reservisten wurden einberufen. Die Protestbewegung hat alle ihre Demonstrationen abgesagt, die protestierenden Reservisten, die ihren Dienst seit Wochen verweigern, haben sich zum Dienst gemeldet. Israel nennt diesen Krieg «Eiserne Schwerter». 50 Jahre nach dem Jom Kippur Krieg, der Armee und Regierung völlig überraschte, ist Israel erneut in derselben Situation. Niemand ahnte, was die Hamas plante, die Geheimdienste haben offensichtlich, so zumindest nach aktuellem Stand, komplett versagt. Israel befindet sich in der schlimmsten und schwierigsten Situation der vergangenen Jahrzehnte. Man wird abwarten müssen, wie es weitergeht. Werden andere Islamisten in den Krieg mit einsteigen? Wird die schiitische Hizbollah im Libanon mit ihren 130‘000 Raketen Israel aus dem Norden angreifen. Und wird Israel nun möglicherweise Terroristenziele im Libanon, in Syrien und anderswo angreifen? Dieser soeben begonnene Krieg könnte komplett eskalieren. Gemäss Experten handelt es sich um die grösste Aktion der Hamas, während viele offene Fragen noch ungeklärt sind. Bereits wird eine massive Reaktion von Israels Streitkräften in den kommenden Wochen erwartet. Bereits in den ersten Stunden ist die innenisraelische Kritik an schlecht informierten Geheimdiensten beachtlich. Inzwischen haben weltweit Regierungen Solidarität mit Israels Bevölkerung bekundet und zum Ende der Gewalt aufgerufen. 

 

 

 

Redaktion, Andreas Mink, Richard C. Schneider, Yves Kugelmann