standpunkt 13. Feb 2026

Der Israel-Boykott hat die Arktis erreicht

Vor kurzem wurde mir eine Stelle an der Universität Groningen in den Niederlanden ausdrücklich deshalb verweigert, weil ich Israeli bin. Aber der Ausschluss israelischer Forscher fördert weder Gerechtigkeit noch Frieden, sondern beeinträchtigt die Wissenschaft. Boykotte schaffen keine Koalitionen für den Frieden, sondern spalten sie.

Die Region der Arktis wird oft beschrieben als «hoher Norden, niedrige Spannungen». Auch wenn Russlands Invasion in der Ukraine diesem Slogan schwer geschadet hat, hat er doch nicht völlig seine Bedeutung verloren. Ein Bereich, in dem er noch immer Gültigkeit hat, ist die Wissenschaft.

Westliche akademische Einrichtungen in der Arktis boykottieren seit 2022 weitgehend russische Einrichtungen, doch viele erlauben weiterhin die Zusammenarbeit mit einzelnen russischen Forschern. In der Praxis sind solche Kooperationen mittlerweile selten – vor allem aufgrund der repressiven Gesetze Russlands zur Zusammenarbeit mit dem Ausland –, aber das Prinzip bleibt bestehen: Wissenschaftler werden als Individuen beurteilt, nicht anhand ihres Passes.

Dass dieses Prinzip jedoch nicht für israelische Forscher zu gelten scheint, weiss ich aus erster Hand. Dass mir die Stelle am Arktischen Zentrum der Universität Groningen in den Niederlanden verweigert wurde, weil ich Israeli bin, wurde nicht nur angedeutet oder impliziert, sondern mir schriftlich mitgeteilt.

«Unsere Universität zögert, Beziehungen zu israelischen Institutionen fortzusetzen oder aufzunehmen, wenn diese in irgendeiner Weise mit militärischen oder sicherheitspolitischen Fragen oder Aktivitäten in Verbindung stehen. Da sich Ihre Institution [das Institut für Nationale Sicherheitsstudien] auf nationale Sicherheitsstudien konzentriert, möchten wir keine Beziehungen aufnehmen. Dies ist auf die exzessive Gewaltanwendung Israels in den letzten Jahren zurückzuführen», hiess es in der E-Mail. Wie auch immer man es bezeichnen mag – Diskriminierung, Kollektivstrafe oder Antisemitismus –, das Ergebnis ist dasselbe: Ausgrenzung allein aufgrund der Nationalität. Diese Entscheidung ist nicht nur moralisch bedenklich, sondern auch zutiefst kontraproduktiv.

Die von mir vorgeschlagene Forschung ist dringend notwendig. Ich untersuche die Beziehungen zwischen der Arktis und dem Nahen Osten, einem Bereich, der trotz seiner wachsenden Bedeutung nach wie vor auffallend wenig erforscht ist. Die Kohlenwasserstoffexporte des Nahen Ostens tragen direkt zur Erwärmung der Arktis bei; der Klimawandel in der Arktis wiederum verändert die Wetterverhältnisse im Nahen Osten, oft mit destabilisierenden Folgen. Die beiden Regionen befinden sich in einer Rückkopplungsschleife – klimatisch, wirtschaftlich und politisch –, doch die wissenschaftliche Forschung zu dieser Beziehung ist nach wie vor dürftig und einseitig.

Die meisten bestehenden Arbeiten konzentrieren sich eng auf Investitionen aus der Golfregion in die Entwicklung der Arktis und stellen Akteure wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien oft als einfache «Partner» für die Entwicklung von Infrastruktur und Wissenschaft dar. Weit weniger Aufmerksamkeit wird den tieferen strukturellen Beziehungen geschenkt: wie die Energieproduktion im Nahen Osten den Wandel in der Arktis beschleunigt, wie die Klimaveränderungen in der Arktis die Stabilität im Nahen Osten beeinflussen und wie die politischen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen den Regionen trotz vertiefter wirtschaftlicher Beziehungen dysfunktional bleiben.

Ironischerweise verschafft mir mein Standort hier einen komparativen Vorteil. Ich bin in Israel ansässig und arbeite genau an diesen regionenübergreifenden Themen. Ich bin nicht in der Lage, Feldforschung über indigene Gemeinschaften in der Arktis oder die russische Arktis-Governance zu betreiben. Aber ich bin in einer guten Position, um zu analysieren, wie sich die Politik des Nahen Ostens, die Energiemärkte und die Klimavulnerabilität mit dem Wandel in der Arktis überschneiden.

Die Ausgrenzung israelischer Forscher aus arktischen akademischen Netzwerken fördert weder Gerechtigkeit noch Frieden. Sie beeinträchtigt die Wissenschaft. Pauschale Ausschlüsse aufgrund der Nationalität schwächen die transnationale Wissensproduktion. Sie tragen nicht zum Aufbau von Koalitionen für den Frieden bei, sondern spalten sie. Und sie verbessern nicht das Verständnis für komplexe Regionen wie die Arktis – sie verarmen es.

Die Entscheidung des Arktiszentrums spiegelt einen beunruhigenden Trend wider: die Ersetzung akademischer Urteilsfähigkeit durch moralische Haltung. Wenn Institutionen anfangen, Pässe statt Forschungsagenden zu prüfen, verlieren alle. Die Wissenschaft wird enger, Echokammern vertiefen sich, und genau die Art von regionenübergreifenden Erkenntnissen, die zur Bewältigung des Klimawandels und der geopolitischen Instabilität erforderlich sind, werden beiseitegeschoben.

Wenn die arktische Wissenschaft ernstzunehmende und glaubwürdige Beiträge zur globalen politischen Debatte beitragen will, muss sie der Versuchung widerstehen, sich auf symbolische Ausgrenzungen einzulassen, die ideologischen Impulsen gerecht werden, aber wichtige Ergebnisse in der realen Welt untergraben. Wissenschaftler nach ihrer Nationalität zu beurteilen, ist keine Solidarität. Es ist Selbstsabotage. Und es ist eine Schande.

Paul Weisko ist ein israelischer Arktisforscher.

Paul Weisko