USA – Medien 30. Jun 2026

Quoten-Debakel bei CBS News

Bari Weiss bei einem Vortrag in Los Angeles.

Die Führung von Bari Weiss schlägt negativ auf die Einschaltquoten des Traditions-Senders durch.  

Im letzten Herbst hat der neue Eigner David Ellison der ehemaligen «New York Times»-Kolumnistin und Medienunternehmerin Bari Weiss die Leitung von CBS News anvertraut und ihre Website «Free Press» für angeblich 140 Millionen Dollar übernommen. Die 42-Jährige brachte keinerlei Erfahrung im Bereich der Fernseh-Nachrichten mit. Inzwischen erweisen sich etliche Entscheidungen von Weiss als Debakel. So erleidet das Flaggschiff «CBS Evening News» mit ihrer Einsetzung des Moderators Tony Dokoupil deutliche Quotenverluste und fällt regelmässig unter die in der Branche als Massstab geltende Marke von vier Millionen Zuschauern.

Nun laufen auch der für Werbeeinnahmen besonders wichtigen Sendung «CBS Mornings» die Zuschauer davon, seit die Trump-affine Weiss den «60 Minutes»-Veteranen Scott Pelley nach einer offenen Konfrontation im Zuge einer Kündigungswelle entlassen hat. Am 3. Juni, dem Tag der Entlassung Pelleys, kam «CBS Mornings» laut Branchen-Daten auf durchschnittlich 1,8 Millionen Zuschauer insgesamt, darunter 313'000 in der für Werbekunden wichtigen Zielgruppe der 25- bis 54-Jährigen. Am Tag nach Pelleys Entlassung sackten die Zahlen auf durchschnittlich 1,59 Millionen Zuschauer ab, von denen 225'000 zur Zielgruppe der 25- bis 54-Jährigen gehörten.

Dieser Einbruch alarmiert laut Insidern zumindest Teile der Chefetage der von Ellison geführten CBS-Mutter Paramount. Die Sendung konnte zwar inzwischen wieder etwas zulegen, bleibt aber deutlich hinter gewohnten Quoten zurück. Finanziell kommt dies einer Katastrophe gleich. Die Morgensendung erwirtschaftet einen Grossteil der Werbeeinnahmen von CBS News; ein Rückgang der Zuschauerzahlen würde sich somit direkt auf das Finanzergebnis des Senders auswirken.

Branchenkenner notieren: «Die Quotenprobleme der Morgensendung sind ein weiteres Indiz dafür, dass CBS News unter Weiss mit einem umfassenderen Problem beim Markenimage zu kämpfen hat. Ihre redaktionelle Neuausrichtung auf einen Trump-freundlichen Kurs und eine endlose Reihe selbstverschuldeter PR-Desaster stossen das Stammpublikum des Senders vor den Kopf». Und im Zeitalter sozialen Medien werde es ohnehin ständig schwieriger, derartige Trends umzukehren – und ein neues Publikum zu finden (Link).

Andreas Mink