USA 30. Jun 2026

Allein gelassen

Die Beth-Israel-Gemeinde in Jackson, Mississippi, am 16. Januar 2025.

Kleinere jüdische Gemeinden fühlen sich beim Kampf gegen Antisemitismus weniger ernst genommen.  

Jüdinnen und Juden in kleineren US-Gemeinden erleben antisemitische Vorfälle ähnlich häufig wie Angehörige grosser jüdischer Zentren. Dennoch haben sie deutlich häufiger das Gefühl, mit ihren Sorgen allein gelassen zu werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Analyse der Jewish Federations of North America auf Grundlage der grossen «2024 Survey of American Jewish Life». 
Demnach berichten Mitglieder kleinerer Gemeinden häufiger, dass ihre Erfahrungen mit Antisemitismus von Behörden oder ihrem Umfeld relativiert oder nicht ernst genommen werden. Auch das Vertrauen in lokale Strafverfolgungsbehörden fällt geringer aus als in grossen jüdischen Zentren. Während die Häufigkeit antisemitischer Vorfälle vergleichbar ist, unterscheiden sich die Möglichkeiten, darauf zu reagieren, erheblich. 
Die Analyse weist darauf hin, dass kleinere Gemeinden oft über weniger institutionelle Ressourcen verfügen. Nur zwölf Prozent der dort lebenden Jüdinnen und Juden bezeichnen sich als Gemeindeleitende – landesweit sind es rund 20 Prozent. Dadurch verteilt sich die Verantwortung für Sicherheit, Bildungsarbeit und Gemeindeleben auf deutlich weniger Schultern. 
Zugleich betonen die Autoren, dass kleine Gemeinden ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl entwickeln und jüdisches Leben auch fern der grossen Metropolen erfolgreich gestalten. Um langfristig bestehen zu können, benötigten sie jedoch gezielte Investitionen in Sicherheitsmassnahmen, professionelle Unterstützung und den Ausbau lokaler Führungsstrukturen. 
Die Ergebnisse erscheinen vor dem Hintergrund eines anhaltend hohen Sicherheitsgefühls unter Druck. Seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 berichten jüdische Gemeinden in den USA landesweit von einem deutlichen Anstieg antisemitischer Vorfälle und wachsender Verunsicherung.

Redaktion