Israela Shaer Meoded 20. Feb 2026

Suche

Der Fall der verschwundenen Kinder aus jemenitischen Einwandererfamilien gehört zu den schmerzhaftesten Kapiteln der israelischen Geschichte. Eine neue Dokumentation der Filmemacherin Israela Shaer Meoded greift das Thema erneut auf. In «Looking for Yadida» («Auf der Suche nach Yadida») geht sie von ihrer eigenen Familie aus und erzählt vom Verschwinden ihrer Tante in den frühen Jahren des Staates. Zwischen den späten 1940er- und frühen 1950er-Jahren verschwanden zahlreiche Babys, meist Kinder von Einwanderern aus dem Jemen, oft nach Aufenthalten in Krankenhäusern oder Übergangslagern. Eltern erhielten häufig nur die mündliche Mitteilung, ihre Kinder seien gestorben; Grabstätten oder Unterlagen fehlten. Bis heute halten sich deshalb Vermutungen, manche Kinder seien zur Adoption weitergegeben worden, während offizielle Untersuchungen überwiegend von Todesfällen ausgehen. Shaer Meodeds Film erzählt diese Geschichte aus persönlicher Perspektive und verknüpft sie mit der kollektiven Erinnerung vieler Familien, die bis heute Antworten suchen. Die Filmemacherin rekonstruiert das Schicksal ihrer Angehörigen und macht sichtbar, wie stark das Thema noch immer in der israelischen Gesellschaft nachwirkt. Der sogenannte jemenitische Kinderfall wurde mehrfach von staatlichen Kommissionen untersucht, ohne alle Zweifel ausräumen zu können. In den meisten Fällen wurde ein Tod der Kinder festgestellt, doch einige Schicksale blieben ungeklärt. Mit ihrer Arbeit will Shaer Meoded keine endgültigen Antworten liefern, sondern Erinnerung und Diskussion neu anstossen. Der Film zeigt, dass es nicht nur um historische Fakten geht, sondern um Identität, Vertrauen in staatliche Institutionen und die bis heute spürbaren Wunden vieler Familien. 

Emily Langloh