Gandria 30. Apr 2026

Grenzen der Hoffnung

Im Schweizerischen Zollmuseum in Gandria widmet sich eine Sonderausstellung einem wenig bekannten Kapitel der Grenzgeschichte: dem Schmuggel und der Flucht zwischen Italien und der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs. Unter dem Titel «Eine Geschichte von Armut und Verfolgung» zeichnet sie ein vielschichtiges Bild jener Jahre, in denen die Grenze zugleich Überlebensraum und tödliche Barriere war. Die Ausstellung zeigt, wie intensiv der Schmuggel an der Südgrenze betrieben wurde. Für viele Menschen in den italienischen Grenzdörfern war er eine der wenigen Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Männer, Frauen und sogar Kinder riskierten täglich ihr Leben, um Waren über die Grenze zu bringen. Gleichzeitig war die Region Schauplatz von Fluchtbewegungen. Aus dem von der Wehrmacht besetzten Norditalien gelangten Tausende in die Schweiz, darunter politisch Verfolgte, Deserteure und Jüdinnen und Juden. Im Tessin und im Misox wurden rund 26 000 Soldaten und 12 000 Zivilisten aufgenommen, etwa 4500 davon jüdischer Herkunft. Doch die Ausstellung erinnert auch an die Schattenseite dieser Geschichte: Zahlreiche Flüchtlinge wurden an der Grenze zurückgewiesen. Einige von ihnen wurden später verhaftet und nach Auschwitz deportiert. So wird deutlich, wie eng Überleben, Hoffnung und Ausgrenzung in dieser Grenzregion miteinander verbunden waren.

Bis Sonntag, 18. Oktober, Schweizerisches Zollmuseum, Cantine di Gandria, Gandria.
www.zollmuseum.admin.ch

Emily Langloh