Der Cheftrainer der Golden State Warriors ist der Sohn des 1984 in Beirut von schiitischen Terroristen erschossenen Nahost-Historikers Malcolm Kerr.
Der «New Yorker» pflegt Sportgrössen nicht zu politischen Themen zu befragen. Aber bei Steve Kerr macht die Zeitschrift nun eine Ausnahme. Der Trainer des erfolgreichen Basketball-Teams Golden State Warriors in San Francisco ist Sohn des 1984 in Beirut von schiitischen Terroristen erschossenen Nahost-Historikers Malcolm Kerr. Der Verfasser des Klassikers «The Arab Cold War» war seinerzeit Präsident der American University in der libanesischen Hauptstadt und hatte der damals im Lande vorstossenden IDF eine Durchsuchung des Campus untersagt.
Steve Kerr übt in dem Interview scharfe Kritik an Israel und erklärte er, das Land habe nach dem 7. Oktober die Gelegenheit verstreichen lassen, einen Friedensweg einzuschlagen: «Israel strebte nach Rache für den 7. Oktober – und nun wurden 72.000 Palästinenser getötet, während israelische Siedler illegal das Westjordanland in Besitz nehmen, mit Billigung der israelischen Regierung und des US-Botschafters Mike Huckabee», so der 60-Jährige: «Das ist kein Weg zu irgendeiner Form von Frieden oder Sicherheit – weder für Israel noch für den übrigen Nahen Osten.»
Kerr dürfte damit zum prominentesten Kritiker Israels im amerikanischen Sport avancieren. Er trat nach der Wahl von 2016 als unverblümter Gegner Trumps hervor und hielt 2024 eine Rede auf dem Parteitag der Demokraten. Auf die Frage des «New Yorker», wie er die Kriege im Libanon und im Iran verarbeitet habe, verwies Kerr auf die Ermordung seines Vaters: «Die Antwort liegt nicht darin, einen Krieg anzuzetteln und unschuldige Menschen zu töten». Kerr nahm zudem einmal mehr die Trump-Regierung aufs Korn: «Ich glaube, wir sind als Land so schwach wie nie zuvor …, weil unsere Führung derart fehlgeleitet ist. Es mangelt an Demut, an Würde, an Verständnis für die Welt und an der Bereitschaft, andere Perspektiven anzunehmen» (Link).