Auftritt des argentinischen Präsidenten bei einer Chabad-Feier.
Javier Milei trat am Montag als Hauptredner bei einer Veranstaltung der Chabad-Bewegung in Buenos Aires zur 32. Jahrzeit von Rabbiner Menachem Mendel Schneerson auf. Der argentinische Präsident würdigte dabei vor 1800 Teilnehmern «jüdisch-christliche Werte» und wurde allem Anschein nach das erste amtierende, nicht-jüdische Staatsoberhaupt bei einer derartigen Veranstaltung.
Milei sprach im Kulturzentrum Palacio Libertad über eine persönliche «Schlussfolgerung: Wenn man sich die jüdisch-christlichen Werte zu eigen macht, geraten das geistige und das materielle Leben in Einklang und schwingen auf derselben Wellenlänge.» Milei hat seiner Bewunderung für das Judentum und speziell Chabad wiederholt Ausdruck gegeben und nach seiner Wahl 2023 die Unterstützung Israels zu einem Eckpfeiler seiner Politik gemacht. Zuvor hatte er Schneersons Grab in New York City besucht, Pilgerreisen zur Klagemauer in Jerusalem unternommen und dem israelischen Premierminister Binyamin Netanyahu ein Bild Schneersons als Geschenk überreicht.
Milei hat angedeutet, er könnte nach seiner Amtszeit zum Judentum konvertieren, betrachtet die jüdische Lebensweise – einschliesslich der Einhaltung des Schabbat – jedoch als unvereinbar mit dem Amt des Präsidenten. In seiner 40-minütigen Rede standen jüdische religiöse Texte und Gedanken im Vordergrund. Milei zitierte zudem Passagen aus der Tora als Grundlage seiner wirtschaftspolitischen Auffassung. Demnach sei der Kapitalismus ein vom «Schöpfer» – den er auch als «den Einen» bezeichnete – erfundenes System, um durch Arbeit das Paradies auf Erden zu verwirklichen.
Milei und seine Regierung laden inzwischen von Antisemitismus bedrängte, europäische Juden zu einer Immigration ein. Aussenminister Pablo Quirno betonte kürzlich die Attraktivität Argentiniens in einer Botschaft etwa an Juden in Grossbritannien: «Ein aufstrebendes Land mit grossartigen Chancen. Sonnig, mit vielfältigen Naturschönheiten und Heimat der grössten jüdischen Gemeinde Lateinamerikas. Ein Land, das entschlossen gegen Antisemitismus eintritt. Britische und europäische Juden sollten Argentinien ernsthaft in Erwägung ziehen. Sie sind willkommen.»
Der jüdische Dachverband DAIA hat in Argentinien den letzten Jahren zwar einen Anstieg antisemitischer Vorfälle verzeichnet, die sich grösstenteils im Internet abspielten. Dennoch lagen diese Attacken deutlich unter den Zahlen in anderen Ländern mit grossen jüdischen Bevölkerungen, so der im April von der Universität Tel Aviv veröffentlichte Antisemitismus-Bericht für 2025 (Link).