Alon Ohel 20. Feb 2026

Heimkehr

Nach 738 Tagen in Hamas-Gefangenschaft stand der israelische Musiker Alon Ohel diese Woche erstmals wieder auf einer Bühne. In Tel Aviv spielte er vor ausverkauftem Haus sein erstes Konzert seit der Freilassung. Es war ein Abend voller Emotionen, der für ihn und viele im Publikum weit mehr war als nur Musik. Zentraler Moment war «Schir lelo schem» («Ein Lied ohne Namen»), das Ohel kurz vor seiner Verschleppung zuletzt am Klavier gespielt hatte. Die Worte begleitete er später im Hubschrauber auf dem Rückweg nach Israel mit dem Satz: «Ich bin zu Hause.» Als er das Lied nun selbst sang, gemeinsam mit seinem Bruder Ronen, wurde spürbar, wie sehr jede Note aus seiner eigenen Erfahrung kam. Die Idee zu diesem Konzert entstand bereits in den ersten Monaten seiner Gefangenschaft. Seine Mutter Idit erinnerte sich, wie sie sich in einem leeren Konzertsaal vorstellte, ihr Sohn würde dort eines Tages wieder spielen. «Ich wusste, dass es geschehen würde», sagte sie. Begleitet wurde Ohel von bekannten Künstlerinnen und Künstlern wie Shlomi Shaban, Karolina, Guy Mazig, Idan Amedi, Marina Maximilian und der Band Monica Sex. Trotz anfänglicher Nervosität wirkte Ohel schnell sicher und präsent, genoss den Moment sichtbar und spielte mit grosser Hingabe. Das Publikum blieb zunächst ruhig, fast andächtig. Erst gegen Ende wurde die Stimmung gelöster, bis Tausende gemeinsam mit Ohel sangen: «Ende meines Leidens.» Für einen Augenblick schien es, als sei seine Gefangenschaft überwunden, doch zugleich blieb spürbar: Die Geschichte dieses Krieges ist noch nicht zu Ende erzählt und wirkt in vielen Leben weiter nach.

Emily Langloh