Das Berliner Restaurant Kanaan in Prenzlauer Berg steht vor dem Aus, doch das Projekt lebt weiter. Dem israelisch-palästinensischen Lokal, das über Jahre als Symbol für Dialog und Zusammenleben galt, wird nun eine eigene Fernsehserie gewidmet. Gegründet von dem Israeli Oz Ben David (r.) und dem Palästinenser Jalil Dabit (l.), verstand sich Kanaan als «Insel des Friedens» und setzte bewusst ein Zeichen für Verständigung. Nach den Hamas-Angriffen vom 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Krieg gewann diese Botschaft zusätzlich an Bedeutung. Gleichzeitig verschärften sich politische Spannungen, Besucherzahlen schwankten stark, und die wirtschaftliche Lage wurde zunehmend schwierig. Anfang des Jahres leiteten die Betreiber ein Insolvenzverfahren ein. Hohe Kosten, steigender Personalbedarf und anhaltende Unsicherheit hätten das Projekt finanziell überfordert. «Die Verpflichtungen haben ein Ausmass erreicht, das für uns nicht mehr tragbar ist», erklärten sie. Bis zur endgültigen Schliessung bleibt das Restaurant vorerst geöffnet, ein Termin steht noch nicht fest. Trotz des Endes des täglichen Betriebs soll Kanaan nicht verschwinden. Geplant sind neue Formate wie Catering, Pop-ups, Bildungsprojekte und Kooperationen. Auch Publikationen und Veranstaltungen sollen das Anliegen weitertragen, ohne den Druck eines permanenten Restaurantbetriebs. Zudem wird die Geschichte des Lokals nun filmisch aufgegriffen: Eine Fernsehserie soll das gemeinsame Projekt und seine Botschaft von «Einheit statt Hass» erzählen. Damit bleibt Kanaan auch über seine Räume hinaus präsent, als Beispiel für die Möglichkeit von Begegnung in Zeiten politischer Konflikte.
berlin
13. Feb 2026
Mehr als ein Restaurant
Emily Langloh