zürich 20. Feb 2026

Politik nah am Alltag

Jehuda Spielman setzt auf politische Arbeit nah am Alltag, mit Fokus auf Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und pragmatische Lösungen.

Jehuda Spielman kandidiert für die FDP für den Zürcher Gemeinderat.

Sachlichkeit, Fachwissen und persönliche Begegnungen – das waren für Jehuda Spielman die Gründe, sich politisch zu engagieren. Nachdem er zwei FDP-Gemeinderäte aus seinem Wahlkreis kennengelernt hatte, trat er der Partei bei. Vor den Wahlen 2022 wurde er angefragt zu kandidieren. «Ich habe mich nach viel Zögern dazu entschlossen und diesen Schritt bis heute nicht bereut.»

Spielman lebt und arbeitet im Kreis 3, wo er erneut kandidiert – auf Listenplatz 2. Beruflich ist er Buchhalter und Teamleiter in einem Unternehmen, das Liegenschaften verwaltet. Politik versteht er dabei als pragmatische Arbeit nah am Alltag der Bevölkerung.

«Die Stadt muss sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren»
In der kommenden Legislatur will Spielman als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission den Fokus stärker auf die Rechtmässigkeit und Verhältnismässigkeit des städtischen Handelns legen. «Die Stadt muss sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und diese sauber erfüllen.» Gleichzeitig setzt er sich für attraktive und vielfältige Freizeitangebote ein, die Lebensqualität im Quartier sichern.

Als grosse Herausforderung sieht er die stetig steigenden Ausgaben der Stadt, insbesondere für Projekte ausserhalb ihrer eigentlichen Aufgaben. Zürich brauche «finanzielle Disziplin und klare Prioritäten».

Zur Debatte um die Bührle-Sammlung nimmt Spielman differenziert Stellung. Eine kritische und unabhängige Provenienzforschung sei notwendig, zugleich halte er es für problematisch, wenn die öffentliche Hand diese für private Sammlungen finanziere. Grundsätzlich sei die Gesellschaft moralisch verpflichtet, sich kritisch mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen. Wichtig sei dabei ein «differenzierter, historisch kontextualisierter Umgang mit der Vergangenheit», ohne heutige Generationen pauschal in Verantwortung zu nehmen.

Aufklärung statt Dauerbrenner
Neben Stadtfinanzen, Kulturpolitik und Erinnerungsthemen richtet Spielman den Blick auch auf Entwicklungen, die das Zusammenleben in Zürich unmittelbar prägen. Er beobachtet, dass sich das gesellschaftliche Klima seit dem 7. Oktober 2023 spürbar erhitzt hat. Emotionen seien nachvollziehbar, doch für ihn ist klar: Die Zürcher Kommunalpolitik müsse sich in erster Linie auf lokale Aufgaben konzentrieren. Internationale Konflikte dürften nicht zum politischen Dauerbrenner auf städtischer Ebene werden. Im Umgang mit Antisemitismus setzt er auf Aufklärung und persönliche Begegnungen. «Als sichtbare und bekannte jüdische Person kann ich Einblick in jüdisches Leben geben und so mit einer persönlichen Note Wissen vermitteln und Verständnis schaffen.» Gleichzeitig beobachtet er, dass das Verständnis für religiöse Bedürfnisse zunehmend schwindet. Gerade deshalb sei es ein liberales Anliegen, jedem Menschen zu ermöglichen, «seinen eigenen Lebensweg zu wählen und selbst zu entscheiden, was ihm wichtig ist».

Sein jüdischer Hintergrund prägt Spielmans Perspektive, auch wenn er sich wünschen würde, dass dieser weniger stark im Mittelpunkt stehen müsste. Angesichts der Entwicklungen der vergangenen Jahre sieht er jedoch eine Verantwortung, auch als jüdischer Mensch Präsenz zu zeigen. Innerhalb der Politik verstehe er sich nicht ausschliesslich als Stimme für jüdische Anliegen, bringe diese Perspektive aber bewusst dort ein, wo sie notwendig sei.

Politik die praktisch hilft
Die FDP stehe in Zürich für Eigenverantwortung, wirtschaftliche Vernunft und eine schlanke Verwaltung, sagt Spielman. Seine eigenen Schwerpunkte setzt er bei Transparenz, rechtsstaatlicher Klarheit und einem respektvollen politischen Umgang.

Seinen Wahlkampf führt er mit Plakaten, Inseraten und Flyern, vor allem aber mit direktem Kontakt im Wahlkreis, telefonisch, persönlich und über digitale Kanäle. «Der persönliche Austausch ist durch nichts zu ersetzen.» Warum man ihm die Stimme geben sollte? Weil er sich in den vergangenen Jahren nicht nur für spezifische Anliegen, sondern für Themen eingesetzt habe, «die alle Einwohner von Zürich betreffen». Politik bedeutet für ihn dabei auch konkrete Hilfe: Er investiere viel Zeit, um Menschen bei Anliegen gegenüber Behörden zu unterstützen, «auch wenn das nicht ausdrücklich zu meinem Amt gehört. Für mich ist Politik auch praktische Hilfe im Alltag.»

Emily Langloh