Micha Schächter kandidiert für die Grünliberalen für den Zürcher Gemeinderat.
Für Micha Schächter ist politisches Engagement eng mit persönlichen Erfahrungen verbunden. Lange habe er sich im Hintergrund engagiert, etwa im Vorstand des Vereins Jüdischer Studierender Zürich und bei «Discuss It», wo er Jugendliche für Politik sensibilisierte. Der Schritt in die aktive Politik sei erst später gereift, auch unter dem Eindruck zunehmender antisemitischer Vorfälle in Zürich. Ein Wendepunkt sei ein Graffiti im Uraniaparkhaus gewesen, das offen zu Gewalt gegen Juden aufrief. Sein offener Brief an den Stadtrat wurde innert Stunden von über 200 Personen unterzeichnet; da sei ihm klar geworden, dass seine Stimme hörbar sein müsse.
Schächter kandidiert im Wahlkreis 1 und 2 auf der GLP-Liste auf Listenplatz 2. Seine Kindheit und Jugend seien stark von der jüdischen Gemeinschaft geprägt gewesen: Kindergarten in der ICZ, Noam, Bne Akiwa sowie ein Jahr Jeschiwa in Israel. Auch sein Elternhaus habe ihn geprägt: Viele nicht jüdische Gäste seien am Schabbattisch erstmals mit dem Judentum in Kontakt gekommen. Als religiöser Jude habe er schon früh Fragen von Mitschülern beantwortet, «das interreligiöse Brückenbauen prägt mich darum seit jeher».
Sein Interesse an gesellschaftlichen Zusammenhängen führte ihn zu einem Studium der Politik- und Religionswissenschaften an der Universität Zürich. Heute arbeitet er als Geschäftsführer der städtischen GLP und absolviert einen MBA.
Politik ohne Blockaden
Im Gemeinderat will Schächter politische Blockaden aufbrechen, auch in der Verkehrspolitik. Während Links-Grün «das Auto zum Staatsfeind erklärt» und bürgerliche Kräfte «verkehrspolitisch in den 1960er Jahren verharren», brauche es eine Entflechtung des Verkehrs. «Nicht jede Strasse muss zum Veloweg werden, nicht jeder Parkplatz verschwinden.» Wer auf das Auto angewiesen sei, müsse weiterhin vorankommen; gleichzeitig brauche es Anreize für Veloverkehr und öffentlichen Verkehr. Noch mehr Handlungsbedarf besteht beim Thema Antisemitismus. «Linksextremer Antisemitismus macht auch nicht vor dem Rathaus Halt.» Jüdischen Gemeinderäten sei bereits offen gedroht worden; auch die Zahlung von 380 000 Franken von Steuergeldern an die UNRWA, die an Parlament und Stimmvolk vorbei erfolgt sei, bewertet er kritisch. Als grösste Herausforderungen für Zürich nennt er den angespannten Wohnungsmarkt. Für Minderheiten stehe jedoch vor allem das Sicherheitsgefühl im Zentrum, das in den vergangenen Jahren spürbar gesunken sei. Betroffene erlebten diese Bedrohung «hautnah und nicht in Statistiken».
Kritisch äussert sich Schächter auch zur Erinnerungspolitik der Stadt und zum Umgang mit der Bührle-Sammlung. Das Vorgehen des Stadtrats sei von «inkonsistenter Kommunikation» geprägt gewesen; die Provenienzforschung hätte sich stärker an bestehenden Modellen orientieren können, etwa im Kunstmuseum Bern. Zürich müsse sich generell auch problematischen Kapiteln seiner Geschichte stellen und daraus Verantwortung ableiten.
Interreligiöser Dialog als Stärke
Seit dem 7. Oktober 2023 habe sich das Klima spürbar verschärft. Der Gemeinderat könne internationale Konflikte nicht lösen, sondern müsse sich um die Sicherheit der Bevölkerung kümmern – dazu gehört die jüdische Gemeinschaft. Im Kampf gegen Antisemitismus setzt er vor allem auf Bildung und Prävention. Projekte wie Likrat, die gegenseitigen Respekt vermittelten, sollten finanziell gestärkt und interreligiöse Dialogformate fest im Lehrplan verankert werden. Gleichzeitig beobachtet er, dass sich Minderheiten zunehmend aus dem öffentlichen Raum zurückziehen, wenn sie sich bedroht fühlen. «Die Magen-David-Halskette wird unter dem T-Shirt versteckt, statt Kippa trägt man einen Hut und man verzichtet darauf, Iwrit zu sprechen.» Umso wichtiger seien Integration, gesellschaftliche Teilhabe und das Verhindern von Parallelgesellschaften.
Sein jüdischer Hintergrund prägt dieses Engagement stark. Innerhalb der GLP erfahre er dafür breite Unterstützung; die Partei gebe jüdischen Stimmen Raum und fördere den interreligiösen Dialog.
Jüdische Stimmen in der Stadtpolitik
Die GLP versteht Schächter als Zentrumspartei, die Kompromisse ermöglicht und Wirtschaft sowie Umweltschutz verbindet. Seine eigenen Schwerpunkte sieht er im Minderheitenschutz, in nachhaltigen Finanzen, in Sicherheit und einer pragmatischen Verkehrspolitik.
Seinen Wahlkampf führt er vor allem über persönliche Gespräche und Standaktionen in den Kreisen 1 und 2. Politik habe reale Konsequenzen, gerade für Minderheiten; umso wichtiger sei es, einander zuzuhören und unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen. «Trotz oder gerade wegen den schwierigen Zeiten für das jüdische Zürich freut es mich, dass Jüdinnen und Juden im Gemeinderat etwas bewirken wollen.»