Ronny Siev ist Gemeinderatskandidat der Grünliberalen in Zürich.
Für Ronny Siev ist Politik kein spätes Engagement, sondern eine lebenslange Konstante. Schon als Kind interessierte er sich für politische Fragen, 2004 war er Gründungsmitglied der Grünliberalen, weil es damals «keine Partei gab, die sich gleichzeitig für Umwelt, freie Marktwirtschaft, gesunde öffentliche Finanzen und Velowege einsetzte». Heute gehört er zu den erfahrenen Stimmen im Zürcher Gemeinderat und kandidiert im Kreis 10 erneut auf Liste 4, Platz 2.
Beruflich ist Siev Politikwissenschaftler und bringt vielfältige internationale Erfahrung mit. Er war unter anderem als International Private Banker tätig, unterrichtete als Dozent an einer Fachhochschule und arbeitete als Geschäftsführer; insgesamt lebte und arbeitete er in sechs Ländern. Heute ist er beim Jüdischen Nationalfonds KKL-JNF in Zürich als Koordinator für Testamente und Nachlässe tätig.
Sozialpolitik, die unterstützt
Im Gemeinderat will Siev insbesondere den Kampf gegen Judenhass in all seinen Formen vorantreiben, sich für eine Sozialpolitik einsetzen, «die unterstützt und gleichzeitig Eigenverantwortung fördert», und Zürich für Familien attraktiver machen. Als grösste aktuelle Herausforderung nennt er vor allem den Wohnungsmarkt: «Zahlbare Wohnungen sind das Hauptthema im Wahlkampf.»
Gleichzeitig stehe für viele Menschen, insbesondere für die jüdische Bevölkerung, die Sicherheit im Alltag im Zentrum. Diskriminierung, Mobbing an Schulen und Universitäten sowie Hass im öffentlichen Raum hätten «in den letzten vier Jahren enorm zugenommen». Für Siev ist deshalb klar, dass Zürich ein Ort bleiben müsse, an dem sich jüdisches Leben «auch in Zukunft wohl und heimisch fühlen» könne.
Auch in der Erinnerungspolitik positioniert sich Siev deutlich. Die Debatte um Raub- und Fluchtkunst sei lange verdrängt worden; nun sei es zu begrüssen, dass die Bührle-Sammlung unabhängig untersucht werde. «Es braucht aber nicht nur Deklaration, sondern auch Restitution für die Opferfamilien.» Erinnerung dürfe sich dabei nicht auf einzelne Kapitel beschränken. Neben dem kolonialen Erbe müsse auch an frühere Verfolgungen von Juden in Zürich erinnert werden, etwa an das Pogrom von 1349 und die jahrhundertelange Zeit danach, in der jüdisches Leben in der Stadt nicht zugelassen war.
Wenn Erinnerung mehr ist als Aufarbeitung
Den Nahostkonflikt sieht Siev nicht als Aufgabe der Zürcher Kommunalpolitik. Gleichzeitig beobachtet er, dass antisemitische Narrative in der Stadt präsenter geworden seien «in städtisch subventionierten Kulturinstitutionen, an Demonstrationen und in Schmierereien». Das löse grosses Unbehagen aus.
Deshalb fordert er Prävention und klare Konsequenzen. Junge Menschen und Zugewanderte sollten stärker über die Geschichte des jüdischen Volkes informiert werden, um heutige Entwicklungen einordnen zu können. Gleichzeitig müssten «antisemitische Parolen konsequent geahndet» und Besetzungen von Universitäten aufgelöst werden. Wenn die Sicherheitslage es nicht mehr zulasse, dass jüdische Familien eine Mesusa am Türrahmen anbringen oder öffentliche Chanukkafeiern ohne grosses Sicherheitsdispositiv stattfinden können, sei dies eine enorme Herausforderung. Dabei wird Siev stark von seiner Familiengeschichte geprägt. «Mein Vater hat den Holocaust überlebt», sagt er. Diese Erfahrung lasse ihn die Gefahren des Judenhasses anders wahrnehmen als viele andere. Innerhalb seiner Partei verstehe er sich deshalb bewusst «als lauteste Stimme für jüdische Anliegen».
Politik gegen Polarisierung
Politisch verortet sich Siev bei den Grünliberalen, die für «ökologische und liberale Politik», Zusammenarbeit statt Blockade, Innovation statt Stillstand und gegen Polarisierung stehen. Eigene Akzente setzt er vor allem «im Kampf gegen Judenhass und andere Diskriminierungsformen».
Seinen Wahlkampf gestaltet er mit einer Mischung aus klassischen und digitalen Formaten: Flyer, Standaktionen und Social Media gehören ebenso dazu wie Kurzfilme und erstmals ein KI-Wahlvideo. Unterstützt wird er von Spenden sowie von einem Netzwerk von Menschen, die ihn organisatorisch und inhaltlich begleiten. Warum man ihm die Stimme geben sollte, begründet er klar: «Weil es ohne jüdische Stimmen und ohne sichtbares jüdisches Leben kein vielfältiges Zürich gibt.» Persönlich beschreibt er sich zudem als «fröhlichen, weltoffenen Menschenfreund», der Begegnungen sucht, gerne reist und bewusst seine Komfortzone verlässt.