zürich 20. Feb 2026

Brücken zwischen Gemeinschaft und Politik

Alex Guggenheim fordert eine präventive Bekämpfung von Antisemitismus und setzt dabei auf Bildung, Dialog und Programme wie Likrat.

Alex Guggenheim bewirbt sich für die FDP um einen Sitz im Zürcher Gemeinderat.

Alex Guggenheim will in den Zürcher Gemeinderat, aus persönlicher Überzeugung und politischem Verantwortungsgefühl. Der Entscheid, selbst zu kandidieren, fiel für ihn in einem konkreten Moment: «Als der Stadtrat entschieden hat, eine Spende an die UNRWA zu tätigen, war für mich klar, dass wir jüdische Bürger in der Politik in Zürich noch stärker repräsentiert sein müssen.»

Kandidieren will er auf Liste 2 der FDP im Wahlkreis 1 und 2. Aufgewachsen ist Guggenheim in der ICZ, besuchte dort Kindergarten und Hagoschrim und war später in NOAM aktiv. «Anschliessend habe ich mich in der Jugendkommission sowie in der Sicherheit viele Jahre engagiert.» Die enge Verbindung zur jüdischen Gemeinschaft begleitet ihn bis heute, sowohl persönlich als auch politisch. Beruflich arbeitet er als Immobilienbewirtschafter beim Hauseigentümerverband Zürich und verwaltet Liegenschaften für seine Kundinnen und Kunden.

Brennpunkte der Zürcher Stadtpolitik
Sein zentrales politisches Thema liegt dadurch auf der Hand: «Unbestritten ist das Thema Wohnen, auch mein berufliches Fachgebiet, das polarisierendste Thema.» Hier will er im Gemeinderat ansetzen. Die heutige Wohnpolitik funktioniere nicht, sagt Guggenheim, neue Wege seien nötig. Neben dem Wohnraum sieht er weitere Baustellen: «Die ausufernde Verwaltung und die Steuerbelastung sind sicherlich auch Themen, die den Bewohnern Sorgen bereiten.»

Auch zur Debatte um die Bührle-Sammlung äussert sich Guggenheim klar. «Aus meiner Sicht muss diese Provenienzforschung aufzeigen, woher diese Werke stammen und wie sie in die Bührle-Sammlung gekommen sind. Dies hat unabhängig zu geschehen.» Für ihn ist damit auch eine Verantwortung der Stadt verbunden: «Da die Stadt mit Steuergeldern das Kunsthaus grosszügig unterstützt, muss sie ein grosses Interesse an dieser Provenienzforschung haben.» Zürich zeige sich gerne als soziale Stadt «und das muss nun belegt werden».

«Verständnis gegenüber Andersdenkenden»
Guggenheim kritisiert, Kommunalpolitik versuche häufig, globale Konflikte zu lösen, statt sich auf lokale Verantwortung zu konzentrieren. Entscheidend sei vielmehr, was vor Ort geschehe: «Viel wichtiger hingegen ist, dass sich die Bürger der Stadt, in diesem Fall die jüdischen Bewohner, sicher fühlen. Dieses Gefühl fehlt aus gut nachvollziehbaren Gründen aktuell.» Der öffentliche Diskurs sei hitziger geworden, Kompromisse fehlten zunehmend.

Im Umgang mit Antisemitismus setzt er klar auf Prävention. «Statt reaktiv einen Antisemitismusbeauftragten einzustellen, müssen wir deutlich stärker bei der Prävention ansetzen.» Er fordert stärkere Prävention und den Ausbau oder gar die Institutionalisierung von Programmen wie Likrat. Gleichzeitig gelte: «Ansätze von Diskriminierung müssen hart angegangen werden.»

Langfristig erwartet er eine stärkere Trennung zwischen religiösen und nicht religiösen Gruppen. Damit Zürich dennoch eine tolerante und offene Gesellschaft bleibe, brauche es «Verständnis gegenüber Andersdenkenden».

Geprägt von seiner jüdischen Erziehung und Identität versteht sich Guggenheim als Brückenbauer zwischen der jüdischen Minderheit in Zürich und der Politik. Durch diese Zugehörigkeit lerne man viele Menschen kennen, «alle diese Menschen haben Bedürfnisse, welche es zu vertreten gilt». Innerhalb der FDP sieht er dafür gute Voraussetzungen: «Glücklicherweise haben wir bereits sehr kompetente jüdische Stimmen innerhalb der Partei und auch solche, die zwar nicht unseren Glauben teilen, jedoch sich sehr stark für unsere Anliegen einsetzen.»

Politik mit Bodenhaftung
Politisch verortet sich Guggenheim klar im liberalen Lager. «Die FDP steht ein für eine liberale Wirtschaft, Sicherheit für alle und sinnvolle Mobilität.» Im Grundsatz gehe es darum, «dass der Mensch im Rahmen des Gesetzes sich ohne grosse Widerstände des Staates bewegen kann».

Seinen Wahlkampf beschreibt er als «gesunden Mix zwischen Verteilaktionen auf der Strasse, Social-Media-Posts, Teilnahme an Veranstaltungen und Plakaten auf Strassen». Das Wichtigste bleibe «der persönliche Kontakt zur Wählerschaft».

Warum man ihm die Stimme geben sollte, begründet er damit, dass er für eine sinnvolle Politik ohne unnötige Einschnitte in das Leben der Bürgerinnen und Bürger stehe. Dabei setzt er auf Dialogbereitschaft und Kompromissfähigkeit: «Ich scheue mich nicht, einen Diskurs zu führen und den besten Kompromiss für die Bewohner von Zürich zu erzielen. Auch wenn es unangenehm ist, davor schrecke ich nicht zurück.»

Emily Langloh