zur lage in den USA 27. Feb 2026

AIPAC belastet Verhältnis der USA mit Israel

Ich habe Jahre in der proisraelischen Politik verbracht als Mitarbeiter des American Israel Public Affairs Committee (AIPAC), später als Leiter eines nationalen proisraelischen Political Action Committee (PAC) und als demokratischer Kongresskandidat in Colorado. 2019 machte ich Alija. Israel ist heute meine Heimat. Ich stehe fest zur Allianz zwischen den USA und Israel. Gerade deshalb bin ich besorgt.

Seit 2022 hat sich AIPAC von einer disziplinierten, überparteilichen Lobbyorganisation zu einem der sichtbarsten und finanziell aggressivsten Super-PAC-Akteure in der US-Politik gewandelt. Über das angeschlossene United Democracy Project (UDP) wurden allein in der zweiten Hälfte 2025 mehr als 60 Millionen Dollar gesammelt; rund 96 Millionen Dollar befinden sich in der Kasse. Weitere Millionen flossen in Umfragen, Berater und Medienkampagnen. Hunderte Grossspender unterstützen PAC mit «hartem», nicht steuerlich absetzbarem Geld.

Das ist nicht mehr die Organisation, für die ich einst arbeitete. Jahrzehntelang beruhte die Stärke von AIPAC auf parteiübergreifender Glaubwürdigkeit und dem Aufbau langfristiger Beziehungen. Ziel war ein breiter Konsens für Israel, nicht die Dominanz von Schlagzeilen.

Das neue Modell ist konfrontativ und greift offen in demokratische Vorwahlen ein, wenn Kandidaten von einer zunehmend engen Definition dessen abweichen, was als proisraelisch gilt.

Ein Beispiel sind die Vorwahlen im 11. Bezirk von New Jersey: UDP gab über 2,3 Millionen Dollar aus, um den ehemaligen Abgeordneten Tom Malinowski anzugreifen, trotz seiner klar proisraelischen Bilanz. Sein «Fehler»: Er wollte US-Hilfen nicht ausdrücklich als bedingungslos definieren. Dabei sind US-Auslands- und Verteidigungshilfen seit dem Leahy-Gesetz von 1999 formal an Bedingungen geknüpft.

Die von UDP finanzierten Negativspots erwähnten Israel nicht, sondern griffen eine frühere Abstimmung zur Finanzierung der Einwanderungsbehörde ICE auf – ein Thema, das progressive Wähler mobilisiert. Das Ergebnis: Malinowski verlor knapp gegen Analilia Mejia, die Israel deutlich schärfer kritisiert und von «Völkermord» spricht. Wenn das Ziel war, israelkritischere Stimmen zu verhindern, war es ein Fehlschlag.

Hinter dieser harten Strategie steht eine neue Realität: Die Unterstützung für die Politik der israelischen Regierung schwindet unter jüngeren Demokraten. Ein wachsender progressiver Block lehnt AIPAC-Gelder offen ab. Mit massiven Super-PAC-Ausgaben will AIPAC Stärke demonstrieren und Kritiker abschrecken. Doch politische Macht hat Grenzen.

2024 trugen AIPAC-Ausgaben zum Sieg der Kandidatin Maxine Dexter in Oregon bei. In ihrer ersten Amtszeit unterstützte sie jedoch eine Resolution, die Israels Vorgehen in Gaza als «Völkermord» verurteilte. Geld kann Wahlen beeinflussen, aber keine Ideologie dauerhaft formen.

Das grössere Risiko liegt in der strategischen Gegenreaktion. Wenn AIPAC selbst gegen Mainstream-Demokraten mit proisraelischer Bilanz vorgeht, stärkt dies das Narrativ, Israels Unterstützung werde durch «dunkles Geld» erzwungen. In Vorwahlen reagieren Wähler empfindlich auf wahrgenommene Interventionen von aussen. Medienberichte verstärken diese Ressentiments; Ressentiments tragen keine langfristigen Allianzen.

Hinzu kommt die Frage der Nachhaltigkeit: Wenn die Sicherung einer proisraelischen Mehrheit immer höhere Summen erfordert, was sagt das über den Zustand des parteiübergreifenden Konsenses? Das traditionelle Modell funktionierte, weil es ideologische Grenzen respektierte und Beziehungen pflegte.

Ich unterstütze weiterhin eine starke sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen den USA und Israel. Doch langfristige Stabilität hängt von Legitimität in beiden Parteien ab, besonders bei den Demokraten, wo sich Haltungen zwischen den Generationen verschieben.

AIPAC hat jedes Recht zur politischen Beteiligung. Aber eine öffentlichkeitswirksame, millionenschwere Interventionsstrategie, die bedingungslose Übereinstimmung zur Voraussetzung erklärt, könnte die parteiübergreifende Grundlage schwächen, die sie schützen will.

Einfluss ist am nachhaltigsten, wenn er breit verankert und wertebasiert ist. Wird er zum Synonym überwältigender Finanzmacht, provoziert er Widerstand.

Als jemand, der sein Berufsleben der Stärkung der US-israelischen Allianz gewidmet hat, hoffe ich, dass AIPAC innehält und prüft, ob dieser Kurs die Beziehung sichert – oder sie langfristig gefährdet.

Ken Toltz ist Schriftsteller und politischer Aktivist aus Colorado und lebt heute in Herzlia, Israel.

Ken Toltz