USA – Israel 28. Mai 2026

Starke Unterstützung für Ein-Staaten-Lösung

Fast die Hälfte der amerikanischen Juden unter 35 Jahren unterstützt radikale Wende in Nahost.  

Laut einer aktuellen Erhebung des Jewish Voter Resource Center unterstützt fast die Hälfte der amerikanischen Juden unter 35 Jahren die Lösung des israelisch-palästinensisches Konflikt durch die Schaffung eines einzigen Staates aus Israel, dem Westjordanland und dem Gazastreifen unter einer Regierung, die sowohl von Israelis als auch von Palästinensern gewählt wird.

Die Ergebnisse signalisieren einen Generationswechsel in der amerikanischen Unterstützung für einen binationalen Staat in Israel. Der «Forward» erinnert daran, dass eine Ein-Staaten-Lösung eine zentrale Forderung pro-palästinensischer Proteste an US-Universitäten war. Grosse jüdische Organisationen stufen diese Forderungen als Ausdruck von Antisemitismus ein.

J Street-PräsidentJeremy Ben-Ami stellt dazu eine «wachsende Entfremdung jüngerer amerikanischer Juden von Israel» fest als «direkte Folge der Politik von Bibi Netanyahu und der Art und Weise, wie das jüdische Establishment in den USA eine Loyalität nach dem Motto `Israel – ob recht oder unrecht´ eingefordert hat.»

Die Daten liefern zudem Stoff zu der Debatte um den Anteil von Zionisten in jüdischen Gemeinschaften der USA. Die Jewish Federations of North America hatte Anfang Jahr Daten publiziert, wonach rund 90 Prozent der amerikanischen Juden weiterhin die Existenz Israels als jüdischen und demokratischen Staat unterstützen – auch wenn sich lediglich 37 Prozent selbst als «Zionisten« bezeichnen.

Die neue Studie stellt diese Ergebnisse jedoch infrage. Demnach unterstützen 24 Prozent der Befragten insgesamt eine Ein-Staat-Lösung für den Konflikt; dies entspricht fast einer Verdoppelung gegenüber den 13 Prozent dieser Haltung noch vor zwei Jahren. Bei den unter-35-Jährigen steigt der Wert auf eine numerische Mehrheit von 44 Prozent.

Dieser abrupte Wandel vollzieht sich inmitten eines tiefgreifenden Wandels in der öffentlichen Wahrnehmung Israels in den USA – die Zustimmungswerte für Israel sind seit 2022 in fast allen demografischen Gruppen massiv eingebrochen. Der Trend erfasst nun anscheinend auch die jüdische Bevölkerung. Laut einer Umfrage der «Washington Post» sind 61 Prozent der jüdischen Erwachsenen der Ansicht, Israel habe im Gazastreifen Kriegsverbrechen an den Palästinensern begangen, während 39 Prozent meinten, das Land habe sich eines Völkermords schuldig gemacht.

In Israel befürworten derweil laut Umfragen nur 15 Prozent eine Zweistaatenlösung, während 29 Prozent eine Annexion des Westjordanlands und des Gazastreifens anstrebten – ohne jedoch den dort lebenden Palästinensern die Staatsbürgerschaft anzubieten. Lediglich ein Prozent der israelischen Juden sprach sich für «einen binationalen Staat mit Bürgerrechten» aus (Link).


 

Andreas Mink