Fasnacht 2026 27. Feb 2026

Trump und Netanyahu in Basel

Jedes Jahr tragen die traditionellen Laternen an der Basler Fasnacht sogenannte Sujets, aktuelle Themen, die jeweils von einer Clique getragen werden. Diese spiegeln dem Zuschauer wider, was die Gesellschaft bewegt. In turbulenten Zeiten wie heutzutage bringt uns diese jahrelange Tradition einen wertvollen Einblick in den gesellschaftlichen Zeitgeist. Hauptthema an der diesjährigen Fasnacht war die veränderte und angespannte Weltlage, ob die Schweiz nun direkt davon betroffen ist oder nicht. An zahlreichen Laternen war der amerikanische Präsident zu sehen. Heftig kritisiert wurde die Zollpolitik der Trump-Regierung, aber nicht zuletzt auch der schweizerische Umgang damit. Auch die europäische Spaltung wurde thematisiert. Infrage gestellt wurde sowohl die Schweizer Neutralität als auch ihre teils zynische und politisch motivierte Instrumentalisierung. Auf einigen Laternen liessen sich verschiedene Darstellungen finden, die auf Israel und den Nahen Osten hinweisen. Ein Sujet zeigte Staatschefs verschiedener autoritärer Länder mit angezündeten Streichhölzern in der Hand. Unter den Figuren waren neben den Präsidenten Donald Trump, Wladimir Putin und Xi Jinping, dem Staatsführer des Irans Ali Khamenei und Nordkoreas Kim Jong-Un auch der israelische Premierminister Binyamin Netanyahu zu finden. Somit wird Israel als ein undemokratisches Land dargestellt, das den Weltfrieden in Gefahr bringt. Auch soziale und kulturelle Themen verdienten ihren Platz. Auf einer Laterne hiess es «Femizid statt Feminismus», was auf die Rückschläge im öffentlichen Diskurs um Frauenrechte und Feminismus hinwies und die zunehmende Anzahl von Femiziden in der Schweiz thematisierte. Das Sujet «55 Joor Frauestimmrächt – e Schuss in Oofe!» nahm Bezug auf die lang erkämpften Meilensteine, wie vor allem das Frauenstimmrecht in der Schweiz, die nun verteidigt werden müssen. Die Basler Fastnacht zeigt, dass es den Baslern trotz aller Feierlichkeiten bewusst ist, wie fragil und angespannt die Weltlage ist, und dass das Feiern nicht nur der Ablenkung, sondern auch der gesellschaftlichen Kritik dienen kann.

Redaktion