nachruf auf Edi Rosenstein 13. Feb 2026

Stille Verlässlichkeit für den Klal

Edi Rosenstein (1956–2026)

Vor wenigen Wochen noch Kandidat als Co-Präsident der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich, ist Edi Rosenstein diese Woche aus dem Leben gerissen worden – ein Nachruf.

Edi Rosenstein war eine Seele von Mensch. Einer, der einfach immer da war. Wenn es eine Aufgabe für die Gemeinschaft zu erfüllen galt, für eine breitere Öffentlichkeit oder für einen einzelnen Menschen – Rosenstein stand bereit. Er suchte nach Möglichkeiten, nach Lösungen. Er baute Brücken, pflegte den Dialog, verband Menschen. Mit Beharrlichkeit setzte er sich für Anliegen der Gemeinschaft ein: für den Klal, in der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ), darüber hinaus im jüdischen Zürich ebenso wie in seiner Wohngemeinde Zumikon und oft genug abseits jeder Öffentlichkeit.

Engagement für Institutionen
Geboren am 16. März 1956, führte ihn sein Weg nach Schulzeit und Hotelfachschule zunächst über viele Jahre ins Management des Hotelwesens. Sowohl in den USA als auch im Inland, unter anderem im Hotel Zürich, erwarb er fundierte Kenntnisse und grosse Erfahrung. Dieses Wissen brachte er später auch im Spital- und Heimwesen ein. Unvergessen bleibt dabei vor allem sein Engagement für die SIKNA und die ESRA, deren Aufbau er bereits mit seinen Fähigkeiten massgeblich und im Hintergrund mitprägte.

Über viele Jahre stand Edi an vorderster Front für die jüdische Schule Noam ein. Bis vor wenigen Wochen arbeitete er dort in seinem Büro, von wo aus er unter anderem für die Susanne-und-René-Braginsky-Stiftung tätig war. Seit viereinhalb Jahren war sein geliebter Hund Miro dabei sein täglicher Begleiter. Seit dieser Zeit gehörte Miro zu Edi Rosenstein – und er zu Miro. In den Pausen kamen regelmässig Schülerinnen und Schüler vorbei, die Miro sehen wollten. Diese meist kurzen Begegnungen sagen viel über Edi aus: Zugewandtheit zu und Freude an den jungen Menschen.

Viele von Edis Engagements fanden im Hintergrund statt. So war er für den Geschäftsführer der Gesellschaft Schweiz–Israel ein regelmässiger und wichtiger Gesprächspartner, der einerseits zuhörte, aber auch seine Meinung einbrachte. Über Jahre hinweg engagierte er sich zudem für das Technion in Haifa, setzte sich darüber hinaus für Projekte in Israel ein, auch ohne dass es in breiteren Kreisen bekannt war.

Öffentliches Engagement
Auch ausserhalb des jüdischen Gemeindelebens übernahm Rosenstein Verantwortung: sein öffentliches Engagement gegen die Flughafen-Südschneise, sein überzeugter Einsatz für die für Haus- und Wildtiere bedeutende Feuerwerksinitiative und nicht zuletzt die zahlreichen Hilfestellungen und Unterstützungen für einzelne Menschen, die sich oft über Jahre hinzogen. Diese leisen, zuverlässigen Hilfen sind kaum zu zählen – und prägen doch sein Bild in der Erinnerung mit am stärksten.

Von 2009 bis 2012 präsidierte Edi die Augustin-Keller-Loge des B’nai B’rith. Damit wäre er wie seine Vorgänger Sigi Feigel oder Jacques Berlowitz prädestiniert gewesen, das (Co-)Präsidium der ICZ zu übernehmen. Die Gemeinde hat anders entschieden. Manches von dem, was im Wahlkampf und danach geschah, überschritt dabei allerdings die Grenzen des Zulässigen eindeutig. Zusammen mit seiner Anwesenheit, oft mit seiner Frau Ornah, immer mit Miro, prägte Edi Rosenstein nicht zuletzt auch zahlreiche Anlässe von Omanut, dem Verein für Jüdische Kunst und Kultur.

Zugewandt und Grosszügig
Nicht zuletzt war er ein kulturell interessierter Freund, mit dem wir über Jahre Interessen, Zeit und Rituale teilten. Gemeinsame Konzert-, Ausstellungs- und Theaterbesuche, das Kochen und Bewirten seiner Gäste, bei dem Rosenstein mit galanter Selbstverständlichkeit und eleganter Leichtigkeit Gastgeber war. Lange Spaziergänge mit den Hunden, geprägt von ebenso lebhaften, zuweilen kontroversen, aber immer auch witzigen Gesprächen. Gemeinsame Tage im Unterengadin, die zu einer Tradition geworden waren. Diese Aktivitäten bereicherten unseren Alltag. In all dem zeigte sich Edi Rosenstein, wie ihn viele über Jahre kannten und liebten: zugewandt, wach und klar, warmherzig, witzig, engagiert, voller Begeisterungsfähigkeit und Grosszügigkeit in jeder Hinsicht.

Ein Mensch der fehlen wird
Edi Rosenstein war immer da, immer zur Stelle, und auf ihn war unbedingt Verlass. Er war ebenso standhaft wie konsequent, aber anderen Meinungen und überzeugenden Argumenten durchaus zugänglich.

Jetzt ist er nicht mehr unter uns – und wir werden erst mit der Zeit begreifen, wie sehr sein Dasein, seine Präsenz und seine stille Verlässlichkeit, die uns geprägt haben, fehlen werden. Am 8. Februar hat Edi Rosenstein seine Ornah, mit der er über 50 Jahre verbunden war, seine Kinder Deborah und Sasha, auf die er stets so stolz war, seine beiden Enkelkinder, über die er sich von Herzen freute, seinen Pflegesohn Emanuel und dessen Familie sowie Miro, seinen anhänglichen vierbeinigen Gefährten der letzten Jahre, und uns alle an dem Ort verlassen und zurückgelassen, an dem er vor fast 70 Jahren zur Welt gekommen ist.

Martin Dreyfus