In Koblenz wurde am letzten Donnerstag der erste Stolperstein im Kanton Aargau verlegt. Er erinnert an Anton Reinhardt (1927–1945), einen jungen Sinto, der 1944 vor der nationalsozialistischen Verfolgung in die Schweiz flüchtete, von den Behörden jedoch zurückgewiesen und später von der SS ermordet wurde. Der damals 17-Jährige war am 25. August 1944 von Waldshut aus durch den Rhein geschwommen, um in der Schweiz Schutz zu suchen. Nach seiner Festnahme wurde er ins Bezirksgefängnis Zurzach gebracht. Obwohl Reinhardt erklärte, in Deutschland von der Gestapo verfolgt worden zu sein, glaubten ihm die Schweizer Behörden nicht. Er wurde ins deutsch besetzte Elsass abgeschoben und geriet erneut in die Hände der Nationalsozialisten. 1945 wurde er erschossen. Mit der Verlegung am Rheinufer erinnerten der Verein Stolpersteine Schweiz und die Gemeinde Koblenz an Reinhardts Schicksal und die Verantwortung der damaligen Schweizer Behörden. Die Gedenkfeier wurde von musikalischen Beiträgen von Markus Reinhardt begleitet. Auch Vertreter der Gemeinde, des Kantons und der Sinti-Gemeinschaft sowie Schülerinnen und Schüler aus Koblenz waren am Programm beteiligt. Der Historiker Willi Wottreng stellte Reinhardts Biografie vor. Das internationale Stolpersteinprojekt des Künstlers Gunter Demnig erinnert mit kleinen, in den Boden eingelassenen Messingtafeln an die Opfer des Nationalsozialismus.
www.stolpersteine.ch
Koblenz
23. Okt 2026
Erster Stolperstein im Aargau
Emily Langloh