Enthüllungen von «Politico».
Wie «Politico» aufgrund anonymer Informationen von ex-Angestellten berichtet, hat das Holocaust-Gedenkmuseum in Washington in der zweiten Trump-Amtszeit stillschweigend Bildungsangebote zum Thema Rassismus in den USA von seiner Website entfernt und einen Workshop zur «Zerbrechlichkeit der Demokratie» abgesagt.
Diese Eingriffe werden von den Quellen als «vorauseilender Gehorsam» charakterisiert und erfolgten gleichzeitig mit Massnahmen des US-Präsidenten gegen die von ihm als Hort «schädlicher Ideologie» bezeichnete Smithsonian Institution ab dem letzten Frühjahr. Das grösste Museumsnetzwerk weltweit hat seither Inhalte stärker an Trumps christlich-nationalistische Weltanschauung angepasst. Gleichzeitig hat die Regierung als «woke» gebrandmarkte Inhalte zu Diversität, Gleichstellung und Inklusion von staatlichen Websites entfernt.
Trump hat das Holocaust-Museum jedoch nicht öffentlich angesprochen und auch keine Änderungen verlangt. Laut den ehemalige Museumsmitarbeiter hat das Museum Inhalte «präventiv geändert, um unerwünschte negative Aufmerksamkeit der Trump-Regierung zu vermeiden.»
So hat die Institution seit Ende August 2025 eine Seite mit dem Titel «Unterrichtsmaterialien zu Nationalsozialismus und Jim-Crow-Gesetzen» von seiner Website genommen. Diese bot Unterrichtsmaterialien und Ressourcen zu den Verbindungen zwischen dem in den USA geltenden Rassismus und dem NS-Regime, darunter Links zu Websites über «Afroamerikanische Soldaten im Zweiten Weltkrieg» und «Afrodeutsche während des Holocaust». Sie verlinkte zudem auf ein Video aus dem Jahr 2018, das ein Gespräch zwischen einem Holocaust-Überlebenden und einer Frau zeigte, deren Vater in Alabama gelyncht worden war. Dieses Video ist nun nicht mehr auf der offiziellen YouTube-Seite des Museums zu finden, kann aber weiterhin über die direkte URL aufgerufen werden.
Die Museumsleitung benannte zudem einen eintägigen Workshop für Studierende von «Die Fragilität der Demokratie und der Aufstieg der Nationalsozialisten» in «Vor dem Holocaust: Die deutsche Gesellschaft und der Aufstieg der Nationalsozialisten» um.
Das Holocaust-Museum ist unabhängig und wird sowohl durch private Spenden als auch durch Bundesmittel finanziert. Trump hat seinen Einfluss indes drastisch verstärkt und «in einem beispiellosen Schritt im vergangenen Jahr mehrere von Präsident Joe Biden ernannte Mitglieder des Vorstands vorzeitig entfernt, darunter Stuart Eizenstat, einen der Gründer des Museums», so der Bericht. An deren Stelle traten Gefolgsleute wie der republikanische Lobbyist Jeffrey Miller.
Der Workshop «Die Fragilität der Demokratie» ist Teil eines seit 2020 aufwendig erarbeiteten Programms für Studierende, das im Juli 2025 eingestellt wurde. Begründet wurde dies öffentlich durch einen Budget-Umbau. Intern ging es laut dem Bericht jedoch «um eine Umstrukturierung von Prioritäten»: es habe Bedenken zu allfälligen Diskussionen gegeben, «die Teilnehmer aus dem historischen Kontext Europas zwischen 1933 und 1945 herauslösen und in die Gegenwart versetzen könnten» (Link).