Die «Proud Boys» feiern ihre Begnadigung durch Trump mit einer Film-Premiere zum Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021.
Beste Stimmung, befeuert durch Gratis-Drinks, herrschte laut der «New York Times» am Wochenende an einem Event-Zentrum in West Palm Beach, Florida, unweit von Trumps Resort Mar-a-Lago. 300 Gäste aus dem Dunstkreis der Maga-Bewegung inklusive dubioser Zelebritäten wie dem Hochstapler George Santos, dem ex-Bürgermeister von New York, Rudy Giuliani, und dem ex-General und ex-Sicherheitsbrater Trumps, Michael Flynn, waren zu der zur Premiere von «American Martyrs» erschienen.
Der «Dokumentarfilm» wurde von der ultrarechten Plattform «Gateway Pundit» produziert und feiert die rechtsextremen Proud Boys, die nach dem Angriff auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 zunächst als Putschisten angeklagt und zu langen Haftstrafen verurteilt, dann aber Anfang 2025 von Trump begnadigt worden sind. Der Präsident deutet den Putsch-Versuch zu seinen Gunsten als «Tag der Liebe» um und rühmt die Täter als verfolgte Patrioten und Märtyrer.
Auf der Party wurde ein Diorama der amerikanischen Flagge, das von einem der Randalierer entworfen worden war, für 1500 Dollar versteigert, bevor Giuliani und Flynn an einer Unterhaltung auf der Bühne behaupteten, der 6. Januar sei eine Verschwörung der Demokraten gewesen, um Trumps Anhänger in eine Falle zu locken. Aus dem Publikum erklangen dabei Forderungen nach «Bürgerkrieg!» Der Film zeigt fünf verurteilten Proud Boys – Enrique Tarrio, Joseph Biggs, Ethan Nordean, Zachary Rehl und Dominic Pezzola – als Opfer eines Justizsystems, das sie aufgrund ihrer politischen Überzeugungen habe vernichten wollen.
Tarrio sagte dazu: «Ich sass in Einzelhaft – und jetzt bin ich auf einem Filmplakat.» Er sei von Medien und Justiz zu Unrecht «dämonisiert» worden. Als Moderatorin diente die TV-Journalistin Laura Logan, die Tarrio und seine Komplizen als Patrioten würdigte, «die für ein Verbrechen angeklagt wurden, das nie stattgefunden hat.»
Flynn, Giuliani und Logan gingen bald zu der Frage über, «wer wirklich hinter den Ereignissen vom 6. Januar steckte». Flynn war sich sicher, dafür sei eine «Schattenregierung unter der Führung von Barack Obama» verantwortlich gewesen. Giuliani war etwas zurückhaltender: Obama könnte in Fragen kommen, doch ebenso gut kämen Mitglieder der linksextremen «Antifa» in Betracht. Ohne Zweifel blieb anscheinend der Applaus, der die «Proud Boys» auf der Bühne begrüsste (Link).