Elon Musk mischt sich ein und offenbart die neuen Diskursdynamiken.
In einer ungewöhnlich öffentlich ausgetragenen Debatte über die Ursachen des wachsenden Antisemitismus in Europa stehen sich diese Woche zwei prominente jüdische Führungspersönlichkeiten gegenüber – und haben eine breite politische wie mediale Resonanz ausgelöst.
Die Auseinandersetzung begann beim Weltwirtschaftsforum in Davos, wo Rabbi Pinchas Goldschmidt, Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz (ECR), die jüngste Zunahme antisemitischer Vorfälle in Europa erklärte. Er machte unter anderem die Hamas-geführten Angriffe vom 7. Oktober 2023 sowie weitreichende gesellschaftliche und politische Veränderungen in Europa für diese Entwicklung mitverantwortlich. Zugleich verband Goldschmidt Diskussionspunkte über Migration, sozialen Zusammenhalt und die Notwendigkeit, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit gemeinsam zu bekämpfen.
Prompt widersprach Rabbi Yehuda Kaploun, seit Dezember 2025 als US-Sondergesandter zur Beobachtung und Bekämpfung von Antisemitismus im Amt bestätigt, öffentlich via X (ehemals Twitter). Kaploun warf Goldschmidt eine «Fehlinterpretation der Ursachen zeitgenössischer Antisemitismuswellen» vor und betonte stattdessen die Rolle massiver Migration als entscheidenden Faktor für wachsende Spannungen und Bedrohungen für jüdische Gemeinschaften in Europa. Kaploun lobte in seinem Post zudem ausdrücklich die Haltung der Trump-Regierung in dieser Frage.
Die Debatte weitete sich aus, als Tech-Unternehmer Elon Musk Goldschmidts Analyse öffentlich ablehnte und Kaplouns Position unterstützte. Er repostete Kaplouns Aussagen mit den Worten: «Genau. Danke, dass Sie es aussprechen.» Diese Reaktion trug dazu bei, dass die Auseinandersetzung über die jüdischen Gemeinschaftskreise hinaus in internationale politische Diskussionen getragen wurde.
Goldschmidt reagierte binnen Stunden und wies die ihm zugeschriebenen Positionen zurück. Er betonte, er habe «niemals die europäische Kultur als Ursache» für Antisemitismus dargestellt und seine ursprünglichen Bemerkungen lediglich als Kontext für politische Reaktionen auf Migration und gesellschaftlichen Wandel gemeint.
Analysten sehen in dem Streit eine wachsende Spaltung innerhalb jüdischer Führungseliten darüber, wie Antisemitismus im globalen Kontext definiert und bekämpft werden sollte – insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Polarisierung in der öffentlichen Debatte über Migration, Sicherheit und politische Verantwortung.