Berlin  25. Jan 2026

Rabbiner wegen sexueller Übergriffe verurteilt

Der angeklagte Rabbiner am 16. Januar im Gerichtssaal im Berliner Bezirk Tiergarten.   

Ein Bezirksgericht in Berlin hat einen Rabbiner am Donnerstag wegen «sexueller Nötigung und sexueller Übergriffe unter Ausnutzung einer überraschenden Situation» verurteilt, einem Vergehen nach deutschem Strafrecht.

Der 49-jährige Angeklagte, ein verheirateter Vater von vier Kindern, erhielt eine ausgesetzte Freiheitsstrafe von zehn Monaten sowie eine Bewährungszeit von zwei Jahren. Nach deutschem Recht dürfen Name und Adresse des Verurteilten nicht veröffentlicht werden. 

Die Anklage war von der Berliner Staatsanwaltschaft und einer der Frauen erhoben worden, die dem Rabbiner über fast zwei Jahrzehnte hinweg sexuelle Übergriffe vorwerfen. Viele der mutmasslichen Opfer – darunter auch die Mitklägerin – hatten zunächst nicht gewusst, dass andere Frauen ebenfalls betroffen waren, bis Medienberichte nach seiner Entlassung aus der Jüdischen Gemeinde Berlin im Juni 2023 erschienen. 

Laut Gericht fand der Übergriff im Februar 2021 statt, als der Rabbiner eine Frau zu einem angeblichen «Persönlichkeitstraining» in seine Synagoge einlud und sie überraschend ohne ihr Einverständnis küsste. Das Gericht befand, dass das Opfer durch den plötzlichen körperlichen Kontakt in seiner Wehrlosigkeit ausgenutzt worden sei. 

Die Verhandlung zog auch die Aufmerksamkeit auf weitere mutmassliche Fälle: Eine prominente Zeugin berichtete, dass rund 32 Frauen mit ähnlichen Vorwürfen an sie herangetreten seien und dass einige Vorfälle noch schwerwiegender gewesen seien als der, der zur Verurteilung führte. 

Der Rabbiner war bereits 2023 von der Jüdischen Gemeinde Berlin entlassen worden – ein seltener Schritt, der damals für Aufsehen sorgte und eine breitere Debatte über den Umgang mit Missbrauchsvorwürfen in der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland auslöste. 

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschlands (ORD) verurteilte den Übergriff nach dem Urteil entschieden und betonte, dass jemand, der andere missbrauche, nicht in geistlichen oder pädagogischen Rollen tätig sein dürfe. 

Weitere potenzielle Opfer können laut Staatsanwaltschaft weiterhin Strafanzeigen stellen, die dann gesondert geprüft werden sollen. 

Der Fall hatte schon 2023 für Aufsehen gesorgt, als die Gemeinde den Rabbiner nach Vorwürfen sexueller Übergriffe und Machtmissbrauchs fristlos kündigte. Damals hatten mehrere Frauen von psychischem Druck und dem Ausnutzen ihrer Vertrauensstellung berichtet. 
 

Toby Axelrod