Jerusalem 27. Aug 2026

Soldaten hindern Knesset-Abgeordneten am Zugang zu Qusra

Der Knesset-Abgeordneten Ofer Cassif.

Israelische Soldaten haben versucht, den linken Knesset-Abgeordneten Ofer Cassif am Besuch palästinensischer Familien im Westjordanland zu hindern. Ein Video des Vorfalls wirft Fragen zum Verhalten der Armee auf.

Der israelische Knesset-Abgeordnete Ofer Cassif von der kommunistisch-arabischen Listenverbindung Chadasch-Ta’al ist nach eigenen Angaben bei einem Besuch des palästinensischen Dorfes Qusra von Soldaten körperlich und verbal angegriffen worden. Cassif wollte am Dienstag Familien besuchen, deren Häuser seit Wochen von extremistischen Siedlern bedrängt werden.
Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Cassif mit hinter dem Rücken verschränkten Händen auf eine Gruppe Soldaten zugeht. Diese versperren ihm den Weg. Einer der Soldaten fällt dabei zu Boden und behauptet anschliessend offenbar, Cassif habe ihn angegriffen. Der Parlamentarier wurde danach nach eigener Darstellung gewaltsam in Richtung seines Fahrzeugs zurückgedrängt. Er habe wegen des Vorfalls Beschwerde eingereicht.
Cassif gelang es schliesslich, zu den betroffenen Häusern vorzudringen und mit den Familien zu sprechen. «Wenn Besatzungstruppen so mit einem amtierenden Knesset-Abgeordneten umgehen, kann man sich nur vorstellen, was Palästinenser jeden Tag erleben», erklärte er. Zugleich forderte er ein Eingreifen der internationalen Gemeinschaft.
Die israelische Armee bestätigte Cassifs Anwesenheit in Qusra. Der Streit habe sich jedoch um seine Begleiter gedreht, die keine Knesset-Mitglieder seien und deshalb das zum militärischen Sperrgebiet erklärte Areal nicht betreten dürften. Cassif selbst sei der Zugang entsprechend den Sonderrechten von Abgeordneten gestattet worden. Das Verhalten der beteiligten Soldaten werde untersucht.
Bereits am 14. August hatten Soldaten Cassif vorübergehend den Zutritt zu Qusra verweigert. Nach Intervention des Sicherheitsdienstes der Knesset durfte er damals passieren und den Familien Wasser, Lebensmittel, Medikamente sowie Material zur Reparatur beschädigter Wasserleitungen bringen.
Am Rand von Qusra hatten extremistische Siedler einen illegalen Aussenposten in unmittelbarer Nähe mehrerer palästinensischer Häuser errichtet. Bewohner berichten, Zufahrtswege sowie die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln seien zeitweise blockiert worden. Die Armee räumte Teile des Aussenpostens, konnte die Bedrängung der Familien jedoch bislang nicht dauerhaft beenden.  

Redaktion