USA – KI 07. Apr 2026

Sam Altman legt Plan für «neuen Gesellschaftsvertrag» vor

OpenAI-CEO Sam Altman

Umbau der amerikanischen Sozialordnung soll Umwälzungen durch KI auffangen.  

Im Gespräch mit «Axios» hat OpenAI-CEO Sam Altman einen revolutionären Schritt zumindest für «Tech-Titanen» bekannt gemacht und diskutiert einen einen detaillierten Fahrplan für staatliche Interventionen in den KI-Boom: Behörden sollten «den Reichtum aus genau jener Technologie besteuern, regulieren und umverteilen, an deren Entwicklung und Verbreitung er selbst mit Hochdruck arbeitet» (Link).

Altman hält eine KI-Superintelligenz für unmittelbar bevorstehend. Diese sei «so nah, so atemberaubend und so disruptiv, dass Amerika einen neuen Gesellschaftsvertrag benötige – von einem Ausmass des `New Deal´ während der Weltwirtschaftskrise». Die Gefahren durch Untätigkeit oder zögerliches Handeln seien gravierend, warnt Altman: massive Verluste von Arbeitsplätzen, soziale Unruhen und Maschinen, die der Mensch nicht mehr kontrollieren kann. 

Die beiden unmittelbarsten Bedrohungen seien jedoch Cyber- sowie biologische Angriffe: Terrorgruppen könnten die KI-Modelle nutzen, um neuartige Krankheitserreger zu entwickeln: «Das ist kein rein theoretisches Szenario mehr – oder wird es zumindest nicht mehr lange bleiben.»

So zitiert der Bericht Altmans provokanteste Ideen:

Ein öffentlicher Vermögensfonds. Jeder US-Bürger soll über einen staatlich verwalteten Fonds eine direkte Beteiligung am durch KI generierten Wirtschaftswachstum erhalten. Dieser Fonds sollte teilweise von den KI-Unternehmen selbst finanziert werden.

Robotersteuern: Eine Verschiebung der Steuerbasis weg von den Lohnkosten hin zu Kapitalerträgen und Unternehmensgewinnen. Denn KI könnte die Einnahmen aus Löhnen und Gehältern schrumpfen, die derzeit staatliche Renten, Kankenversicherungen und Nahrungshilfen finanzieren.

Eine Vier-Tage-Woche: Unternehmen und Gewerkschaften sollten Pilotprojekte für eine 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich durchführen. So würde die durch KI gewonnene Effizienz in zusätzliche Freizeit für die Arbeitnehmer umgewandelt – eine Art «Effizienzdividende».

Das «Recht auf KI»: Zugang zu KI sei ebenso grundlegend wie Lese- und Schreibkompetenz, Elektrizität oder den Internetzugang. Dieser Zugang müsse für Arbeitnehmer, kleine Unternehmen, Schulen, Bibliotheken und benachteiligte Bevölkerungsgruppen erschwinglich sein.

Eindämmungsstrategien für ausser Kontrolle geratene KI-Systeme: Altman räumt Szenarien ein, in denen gefährliche KI-Systeme «nicht einfach wieder abgeschaltet oder zurückgeholt werden können», da sie autonom agieren und zur Selbstreplikation fähig sind. Die vorgeschlagene Lösung: eine umfassende Koordination unter Einbeziehung staatlicher Stellen.

Ein automatisch greifendes Sicherheitsnetz: An Wirtschaftsdaten gekoppelte Werte wie Kennzahlen zu Jobverlusten durch KI lösen automatisch temporäre staatliche Unterstützungsmassnahmen aus – wie Arbeitslosengeld, Lohnversicherungen oder direkte finanzielle Hilfen. 

Mit dem Papier will sich OpenAI laut «Axios» «als der verantwortungsbewusste Akteur der Branche profilieren – als jenes Unternehmen, das frühzeitig warnte und Lösungen anbot; eine Rolle, die ursprünglich von Anthropic besetzt wurde». Zudem sei das Papier ein strategischer Schachzug, um staatliche Regulierung bereits im Vorfeld mitzugestalten (Link).

Das Altman-Papier folgt Wochen auf den weithin beachteten Alarmruf des jungen KI-Unternehmers Matt Shumer zu den bereits anlaufenden Umwälzungen durch diese Technologie, die im aktuellen aufbau auf deutsch zu lesen ist (Link).
 

Andreas Mink