Auftritt der EU-Parlamentspräsidentin an der Jahreskonferenz der European Jewish Association (EJA).
Eindringliche Warnungen vor den akuten Gefahren für jüdisches Leben in Europa standen im Vordergrund der gestrigen Eröffnung der Jahreskonferenz der European Jewish Association (EJA) in Brüssel. Dort kamen mehr als 100 jüdische Führungspersönlichkeiten, politische Entscheidungsträger und Diplomaten unter dem Motto «Globale Intifada: Jüdische Gemeinschaften an der Front» zusammen. Die Konferenz will die Einführung eines «Status als besonders geschützte Minderheit» für Juden in europäischen Ländern vorantreiben. Dieser soll laut der EJA durchsetzbare Schutzmassnahmen, Sicherheitsgarantien und langfristige Absicherungen für das jüdische Leben gewährleisten.
In ihrer Ansprache an die Konferenzteilnehmer erklärte Roberta Metsola als Präsidentin des Europäischen Parlaments: «Synagogen werden angegriffen. Schulen ins Visier genommen. Krankenwagen in Brand gesteckt. Jüdische Familien haben Angst, auf die Strasse zu gehen. Dies sind keine Einzelfälle – jeder einzelne dieser Vorfälle ist ein Angriff auf alles, wofür Europa steht.» Seit den Terror-Anschlägen der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 erlebe Europa eine gefährliche Normalisierung des Antisemitismus: «Verschwörungstheorien verdrängen die Logik, Opfern wird die Schuld zugeschoben und uralte antisemitische Klischees kehren aus dem Munde einer neuen Generation wieder.» Dabei wisse gerade Europa, «wohin dies führen kann, wenn nicht Einhalt geboten wird.»
Der EJA-Vorsitzende Rabbiner Menachem Margolin bekräftigte die Dringlichkeit dieser Äusserungen. Der Antisemitismus in Europa sei zu einer systemischen Krise geworden, die sofortige strukturelle Veränderungen erfordere: «Wir erleben nicht nur einen Anstieg des Antisemitismus, sondern einen Zusammenbruch des Sicherheitsgefühls für Juden in ganz Europa.» Rasches Handeln sei geboten – und dies in Form eines Status als besonders geschützte Minderheit für Juden in europäischen Ländern.