Dresden 04. Jun 2026

Rabbiner wegen Betrugs verurteilt

Rabbiner Akiva Weingarten war auch für die Basler Liberale Gemeinde Migwan tätig.

Das Amtsgericht Dresden hat den Rabbiner Akiva Weingarten zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der 41-jährige US-Amerikaner wurde der Geldwäsche in 44 Fällen sowie des 469-fachen gewerbsmässigen Betrugs für schuldig befunden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Weingarten soll gemeinsam mit einem Ukrainer und einem Israeli Gelder in sechsstelliger Höhe ins Ausland transferiert und gewaschen haben. Die Betrugsmasche funktionierte über gefälschte Browser-Warnmeldungen, die Computernutzern vorgaukelten, ihr Gerät sei gesperrt. Wer die angezeigte Hotline anrief, wurde zur Zahlung mehrerer Hundert Euro bewegt. Weingarten wickelte die Zahlungen über eine auf seinen Namen laufende Berliner Gesellschaft ab. Sein Anwalt betonte, sein Mandant habe daraus keinen persönlichen Vorteil gezogen. Der Anklagepunkt der Computersabotage wurde wegen Beweisschwierigkeiten fallengelassen.
Weingarten wuchs in der chassidischen Satmar-Gemeinschaft in New York auf, lebte zehn Jahre in Israel und siedelte 2014 nach Deutschland über. Ab 2019 war er Rabbiner in Dresden sowie der liberalen jüdischen Gemeinde Migwan in Basel. Dieses Amt endete laut Wikipedia 2024 – noch vor der Anklageerhebung im April 2026. Eine Stellungnahme von Migwan liegt nicht vor.
In Sachsen ist Weingarten seit längerem umstritten. Der offizielle Landesverband der jüdischen Gemeinden bestreitet, dass er den Titel «Landesrabbiner» zu Recht führt, und betont, er sei weder Mitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz noch der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland. Als rechtmässiger sächsischer Landesrabbiner gilt Zsolt Balla. Weingartens Kultusgemeinde Dresden agiert ausserhalb der Strukturen des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Redaktion