Bewohner werfen Armee Rückzug vor.
Im besetzten Westjordanland haben nach Angaben palästinensischer Bewohner Dutzende israelische Siedler ein Dorf angegriffen, nachdem sich israelische Soldaten aus dem Ort zurückgezogen hatten. Die Bewohner berichten von Verwüstungen, Brandstiftungen und Angriffen auf Häuser und Eigentum. Der Vorfall verschärft die Debatte über die zunehmende Siedlergewalt in den besetzten Gebieten.
Nach Berichten von Bewohnern drangen am Sonntagabend Dutzende bewaffnete israelische Siedler in das Dorf Deir Jarir nordöstlich von Ramallah ein. Zuvor seien Einheiten der israelischen Armee (IDF), die zunächst im Ort präsent gewesen seien, abgezogen. Kurz darauf hätten die Siedler Häuser durchsucht, Vieh weggetrieben und Sachschäden angerichtet. Videos, die in sozialen Medien verbreitet wurden, sollen zeigen, wie Siedler unter dem Schutz bewaffneter Kräfte Schafe aus dem Dorf treiben.
Bei den Auseinandersetzungen wurden nach palästinensischen Angaben zwei Palästinenser getötet, darunter ein Mitglied des Dorfrats. Die israelische Armee erklärte, sie untersuche den Vorfall. Nach Darstellung der IDF seien die Soldaten im Verlauf gewaltsamer Zusammenstösse eingeschritten. Über die genauen Umstände der tödlichen Schüsse liegen bislang unterschiedliche Darstellungen vor.
Menschenrechtsorganisationen werfen israelischen Sicherheitskräften seit Langem vor, gegen gewalttätige Siedler nicht konsequent einzuschreiten oder deren Aktionen teilweise zu dulden. Die israelische Regierung weist den Vorwurf einer systematischen Zusammenarbeit zurück, während einzelne Politiker aus der Regierungskoalition den Ausbau von Siedlungen im Westjordanland offen unterstützen.