Bericht eines investigativen Journalisten.
Seine Bemühungen als Friedensstifter in Nahost und der Ukraine verlaufen anhin schleppend. Wie der investigative Journalist Judd Legum berichtet, hat Jared Kushner auch in seinem Hauptberuf als Gründer des primär von Saudi-Arabien finanzierten Private-Equity-Fonds «Affinity Partners» Probleme. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Ivanka Trump will Kushner ein gigantisches Resort auf der Insel Sazan in Albanien sowie an der angrenzenden Küstenlinie entwickeln. Die Region steht teilweise unter Naturschutz.
Ivanka Trump bezeichnete das Projekt als «den Höhepunkt all meiner Erfahrungen in der Immobilienbranche, all meiner Reisen und vieler Überlegungen darüber, wie ich leben möchte – und wie ich glaube, dass immer mehr Menschen leben wollen.» Das Projekt soll 10.000 Hotelzimmer umfassen und liegt laut Legum in «einem der ökologisch sensibelsten Gebiete Europas».
Zunächst kam die Regierung in Tirana dem Paar weit entgegen und änderte 2024 das Gesetz, um eine Bebauung in dem Nationalpark zu ermöglichen. Nach Trumps Wahlsieg im November 2024 verlieh die albanische Regierung der mit Kushner verbundenen Firma Atlantic Incubation Partners den Status eines «strategischen Investors» und ebnete damit den Weg für erforderliche Genehmigungen. Dies, ohne dass auch nur ein Geschäftsplan oder eine Machbarkeitsstudie für den Bau eines Luxusresorts auf der unbewohnten Insel vorgelegen hätte, so der Bericht.
Am Montag bestätigte die albanische Sonderstaatsanwaltschaft für Korruption und organisierte Kriminalität (SPAK) Ermittlungen im Zusammenhang mit Kushners Projekt. Es geht um Änderungen am Schutzstatus des Geländes und Machenschaften der von Kushner kontrollierten Unternehmen bei Nutzungsrechten. Zuvor hatte das Balkan Investigative Reporting Network (BIRN, https://birn.eu.com/) aufgedeckt, dass ein «Netzwerk zwielichtiger Personen und Unternehmen» in dem Projekt aktiv sei.
Dazu zählen «ein Geschäftsmann, dem Verbindungen zur italienischen Mafia nachgesagt werden; ein ehemaliger Richter, der infolge des Überprüfungsverfahrens (Vetting) von seinem Amt zurücktrat; die Tochter eines Anwalts, dem Urkundenfälschung vorgeworfen wird; das Unternehmen eines ermordeten Geschäftsmannes sowie Personen, die mit einem der grössten Oligarchen Albaniens, Shefqet Kastrati, in Verbindung stehen.»
Daneben haben 41 Umweltorganisationen aus 28 Ländern den albanischen Premierminister Edi Rama aufgefordert, das Projekt zu stoppen. Das Resort stelle «ernsthafte Risiken für die Biodiversität und kritische Lebensräume in der Region» dar. Rama verteidigte das Projekt jedoch weiterhin. Ende April genehmigte die Regierung die Errichtung eines Stacheldrahtzauns rund um die Küstenabschnitte des Resort-Geländes. Dadurch wurden kilometerlange Strandabschnitte für die Öffentlichkeit abgeriegelt. Zudem wurden schwere Baumaschinen herbeigeholt, um Zufahrtsstrassen anzulegen.
Diese Massnahmen lösen regelmässige Proteste bei Albanern aus, wobei es anscheinend zu Übergriffen privater Sicherheitskräfte gekommen ist. Behörden griffen gegen zwei private Sicherheitsfirmen ein. Aber seither haben sich die Proteste auf die Hauptstadt Tirana ausgeweitet. Tausende skandierten «Albanien steht nicht zum Verkauf» und forderten Ramas Rücktritt.
Die Chancen des Projektes bleiben unklar. Im Dezember scheiterte Kushners Plan, einen Trump Tower in Belgrad zu errichten, nachdem das Projekt in einen Korruptionsskandal um serbische Regierungsbeamte geraten war. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, Dokumente gefälscht zu haben, um den Denkmalschutz für das Baugelände für den Turm aufzuheben (Link).