Warschau 04. Mär 2026

Polen gibt 91 Kultgegenstände zurück

Ein silberne Aufsätze, welche die Holzrollen einer Thora-Rolle schmückten, gehören zu den Artefakten, die an Griechenland zurückgegeben werden.   

Mehr als acht Jahrzehnte nach dem Holocaust hat Polen 91 jüdische Kult- und Ritualgegenstände an Griechenland zurückgegeben. 

Die Objekte, darunter Thorarollen, ein Thoramantel sowie silberne Aufsätze für Thorarollen, waren während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten aus Synagogen in Thessaloniki geraubt worden. 
Die Rückgabe erfolgte bei einer Zeremonie in Warschau und gilt als historischer Schritt: Erstmals repatriiert Polen Kulturgüter, die sich in staatlicher Obhut befanden und ursprünglich aus einem anderen Land stammen. 
Die Artefakte waren 1941 von der NS-Rauborganisation „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“ beschlagnahmt worden. Nach dem Krieg wurden sie in einem Schloss im heutigen Südwestpolen entdeckt und später im Jüdischen Historischen Institut in Warschau aufbewahrt. 
Die griechische Regierung stellte 2024 offiziell einen Antrag auf Rückgabe. Die Restitution wurde in Zusammenarbeit mit der World Jewish Restitution Organization organisiert. Die Gegenstände sollen künftig im Jüdischen Museum Griechenlands in Athen ausgestellt werden. 
Die Rückgabe erinnert an das nahezu ausgelöschte jüdische Leben in Thessaloniki, einst als „Jerusalem des Balkans“ bekannt. Von den rund 59’000 griechischen Juden wurden während der Shoah mehr als 83 Prozent ermordet. 
Vertreter der Restitutionsorganisation sprachen von einem wichtigen Schritt internationaler Zusammenarbeit – zugleich erinnerten sie daran, dass viele Fragen der Rückgabe von während der NS-Zeit geraubtem Eigentum in Polen weiterhin ungelöst seien. 
 

Redaktion