Vorwahlen in Colorado bestätigen Trend.
Am Dienstag haben jüngere Progressive bei Vorwahlen der Demokraten weiter Boden gegen etablierte Mandatsträger gut gemacht. So konnte die 29-jährige Anwältin und demokratische Sozialistin Melat Kiros die 68-jährige Kongressabgeordnete Diana DeGette überwinden, während der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates, Phil Weiser, den Versuch von Senator Michael Bennet vereitelte, vom Kongress in das Amt des Gouverneurs zu wechseln.
Allerdings konnte der amtierende Senator John Hickenlooper in einem weiteren Rennen einen progressiven Herausforderer abwehren. Insgesamt gelten die Demokraten in Colorado bei den Hauptwahlen im November als Favoriten.
Besonders bei Melat Kiros war laut Analysten ausschlaggebend, dass sie der selbst als progressiv geltenden DeGette Sympathien mit Israel vorgeworfen hat. Kiros steht damit für die zunehmende Erstarkung israel-kritischer Stimmen bei den Linksliberalen. DeGette war eine entschiedene Befürworterin einer öffentlichen Krankenversicherung und schaltete einen Fernsehspot, in dem sie mit Lob der Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez warb. Die linke Ikone hielt sich jedoch bei dieser Vorwahl bedeckt.
Dabei hatte sich DeGette 2025 gegen den Verkauf von «Offensivwaffen» an Israel ausgesprochen, sich in der Vergangenheit jedoch als «starke Unterstützerin Israels» bezeichnet. Kiros fordert eine komplette Einstellung von US-Militärhilfen für Israel. Sie trat in einer demokratischen Hochburg in Denver an und begrüsste die Unterstützung durch die «Democratic Socialists of America» sowie durch den linken, durch Feindseligkeit gegenüber Israel bekannten Meinungsmacher Hasan Piker.
Senator Michael Bennet unterlag im Rennen um das Amt des Gouverneurs. Weiser hatte im vergangenen Jahr in den Umfragen noch mit 30 Prozentpunkten Rückstand gelegen, schaffte es jedoch, die Wahl zu einer Abstimmung darüber zu machen, wer der beiden Kandidaten sich entschiedener gegen Präsident Trump stellte. Weiser führte als Argumente seine Klagen für den Gliedstaat gegen die Trump-Regierung sowie auf Bennets Zustimmung zur Bestätigung einiger Kabinettsmitglieder Trumps an. Dies war anscheinend Match-entscheidend.
Dabei entspricht der 58-Jährige keineswegs dem typischen Bild eines progressiven Herausforderers. Doch der ehemalige Bundesstaatsanwalt, der sowohl für die Obama-Regierung als auch als Dekan einer juristischen Fakultät tätig war, konnte sich erfolgreich als Aussenseiter links von Bennet positionieren (Link).