Bislang 42 jüdische Autoren, die sich als Gegner oder zumindest nicht Unterstützer des Zionismus verstehen, werfen dem Jewish Book Council in einem offenen Brief eine «Tendenz zur Fokussierung auf israelische und zionistische Stimmen» vor. Zudem verenge die 1925 gegründete Organisation «ihren Blickwinkel auf einen zionistischen Ansatz jüdischer Kultur».
Das Council (JBC) solle vielmehr jüdische Stimmen ins Rampenlicht rücken, die dem traditionellen Zionismus kritisch gegenüber stehen: «Da das JBC unsere sichtbarste und traditionsreichste jüdische Literaturinstitution ist, vermittelt sein Fokus auf zionistische Autoren und Bücher sowohl jüdischen als auch nichtjüdischen Lesern den falschen Eindruck, jüdische Bücher seien per se zionistisch».
Unterzeichnet haben den Brief die israelisch-niederländische Romanautorin Yael van der Wouden – deren Debütroman «The Safekeep» (2024) vom JBC ausgezeichnet wurde und auf der Shortlist für den Booker Prize stand –, Qian Julie Wang, deren Bestseller «Beautiful Country» ebenfalls vom JBC geehrt worden ist und von Ex-Präsident Barack Obama empfohlen wurde, sowie die Romanautorin Adelle Waldman und Michael David Lukas. Der Professor an der San Francisco State University wurde für seinen Roman «The Last Watchman of Old Cairo» (2018) mit einem National Jewish Book Award und dem renommierten Sami-Rohr-Preises für jüdische Literatur ausgezeichnet.
Council-Geschäftsführerin Naomi Firestone-Teeter erklärte der Jewish Telegraphic Agency, der offene Brief spiegele lediglich «unterschiedliche Erwartungen» darüber wider, wofür die Institution stehen könne.
Die Kritikerinnen und Kritiker haben sich anscheinend im vergangenen Jahr zunächst vertraulich an die Council-Führung gewandt und einen Dialog über ihre Bedenken geführt, darunter die offene Unterstützung des JBC für Israel und israelische Autoren bei Preisverleihungen nach dem Terror-Überfall der Hamas aus Israel am 7. Oktober 2023. Zudem drängten die Autoren das JBC dazu, öffentlich zu erklären, dass Kritik an Israel «nicht per se antisemitisch ist», und «Programme und Inhalte zu schaffen, die eine authentischere Vielfalt jüdischer Ansichten zu Israel/Palästina widerspiegeln und Räume für Juden sowie Kulturschaffende mit Bezug zum Judentum eröffnen, um diese schwierigen Gespräche zu führen.»
Erst nachdem das JBC diesen Forderungen nicht nachgekommen sei haben die Kritiker angeblich beschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen, denn «die offensichtliche Tendenz der Institution, israelische und zionistische Stimmen in den Mittelpunkt zu stellen, ist nicht nur exklusiv, sondern auch schädlich; sie trägt zur Entmenschlichung der Palästinenser bei und fördert ein System der kulturellen Apartheid.»
Der offene Brief folgt einer Reihe von Auseinandersetzungen rund um das Thema Juden und Israel in der gesamten Buchwelt. So hat PEN America nach monatelangen Protesten gegen eine angeblich zionistische Ausrichtung in diesem Jahr die Führung ausgetauscht und eine Solidaritätserklärung für einen israelischen Komiker zurück gezogen, dessen Auftritte zuvor abgesagt worden waren (Link).