Iran-Krieg 29. Mär 2026

Konflikt schlägt direkt auf den amerikanischen Arbeitsmarkt durch

Ein Öltanker vor Oman.  

Analyse von Goldman Sachs.

Der militärische Konflikt der USA mit dem Iran schwächt bereits den ohnehin angeschlagenen Arbeitsmarkt der USA: Laut einer Analyse von Goldman Sachs dürfte der durch den Krieg ausgelöste Ölpreisschock das Beschäftigungswachstum bis zum Jahresende um rund 10.000 Stellen pro Monat bremsen – dies werde bei Restaurants, Hotels und im Einzelhandel am stärksten zu spüren sein.

Rohstoffstrategen des Hauses erwarten, dass der Preis für Brent-Rohöl im März durchschnittlich 105 Dollar betragen, im April auf 115 Dollar ansteigen und anschliessend im vierten Quartal schrittweise auf 80 Dollar zurückgehen wird – vorausgesetzt, die Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz bleibt nur für etwa sechs Wochen massiv gestört. Bei einer Eskalation des Konflikts könnte der Brent-Preis einen Höchststand von bis zu 140 Dollar pro Barrel erreichen; in einem «extrem ungünstigen» Szenario wären sogar 160 Dollar denkbar.

Momentan gibt es eher Anzeichen für eine Eskalation inklusive Einsätze amerikanischer Bodentruppen an der Strasse von Hormuz oder auf der Insel Charg im Persischen Golf. 

Laut der Goldman-Analyse schlagen die hohen Ölpreise zunächst auf den Bereich Freizeit und Gastgewerbe durch, wo monatlich rund 5000 Arbeitsplätze wegfallen dürften; der Einzelhandel verliere weitere 2000 Stellen. Die Logik dahinter ist simpel: Wenn die Energiepreise in die Höhe schnellen, schränken die Verbraucher zunächst ihre diskretionären Ausgaben ein – sie verzichten auf Urlaubsreisen, gehen seltener auswärts essen und reduzieren ihre Einkaufstouren –, während sie weiterhin für lebensnotwendige Güter und Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung und Wohnen aufkommen. Der Ölschock trifft die auf die Arbeiterklasse ausgerichtete Dienstleistungswirtschaft deutlich früher, als er die stärker abgeschirmten Sektoren erreicht. Diese Dynamik erreicht laut Goldman insbesondere jüngere Menschen der Generation Z. 

Goldman betont allerdings, dass die US-Wirtschaft gegenüber Ölpreisschocks weitaus widerstandsfähiger ist als noch in den 1970er Jahren. Dies aufgrund von zwei strukturellen Verschiebungen: die amerikanische Wirtschaft sei weniger von Öl als Energiequelle abhängig und der seit 2010 anhaltende Boom bei der heimischen Schieferölförderung habe durch neue Arbeitsplätze und Investitionen im Energiesektor ein ausgleichendes Polster geschaffen.

Goldman erwartet insgesamt einen Anstieg Arbeitslosenquote bis zum dritten Quartal 2026 um 0,2 Prozentpunkte auf 4,6 Prozent – wobei der Ölschock für etwa die Hälfte dieses Anstiegs verantwortlich sei (Link).

Andreas Mink