US-Behörde soll ChatGPT genutzt haben, um jüdische Förderprojekte als «DIE» zu streichen
Eine Sammelklage wirft dem US-amerikanischen Department of Government Efficiency (DOGE) vor, generative KI eingesetzt zu haben, um Förderanträge mit jüdischem Bezug als Programme zu Diversity, Equity and Inclusion (DEI) einzustufen – und sie anschliessend zu streichen.
Laut Klageschrift nutzten Mitarbeitende der Behörde ChatGPT, um Datenbanken mit Projekten des National Endowment for the Humanities (NEH) zu prüfen. Die Methode habe zur Streichung von Zuschüssen für Studien über Gewalt gegen Frauen während der Schoah, über sowjetisch-jüdische Literatur sowie zahlreiche weitere Themen beigetragen.
Die Klage wurde unter anderem von der Authors Guild, der Association for Jewish Studies sowie einzelnen Forschenden eingereicht. Sie verlangt die Wiederherstellung der gestrichenen Mittel, die rund 80 Prozent der NEH-Förderungen betroffen hätten und Teil eines umfassenderen Sparkurses der von Elon Musk geführten Effizienz-Taskforce gewesen seien. (
Als Beklagte nennt die Klage neben der NEH auch mehrere DOGE-Mitarbeiter, darunter Justin Fox, dem zufolge jüdische Themen – einschliesslich Holocaust-Forschung – grundsätzlich als DEI einzustufen seien. In einer Zeugenaussage erklärte er, ein Projekt über Gewalt gegen Frauen im Holocaust sei zu Recht gestrichen worden, weil es sich auf «jüdische Kultur» und «Stimmen von Frauen» konzentriere.
Fox habe zudem eine eigene „Detection List“ identitätsbezogener Kriterien erstellt und ChatGPT mit der Anweisung gefüttert, in weniger als 120 Zeichen zu entscheiden, ob ein Antrag DEI betreffe; die identifizierten Projekte seien danach fast ausnahmslos gestrichen worden.
Der damalige kommissarische NEH-Vorsitzende Michael McDonald erklärte in einer Aussage, er habe von der Nutzung von ChatGPT nichts gewusst und teile nicht die Einschätzung, der Holocaust falle unter DEI; die endgültigen Streichungsentscheidungen seien von DOGE getroffen worden.
Mehrere betroffene Wissenschaftler kritisieren das Vorgehen scharf. Der Übersetzer Sasha Senderovich sprach von «autoritären Logiken», während seine Kollegin Harriet Murav erklärte, sie sei «erschüttert» über die Entwicklung.
Das Verfahren ist anhängig; die Kläger streben ein Urteil ohne Hauptverhandlung an.