USA – Politik 15. Apr 2026

Kandidat fordert Verkauf von Israel-Anleihen

Drew Warsaw bewirbt sich als Rechnungsprüfer von New York State.  

Als Stabschef der «Port Authority» massgeblich am Wiederaufbau non Lower Manhattan nach 9-11 beteiligt, kann Drew Warsaw auf eine verdienstreiche Karriere im öffentlichen Dienst von New York zurückschauen. Derzeit bewirbt sich der Demokrat bei den internen Vorwahlen gegen den langjährigen Amtsinhaber Tom DiNapoli als Rechnungsprüfer des Bundesstaates New York. Der Posten umfasst die Aufsicht über staatliche Pensionsfonds mit rund 300 Milliarden Dollar Vermögen. 

Warsaw fordert nun in einem Beitrag beim «Forward» den Verkauf von Israel-Anleihen im Wert von 368 Millionen Dollar bei dem Fonds. Diese Investition stelle eine Ausnahme bei gliedstaatlichen Pensionsfonds in den USA dar und DiNapoli trage «damit dazu bei, die Kriege des israelischen Premierministers Binyamin Netanyahu zu finanzieren», so Warsaw: «Als amerikanischer Jude und als Kandidat für das Amt des staatlichen Rechnungsprüfers von New York» habe er sich verpflichtet, im Falle eines Wahlsiegs diese Beteiligungen abzustossen.

Warsaw nimmt dabei Bezug auf das Pessachfest. «Die zentrale Freiheitserzählung unseres Volkes» sei zugleich eine Geschichte der Rechenschaft: «Freiheit bringt nicht nur Macht mit sich, sondern auch Verantwortung», so Warsaw: «Unser Land befindet sich im Krieg. Schon wieder. Unser Präsident hat maskierte, gewehrbewaffnete Einsatzkräfte auf unser eigenes Volk gehetzt. … Und als amerikanische Juden setzen sich viele von uns in diesem Augenblick auch kritisch mit Israel auseinander.»

Heuer nehme er das Wort «Dayenu» beim Seder-Mahl auf neue Weise wahr, nicht als Ausdruck der Dankbarkeit, sondern als «durchdringenden Schrei: `Es ist genug!´» Denn Israel sei als Reaktion auf das Massaker der Hamas an der israelischen Zivilbevölkerung am 7. Oktober 2023 weit über eine legitime Reaktion hinausgeschossen. Die Netanyahu-Regierung habe «eine verheerende, überwältigende Tötungsgewalt entfesselt, die Zehntausende palästinensischer Zivilisten das Leben kostete und Millionen weitere zu Vertriebenen in bitterster Not machte. Es hat ein Landstück von der Grösse Brooklyns und Queens dem Erdboden gleichgemacht – und dabei in der ersten Woche der Kämpfe fast ebenso viele Bomben auf dieses dicht besiedelte Gebiet abgeworfen, wie während eines ganzen Jahres des US-Krieges in Afghanistan fielen.»

Dann verweist Warsaw auf die «brutale Ausweitung der Siedlungen im Westjordanland» und den Einmarsch der IDF im Libanon. Daher geböten ihm «die jüdischen Werte, mit denen ich aufgewachsen bin – wie «Tikkun Olam» und «Ha Lachma Anya»: «Der Bundesstaat New York darf solches menschliches Elend nicht länger ermöglichen oder sich daran mitschuldig machen.»

Doch DiNapoli verwende weiterhin das Geld der New Yorker Bürger, um Netanyahus Kriegsmaschinerie zu finanzieren und habe nach dem 7. Oktober weitere israelische Staatsanleihen im Wert von 20 Millionen Dollar erworben, diese jedoch nicht verkauft, während die israelische Regierung den Gazastreifen verwüstete (Link). 

Warsaw greift damit ein Thema auf, das die demokratische Partei gerade in New York spaltet: auch hier verliert Israel gerade bei jüngeren Demokraten – inklusive jenen jüdischer Herkunft – deutlich an Sympathien. 
 

Andreas Mink