New York 04. Apr 2026

Justizirrtum bei Rabbinermord

Der Mord an Rabbi David Okunov erschütterte Crown Heights in Brooklyn, als er sich im Oktober 1979 ereignete.

Nach 45 Jahren ist ein Verurteilter im Mordfall freigesprochen.  

Ein spektakulärer Justizentscheid in New York stellt einen Mordfall aus dem Jahr 1979 grundlegend infrage: Ein Mann, der jahrzehntelang wegen der Tötung eines Rabbiners verurteilt war, ist laut Gericht «tatsächlich unschuldig».
Ein Richter hob diese Woche die Verurteilung von Carl Miller auf, der 1980 wegen des Mordes an Rabbiner David Okunov in Brooklyn schuldig gesprochen worden war. Miller hatte rund 30 Jahre im Gefängnis verbracht und stets seine Unschuld beteuert. 
Der Rabbiner war im Oktober 1979 im Stadtteil Crown Heights auf dem Weg zum Morgengebet erschossen worden. Die Tat erschütterte damals die jüdische Gemeinschaft; tausende Menschen nahmen an der Beerdigung teil. 
Das Gericht stellte nun fest, dass Miller nicht nur zu Unrecht verurteilt worden sei, sondern „tatsächlich unschuldig“ ist – ein besonders hoher juristischer Standard. Grundlage waren neue Zweifel an zentralen Zeugenaussagen sowie Hinweise auf fehlerhafte Ermittlungen und mögliche Fehlurteile aus jener Zeit.
Mit der Entscheidung gilt der Fall faktisch als ungelöst. Zugleich reiht sich das Urteil in eine Serie von nachträglichen Entlastungen ein, die auf problematische Praktiken der Strafverfolgung in New York in den 1970er- und 1980er-Jahren zurückgeführt werden. 
Für Miller endet damit ein jahrzehntelanger Kampf um Rehabilitierung – während die Frage nach dem tatsächlichen Täter offen bleibt.

Redaktion