New York 01. Mär 2026

Jüdische Verbände gespalten

Eine Rauchwolke steigt nach einer Explosion am 28. Februar in Teheran auf. (Majid Saeedi/Getty Images)  

Der US-israelische Angriff auf Iran sorgt für innerjüdische Debatten.

Die weltweiten jüdischen Gemeinschaften reagieren mit deutlichen, aber gespaltenen Stimmen auf den gemeinsamen militärischen Schlag der Vereinigten Staaten und Israels gegen Ziele im Iran. Während grosse, etablierte Organisationen die Offensive verteidigen, äussern progressive Gruppierungen Kritik und Bedenken über Eskalation und Folgen.

Mehrere prominente amerikanisch-jüdische Verbände haben sich öffentlich hinter die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump und dem israelischen Ministerpräsidenten Binyamin Netanyahu gestellt und die militärischen Massnahmen als notwendigen Schritt gegen die iranische Bedrohung bezeichnet. Die American Jewish Committee betonte in einer Erklärung, der Iran sei eine «existenzielle Gefahr» für Israel und die freie Welt; sein nuklearer und ballistischer Aufbau müsse dauerhaft neutralisiert werden. Auch die Anti-Defamation League erklärte, sie «steht an der Seite der USA, Israels und des iranischen Volkes», während die Jewish Federations of North America für erhöhte Sicherheitsmassnahmen in jüdischen Gemeinden warnt, zugleich aber ihre Unterstützung bekundet. Zudem rief die Sicherheitsorganisation Secure Community Network zu Verstärkung vorhandener Schutzprotokolle auf, insbesondere im Hinblick auf Schabbat- und Purim-Veranstaltungen. 

Gleichzeitig haben linke und fortschrittliche jüdische Gruppen sowie einige jüdische Intellektuelle und Gemeindemitglieder die Angriffe kritisiert. Sie äussern Sorgen darüber, dass ein militärisches Vorgehen die Spannungen in der Region weiter verschärft, zivile Opfer in Kauf nimmt und nicht zu einer nachhaltigen Sicherheit führt. Diese Stimmen sehen in dem Schlag eine riskante Eskalation, die langfristig nicht im Interesse der jüdischen Gemeinschaft oder des Friedens in Nahost sei. 

Die Debatte innerhalb jüdischer Organisationen spiegelt breitere Auseinandersetzungen in der US-Politik und Gesellschaft über das richtige Vorgehen im Nahen Osten wider. Konservative religiöse Netzwerke und christlich-zionistische Gruppen unterstützen überwiegend die Militäraktion, während viele liberale Geistliche und Aktivisten sie als unrechtmässig oder gefährlich zurückweisen. 

Judy Maltz