Anscheinend nur geringe Folgen neuer Bombardements.
Die UN-Atomaufsichtsbehörde (IAEA) gab gestern Dienstag Beschädigungen der Urananreicherungsanlage in Natanz im Iran infolge der israelisch-amerikanischen Angriffe bekannt. Diese seien an den Eingangsgebäuden der unterirdischen Anlage aufgetreten: «Es werden keine radiologischen Folgen erwartet, und es wurden keine weiteren Auswirkungen in der Urananreicherungsanlage selbst festgestellt», so die IAEA. Die Anlage sei während des zwölftägigen Krieges im letzten Juni schwer beschädigt worden.
Am Montag erklärte IAEA-Chef Rafael Grossi, die Behörde verfolge den Konflikt «mit Sorge», aber «bislang wurde in den an den Iran angrenzenden Ländern keine Erhöhung der Strahlungswerte über die üblichen Hintergrundwerte hinaus festgestellt.» Zudem habe die IAEA «keine Hinweise darauf, dass Nuklearanlagen, einschliesslich des Kernkraftwerks Buschehr, des Forschungsreaktors in Teheran oder anderer Anlagen des nuklearen Brennstoffkreislaufs, beschädigt oder getroffen wurden.»
Der iranische Gesandten bei der IAEA, Reza Najafi, erklärte jedoch, Natanz sei am Sonntag angegriffen worden. Auch der US-Think Tank Institute for Science and International Security (ISIS) teilte am Montag mit, Satellitenbilder zeigten zwei Angriffe auf Zugangspunkte zur der unterirdischen Anlage in Natanz.
Grossi erklärte am Dienstag, IAEA-Inspektoren hätten vor Ort trotz der Behauptungen Israels und der USA keine Beweise für ein «koordiniertes iranisches Atomwaffenprogramm» gefunden. Gleichzeitig bestätigte er aber, dass Teheran Uran auf 60 Prozent angereichert habe – ein Wert, der weit über den zivilen Energiebedarf hinausgehe und laut Grossi ernsthafte Fragen aufwerfe. Diese Anreicherung sei bedenklich, denn es gebe «keine klare Absicht» für die Produktion nuklearen Material in diesem Ausmass: «Die Zentrifugen drehten sich ununterbrochen und produzierten immer mehr von diesem Material». Dies genüge «theoretisch … um mehr als zehn Atomsprengköpfe herzustellen. Aber haben sie welche? Nein» (Link).