USA – Deutschland 22. Okt 2026

Holocaust wird angeblich «als Waffe gegen Deutschland eingesetzt»

AfD-Politiker Marc Bernhard.

Auftritt des AfD-Politikers Marc Bernhard an der Georgetown University.  

Immer wieder durch extremistische Töne bis hin zu Nazi-Sympathien in die Schlagzeilen geraten, bleiben die «College Republicans» anscheinend ihrer radikalen Linie treu. Laut dem «Forward» hat die Organisation am Montag eine private Veranstaltung mit dem AfD-Politiker Marc Bernhard vor Studierenden der Washingtoner Georgetown University ausgerichtet. Das Medium hat Aufzeichnungen davon erhalten. Darin erklärt Bernhard etwa, der Holocaust werde «als Waffe gegen Deutschland eingesetzt».

Während der Fragerunde hatte ein Zuhörer Bernhard nach der «Meinung der AfD zum Holocaust» gefragt. Der gab zunächst ausweichend zurück, die Partei sei «sehr, sehr gross». Auf die Nachfrage, ob die deutsche Bildungspolitik überkompensiere, also eine übermässige Entschuldigung für die Nazi-Verbrechen betreibe, erwiderte Bernhard dann, Vorwürfe im Zusammenhang mit Nationalsozialismus seien im letzten Jahrzehnt «inflationär» geworden: «Jeder, der nicht die Meinung der Regierung vertritt, wird als Nazi bezeichnet. Deshalb nimmt das niemand mehr ernst – es ist ein Witz.»

Zudem werde der «Holocaust ebenfalls als Waffe gegen Deutschland eingesetzt», so Bernhard vor etwa 40 Anwesenden: «Warum verlangt Polen von uns Reparationen und Ähnliches?» Für judenfeindliche Stimmungen seien indes «Antifaschisten» verantwortlich. Linker Antisemitismus sei der Grund dafür, «warum viele Juden Deutschland oder Frankreich verlassen – weil sie sich nicht mehr sicher fühlen, besonders in Berlin.»

Bernhard hatte im Januar eine Kampagne initiiert, bei der zehntausende gefälschte Flugtickets für Abschiebungen in Briefkästen von Wählern verteilt wurden. Darauf stand anstelle des Passagiernamens «ILLEGALER EINWANDERER». Die Aktion rief Vergleiche mit NS-Propaganda hervor, in der gefälschte Reisedokumente Juden zum Verlassen Hitler-Deutschland aufforderten – darunter ein Dokument mit der Aufschrift: «Freies Ticket nach Jerusalem … ohne Rückkehr.»

Die «Georgetown College Republicans» erklärten dem «Forward» indes: «Die AfD führt derzeit in landesweiten Umfragen, und die wachsende Unterstützung für sie verdient eine ernsthafte Auseinandersetzung.» Vorwürfe des Antisemitismus seien völlig grundlos. Die Gruppe hatte 2025 den stellvertretenden AfD-Parteivorsitzenden Markus Frohnmaier empfangen und hatte im Frühjahr auf X verkündet: «Muslime haben keinen Platz in der amerikanischen Gesellschaft. Ihre Religion ist mit unserer christlichen Nation unvereinbar.»

Bernhard hieb am Montag in diese Kerbe: «Wir haben dieses Problem mit Menschen, die nicht zu unserer Kultur oder unserer Tradition gehören. Wo immer man auf Probleme stösst, sind Muslime beteiligt. Mit Ukrainern haben wir keine Probleme. Mit Polen haben wir keine Probleme».

Die jüdische Gruppierung der «College Democrats of America» und die «Georgetown College Democrats» verurteilten die Einladung Bernhards (Link).

Andreas Mink