«Das bunte Leben» wurde 2023 in Bayern als NS-Raubkunst eingestuft.
Bereits vergangene Woche wurde «Das bunte Leben» von Wassily Kandinsky in London bei Christie’s für rund 42 Millionen Dollar und damit deutlich über dem Schätzpreis von bis zu 33 Millionen Dollar versteigert. Das Werk war jahrzehntelang im Münchner Lembachhaus, ehe die Institution das Gemälde nach langen Recherchen und Verhandlungen vor einigen Monaten als NS-Raubkunst an Nachkommen der einstigen Eigner-Familie retourniert hatte.
Das Gemälde wurde nach einem sechsminütigen Bieter-Duell verkauft. Christie’s hatte zuvor mit einem Erlös zwischen 24 und 33 Millionen Dollar gerechnet. Die Identität des Käufers wurde nicht bekannt gegeben. Experten betrachten das aus dem Jahr 1907 stammende Gemälde als einen Meilenstein in Kandinskys Entwicklung vom figurativen Maler zum abstrakten Künstler. Es zeigt eine lebendige, traumartige Szene mit farbenfroh gekleideten Figuren in einer Fantasielandschaft. Auf der Christie´s Website wurde das Werk als eine «vor Leben pulsierende Panoramalandschaft» beschrieben (Link).
Das Gemälde gehörte ab November 1927 dem in Amsterdam lebenden Sammler-Ehepaar Hedwig und Emanuel Albert Lewenstein. Kurz nach der Besetzung der Niederlande durch Hitler-Deutschland wurde das Werk am 9. Oktober 1940 beim Auktionshaus Frederik Muller & Co in Amsterdam verkauft. Bis wenige Wochen vor der Versteigerung befand sich «Das bunte Leben» als Leihgabe der Lewensteins im Stedelijk Museum in Amsterdam. Trotz jahrelanger Recherchen konnte nicht geklärt werden, auf wessen Veranlassung das Gemälde als Teil des Nachlasses Lewenstein zur Versteigerung gelangte.
Dort wurde «Das bunte Leben» von Salomon B. Slijper erworben, dessen Witwe es 1972 für rund 900'000 Mark an die Bayerische Landesbank verkaufte. Diese gab das Werk als Dauerleihgabe an das Lehnbachhaus.
Im Oktober 1940 waren die Kinder der Lewensteins, Robert Gotschalk Lewenstein und Wilhelmine Helene Lewenstein, bereits in die USA und die portugiesische Kolonie Mosambik ausgewandert. Nur Irma, die mit Robert in Trennung lebende Ehefrau, war in Amsterdam verblieben. Sie überlebte den Krieg, wurde aber immer wieder Opfer schwerer Verfolgungsmassnahmen (Link).
Erst 2023 hatte die «Beratende Kommission NS-Raubgut» das Gemälde nach langen Debatten mit der Bank als NS-Raubkunst eingestuft. Daraufhin erfolgte mit Billigung des Bayerischen Landtags erst kürzlich die Rückgabe an Erben der Lewensteins.