Iran-Krieg 10. Apr 2026

Erneute Meldungen über dubiose Wetten

Bericht des «Guardian».  

Einem inzwischen vertrauten Muster folgend soll Gruppe von Konten auf der Plattform Polymarket äusserst spezifische und zeitlich präzise Wetten auf einen allfälligen Waffenstillstand zwischen den USA und Iran platziert haben. Laut dem «Guardian» haben die Wetten Hunderttausende von Dollar eingebracht.

Diese wurden trotz der scharf eskalierenden Rhetorik von Trump etliche Stunden vor der am Dienstag verkündeten zweiwöchigen Waffenruhe getätigt. Zu diesem Zeitpunkt fehlte es an Signalen für eine baldige Einigung. Gleichentags hatte der US-Präsident bekanntlich gewarnt, dass «eine ganze Zivilisation heute Nacht sterben wird», sollte der Iran seiner Forderung nicht nachkommen, die Strasse von Hormuz bis zu einer festgelegten Frist um 20 Uhr (Ortszeit US-Ostküste) wieder zu öffnen.

Bei einer Wette, die am Dienstag gegen 10 Uhr morgens (Ortszeit US-Ostküste) platziert wurde, wurden rund 72.000 Dollar auf das entsprechende Ergebnis gesetzt. Dies brachte einen Gewinn von 200'000 Dollar. Ein weiteres Konto, das erst am 6. April erstellt wurde, kassierte Gewinne in Höhe von 125.500 Dollar.

Ein drittes Konto – erstellt nur 12 Minuten vor Trumps Verkündung einer Feuerpause– platzierte Wetten im Gesamtwert von 31.000 Dollar und soll Schätzungen zufolge 48.500 Dollar eingebracht haben. Hintergrund für die relativ niedrige Marge dürften zunehmende Berichte über die Last-Minute-Bemühungen der pakistanischen Regierung für einen Kompromiss sein. Allerdings könnten nervenstarke Nutzer ihre Wetten in der Erwartung platziert haben, Trump würde einen Rückzieher machen – angesichts des inzwischen sprichwörtlichen Musters seiner zweiten Amtszeit: Trump spricht massiver Drohungen aus – gefolgt von einem Zurückweichen: «TACO» (Trump Always Chickens Out – Trump macht immer einen Rückzieher).

Während einige Nutzer hohe Gewinne kassieren konnten, warten andere laut dem Bericht noch immer auf ihre Auszahlungen, nachdem Polymarket den Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran als «umstritten» eingestuft hat. Als Begründung nannte die Plattform die anhaltenden iranischen Beschränkungen für den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormuz sowie die fortgesetzten Raketenangriffe in der Region.

Anhand der öffentlich zugänglichen Blockchain-Daten lässt sich nicht ermitteln, wer die Kontrolle über die neuen Konten ausübt. Polymarket nutzt «Proxy Smart Wallets», wodurch ein einzelner Nutzer mehrere Konten gleichzeitig führen kann. Lediglich die Plattform selbst verfügt über die internen Daten zur Identifizierung der betreffenden Nutzer. Polymarket reagierte nicht auf die «Guardian»-Anfrage um eine Stellungnahme. 

Derartige Wetten traten zuerst Stunden vor der gemeldeten Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar auf und haben Politiker beider Parteien zu Gesetzesentwürfen bewegt, um die Definition von Insiderhandel auf Wettgeschäfte auszuweiten (Link).

Andreas Mink