Scharfe Äusserungen ultraorthodoxer Rabbiner gegen den israelischen Generalstabschef Eyal Zamir haben in Israel parteiübergreifend Empörung ausgelöst.
Auslöser war eine Massenkundgebung in Bnei Brak gegen die Einberufung ultraorthodoxer Männer zum Militärdienst. Dort soll Rabbi Arieh Yazdi den Armeechef öffentlich verflucht und zu drastischen Massnahmen gegen ihn aufgerufen haben. Die Aussagen wurden von Politikern aus Regierung und Opposition als gefährliche Hetze verurteilt.
Auch Ministerpräsident Benjamin Netanyahu distanzierte sich von den Äusserungen und erklärte, persönliche Angriffe und Aufrufe gegen den Generalstabschef seien inakzeptabel. Die ultraorthodoxe Partei Shas verurteilte die Wortwahl des Rabbiners ebenfalls und betonte, Meinungsverschiedenheiten dürften nicht in Aufrufen zur Gewalt oder Verunglimpfung militärischer Führungspersonen münden. Auch Oppositionspolitiker warnten vor einer weiteren Eskalation des gesellschaftlichen Klimas.
Der Vorfall fällt in eine Phase wachsender Spannungen zwischen der Armee und Teilen der ultraorthodoxen Gemeinschaft. Hintergrund ist der zunehmende Druck, auch Haredim zum Wehrdienst einzuziehen, nachdem die Streitkräfte wegen der anhaltenden Konflikte einen erheblichen Personalmangel beklagen. Generalstabschef Zamir hatte erst vor wenigen Tagen erklärt, die Armee benötige dringend Tausende zusätzliche Soldatinnen und Soldaten und könne auf keine Bevölkerungsgruppe verzichten.
Die Debatte über die Wehrpflicht gehört derzeit zu den grössten innenpolitischen Konflikten Israels und belastet auch die Stabilität der Regierungskoalition. Die jüngsten verbalen Angriffe auf den Armeechef verdeutlichen, wie aufgeheizt die Auseinandersetzung inzwischen geführt wird.