Bericht des «Jewish Insider» über eine Telefonkonferenz mit dem Vorstandsvorsitzenden von Axel Springer.
Am Montag hat Mathias Döpfner als Vorstandsvorsitzender von Axel Springer auf Kritik aus der Redaktion der amerikanischen Tochter «Politico» angeblich vehement die Unternehmenswerte des deutschen Verlagsriesen bekräftigt. Dies vermeldet ««Jewish Insider» anhand von Audioaufzeichnung der Diskussion Döpfners mit der Redaktion. Der Vorstandsvorsitzende habe den Journalisten nahegelegt: Wer sich mit den «Essentials», also den Verlagsgrundsätzen, die nicht zuletzt die Unterstützung für das «Existenzrecht» Israels umfassen, nicht vollumfänglich identifizieren könne, solle sich eine andere Arbeitsstelle suchen: «Wenn die `Essentials´ nicht attraktiv sind, …, wenn die `Essentials´ kein Grund sind, für dieses Unternehmen zu arbeiten, dann kann ich nur empfehlen, sich bei anderen Unternehmen umzusehen.»
Seine Äusserungen stiessen angeblich auf keinerlei Widerspruch, sondern erfuhren sogar stillschweigende Unterstützung seitens der an der Besprechung teilnehmenden Führungskräfte. Darunter war angeblich der designierte Chefredakteur Jonathan Greenberger, der sein Amt am Freitag antritt.
Das Treffen war eine Reaktion auf ein Schreiben von Mitarbeitern an Greenberger vom Freitag. Darin warfen sie Döpfner vor, das Medium «zur Durchsetzung seiner politischen Agenda» zu missbrauchen, und äusserten die Sorge, dass zwei von ihm für die Publikation verfasste Meinungsbeiträge «die Reputation [des Mediums] als unparteiische Nachrichtenquelle zu untergraben drohen». Döpfner hatte Europa aufgerufen, im Konflikt mit dem Iran an der Seite der USA und Israels zu stehen. Zudem hatte er die These vertreten, dass europäische Hilfszahlungen an die Palästinenser zur Finanzierung von Terroristen beitrügen. Zudem stehe der Kontinent «auf der falschen Seite der Geschichte», sofern er Israel nicht mehr unterstütze.
Döpfner signalisierte in der Telefon-Konferenz angeblich Diskussionsbereitschaft, soll aber auch erklärt haben, die «iranische Führung – die Mullahs» seien mehr als «Aggressoren – diese Wortwahl ist eher ein Euphemismus. Wir sollten vielmehr sagen: Sie sind Terroristen, oder sie sind Massenmörder. Das wäre angesichts der Art und Weise, wie der Terrorismus durch iranische Stellvertretergruppen – von der Hisbollah über die Hamas und die Huthi bis hin zu anderen terroristischen Organisationen – verbreitet wird, die angemessenere Bezeichnung.» Zudem verwahrte sich Döpfner gegen die Behauptung, «der Zionismus sei Rassismus…: Wir sind der Auffassung …, dass der Zionismus das Selbstbestimmungsrecht Israels sowie dessen Recht auf Existenz als sicherer Zufluchtsort für Juden bedeutet, … die während des Holocausts beinahe ausgelöscht worden wären» (Link).