USA 02. Mär 2026

Debatte um Antisemitismus in konservativen US-Medien

Tyler Oliveira interviewt Einwohner von Lakewood, New Jersey, in seinem YouTube-Video mit dem Titel «Ich habe die jüdische Invasion in New Jersey aufgedeckt...».  

Der YouTuber Tyler Oliveira sorgt mit seinen jüngsten Videos über stark orthodox geprägte jüdische Gemeinden in den USA für Kontroversen und eine breitere Debatte über Antisemitismus in konservativen Medien. 

Oliveira, der auf YouTube mehr als 8,8 Millionen Abonnenten hat und zuvor vor allem durch Stunt- und Challenge-Videos bekannt wurde, veröffentlichte Ende Februar ein neues Video über die Stadt Lakewood, New Jersey. Darin stellt er lokale Konflikte um Sozialleistungen, Landnutzung und politische Einflussnahme als Beweis für eine angebliche «jüdische Invasion» dar. Kritiker werfen dem Video vor, klassische antisemitische Stereotype zu bedienen und die orthodoxe Gemeinschaft pauschal zu diffamieren. 
Die Darstellung folgt auf ein ähnliches Video über Kiryas Joel, New York, das zuvor Kritik auf sich zog und knapp 5 Millionen Aufrufe erreichte. Der wohlhabende Lakewood-Resident Richard Roberts hatte Oliveira vor Ort empfangen und ein dreistündiges Gespräch mit ihm geführt, in der Hoffnung, dass der Influencer seine Sichtweisen erweitern könnte. Roberts hält Oliveira jedoch für einen «Provokateur, der Klicks will», und beklagt, dass sein Interviewmaterial im fertigen Video stark verzerrt wiedergegeben wurde. 
Oliveiras Darstellung hat in konservativen Kreisen eine Spaltung offenbar gemacht: Einige Kommentatoren sehen in der Kritik an ihm eine Überreaktion oder gar parteiische Doppelmoral, während andere – darunter lokale jüdische Organisationsvertreter – seine Inhalte klar als hetzerisch und spaltend bezeichnen. Keith Krivitzky, Geschäftsführender Direktor der Jewish Federation of Ocean County, nannte das Werk einen «offensichtlichen Versuch, Feindseligkeit gegenüber der orthodoxen Gemeinschaft zu schüren». 
Nach der Veröffentlichung deaktivierte die Finanzplattform Patreon Oliveiras Account, was wiederum bei Teilen der extremen Rechten den Eindruck starker jüdischer Einflussnahme erzeugte. Unter anderem sprachen Persönlichkeiten wie der antisemitische Streamer Sneako und der Aktivist Nick Fuentes von einem unfairen Umgang mit Oliveira. Demgegenüber argumentieren Gegner, dass es wichtig sei, zwischen legitimer Kritik und Hetze zu unterscheiden, und dass Oliveiras Videos eher letzteres seien. 
Die Kontroverse hebt eine breitere Debatte hervor, wie konservative Medien mit Vorwürfen von Antisemitismus umgehen und welche Rolle Online-Influencer dabei spielen – insbesondere in einer Zeit, in der sich politische und kulturelle Spannungen in den USA zunehmend zuspitzen. 
 

Redaktion