Kritik am Iran-Krieg auf konservativer Konferenz.
Als Friedensstifter in Pakistan zuletzt gescheitert, hatte US-Vizepräsident am Dienstag in Georgia an einer Veranstaltung von «Turning Point USA» keinen leichten Stand. Kritiker des Iran-Kriegs unterbrachen ihn mit Rufen wie «Jesus Christus unterstützt keinen Völkermord!» und «Ihr tötet Kinder! Ihr bombardiert Kinder!». Damit erreichte ein von Umfragen belegter Widerstand junger Republikaner gegen die Nahost-Politik der Trump-Regierung ein wichtiges Forum gerade für den rechten Nachwuchs.
Vance reagierte indes gefasst und stimmte rhetorisch zu: «Jesus Christus unterstützt sicherlich keinen Völkermord.» Allerdings solle das Publikum dafür dankbar sein, dass die Trump-Regierung einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas ausgehandelt habe: «Wenn Sie sich also darüber beschweren wollen, was in Gaza geschehen ist: Warum beschweren Sie sich dann nicht über Joe Biden und die Vorgängerregierung? Wir sind die Regierung, die dieses Problem gelöst hat.»
Später am Abend signalisierte Vance Verständnis für Kritik am Krieg gegen den Iran: «Mir ist bewusst, dass junge Wähler die Politik, die wir im Nahen Osten verfolgen, nicht gerade lieben.» Der Konflikt ist in der Tat zu einer Zielscheibe rechter Agitatoren wie Tucker Carlson geworden, die Trumps Kriegs-Entscheidung von Ende Februar auf den sinistren Einfluss von Netanyahu und jüdischer Lobbys in den USA zurückführt. Vance ist mit Carlson befreundet und weigert sich, diesen öffentlich zu kritisieren.
Gleichzeitig befürworten insgesamt zwar sieben von zehn Republikanern den Krieg. Aber seit 2025 ist der Anteil von Republikanern im Alter zwischen 18 und 49 Jahren mit einer negative Meinung über Israel laut seriösen Erhebungen von 50 Prozent auf 57 Prozent gestiegen. Vance gilt intern als Kritiker des Kriegs, äussert davon jedoch öffentlich kein Zeichen (Link).
Dafür nutzte der zum Katholizismus konvertierte Vizepräsident den Turning Point USA-Event für eine neuerliche Rüge an Leo XIV. Der Papst hatte am Freitag erklärt, dass «Gott keinen Konflikt segnet» und dass Christen niemals auf der Seite jener stehen dürften, die Bomben abwerfen. Vance hielt dagegen: «Stand Gott auf der Seite der Amerikaner, die Frankreich von den Nazis befreiten?» Er sei davon fest überzeugt. Zudem solle der Papst seine Wort mit Vorsicht wählen, sofern dieser sich «zu theologischen Fragen äussert» – dies müsse «in der Wahrheit verankert sein». Schliesslich müsse er als Vizepräsident Bedacht walten lassen, wenn er über politische Sachfragen spreche (Link).