Deutschland 13. Apr 2026

Bewegender Auftritt von Hape Kerkeling

Hape Kerkeling sprach zum Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald.

Der Autor und Komödiant sprach zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald.

Gestern Sonntag war Hape Kerkeling in einer neuen Rolle zu erleben. Der 61-Jährige brachte das Gedenken an die eigene Familiengeschichte in seiner Ansprache am 81. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald ein. Dort hatten die Nazis seinen Grossvater Hermann Kerkeling drei Jahre inhaftiert: «Wenn ich heute durch das Tor von Buchenwald gehe, tue ich das nicht als öffentliche Person, sondern als Enkel eines Überlebenden. Ich gehe den Weg, den mein Grossvater ab dem 2. Juli 1942 gehen musste.»

Wie «Bild» berichtet, war Hermann Kerkeling ein gläubiger Katholik, aber auch Kommunist, der selbst nach der Machtübernahme Anfang 1933 Flugblätter gegen Hitler verbreitet hat: «Er hat lediglich die Wahrheit geschrieben, gedruckt, verteilt», betonte Hape Kerkeling: «Und das hat ihn zwölf Jahre seines Lebens gekostet.»

Die Gestapo hat seinen Grossvater am 5. März 1933 verhaftet. Er wurde verhört, dabei anscheinend auch gefoltert und anschliessend bei einem Prozess zu neun Jahren Zuchthaus wegen Hochverrats verurteilt. Nach der Entlassung ordnete das Regime am 6. Mai 1942 erneute Haft und die Verlegung ins KZ Buchenwald als politischer Gefangener mit der Häftlingsnummer 6177 an. Dazu Hape Kerkeling: «Er wurde zur Nummer.» 

Im Lager musste Hermann Kerkeling Zwangsarbeit leisten und wurde schliesslich von alliierten Truppen in denkbar schlechtem Gesundheitszustand befreit: «Dass er diesen Wahnsinn überlebt hat, ist ein Wunder», so sein Enkel an der Gedenkstätte: «Sein Hochverrat steht für mich heute als höchstes Zeugnis von Treue zur Menschlichkeit.» Eine angemessene Entschädigung habe Hermann Kerkeling nie erhalten. Die Bundesrepublik hat das Nazi-Urteil nie aufgehoben. 

Hape Kerkeling ist indes nach dem frühen Tod seiner Mutter bei den Grosseltern aufgewachsen – und mit den Leiden des Grossvaters, dessen Schweigen darüber Hape Kerkeling «wie eine Mauer aus Glas» nennt: «Wir konnten ihn sehen, aber nur selten erreichen.» 

Sein Fazit in Buchenwald: «Die Barbarei beginnt nicht mit dem ersten Schuss. Sie beginnt dort, wo Menschen nur noch Nummern sind. … Es gibt keine Gnade der späten Geburt. Es gibt nur die Pflicht der späten Erkenntnis.» Einen «Schlusstrich» dürfe es niemals geben: «Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre ein Schlussstrich unter die Demokratie. …Mein geliebter Opa hat geschwiegen, um seine Familie zu bewahren. Ich breche dieses Schweigen, um alle Opfer zu ehren.» 

Dieser Gedanke ist für Hape Kerkeling politisch: «Demokratie ist kein Geschenk, das man einmal bekommt und dann behält. Sie ist ein Versprechen, das jede Generation aufs Neue verteidigen muss» (Link).

Andreas Mink